
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Das vorerst letzte Buch von Christine und Friedhelm Pohl im Verlag Müller Rüschlikon ist im Jahre 2003 bereits im Eigenverlag erschienen und wurde in der Pferdezeitung positiv besprochen (› Rezension). Im Jahre 2005 haben Christine und Friedhelm ihre Arbeit auf der Equitana vorgestellt und sind dort vom Verlag Müller Rüschlikon "entdeckt" worden.
Im März und Oktober 2006 sind dann die ersten beiden Bücher bei Müller Rüschlikon erschienen: › Das Pferdisch Prinzip - Bodenarbeit. Respekt - Vertrauen - Balance und » Das Pferdisch Prinzip - Reiten. Pferdegerechte Kommunikation im Sattel. In diesem Jahr waren die beiden wiederum auf der Equitana und passen dazu sind kurz vorher die beiden neuen Bücher erschienen: › Das Pferdisch Prinzip - Ausbildung & Korrektur
Verglichen mit dem Vorläufer ist dieses Buch natürlich extrem gediegen. Schon allein die Fülle an farbigen Illustrationen und das hervorragende Papier sowie der solide Umschlag und die Fadenbindung beeindrucken. Ein professioneller Verlag kann eben ganz anders produzieren. Vermutlich kann auf diese Weise der Absatz auch ganz andere Größenordnungen erreichen, was diesem Buch wirklich zu wünschen wäre.
In meiner ersten Rezension habe ich den einzigartigen Wert dieses Buches heraus gestellt und mich gefreut, daß es überhaupt zu haben ist. Nun aber wird es durch den Verlag Müller Rüschlikon und die vielfältige Landschaft des Buchhandels einer viel breiteren Leserschaft präsentiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Neuauflage ankommt.
| Vorwort zur Neuauflage
Als wir uns im Frühjahr des Jahres 2003 hingesetzt haben, um dieses Buch zu schreiben, befanden wir uns am Anfang einer Phase der Neuorientierung zu einer ungewissen Zukunft hin. Die größten Ängste hatten wir hinter uns gelassen, nicht aber unsere Familien.
Wir wurden für verrückt erklärt, für psychisch krank, weil wir uns entschlossen hatten, ohne Sicherheitsnetz, ohne entsprechende finanzielle Sicherheiten, einfach nur unserem Gefühl und einer unerklärlichen inneren Gewißheit folgend unsere "sicheren" Berufe aufzugeben, um das Pferdisch Prinzip zu leben. Einige seiner Entwicklungsarbeit hatten wir zu dem Zeitpunkt 13. uns gebracht, sehr viel lag aber noch vor uns.
Dieses Buch haben wir damals in die Zukunft geschrieben, quasi als Vision, denn wir konnten nicht wissen, wohin uns unsere Weg führen sollte.
Heute setzen wir vor der zweiten Auflage, die dieses Mal nicht mehr unter finanzielle Klimmzügen durch uns selber gestanzt werden muß. Vielmehr steht heute eine renommierter und seriöser Fachbuchverlag hinter uns, der bereits die Folgebücher unter Vertrag genommen und zum Teil bereits publiziert hat. Wir können mit Freude sagen, daß die damalige Vision seit einigen Jahren ihre Feuertaufe bestanden hat. Unsere kühnsten Erwartungen haben sich inzwischen erfüllt oder sind sogar übertroffen worden, denn wir konnten nicht ahnen, welche tiefe Zufriedenheit unserer Lebensphilosophie uns und auch den vielen Menschen, die uns auf unserem Weg in den Jahren begleitet haben, gebracht hat. [...]
Wir haben auch heute nicht die Vorstellung, das Pferdisch sich zu einer Massenbewegung auswachsen könnte. Es gibt auch heute noch deutlich mehr Menschen, die sich weiterhin durch morgen wollen, die keine Verantwortung übernehmen wollen/können. [...]
Unsere "Schüler" sind zwischen acht und 68 Jahre alt, aber immer mehr Menschen um die 30 sehen in Pferdisch eine Perspektive für einen Neuanfang, für eine Existenzgründung, um gesund und in Harmonie mit Mensch und Pferd ihr Leben bewußt und eigenverantwortlich gestalten zu können. [...]
