
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 9 Von › Heidi Keppel
In den letzten beiden Wochen haben wir uns auf der Suche nach den geeignetsten Lebensbedingungen für trächtige Stuten bereits die Weide- und die Offenstallhaltung genauer angesehen, nun wollen wir die Vor- und Nachteile der Auslaufhaltung näher betrachten, bei der die Pferde in Boxen untergebracht sind und täglich eine gewisse Zeit im Freien - entweder in einem eher kleinen Paddock oder auf einer mehr oder weniger geräumigen Koppel - verbringen dürfen.
Natürlich ist jede auch noch so geringe Bewegungsmöglichkeit besser als sinnloses Herumstehen in einer engen Box, doch auch wenn der Stute über viele Stunden täglich ein Aufenthalt in einem Paddock geboten wird, ist dies meiner Ansicht nach für das seelische Wohlbefinden keineswegs ausreichend, ganz besonders dann nicht, wenn das Tier dabei womöglich noch in Einzelhaft gehalten wird und auch keine reiterliche Beschäftigung bekommt.
Sehr schnell kann sich auch unter solchen Lebensbedingungen - ähnlich wie bei reiner Boxenhaltung - trübsinniges und in Folge auch oft neurotisches Verhalten entwickeln, das gerade bei trächtigen Stuten im Hinblick auf die spätere Fohlenentwicklung unbedingt vermieden werden sollte. Verhaltensstörungen, wie das sog. Weben oder Koppen können sehr leicht auf diese Weise entstehen, manche Tiere laufen auch nur ständig am Zaun entlang oder drehen sich unaufhörlich im Kreis, wieder andere verbringen fast den ganzen Tag scheinbar dösend in einer Ecke des Paddocks, ein Anzeichen von starker Depression, das aber leider nur von den wenigsten Menschen als solches erkannt wird.
Vielfach wird ja angenommen, dass es genüge, einen gewissen Bewegungsraum anzubieten, doch dies ist keineswegs ausreichend. Pferde benötigen - genau wie wir Menschen - auch einen Bewegungsanreiz, täglich gleiche und eintönige Haltungsbedingungen wirken auch auf sie abstumpfend oder lassen ihr Gehirn aus Mangel an geistiger Beschäftigung auf irgendeine Weise verrückt spielen.
Geistige Anregung in welcher Form auch immer und auch soziale Kontakte sind deshalb gerade für die trächtige Stute ganz besonders wichtig, damit sie seelisch ausgeglichen und körperlich entspannt bleibt - wichtige Voraussetzungen, um ihrer Mutterrolle bestmöglich nachkommen zu können, denn nur unter solchen Bedingungen können eine gesunde Fötus- und Fohlenentwicklung garantiert werden.
Ganztägiger oder zumindest stundenlanger Aufenthalt auf weitläufigen Wiesenkoppeln in Gesellschaft befreundeter Artgenossen wäre also die optimale Haltungsform, bei der Körper, Geist und Seele gleichermaßen gestärkt werden. Wobei aber auch hier ein Schutz vor Regen, Wind und starker Sonneneinstrahlung gegeben sein sollte, andernfalls sollte den Pferden bei extremem Schlechtwetter bzw. im Sommer während der Mittagshitze ein Aufenthalt im schützenden Stall ermöglicht werden.
Nicht jeder Freizeitreiter, der seiner Stute ein Fohlen vergönnen möchte, wird allerdings die räumlichen Gegebenheiten besitzen, um seinem Tier diesen Luxus bieten zu können. Manchem steht ja nicht einmal eine kleine Wiese zur Beweidung zur Verfügung, was vor allem bei der Fohlenaufzucht ein echtes Manko darstellt. Um die Tiere trotzdem ein wenig zu beschäftigen, kann man ihnen in solchen Fällen zumindest bei trockenem Wetter kleine Heuportionen an verschiedenen Plätzen der Koppel anbieten. Somit ist wenigstens gewährleistet, dass sich die Pferde während des Fressens immer wieder auch bewegen, was ja ihr natürliches Bedürfnis ist.
Eine gelungene Abwechslung können auch Laubbaumäste zum Beknabbern darstellen. Mit den vielerorts angepriesenen Pferdespielbällen hingegen wussten sich meine Pferde absolut nichts anzufangen, was nun aber nicht heißen soll, dass dies für alle Pferde gelten muss. Vor allem Tiere, die keine befreundeten Artgenossen um sich herum haben, werden dieses Spielzeug möglicherweise durchaus willkommen heißen.
Trotzdem sind soziale Kontakte für das seelische Wohlbefinden unbedingt nötig und müssen - wenn keine anderen Artgenossen zur Verfügung stehen - notfalls vom Pferdebesitzer oder anderen Bezugspersonen ersetzt werden. Regelmäßiges Putzen, bei dem man vor allem den Stellen vermehrt Aufmerksamkeit zuteil werden lässt, welche auch von anderen Pferden bevorzugt beknabbert werden würden - also vor allem die obere Hals- und Rückenpartie - sowie gemeinsame Spaziergänge oder Ausritte können die Lebensqualität jedes Pferdes und somit auch der trächtigen Stute enorm verbessern und damit auch zu einer gesunden Fohlenentwicklung beitragen.
Welche Haltungsbedingungen vor allem bei der hochträchtigen Stute gegeben sein sollten, möchte ich dann nächste Woche genauer besprechen.
erschienen 19.02.2006
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