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Buch-Rezension · The elegant art of riding and driving – Eleganz zu Pferd und im Wagen
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Crafty, hsg. v. Andres Furger

The elegant art of riding and driving – Eleganz zu Pferd und im Wagen
Die besten Pferdezeichnungen von Crafty
Deutscher und englischer Text (Übersetzung von Susan Niederberger)

152 Seiten mit teils vierfarbigen Abbildungen, Querformat 28 auf 20 cm mit Leineneinband
Zürich, September 2007 · Edition Furger
ISBN 978-3-9523323-0-6


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Der Verlag sagt über das Buch:

The elegant art of riding and driving – Eleganz zu Pferd und im Wagen

In der neuen EDITION FURGER erschien soeben ein gediegen aufgemachtes Buch mit über 200 Zeichnungen des bekannten französischen Zeichners und Karikaturisten Crafty. Dieser hat die alte Herrlichkeit der Amazonen, Reiter und Gespanne von einst mit gekonntem Strich und viel Humor fest: Paris ist sein Schauplatz, wo gegen 1900 unter englischem Einfluss das Reiten, Fahren und der Pferdesport im Leben der Reichen einen hohen Stellenwert einnimmt. Romantisch und sentimental, aber auch bissig und maliziös führen Craftys Zeichnungen auf den Spuren der Haute Volée durch das Paris des Fin de siècle. Die hier vorgestellte Auswahl von Federzeichnungen vereinigt die gelungensten Bilder Craftys und macht sie erstmals auch im deutsch- und englischsprachigen Bereich bekannt.

Dabei zieht sich der Witz des Zeichners durch den ganzen Band: Einmal geisselt er den übertrieben zur Schau getragenen Luxus des Neureichen, dann nimmt er eine chice Kurtisane aufs Korn, oder er weidet die Naivität des ungeübten Jagdreiters aus. Als ob es gestern gewesen wäre, kann man einen Tag im Leben der Metropole Paris um 1900 mitverfolgen. Zu Tagesanbruch fährt die Halbweltdame im Coupé nach Hause, Stallburschen putzen die Pferde, Pferdehändler führen die neuen Gespanne auf die leeren Strassen und Frühaufsteher besteigen ihre Pferde. Über den Vormittag geht es weiter zum Geschehen im Stadtpark, wo sich die Jeunesse dorée von Paris am späten Vormittag trifft. Dann erfolgt ein Ausflug zu den Pferderennbahnen in der Umgebung der Stadt. Schliesslich führt der Weg wieder in die Stadt zurück als Stätte zahlreicher Unfälle, die mit englischem Humor festgehalten sind. Schliesslich bekommt man mit, wie die vielen Reiterinnen und Reiter nachts wieder nach Hause traben, an den Wagen die Laternen angezündet werden und die Equipagen der upper class in langen Kolonnen zu den Stadthäusern zurückkehren.

Die Texte des Kulturhistorikers Andres Furger, Autor eines Standardwerks über Kutschen Europas, fusst auf Originalzitaten des Autors Crafty. Die vergangene Zeit wird damit in ihrer ganzen Breite erlebbar gemacht. Als ob es gestern gewesen wäre, kann man das damalige Leben der chicen Upper class mitverfolgen, auf den Boulevards und in den Parks der Stadt ebenso wie auf der Jagd, Ausfahrten auf dem Land sowie auf dem Pferderennplatz..



 
   
 
Autor
Andres Furger (1948)

Nach dem Studium der Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie und Geschichte in Basel leitete Furger Ausgrabungen in der Schweiz und Frankreich. Im Bereich seines archäologischen Spezialgebietes, der Welt der Kelten, entstand das mehrfach neu aufgelegte Werk "Die Helvetier". Auf dieses folgten ebenfalls im Buchverlag der Neuen Zürcher Zeitung als Herausgeber der Reihe "Archäologie und Kulturgeschichte der Schweiz" die Bände "Die ersten Jahrtausende", "Zur Zeit der Römer" und "Die Schweiz zwischen Antike und Mittelalter". Als Kurator und Vizedirektor am Historischen Museum Basel organisierte er Sonderausstellungen ("Erasmus von Rotterdam") und richtete das Kutschenmuseum in Brüglingen bei Basel ein. Dabei kam der Vater zweier erwachsener Söhne und einer kleinen Tochter auf die Passion des Kutschenfahrens. Von der Beschäftigung mit hippomobilen Fahrzeugen zeugen das vergriffene Buch "Kutschen und Schlitten in der Schweiz" und "In der Kutsche durch die Schweiz". Die beiden im Olms Verlag in Hildesheim erschienenen Bände "Kutschen Europas des 19. und des 20. Jahrhunderts" gelten als Standardwerke zu diesem Thema.