Wir haben das ursprüngliche Manuskript nur sehr geringfügig verändert, einige Bezeichnungen mußten die Entwicklung angepaßt werden. Die neuen Inhalte haben wir in einen zusätzlichen Kapitel (Persönlichkeitsentwicklung nach Pferdisch) dargestellt. Damit wollten wir aufzeigen, daß das Pferdisch Prinzip sich durchaus weiter entwickelt und auch künftig fortgeschrieben wird. a.a.O., Seite 12 | | |
Ich kann also zunächst auf meine Rezension der Erstauflage verweisen. Die Tatsache, daß diese im Grunde unverändert übernommen werden konnte, spricht für sich (ich habe diese Behauptung nicht überprüfen können). Der missionarische Anspruch, der auch aus dem Vorwort der Neuauflage deutlich herauszulesen ist, ist weder ungewöhnlich noch verwerflich. Im Gegenteil, die Autoren halten mit ihren Ansichten niemals hinter dem Berg. Der Leser weiß immer, woran er ist und kann selbst entscheiden, ob er folgen will oder nicht.
In der › Rezension der letzten Woche habe ich ganz deutlich auf den Anspruch der Autoren hingewiesen, den Charakter des Pferdemenschen schulen und verändern zu wollen. Diesen Anspruch hat, soweit ich das sehe, jeder Pferdetrainer, spätestens dann, wenn ihm klar wird, daß nicht das Pferd ein Problem hat, sondern der Mensch. Allerdings sprechen die wenigsten das aus und zwar vermutlich aus gutem Grund, weil sie nämlich nicht wissen, wie sie die sich daraus ergebende Menschenarbeit leisten sollen.
Wer mit Menschen arbeiten will, muß eine Vorstellung vom Ziel haben, muß ein Menschenbild besitzen, das Allgemeingültigkeit beanspruchen darf. An dieses Menschenbild muß er glauben, er muß diesem Bild selbst gewachsen sein und es vorleben - so soll es jedenfalls sein. Im Prinzip befindet er sich damit in der Situation eines Gurus, der Menschen anzieht, die mit ihrem bisherigen Leben unzufrieden sind und sich ändern wollen. Bekanntlich können Gurus eine Gefolgschaft aufbauen, die in die Tausende und Millionen zählt. Auch in der Pferdewelt sind solche "Gurus" bekannt.
Weniger bekannt ist, daß kaum einer dieser Superhelden seinen eigenen Ansprüchen genügt (» Stripping The Gurus). Das Problem scheint zu sein, daß ein Guru nicht nur beansprucht, den Weg und das Ziel zu kennen, sondern auch strikte Gefolgschaft verlangt, möglicherweise zu Recht, weil das Ziel vielleicht nicht erlangt werden kann, wenn man den Weg nicht befolgt. Dadurch überträgt der Schüler jedoch unbegrenzte Macht auf den Guru, die diesem ziemlich regelmäßig zu Kopf zu steigen scheint. Durch die Erfahrung mit Christa Phillipps waren beide Autoren wohl selbst schon einmal in einer solchen Situation.
Christine und Friedhelm Splett nehmen zwar für sich in Anspruch, die Persönlichkeit der Menschen entwickeln zu wollen, mit denen sie arbeiten, verbinden diesen Ansatz jedoch immer mit der Pferdearbeit. So umgehen sie vermutlich ganz geschickt die Versuchung auf Seiten der Lehrer und der Schüler, sich in eine wechselseitige Abhängigkeit zu begeben. Ab Seite 48 wird im Kapitel "Was ist das Pferdisch Prinzip?" Der Abschnitt "Der Pferdisch Weg" beschrieben, und zwar mit den Unterabschnitten Persönlichkeit, Autorität, Ausgeglichenheit, Freundlichkeit, Ehrlichkeit.
| Persönlichkeit
Die Persönlichkeitsentwicklung als Lebenszweck und Lebensziel durchzieht das ganze Pferdisch Prinzip. Obwohl es auf dem Pferdisch Weg keinen einheitlichen Anfang und kein Ende gibt, beginnt der Weg mit dem Bewußtsein des einzelnen Menschen, seine Wahrnehmung, seine Bewertungen und seine Entwicklung im Hinblick auf eine Persönlichkeitsausdehnung und sein Wachstum auszurichten.
