
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 22 Von › Heidi Keppel
Vorige Woche haben wir uns mit den Schwergeburten beschäftigt, die durch eine Wehenschwäche der Stute oder durch ein relativ zu großes Fohlen entstehen können, im dieswöchigen Tipp möchte ich Ihnen diverse Fehlstellungen des Fohlens und die daraus resultierenden Geburtschwierigkeiten genauer beschreiben, damit Sie diese rechtzeitig erkennen und notfalls hilfreich eingreifen können.
Die Fehlstellungen des Fohlens können den Kopf oder einzelne Beine, aber auch den ganzen Körper betreffen. So kann sich das Fohlen statt in der normalen Bauchlage in Rückenlage befinden, wenn die Austreibungsphase schon vor der natürlichen Drehung des Fohlens begonnen hat. Erkennbar ist diese unnatürliche und für das Fohlen äußerst problematische Geburtslage an dem Erscheinen von zwei Fohlenbeinen, deren Hufsohlen nach oben gerichtet sind. Treten sie weiter aus der Scheide heraus, wird anhand der Sprunggelenke deutlich, dass es sich um die Hinterbeine des Fohlens handelt.
Ein ähnliches Erscheinungsbild zeigt die so genannte Steißlage, bei der das Fohlen auch mit den Hinterbeinen zuerst erscheint, dabei aber mit dem Rücken nach oben liegt. Diese Stellung ist für das Fohlen an sich weitaus weniger gefährlich, da sich seine Wirbelsäule hierbei in natürlich gebogener Haltung befindet, wodurch die Gefahr einer Wirbelsäulenverletzung - im Gegensatz zur oben beschriebenen Rückenlage - eigentlich nicht gegeben ist. Da das Becken des Fohlens aber meist um einiges breiter ist als sein Kopf, ist eine Geburt in dieser Lage nur selten ohne Komplikationen möglich.
Noch um einiges komplizierter ist die glücklicherweise sehr selten auftretende Querlage des Fohlens, bei der alle Beine gleichzeitig in den Geburtskanal eintreten und somit drei oder vier Fohlenhufe zugleich am Scheidenausgang zu sehen sind. Als Laie hier eine Berichtigung dieser Fehlstellung vornehmen zu wollen, ist mehr als gewagt, weshalb hier unbedingt rasch ein Tierarzt geholt werden sollte, welchem im günstigsten Fall noch eine Stellungskorrektur gelingen kann, der aber notfalls auch operativ eingreifen bzw. bereits entstandene Verletzungen von Stute und/oder Fohlen schnellstens und bestmöglich versorgen kann.
Aus diesem Grund ist auch bei den beiden anderen besprochenen Stellungsfehlern eine rasche Verständigung des Tierarztes sehr zu empfehlen, denn auch hierbei ist ein nicht medizinisch vorgebildeter Laie grundsätzlich überfordert. Die einzige Hilfe, die der Pferdebesitzer in solchen Fällen seiner Stute angedeihen lassen kann, sind Maßnahmen, die den Geburtsablauf unterbrechen bzw. so lange verzögern, bis der Tierarzt eintrifft.
Dazu sollten Sie die Stute ruhig aber bestimmt zum Aufstehen bringen und ein wenig herumführen, denn dabei gleitet im Normalfall das Fohlen durch sein Gewicht und die Schwerkraft von selbst wieder in die Gebärmutter zurück und kann dort verweilen, bis Hilfe kommt. Nur so kann man die Presswehen vorübergehend stoppen und den Geburtsverlauf etwas hinauszögern, ohne dass das Fohlen einen Schaden erleidet.
Wenn das Fohlen nicht von allein zurückgleitet, kann man notfalls versuchen, es sanft zurückzuschieben, doch vergessen Sie bitte nicht, sich auch hierfür zuvor die Hände gründlichst zu waschen, um eine bakterielle Infektion der Gebärmutter zu vermeiden. Keinesfalls darf dies aber gewaltsam versucht werden, sodass diese Hilfsmaßnahme auch nur dann empfohlen werden kann, wenn die Beine des Fohlens maximal zur Hälfte sichtbar sind und die Fruchthülle noch unversehrt ist.
Befindet sich z.B. bei einer Steißlage bereits das Becken des Fohlens im knöchernen Geburtskanal oder ist die Fruchthülle bereits geplatzt, muss hingegen die Stute mit wehenbegleitender Zughilfe tatkräftig unterstützt werden, da sonst das Becken des Fohlens während der Presswehen verletzt werden bzw. das Fohlen im Mutterleib ersticken kann.
Damit hätten wir die Fehlstellungen, welche den ganzen Fohlenkörper betreffen, besprochen. Im nächsten Tipp sehen wir uns dann jene Geburtskomplikationen an, welche durch Stellungsfehler einzelner Gliedmaßen zustande kommen können.
erschienen 04.06.2006
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