
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 24 Von › Heidi Keppel
In den letzten Wochen habe ich die häufigsten Komplikationen besprochen, die während der Geburt auftreten können, und auf welche Weise man in solchen Fällen der Stute helfen kann, nun wollen wir uns ansehen, welche Hilfsmaßnahmen ev. nach der eigentlichen Geburt nötig sind und welche Probleme in der Nachgeburtsphase auftreten können.
Wie ich bereits bei der Beschreibung der normalen Pferdegeburt erwähnt habe, reißt die Fruchtblase oft schon zu Beginn der Austreibungsphase auf, spätestens aber dann, wenn das Fohlen mit Schwung zur Gänze den Geburtskanal verlässt und im Stroh landet. Heftig strampelnd und den Kopf schüttelnd befreit es sich dann von seinen Eihäuten. Gelingt ihm dies nicht, weil es aus irgendwelchen Gründen zu schwach dazu ist, oder weil die Fruchtblase zu stabil ist und nicht reißen will, so sollte man schnellstens eingreifen, wenn man das Leben des Fohlens nicht aufs Spiel setzen will.
Im Normalfall setzt nämlich die Atmung des Fohlens in dem Moment reflektorisch ein, wenn auch die Hinterbeine vollständig aus der Gebärmutter ausgetreten sind. Befindet sich das Fohlen dann noch in der intakten Fruchtblase, atmet es das Fruchtwasser ein, wodurch es im schlimmsten Fall sogar ersticken kann. Zögern Sie also in einer solchen Situation keine Sekunde und helfen Sie dem Neugeborenen, indem Sie die Fruchthülle im Bereich des Kopfes aufreißen und vor allem die Nüstern rasch freilegen und gründlich von Schleim und Fruchtwasserresten befreien.
Ist am schnorchelnden Atemgeräusch erkennbar, dass das Fohlen bereits Fruchtwasser eingeatmet hat, dann sollte man es möglichst schnell und ruckartig an den Hinterbeinen emporheben, damit die Flüssigkeit aus Maul und Nüstern abfließen kann. Atmet es hingegen gar nicht, so können Sie versuchen, durch seitliches Anheben eines Vorderbeines einen Unterdruck im Brustkorb zu erzeugen, wodurch die Atmung meist spontan einsetzt.
Funktioniert dies nicht, kann ev. ein Kaltwasserguss auf den Hinterkopf des Fohlens den gewünschten Erfolg bringen. Da hierbei eine gewisse Erkältungsgefahr besteht, sollte das Fohlen nach so einer Behandlung unbedingt gründlich mit einem Handtuch oder mit Stroh trocken gerieben werden. Eine Maßnahme, die übrigens nie schaden kann, denn durch das intensive Rubbeln des Fells wird zusätzlich der Kreislauf angeregt, und das Fohlen wird schneller zum Aufstehen animiert.
Vorsicht geboten ist dabei allerdings bei sehr ängstlichen und nervösen Mutterstuten, die bei derartigen Aktionen unter Umständen rasch in Panik geraten können. Bei solchen Tieren muss man sehr behutsam vorgehen, wobei man ihnen keinesfalls die Sicht auf ihr Fohlen nehmen darf. Deshalb sollte man auch lieber mehrere kleinere Handtücher verwenden, als womöglich mit einem großen Badetuch das ganze Fohlen auf einmal abzudecken. Vor allem Erstlingsstuten - auch solche, die normalerweise ein sanftes Naturell haben - können in derartigen Situationen nämlich bisweilen sehr hysterisch und auch aggressiv reagieren, wenn sie meinen, ihr Fohlen beschützen zu müssen.
Als letzter Punkt, der bei der Erstversorgung des Fohlens keinesfalls vergessen werden darf, wäre noch die Desinfizierung des Nabelstumpfes zu nennen. Man taucht diesen dafür möglichst rasch nach dem Reißen der Nabelschnur für einige Sekunden in eine Jodtinktur oder lässt diese großzügig darüber rinnen, bis der Stumpf rundherum gründlich benetzt ist.
Was die Abnabelung anbelangt, so sollte diese möglichst auf natürliche Weise erfolgen, was im Normalfall beim Aufstehen der Mutterstute oder auch durch das Strampeln des Fohlens an der dafür vorgesehenen Sollbruchstelle geschieht. Keinesfalls sollten Sie hier zu früh eingreifen, denn auch noch kurze Zeit nach der Geburt fließt wertvolles, sauerstoffreiches Blut aus der Plazenta in das Kreislaufsystem des Fohlens und bewirkt für dieses einen kraftvolleren Start ins neue Leben.
Deshalb ist es auch von Vorteil, wenn die Stute nach der Geburt noch einige Minuten ruhig liegen bleibt, bis die Pulsation in der Nabelschnur beendet ist. Reißt die Nabelschnur trotz heftiger Bewegungen von Stute und/oder Fohlen nicht, kann man helfen, indem man diese abdreht. Das heißt, man ergreift den Nabelstumpf direkt über der deutlich erkennbaren, helleren Sollbruchstelle und dreht das andere Ende solange, bis es reißt. Keinesfalls darf die Nabelschnur mit einer Schere durchtrennt werden, da es dabei zu starken Blutungen kommen kann. Außerdem müssen Sie bei all diesen Hilfsaktionen darauf achten, nur mit gründlich desinfizierten Händen zu arbeiten.
Damit wäre das Fohlen fürs Erste gut versorgt, nächste Woche sehen wir uns dann die Nachgeburtsphase der Stute und die dabei möglicherweise auftretenden Komplikationen näher an.
erschienen 18.06.2006
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