Dieses Bedürfnis, ja diese Sehnsucht durchzieht alle Prinzipien und führt schließlich hin zur Ich-Entwicklung, zur Selbstverwirklichung, hin zu einem selbstbestimmten Leben ohne Zwang und Begrenzung. [...]
Und jetzt kommt die wichtigste Information:
Pferde spiegeln uns ebenso unsere Ängste, unsere Ohnmacht und Hilflosigkeit, unsere Gefühle von Minderwertigkeit, unseren Zorn, Wut, Jähzorn, Ungerechtigkeit, Ehrgeiz und Geltungsdrang.
Es ist phantastisch, daß wir von diesen sensiblen Wesen Hilfe annehmen können, um an ihnen zu wachsen. Hier ist unser Ego, in der Absicht uns zu beherrschen, quasi machtlos. Wenn es beim Umgang mit anderen Menschen auch durchaus fähig ist, Situationen, die ihm nicht ins Konzept passen, einfach nicht wahrzunehmen, wegzufiltern oder umzuinterpretieren, kann es gegenüber dem Pferd seine Verdrängungsmechanismen und Projektionen nicht anbringen. [...] a.a.O., Seite 48 ff. | | |
Die Pferde dienen also als quasi-objektiver Maßstab, als unbedingte und verläßliche Korrektur. Es folgen dann ab Seite 51 zwei Einschübe über "Mentales Training" und "Klangmassage". Dazu vielleicht ein kurzes Zitat:
| Nach östlicher Vorstellung ist der Kosmos und der Mensch aus Klang entstanden. Klang aber ist Schwingung. Nach unserem Gefühl gibt es dissonante Zustände in uns, die mit Unwohlsein, Problemen, Streß, Unruhe, Angst, fehlendem Vertrauen und vielem mehr gleichgesetzt werden können.
Die Klangschalen helfen, den Gleichklang in Körper und Seele wiederherzustellen. Die Wirkung ist einfach wunderbar. Insbesondere die Menschen, die sich bisher mit keiner Entspannungsmethode anfreunden konnten, erreichen wir mittels der Klangschalen in einfühlsamer und sanfter Weise.
Für uns ist der Kontakt mit dieser Methode, welche durch ihren Begründer, Peter Hess, in Deutschland entwickelt wurde, ein wichtiger Meilenstein in unsere Arbeit mit Menschen und Pferden. Wir konnten mit manchmal nur einer einzigen Behandlung gravierende Veränderungen in der Selbstwahrnehmung vieler Menschen bewirken. In Einzelfällen konnten wir starke Angstzustände lösen helfen. Was aber allen Empfängern gemeint war: Sie fühlten sich herrlich entspannt und hatten wieder ein Gefühl für ihren Körper als Gesamtheit mit einer energetischen Durchlässigkeit von Kopf bis Fuß.
Beim Schreiben dieser Zeilen wird uns deutlich, daß Worte die faszinierende Wirkung und die Möglichkeiten dieser Methode nur unzureichend beschreiben können. Wir haben eigens dafür eine Web-Seite eingerichtet, die weiterführende Informationen bereithält: » www.lebenswichtiges.de. Wir setzen die Klangschalen auch bei Pferden ein. Die Wirkung ist verblüffend. Die Pferde entspannen sich und halten gewissermaßen ihren Körper hin, um die Schwingungen zu spüren. Verletzungen heilen überraschend schnell und im Zuge der Rekonvaleszenz verändert sich unser Empfinden für Gesundheit und Krankheit grundlegend. Auch beim Einsatz dieser Methode arbeiten wir eng mit Ärzten und Therapeuten zusammen, um zum Wohle des Behandelten zu wirken. a.a.O., Seite 54 | | |
Und danach heißt es:
| Nach diesen Exkurs kehren wir zurück zur Persönlichkeit als einen der Elemente des Pferdisch Weges.
