
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Stutenmilch Von › Werner Popken
In der Ausgabe 206 (Gesundheit und Schönheit) haben wir uns mit Stutenmilch beschäftigt (siehe auch Rezensionen Stutenmilch und Die heilende Kraft der Stutenmilch). In der Rezension dieser Woche ( Mensch und Pferd) muß dieses Thema natürlich auch vorkommen (Seite 73):
| Mindestens 3 Millionen Menschen trinken täglich Stutenmilch. Sie enthält viel Zucker. Um sie haltbar zu machen, läßt man sie am besten gären. Dadurch entsteht ein Getränk, dessen Alkoholgehalt mit dem von Bier vergleichbar ist, jedoch je nach den Weidebedingungen im Jahresverlauf gewissen Schwankungen unterliegt. Stutenmilch gilt als wunderbare Gabe. Mit ihrer Hilfe macht man sich die Geister gewogen, indem man ein paar Tropfen in die vier Windrichtungen versprengt. Um sein Pferd vor einem Wettkampf zu segnen und beim folgenden Ritt vor Gefahren sicher zu sein, gießt man etwas Milch zwischen die Ohren des Tiers, auf die Kruppe und über die Steigbügel. Unter mongolischen Ringskämpfern gilt es als Beweis der Männlichkeit, in einem einzigen Zug möglichst viel Milch zu trinken. Dabei verwendet man riesige Töpfe, die bis zu 15 Liter fassen. Der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruk berichtete Mitte des 13. Jahrhunderts, daß es bei den Mongolen als ehrenwert galt, sich mit gegorener Stutenmilch - dem einzigen ihnen verfügbaren alkoholischen Getränk - bis zur Bewußtlosigkeit zu betrinken. | | |
Das möchte ich Ihnen als Tipp der Woche nicht empfehlen; andererseits nehme ich dankbar die Gelegenheit wahr, diesen Aspekt der Stutenmilch ausführlicher zu beleuchten (auch bekannt als Kumyß und als solches bereits in den oben angegebenen Artikeln am Rande erwähnt).
Als Tipp möchte ich vielmehr die Verwendung der Stutenmilch als eine Art Weihwasser empfehlen. Das muß ich wohl erläutern...
Es geht mir nicht um die Stutenmilch; Sie können auch Kuhmilch nehmen oder Leistungswasser. Auf die Zeremonie kommt es mir an, auf die ehrfürchtige Konzentration auf die wesentlichen Dinge. Es kann nicht schaden, sich die Zeit für eine kleine Andacht zu nehmen. Wir stellen uns anheim, denn wir sind in die Welt geworfen und tun gut daran, uns das von Zeit zu Zeit klarzumachen.
Uns modernen Menschen ist das Gefühl für die Abhängigkeit von größeren Kräften verlorengegangen. Wir meinen, alles machen zu können, was machbar ist. Das ist aber ein Irrtum. Der amerikanische Präsident und seine Helfer lernen gerade diese Lektion. Jederzeit kann alles ganz anders kommen als gedacht. Dagegen wollte sich der Mensch seit jeher wappnen.
Eine solche Segnung macht demütig (stelle ich mir jedenfalls vor), weich und flexibel. Wenn ich weiß, daß alles von einem Moment zum nächsten kippen kann, betrachte ich die Welt eher mit einer distanzierten Haltung. Ich passe mich an, was immer passiert. "Dein Wille geschehe."
Rituale sind überhaupt etwas Schönes, und Sie werden vermutlich eine ganze Reihe von Ritualen mit Ihrem Pferd haben. Ergänzend Sie diese einmal mit der Segnung des Pferdes an den Ohren, der Kruppe und den Steigbügeln (oder auch anderswo, ganz wie Ihnen beliebt). Segnungen sind überhaupt etwas sehr Schönes und inzwischen Seltenes. Segnen Sie Ihr Pferd und dann vielleicht auch Ihre Liebsten. Es kann nicht schaden.
erschienen 30.03.2003
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