Von 1987 bis 2006 leitete Furger die Gruppe der schweizerischen Landesmuseen. Dabei wurden die Sanierung des Hauptsitzes in Zürich in die Wege geleitet, das 2007 eröffnete Sammlungszentrum in Affoltern am Albis aufgebaut und neue Museen im Château de Prangins und im alten Zeughaus von Schwyz eröffnet sowie zahlreiche Sonderausstellungen organisiert, unter anderem zu den Themen "Gold der Helvetier", "Sonderfall? Die Schweiz zwischen Réduit und Europa" oder "Erfindung der Schweiz". In den Publikationsreihen des Schweizerischen Landesmuseums sind von Furger erschienen: "Der Gotthard-Postwagen", "Kleine Burg-Chronik des Schlosses Wildegg", "Schweizerisches Landesmuseum Zürich & Prangins" sowie als Mitautor "Le triomphe du luxe". 1998 wurde als "commissaire d’éxposition" die Hans Erni-Retrospektive in der Fondation Pierre Gianadda in Martigny ausgerichtet.

Von der Auseinandersetzung mit kulturhistorischen Themen, von der Antike bis in die Gegenwart, zeugen die Buchpublikationen "Der rote Faden - Von der Redensart zum Geschichtsbild", "Das Bild der Seele – im Spiegel der Jahrtausende" (vergriffen) sowie "Übrigens bin ich der Meinung ...". Andres Furger ist seit 2005 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Fahrkultur. Er gründete 2007 den Verlag "Edition Furger" und führt Mandate für kulturelle Institutionen in der Schweiz, Deutschland und Frankreich aus.



» EDITION FURGER





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Crafty scheint nur in Frankreich ein Begriff zu sein. Das dürfte sich durch diese Publikation ändern. Auf dem französischen Markt werden Bücher von Crafty, etwa das zweibändige "Paris à cheval" von 1883 in der zweiten Auflage von 1884 antiquarisch für mehrere hundert EUR gehandelt (z. B. » LIVRES ANCIENS ET MODERNES). Andres Furger hat aus der Fülle seines Schaffens exemplarische Werke ausgewählt, gruppiert und auf Grundlage der Texte Craftys kommentiert.

Eine kleine Einführung stimmt in die Pariser Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein, von der wir uns heute kaum noch eine Vorstellung machen können. Paris war der Nabel der Welt, aber seinerseits vollständig von London beeinflußt. Die sozialen Gegensätze dieser Zeit sind für uns heute fast unvorstellbar.

Die Reichen stellten notgedrungen ihren Reichtum offen zur Schau, wenn sie mit ihren Equipagen ausfuhren, und sie fuhren offenbar gerne aus, um sich zur Schau zu stellen. Der Begriff Kutschenkorso hat sich bis heute erhalten und ist immer noch eine gute Gelegenheit, sein Gespann und seine Kutsche stilgerecht zu präsentieren. Kann man sich vorstellen, daß die feine Gesellschaft ausfuhr, um bewundert zu werden und Kontakte zu knüpfen, immer rund um den Platz oder, wie in Paris, hinein in den Bois du Boulogne und wieder zurück? Kann man sich vorstellen, welche Aufläufe es gegeben hat, welche Unfälle? Mit Hilfe der Karikaturen Craftys ist das möglich, allerdings gebrochen durch die Brille der Ironie, des Witzes, des Spotts und der Sozialkritik.

Nicht daß Crafty irgend etwas für die Dienstboten, Bauern, Arbeiter oder den Mittelstand übrig gehabt hätte. Die beiden letzten Klassen kommen in seinen Arbeiten überhaupt nicht vor, wenn man einmal von den Pferdehändlern und den Polizisten absieht. Sein Herz schlägt für die Reichen, aber nur für diejenigen unter ihnen, die sich zu benehmen wissen, die Geschmack haben, die in jeder Hinsicht gesegnet sind, körperlich, geistig, seelisch. Alle anderen werden von ihm gnadenlos bloßgestellt, und das sind natürlich fast alle. Besonders die Neureichen und die Ausländer werden geprügelt, aber auch der alten Adel, der es nicht verstanden hat, mit der Zeit zu gehen.

