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Heidi Keppel
 
 
Erkennung und Behandlung von Fohlenkrankheiten
Teil 24
Von   Heidi Keppel

Vorige Woche habe ich einige Missbildungen im Kopfbereich näher beschrieben, im dieswöchigen Tipp möchte ich mich hauptsächlich mit anatomischen Fehlbildungen im gegenüberliegenden Körperbereich beschäftigen und zwar mit der angeborenen Missbildung des Grimmdarmes (Kolon) und des Mastdarmes (Rektum).

Bei der Atresia coli fehlt ein Teil des Dickdarmes, das Kolon, wodurch es keine Verbindung zwischen dem vorderen Darmteil und dem Mastdarm gibt. An beiden Seiten existiert ein blindes Ende. Bei der Atresia recti hingegen fehlt das Mastdarmendstück, sodass der Mastdarm kurz vor dem After blind endet. Bisweilen kann zusätzlich auch der After verschlossen sein, eine Fehlbildung, die aber auch unabhängig von den anderen auftreten kann und dann als Atresia ani bezeichnet wird.

In all diesen Fällen ist eine möglichst rasche, den natürlichen Zustand wiederherstellende Operation die einzige Möglichkeit, das Leben des Fohlens zu retten. Nur innerhalb der ersten Lebensstunden können die blinden Darmenden erfolgreich miteinander verbunden werden. Leider wird dieser Zustand aber oft erst spät erkannt, wenn das Fohlen nach den ersten Milchmahlzeiten Koliksymptome zeigt und das Darmpech nicht ausgeschieden wird.

Um zu unterscheiden, ob es sich bei dieser Störung um die bereits in einem früheren Artikel besprochene, relativ häufig vorkommende und dabei vergleichsweise harmlose Darmpechverhaltung oder um eine dieser Missbildungen handelt, sollte sofort ein Einlauf gemacht werden. Bleibt dieser unwirksam, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden.

Bei der Atresia recti wird die Einlaufflüssigkeit unverändert wieder ausgeschieden, sie enthält dabei kein Darmpech, und auch die Braunfärbung der Flüssigkeit bleibt aus, wie sie normalerweise durch die Berührung mit dem dunklen Darmpech zustande käme. Bei der Atresia coli hingegen findet meist keine oder nur eine sehr geringe Ausscheidung des Einlaufes statt, da der Darmtonus im Rektum und verbleibenden Kolon fehlt.

Neben diesen korrigierbaren Missbildungen gibt es auch einige Fehlentwicklungen, die unweigerlich zum baldigen Tod der Fohlen führen oder eine Nottötung erfordern. Als Beispiel sei der ausgeprägte Wasserkopf (Hydrocephalus) erwähnt, bei dem sich eine abnorme Flüssigkeitsmenge im Gehirn und zwischen den Gehirnhäuten ansammelt, wodurch die Schädelknochen auseinanderweichen und dünner werden. Aber auch diverse Fehlbildungen im Wirbelsäulen- und Gliedmaßenbereich können auftreten und mitunter sogar einen Kaiserschnitt oder eine Zerstückelung des Fohlens im Mutterleib erforderlich machen, weil etwa durch verbogene Gliedmaßen eine natürliche Geburt nicht erfolgen kann.

Im übrigen organischen Bereich sind bei Pferden eher selten Missbildungen anzutreffen, es können aber durchaus mitunter angeborene Herzdefekte auftreten, die sich durch allgemeine Schwäche und rasche Erschöpfung schon nach leichter Bewegung bemerkbar machen.



erschienen 03.06.2007




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