Das Pferdisch Prinzip bewegt sich unmittelbar in dem Spannungsfeld von Respekt und Vertrauen. Hiermit ist gegenseitige Respekt und gegenseitiges Vertrauen zwischen Pferd und Mensch gemeint.
Wir müssen uns das Vertrauen unserer Pferde verdienen, nicht durch Reden, sondern durch Handeln. Sich wiederholende positiv bewertete Handlungen schaffen schließlich Vertrauen. Ein einziges Zuwiderhandeln kann dieses Vertrauen wieder zerstören, manchmal für immer. a.a.O., Seite 54 | | |
Das Faszinierende an der Schriftenreihe von Christine und Friedhelm Pohl ist nicht in erster Linie die Tatsache, daß sie gut mit Pferden umgehen können. Das können viele, und der Buchmarkt ist voll von Leuten, die guten Rat zu verkaufen haben. Die beiden haben nicht nur untersucht, was nötig ist, damit man mit Pferden gut umgehen kann, sondern auch die Konsequenzen gezogen. Es geht eben nicht nur darum, die Pferde mit mehr oder weniger Aufwand mehr oder weniger schnell zu etwas zu bringen, was sie von sich aus nicht tun würden. Es geht um das "Richtige Leben". Es gibt gewissermaßen keine Wahl, kein richtiges Leben im falschen. Wenn man der Überzeugung ist, daß Pferde uns durchschauen und spiegeln, dann gibt es kein Entkommen.
| Freundlichkeit
Von Kind an lernen wir, daß das ganze Leben Kampf ist. In der Schule, im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik - überall wird Druck gemacht, dem Schwächere gefälligst zu weichen haben. Wie bereits ausgeführt, lautet das Naturgesetz jedoch:
| | Druck gibt Gegendruck und Zug bewirkt Gegenzug. | | |
Setzen Eltern ihr Kind unter Druck, um etwas zu erreichen, so gibt dieses scheinbar nach, solange die Eltern es kontrollieren können. Sofern der Druck nachläßt oder unwirksam wird, tut das Kind genau das Gegenteil.
Dieses Prinzip zeigt sich täglich in Nordirland, im Baskenland, in Irland und Palästina und vielen anderen Ländern. Wir wollen hier auf keinen Fall Ideologisieren oder über Schuld und Unschuld spekulieren.
Es geht nur um den Punkt, daß wir dauerhaft nichts erzwingen können. Und zwar in keiner Disziplin. Je mehr Druck ausgeuebt wird und je länger dieser anhält, um so mehr Opposition bildet sich unter der Oberfläche, bis das Pulverfaß schließlich explodiert.
Genauso ist es mit dem Verhältnis zu Pferden. Wir wollen nicht bestreiten, daß ein starker Reiter ohne weiteres in der Lage ist, ein Pferd eine lange Zeit zu unterdrücken. Nicht selten zeigen solche Pferde ihren Reitern in Turnierprüfungen, wie ohnmächtig sie sind, wenn das Pferd nicht mehr mitspielt. Wir beobachten seit vielen Jahren, daß genau diese Reiter immer wieder zum Teil schwerste Unfälle erleiden, und zwar nicht nur im Sattel, sondern auch bei alltäglichen Verrichtungen rund um das Pferd. Es mutet manchmal schon komisch an, daß diese Menschen die Zusammenhänge zwischen ihrem Tun und diesen schlimmen Geschehnissen nicht erkennen können. Hat jemals jemand solche Unfälle im Zusammenhang mit schwachen oder behinderten Personen erlebt?
