
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Horst Becker ist ein großgewachsener Mann. Das wird auf dem Foto auf Seite 32 deutlich, das geradezu verblüffend wirkt. Es ist nämlich leicht von unten aufgenommen, und dadurch wirkt die Frau, die links neben dem Pferd steht, schon recht groß, das Pferd noch viel größer, und Horst Becker daneben geradezu wie ein Riese. Dieses Foto trägt folgende Unterschrift:
| Zwei Reiter, ein Sattel? Bei so unterschiedlichen Körpergröße kann das nicht funktionieren. a.a.O., Seite 32 | | |
Auf der gegenüberliegenden Seite werden diese beiden Reiter ausschnittsweise im Sattel gezeigt und die Auswirkungen eines nicht zum Reiter passenden Sattels auf den reiterlichen Sitz veranschaulicht. Fast alle Fotos dieses Buches stammen von Christiane Slawik, die Zeichnungen von Julia Denmann und Maria Mähler, und entsprechend professionell und perfekt ist die gesamte Ausstattung gedanklich wie man das vom Cadmos-Verlag gewöhnt ist.
Die Unterschriften zu den beiden Sitzbildern lauten:
| Der Sattel muß nicht nur dem Pferd passen, sondern auch dem Reiter: Ein großer Reiter kommt auf einem zu kleinen Sattel automatisch in den Spreizsitz;...
... während ein kleiner Reiter in einem zu großen Sattel immer damit zu kämpfen hat, daß die Beine zu weit nach vorn rutschen. a.a.O., Seite 33 | | |
Die Illustrationen zeigen sehr häufig Friesen und auch viele Andalusier; demgegenüber tritt das normale deutsche Warmblut ein wenig zurück - so jedenfalls mein Eindruck. Vielleicht liegt das aber nur daran, daß zufälligerweise einer der Meisterschüler einen Friesen hat und dieser extremen fotogen ist. Andalusier machen sich auf Fotos natürlich auch immer gut. Aber ich will mich nicht weiter mit Äußerlichkeiten aufhalten, sondern Ihnen eine Probe des Inhaltes geben, und dabei bleibe ich gleich bei der Seite mit den Sätteln, war man dort sehr schön den Stil und die inhaltliche Dichte und praxistaugliche Umsetzung des Autors beurteilen kann:
| Auch dem Reiter muß ein Sattel passen: Nicht nur die Sitzgröße muß richtig gewählt sein, auch die Steigbügelaufhängung muß am richtigen Platz sitzen. Ich will Ihnen das an einem Beispiel näherbringen: Zwei Reiter, einer 165 Zentimeter groß, der andere 200 cm, haben jeweils einen für sich passenden Sattel. Wenn sie ihre Sattel tauschen, wird auch bei richtiger Bügellänge der großer Reiter im kleinen Sattel immer nach vorn fallen, während die Beine nach hinten rutschen. Der Spreizsitz ist die Folge.
Ein kleiner Reiter auf dem großen Sattel wird das Gefühl haben, als ob er auf einer Harley sitzt. Seine Beine werden immer nach vorn gleiten, weil die Steigbügelaufhängung zu weit vom Sitzpunkt entfernt ist. Diese Variante gibt es sehr häufig, und deshalb hat ein zu weit von liegendes Reiterbein nicht immer etwas mit dem Können zu tun, sondern oft mit dem Equipment. Wie beim Pferd sollen auch beim Reiter die Beuge- und Streckmuskeln in der Balance sein. Müssen Sie als Reiter ständig Ihr Bein wieder in die richtige Position zurücklegen, dann ist Ihre im Bein und Po befindliche Beugemuskulatur angespannt und die lockere Balance ist dahin. Das wirkt sich immer auf den gesamten Sitz aus, vor allem auf die Lockerheit im Sitz und die Ausdauer beim Reiten. Denn in diesem Fall wird auch Ihr Oberkörper eher immer nach hinten fallen, und Sie haben Mühe, lotrecht oder vorwärts zu sitzen. Wenn Sie es dennoch schaffen, kommt es nicht selten vor, das Sie sich am Sattel den Schambereich stoßen, was einem lockeren Sitz sicher nicht förderlich ist.
