
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Zeitgleich hat die Autorin auch ein Buch demselben Verlag zum Thema Sommerekzem veröffentlicht, und zwar in 5. Auflage mit der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wer schon weiß, daß sein Pferd an Sommerekzem leidet, ist vielleicht mit diesem Buch besser bedient. Das vorliegende Buch hat naturgemäß einen etwas breiteren Ansatz.
Hautkrankheiten sind auch beim Menschen bekanntlich lästig und schwierig. Das deshalb, weil das Wissen über diese Krankheiten immer noch ziemlich begrenzt ist. Das ist bei Pferden nicht anders:
| Hauterkrankungen beim Pferd sind ein bei Tierärzten, Pferdehaltern und den Pferden selbst ziemlich unbeliebtes Thema. Es gibt vielmehr offene Fragen als Wissen. Das richtige erkennen bereitet oft Schwierigkeiten und nach einer Diagnose ist die Behandlung nicht selten langwierig und unbefriedigend. Dieses Buch will einen Überblick geben über die wichtigsten Hauterkrankungen und Tipps liefern zum sinnvollen Management. Wichtig ist, Hautkrankheiten richtig zu erkennen, dann zu wissen, welche weiterführenden Untersuchungen sinnvoll eingesetzt werden können, und schließlich die besten Behandlungsmöglichkeiten für den jeweiligen Einzelfall anzuwenden. a.a.O., Seite 9 | | |
Sollte Ihr Pferd Probleme mit der Schleimhaut haben, etwa im Bereich des Maules oder in den Augen, ist dieses Buch nicht das richtige, denn es beschränkt sich ausdrücklich auf die normale Haut, obwohl die Schleimhaut ähnlich aufgebaut ist und ähnliche Krankheitsmechanismen zeigt. Das ist offenbar ein weiteres schwieriges Spezialgebiet, das den Umfang dieses preiswerten Büchleins gesprengt hätte. Im weiteren Sinne könnte man auch noch die Hufe zur Haut zählen (die Autorin verwendet den Begriff Hautanhangsgebilde), aber auch das ist natürlich ein anderes Thema.
Natürlich ist ein solches Buch von der Sache her trocken. Es ist allerdings genauso aufgemacht wie alle anderen Bücher, also mit vielen schönen Fotos und Illustrationen versehen. Einige unangenehme Fotos gehören natürlich bei einem Buch über Krankheiten dazu, damit man diese auch erkennen kann. Selbstverständlich darf das Sommerekzem hier nicht fehlen. Mir neu war, daß es sich um eine allergische Hautreaktion handelt, die weltweit bei allen Pferderassen vorkommt.
Allergien - auch ein Thema, das vielen Menschen zu schaffen macht, und es werden immer mehr, und man weiß nicht, warum, und was man dagegen tun soll, außer die allergieauslösenden Stoffe zu vermeiden. Wußten Sie, daß Pferde auf bestimmte Futtersorten allergisch reagieren können? Wenn Sie die Rationen Ihrer Pferde kontrollieren können, ist der Nachweis eines bestimmten Futtermittels als Auslöser möglicherweise unschwer zu erbringen. Allerdings muß man Geduld mitbringen. Zunächst wird alles reduziert bis auf Heu, und dann werden die einzelnen Futterbestandteile einzeln für jeweils sechs Wochen hinzugegeben und beobachtet, ob sich allergische Reaktionen bilden.