Aus eigenem Erleben können wir hier verbindlich erklären, daß wir genau seit dem Zeitpunkt nicht mehr vom Pferd gefallen sind, seit wir das Prinzip der Freundlichkeit begriffen haben, und es auch praktizieren. Wir haben sehr viele Pferde ausgebildet bzw. korrigiert. Darunter waren Pferde, die infolge ihrer Erfahrungen mit Menschen zum Teil sehr schwierig und sogar gefährlich waren. Mit der Renitenz dieser Pferde haben wir es begründet, daß Stürze zur alltäglichen Trainingsarbeit gehörten. Wir hatten bis dahin das Verständnis, daß das Pferd vor uns weichen, also dem Druck nachgeben muß, und zwar in jede gewünschte Richtung. Wich das Pferd nicht, haben wir es mit Druck dazu veranlaßt.
Das führte infolge des Gegendrucks des Pferdes zu einem Kampf, den wir meistens gewonnen haben. Aber halt nur meistens. Und wenn es einen Gewinner gibt, dann gibt es automatisch auch ein Verlierer. Bekanntlich geht in diesem Universum keine Energie verloren. [...]
Das letzte Pferd, von dem Friedhelm gefallen ist, war ein Quarter Horse Hengst namens Murdock. Im Gelände hatte Friedhelm Druck ausgeuebt, worauf der Hengst einen steilen Abhang hinuntergebuckelt ist. Irgendwann fand Friedhelm kein Pferd mehr unter sich vor und landete sehr unsanft platt auf seinem Rücken. Ein dreiviertel Jahr lang hatte er starke Rückenschmerzen und somit Gelegenheit, sich zu überlegen, wie man wohl anders mit Pferden umgehen kann. Murdock ist es zu verdanken, daß es heute das Pferdisch Prinzip der Freundlichkeit gibt.
Das Motto dieses Prinzips ist ganz einfach und auf alle Lebensbereiche auch zwischen Menschen übertragbar:
a.a.O., Seite 69 ff. | | |
Pferde werden aber nicht nur benutzt, um Erkenntnisse zu gewinnen, sondern auch, um Veränderungen herbeizuführen. Denn was nutzt die beste Erkenntnis, wenn sie nicht umgesetzt wird? Als Beispiel nehmen die Autoren das Rauchen. Jeder weiß heute, daß Rauchen zweifellos gesundheitsschädlich ist. Widerwärtig ist es noch dazu - jeder Raucher weiß, wie sich beim Aufwachen der Mund anfühlt, nämlich wie ein Aschenbecher. Würden Sie einen Aschenbecher küssen wollen? Na also.
Das Problem ist nur, daß solche Erkenntnisse sich meistens nicht in die Praxis umsetzen lassen. Mit Abhängigkeiten läßt sich nicht spaßen, weder mit körperlichen noch mit psychischen. Das nicht unerhebliche Leid, das viele Menschen auf sich nehmen, obwohl sie wissen, daß sie etwas ändern müßten, spricht Bände. Christine und Friedhelm Pohl setzen Pferde gewissermaßen therapeutisch ein, auch dann, wenn nicht ausgesprochen therapeutisch gearbeitet werden sollen. Das nächste Kapitel nach der Erklärung des Pferdisch Prinzips heißt nämlich: "Vom Nutzen des Pferdisch Prinzips".
| Der Nutzen ist es, der eine Idee von der bloßen Ideologie zu einem anwendbaren Prinzip erhebt. Es gibt sehr viele theoretische Ansätze, um die Probleme unserer Welt lösen zu können, wenn denn alle mitmachen würden. Und regelmäßig fragen wir uns: "Was kann ich selber denn tun?" Da wir keine Einflußmöglichkeit erkennen können, da wir es für sinnlos erachten, uns für eine Idee zu engagieren, wenden wir uns schließlich wieder von ihr ab.
Anders ist es bei der Umsetzung des Pferdisch Prinzips. Jede kleinste Umsetzung bringt uns sofort einen persönlichen Gewinn unverändert zugleich etwas im Umfeld zum Positiven.
Die Erkenntnis, das Bewußtsein, das sich ändert und entwickelt, ist die eine Seite der Medaille. Wenn es dabei bleibt, ist es jedoch wie mit der Erkenntnis, daß es eigentlich besser für uns wäre, wenn wir künftig nicht mehr rauchten. Was fehlt, ist der zweite Schritt, II. Seite der Medaille gewissermaßen: Wir müssen etwas TUN.