Das Teuflische ist: Durch Ihr falsches Sitzen entstehen ähnliche Probleme, als wenn der Sattel nicht paßt. Nur durch genaustes Hinsehen kommt man der Sache richtig auf den Grund.
Aber am Ende muß ich die Sattler aber auch etwas in Schutz nehmen: Wenn sich ein Pferd zum Beispiel bei einer groben oder unbeherrschen Reitweise nicht entspannen kann, zeigt der Rücken des Pferdes zwar die gleichen Druckspuren, als wenn der Sattel Probleme macht, doch diese stammen nicht ursächlich vom Sattel, sondern entstehen dadurch, daß die über dem langen Rückenmuskel liegenden Partien verspannt sind und so eine Art Rand um die Sattellage bilden. In beiden Fällen wird das Pferd den langen Rückenmuskel wegdrücken, und die typische Löcher im Rücken entstehen. Vom Reiter ausgelöst sieht man dieses Problem häufig bei Barockpferden, vor allem Andalusiern, da sie sowieso im Rücken- und Lendenbereich sehr empfindlich sind.
Und am Schluß möchte ich etwas zum Thema Gelkissen sagen: Wenn Ihr Pferd Unebenheiten im Rücken hat wie Narben, Pickel oder Ähnliches, dann ist ein Gelkissen empfehlenswert. Legen Sie es aber bitte niemals direkt auf die Haut, da der entstehende Hitze- und Feuchtigkeitsstau Erkrankungen der Haut sogar noch zusätzlich fördert. Deshalb sollten Sie das Gelkissen zumindest mit einem Überzug aus Stoff verwenden, der die Feuchtigkeit aufsaugt - besser noch wäre eine Satteldecke zwischen Gelkissen und Pferderücken. Ansonsten macht natürlich das Gelkissen einen zu hart gepolsterten Sattel weicher ... Aber ich frage mich, ob es nicht besser wäre, den Sattel weicher machen zu lassen. Denn mit einem Gelkissen sitzen Sie sozusagen auf Götterspeise, und so fühlen sich die Hilfen für das Pferd auch an, die Sie mit dem Sitz geben. Von Klarheit und Präzision kann man da wohl nicht mehr sprechen. a.a.O., Seite 32-33 | | |
An diesem kleinen Beispiel dürfte deutlich geworden sein, daß der Autor sich klar und präzise ausdrückt und wertvolle Hinweise gibt. Dieser Auszug ist typisch. Auf jeder Seite dieses Buches erhalten Sie ähnlich substantielle und hilfreiche Aussagen; ein weiteres Beispiel aus dem Abschnitt "Welches Pferd arbeite ich wie?":
| Der optimale Einstieg in die Reitstunde ist ausschlaggebend für den Erfolg. Grundsätzlich kommt es darauf an, was ich in einer Stunde erreichen und erarbeiten will. So löse ich auch das Pferd.
Ein Beispiel: Wenn ich ein nervöses und temperamentvolles Pferd vor mir habe, mit dem mich an der Verbesserung von Piaffe und Passage arbeite, dann steht ein ruhiges, aber kraftraubendes Aufwärmen auf dem Programm. Mit einem schweren, ruhigen Typ werde ich eher ein kräftesparendes, aber leicht hektisches Programm wählen. Es ist mir absolut unverständlich, daß es so viele Reitlehrer und Trainer gibt, die daß Warmreiten weder steuern noch beaufsichtigen. Ein Pferd muß in Stimmung sein - eingestimmt auf die Trainingseinheit! Das ist wichtiger, als das danach folgende Programm zu beaufsichtigen. a.a.O., Seite 68 | | |
Wenn es Ihnen mit Gymnastizierung und Dressur ernst ist und Sie das Gefühl haben, Sie könnten noch etwas lernen, sollten Sie dieses Buch unbedingt kaufen und sorgfältig studieren. Ihre Praxis wird sich mit Sicherheit positiv verändern. Der Autor hat übrigens noch ein weiteres Buch im selben Verlag veröffentlicht: » Handbuch der Doppellongenarbeit, auf das er mit Recht verweist. Zu diesem Buch finden sich sehr positive Kritiken bei Amazon. Außerdem gibt es auch noch einen Lehrfilm: » Klassisches Reiten heute
erschienen 24.06.07
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