| Wenn man meint, die auslösende Komponente gefunden zu haben, streicht man sie aus dem Menüplan des Pferdes. Um sicher zu sein, kann man diese Komponente nach Abklingen der Symptome noch einmal füttern und beobachten, ob die Symptome dann wiederkommen. Die Abgrenzung einer Futterallergie von einer Futterunverträglichkeit ist schwierig. Auffällig ist die Häufung bestimmter Reaktionen bei bestimmten Rassen. Viele Tinker vertragen zum Beispiel keinen Hafer. a.a.O., Seite 49 | | |
Insgesamt ist die Situation unerfreulich; zum Beispiel fast die Autorin beim Thema Sommerekzem zusammen:
| Trotz jahrelanger Forschung gibt es bisher keine ursächliche und bei allen Pferden erfolgreiche Therapiemethode für diese Erkrankung. Vor allem aber müssen alle Behandlungsansätze durch Maßnahmen begleitet werden, die in den Bereichen Haltung und Fütterung zu Verbesserungen führen, wenn man einen wirklichen Erfolg erzielen will. a.a.O., Seite 44 | | |
Dieser Text ist von dem Foto eines Pferdes mit Ekzemerdecke mit folgender Unterschrift flankiert:
| Eine exakt passende Ekzemerdecke bietet guten Schutz vor der Kriebelmücke. (Foto: Slawik) a.a.O. | | |
Hm - hier frage ich mich als Laie doch, ob das Problem damit nicht vollständig gelöst ist, da doch der auslösende Faktor, das Stechen der Mücke, durch die Decke verhindert wird. Dieser Ansatz gehört zur zweiten Strategie, die die Autorin anbietet. Die erste wäre, die Ursache, nämlich die unangemessene Reaktion des Immunsystems, zu beseitigen. Dieser Weg ist kaum gangbar, da die Wissenschaft in dieser Hinsicht noch nicht viel herausgefunden hat. Bleibt also als nächstes der Versuch, die Auslöser der unangemessenen Reaktion zu vertreiben. Stallhaltung zum Beispiel, was man heute gar nicht gerne macht, oder Ekzemerdecke, oder regelmäßiges Einsprühen mit abwehrenden Mitteln, was aufwendig ist. Was spricht gegen die Decke? Sie hält nicht lange. Auf dem Foto sieht es sehr schön aus, und das Pferd steht auch im Paddock auf Betonplatten, wo die Decke lange halten mag. Aber auf der Weide, im Kontakt mit anderen Pferden - wie lange bleibt die Decke drauf und heil? Die gute Nachricht: Es gibt einen Impfstoff, der 70% der Pferde, die weniger als zwei Jahre an Sommerekzem erkrankt sind, helfen kann. Man muß rechtzeitig damit beginnen.
Manchmal sieht die Sache schlimmer aus, als sie ist:
| Eosinophiles Granulom
Diese Erkrankung mit dem schönen Namen wird sogar noch unter einem zweiten angeführt: noduläre Nekrobiose. Sie ist eine der häufigsten Hautkrankheiten beim Pferd. Vor allem an beanspruchten Hautbereichen wie Sattellage und Gurtlage entstehen Knötchen in der Haut. Diese Knötchen tun auch bei Berührung nicht weh und jucken nicht. Die Epidermis und die Haare sind erhalten. Als Ursache werden kleinste Verletzungen und Insektenstiche vermutet, aber genau weiß man dies nicht. Ein Blick auf das Gewebe dieser Veränderungen zeigt, daß bindegewebige Fasern zerstören. Außerdem sind eosinophile Granulozyten, eine bestimmte Sorte von Immunzellen, in großer Zahl vorhanden.
Die Diagnose kann durch eine Biopsie bestätigt werden - allerdings bekommt die Veränderung dann ein schlecht heilendes Loch. Die Entfernung der ganzen Knötchen hinterläßt eine meist schlecht heilende Wunde (in der Sattellage!) und später eine Narbe. Injektionen in diese Knötchen können Infektionen zur Folge haben. Äußerliche Einreibungen bringen eher nichts. Überhaupt scheint das Ignorieren und Nichtstun die beste Art zu sein, um mit diesen Knötchen umzugehen - das Pferd stören sie ja ohnehin nicht. a.a.O., Seite 49 | | |
Im Nachwort warnt die Autorin davor, einfach erst einmal auf Verdacht hin zu behandeln. Zum einen wird wertvolle Zeit vergeudet, zum anderen kann man damit sogar Fehler machen. Dieses Buch zu Rate zu ziehen, kann in keinem Fall falsch sein, und deshalb rät sie unbedingt dazu. Sie bietet sogar einen E-Mailkontakt an, falls Ihr Pferd Hauptprobleme hat und Sie in diesem Buch keine Antwort finden.
Aber auch Pferdebesitzern, deren Pferde bisher glücklicherweise noch keinerlei Probleme in dieser Richtung hatten, ist die Lektüre anzuraten. Das Buch ist kurz und prägnant, die investierte Zeit hält sich in Grenzen, und falls später einmal irgendein Verdacht vorliegen sollte, weiß man genau, daß man ein Fachbuch im Regal hat, um sein Wissen schnell aufzufrischen und zu entscheiden, ob und wann, mit welcher Symptombeschreibung und mit welchem Verdacht der Tierarzt zu alarmieren ist. Möglicherweise hat er dieses Buch selbst im Regal.
erschienen 22.07.07
Siehe auch die folgende Rezension: Ausgabe 435, Rüsbüldt, Anke: › Sommerekzem, Erkennen, Vorbeugen, Behandeln, Mit neuesten Erkenntnissen der Forschung
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