Also etwas praktisch umsetzen, etwas verändern, etwas faktisch manifestieren, damit wir nicht mehr rauchen. Etwas verändern bedeutet praktisch, etwas zu tun, was wir zuvor nicht getan haben oder etwas zu unterlassen, was wir vorher getan haben. Nur darauf erstreckt sich unsere Freiheit der Wahl.
Und das unterscheidet das Pferdisch Prinzip von Ideologien: Hier hilft das Medium Pferd uns etwas zu TUN, etwas zu verändern, halt zu wachsen! a.a.O., Seite 85 | | |
Wenn das kein Ansatz ist! Noch habe ich nicht die versteckte Aufforderung gefunden, sich ein Pferd anzuschaffen, wenn man sich verändern möchte, aber mit Pferden noch nichts zu tun hat. Im Prinzip wäre diese Wendung ja durchaus denkbar: Persönlichkeitsentwicklung als primäre Dienstleistung mit dem Medium Pferd. Als Seminarprogramm für Manager ist das noch nicht einmal neu, nur daß sich die Manager anschließend nicht notwendigerweise ein Pferd kaufen. Aber warum denn nicht? Wer sich persönlich entwickeln will, nimmt schon einiges auf sich; die Anschaffung eines Pferdes wäre bestimmt nicht rekordverdächtig.
Ich glaube aber nicht, daß eine solche Wendung zu erwarten wäre. Dazu müßte der Verlag eine ganz andere Zielgruppe bewerben, das Buch müßte vermutlich vollständig umgeschrieben werden. Vielleicht wäre es sogar der falsche Verlag. Vor allem aber müßten die Autoren sich noch mehr für die Persönlichkeitsentwicklung und weniger für die Pferde stark machen. Und deshalb muß man wohl auch nicht die Befürchtung hegen, daß Christine und Friedhelm Pohl der Pferdewelt eines Tages verlorengehen. Im Gegenteil, man darf sich auf ihre weitere Entwicklung freuen.
Die Autoren betonen, daß sie keine "unerreichbaren Wohnzimmer-Autoren" sind, daß sie "Multiplikatoren ausbilden [wollen], um langfristig etwas zu bewirken." Aus dem Schlußwort:
| Wir möchten die Menschen erreichen, die wie wir selber auf dem Weg sind. Dieses Buch kann man viele Male lesen, immer wieder zur Hand nehmen. Je nach Entwicklung seiner Wahrnehmung und seines Bewußtseins kann den Leser immer andere bzw. neue Dinge in sich aufnehmen und reflektieren. [...]
Wir freuen uns auf die Menschen, die mit dem Pferdisch Prinzip in Resonanz gehen. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Sie sind uns herzlich willkommen. a.a.O., Seite 152 | | |
Nach dem Schlußwort folgt noch der Ehrenkodex für Pferdisch Reitlehrer und die Vorstellung der übrigen Bücher der Autoren aus dem gleichen Verlag. Auf Seite 158 wird das neue Buch "LebensWichtiges" von Friedhelm Pohl vorgestellt, das im Selbstverlag herausgekommen ist und auch über die obengenannte Internet-Seite » www.lebenswichtiges.de bestellt werden kann. Dort wird auch das "Personal Coaching" vorgestellt: "Ich setze die Medien Pferde und Klang ein." Man muß also doch nicht unbedingt Pferdebesitzer sein, um das Konzept der Autoren umzusetzen. Ein zweiseitiger Index schließt das Buch ab.
erschienen 29.04.07
Siehe auch die folgenden Rezensionen: Ausgabe 227, Pohl, Christine und Friedhelm: › Das Pferdisch Prinzip, Neue Wege im Umgang mit Pferden und Menschen Ausgabe 369, Pohl, Christine und Friedhelm: › Das Pferdisch Prinzip - Bodenarbeit, Respekt - Vertrauen - Balance Ausgabe 421, