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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Sauer
Von   Werner Popken

Im Buch Besser Westernreiten mit George Maschalani, das ich in dieser Woche besprochen habe und das auch im Mittelpunkt der Hauptgeschichte stand (Westernreiten, aber richtig), finde ich auch die Bestätigung für einen anderen Gedanken, den ich in meinem Bericht über das Pfingstturnier in Löhne ausgeführt habe (Methoden). Auf Seite 15 finde ich:

Im richtigen Moment aufhören

Ein wichtiger Aspekt für dauerhaften Erfolg bei der Ausbildung des Pferdes ist die Fähigkeit des Reiters, immer genau dann mit einer Übung aufzuhören, wenn das Pferd sie genau richtig ausgeführt hat.

Übt er über den Punkt hinaus, an dem das Pferd seine Sache gut genug gemacht hat, immer wieder dieselbe Lektion, so macht er das Pferd sauer.

Will er dem Pferd einen bestimmten Bewegungsablauf beibringen, sollte er immer dann aufhören, wenn das Pferd die Bewegung richtig (d. h. wie vom Reiter gewünscht) koordiniert hat.

Beispiel: Er will, daß das Pferd bei einer Hinterhandwendung bzw. dem Spin das innere Hinterbein stehenläßt. Sobald das Pferd wenige Tritte auf diesem Bein stehengeblieben ist, hört der Reiter auf, lobt und läßt es eine Weile in Ruhe.

Das Pferd merkt sich, daß die Arbeit sofort aufhört, wenn es in erwünschter Weise reagiert und bleibt das nächste Mal eher auf dem inneren Hinterbein stehen. Dann kann es der Reiter einen Schritt weiter drehen lassen - und hört dann auf.

Oder der Reiter will, daß ein (unerfahrenes) Pferd rückwärts geht. Mit dem ersten Tritt, den das Pferd aufgrund des angenommenen Zügels rückwärts geht, gibt er sofort mit dem Zügel nach und belohnt die richtige Reaktion des Zurücktretens mit dem losen Zügel.

Genau so hat George Maschalani das Training für den Sliding Stop beschrieben: Sofort aufhören, wenn der Erfolg da ist: "Der Reiter darf jedoch den Punkt, an dem das Pferd nachgibt, auf keinen Fall verpassen und weiter ziehen - denn dann lernt das Pferd überhaupt nichts aus dieser Übung - außer vielleicht, sich auf die Hand zu legen und weiter gegen die Zügel zu kämpfen."

Wir sehen hier wieder die Pawlowsche Theorie am Werk, wo ein Reiz eine Reaktion hervorruft, diese Reaktion belohnt und damit ein Verhalten eingeübt und verfestigt wird. Man muß aber nicht daran glauben, daß die Tiere Maschinen sind, genauso wenig wie wir annehmen, daß die Menschen Maschinen sind. Denn sonst könnte man ja auch die Menschen durch simple Reiz-Reaktion-Mechanismen konditionieren.

Im Gegenteil, wenn wir von uns Menschen auf die Tiere schließen (immerhin ist es nicht ganz einfach, einen Unterschied zwischen Menschen und Tieren zu machen, siehe Tierschutz oder Tierrecht?), können wir die Erfahrungen, die wir selber mit unserem eigenen Lernen gewinnen, auf die Tiere übertragen.

Nun ist es mit der Theorie des Lernens der Menschen bzw. der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse nicht so furchtbar weit her, wie Studien à la Pisa zeigen. So gesehen, mag sich hier die Erkenntnis in umgekehrter Richtung einen Weg bahnen.

Es gab schon verschiedentlich Theorien, daß Lernen in irgendeiner Weise mit Spaß und Freude zusammenhängt, also mit unmittelbarer Belohnung. Diese Erkenntnis ist, soweit ich weiß, nach wie vor nicht in die Praxis umzusetzen.

Das liegt vermutlich daran, daß die Lehrer der Menschen dieselben Fehler machen wie die Lehrer der Pferde: Zuviel auf einmal, und wenn es dann wirklich reicht, dann setzen wir noch fröhlich eins drauf!

Kein Wunder, daß so wenig dabei herauskommt und so viel dabei auf immer zerstört und verschüttet wird. Es ist ein Jammer!



erschienen 20.07.2003





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