
| | | Heidi Keppel | | | | | Entwurmung und Impfung von Fohlen und älteren Pferden Teil 12 Von › Heidi Keppel
Letzte Woche habe ich Ihnen bereits einige Wurmmittel aus den Wirkstoffgruppen Benzimidazole und Pyrantel vorgestellt, im dieswöchigen Tipp werde ich nun auch noch einige Vertreter der restlichen Gruppen beschreiben, wobei ich mit den Makrozyklischen Laktonen den Anfang machen möchte.
In diese Wirkstoffgruppe gehören die Substanzen Ivermectin und Moxidectin, die beide eine ausgezeichnete Wirkung gegen Rundwürmer – einschließlich der Zwergfadenwürmer! – besitzen, was vor allem für die Fohlenentwurmung von großer Bedeutung ist. Es sind außerdem die einzigen Wirkstoffe, die auch gegen Magendasseln und manche äußeren Parasiten des Pferdes helfen.
Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Substanzen ist ihre Wirkung auf Lungenwürmer. Ivermectin tötet diese ab, Moxidectin leider nicht, sodass Präparaten mit dem Wirkstoff Ivermectin bei der Entwurmung von Pferden meist der Vorzug gegeben wird, wie etwa in den Präparaten Noromectin, Eraquell oder auch Ivomec. Ein Entwurmungsmittel, das Moxidectin enthält, ist z.B. Equest.
Der Wirkungsmechanismus von Ivermectin beruht auf einer Hemmung der Impulsübertragung zwischen Nervenzellen bzw. zwischen Nerven- und Muskelzellen, wodurch es zu einer Lähmung und in Folge zum Absterben der Parasiten kommt. Laut Hersteller ist eine Beeinträchtigung des Patienten nicht zu befürchten, da bei Pferden und auch bei anderen Säugetieren die Angriffspunkte der Wirksubstanz nur im zentralen Nervensystem vorkommen und dort durch die Blut-Hirnschranke ausreichend geschützt sind.
Da ich persönlich immer wieder mal bemerken konnte, dass manche Pferde mit gesteigerter Nervosität auf solche Präparate reagieren, würde ich aber sicherheitshalber empfehlen, die Verwendung auf eine einmalige Gabe jährlich zu beschränken. Zum richtigen Zeitpunkt gegeben (Näheres dazu in meinem nächsten Tipp!) können damit fast alle Parasiten gründlich beseitigt werden, sodass die nächsten Entwurmungen im Normalfall (Eine Ausnahme stellen extrem stark verwurmte Tiere dar!) mit milderen Präparaten durchgeführt werden können.
Leberegel und Bandwürmer werden durch die Makrozyklischen Laktone allerdings nicht beseitigt. Diese Parasiten erfordern eine Behandlung mit Praziquantel, der vierten noch fehlenden Wirkstoffgruppe. Droncit ist z.B. ein bekannter Vertreter dieser Gruppe, deren Wirkstoff einerseits die Beweglichkeit und Saugfähigkeit der Parasiten schwächt und andererseits eine Störung der Zellmembrandurchlässigkeit hervorruft, wodurch den Parasiten lebenswichtige Glucose und Kalzium verloren gehen. Zu guter Letzt kommt es zu einer spastischen Lähmung und danach zur Ausscheidung dieser Saugwürmer.
Da Praziquantel jedoch keine anderen Parasiten abtötet und somit für eine umfassende Wurmbekämpfung immer mit einem zweiten Präparat kombiniert werden muss, hat man ein neues Wurmmittel hergestellt, das sowohl Praziquantel als auch Ivermectin enthält und damit wirklich alle üblicherweise vorkommenden Pferdeparasiten bekämpft.
Equimax – so heißt das Präparat – ist augenscheinlich eine gute Erfindung, sofern es sinnvoll und nicht wahllos eingesetzt wird, denn Wurmkuren sollten immer nur entsprechend der tatsächlichen Notwendigkeit durchgeführt werden, um eine Resistenzbildung bzw. eine unnötige Belastung des Pferdeorganismus zu vermeiden. Welcher Jahreszeitplan hier normalerweise sinnvoll ist, erfahren Sie nächste Woche von mir.
erschienen 25.11.2007
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