Das Buch ist konsequent zweisprachig gehalten. Abgesehen von der Einführung, der Bibliographie und der Zusammenfassung gruppiert der Autor die Zeichnungen in folgende Kapitel:

  • Die gute alte Zeit
  • Paris wacht auf
  • Reges Treiben im Bois du Boulogne
  • Die Faszination der Pferderennen
  • Die Reise aufs Land
  • Coaching und Hunting in der Provinz
  • Unfälle und Stürze
  • Der Nachmittag und Abend in Paris und im Part
Von wegen die "Gute Alte Zeit" - durch alle karikaturistischen Verkürzungen, Überzeichnungen und Übertreibungen hinweg kann man erahnen, wie mühsam das Leben damals selbst für die Reichen war. Wir setzen uns heute ins Auto und fahren irgendwohin. Wenn es weiter weg ist, benutzen wir die Eisenbahn oder den Flieger. In den großen Städten sind U-Bahnen und moderne Buslinien selbstverständlich und unverzichtbar. Wir nehmen das alles für gegeben und denken selten darüber nach, wie weit der Weg tatsächlich war.

In einigen Zeichnungen tauchen Hochräder auf, dann Fahrräder mit Gummireifen, schließlich sogar die ersten Automobile, die ganz wie eine Kutsche aussehen, selbstverständlich ohne Verdeck - hoffentlich regnet es nicht! Selbstredend verachtet Crafty diese modernen Entwicklungen inklusive Eisenbahnen, schon allein deshalb, weil ihnen die Tendenz zur Masse innewohnt. Die Angst der Pferde vor den Stahlrössern, die sich möglicherweise durch besonderen Lärm auch noch einen Spaß daraus machten, Reiter und Fahrer in Panik zu versetzen, belustigt den Zeichner ebenso wie diverse Unfälle, die damals glücklicherweise wegen der geringen Geschwindigkeiten selten tödlich ausgingen. Das Publikum kann sich dann bei Reitunfällen anläßlich von Pferderennen, Hetzjagden oder sonstigen Querfeldeinrennen an den schweren Unfällen ergötzen, wie das auch heute nach der Fall ist. Eine besondere Freude bereitet es dem Zeichner, die Pferdehändler und deren naive Kunden durch den Kakao zu ziehen. Nein, man möchte damals nicht gelebt haben, weder als Pferd noch als Mensch.

Der besondere Schick, auf den der Zeichner immer wieder hinweist, soll in der heutigen Zeit wiederbelebt werden. Der moderne Turniersport legt ja schon seit jeher großen Wert auf korrekte Anspannung, Bekleidung, Benehmen, obwohl die rein ästhetische Bewertung inzwischen wegen der unvermeidlichen Subjektivität entfallen ist. Dafür sollen wohl Veranstaltungen und vielleicht auch Wettbewerbe treten, die sich eher am Kutschenkorso des ausgehenden 19. Jahrhunderts orientieren, wie er sich namentlich in Paris ausgestaltet hat. In dieser Hinsicht dürfte das vorliegende Buch das Auge schärfen und das entsprechende Bewußtsein entwickeln, freilich gefiltert durch die Brille des Karikaturisten.

Die Edition Furger wird demnächst weitere Bücher herausbringen, die diese versunkene Kultur wieder zum Leben erwecken und in die heutige Zeit hinüberretten soll. Wegen seiner fachlichen Vorbelastung und als Präsident der » Schweizerischen Gesellschaft für Fahrkultur ist der Autor für diese Aufgabe bestens gerüstet. Die Ziele des Vereins stellt er wie folgt dar:

Die Gesellschaft für Fahrkultur orientiert sich am alten, von England auf dem europäischen Kontinent im 19. Jahrhundert eingeführten "pleasure driving". Dieses erlebte in der Schweiz um 1900 eine Hochblüte, zusammen mit vor allem auf dem Land gepflegten Variationen. In der Gesellschaft für Fahrkultur sind ländliche Gespann vor einem schönen Break oder einer hübschen Chaise ebenso willkommen wie noble Equipagen, etwa grosse Jagdwagen oder elegante Mylords. Die Schweiz hatte ja als Alpenland auch eine grosse Tradition bei Postwagen und Fahrzeugen von Fuhrhaltereien. Weil unsere Motto "lebendige Geschichte" heisst pflegen wir auch diese Aspekte unserer Geschichte.

Wer sich davon angesprochen fühlt, wird dieses Buch besitzen wollen. Der große Erfolg seines Standardwerks "Kutschen Europas des 19. und 20. Jahrhunderts" ( Band 1,  Band 2) beweist, daß es viel mehr Freunde der alten Kutschenkunst gibt, als man gedacht hatte.


erschienen 21.10.07




Crafty, hsg. v. Andres Furger

The elegant art of riding and driving – Eleganz zu Pferd und im Wagen
Die besten Pferdezeichnungen von Crafty
Deutscher und englischer Text (Übersetzung von Susan Niederberger)

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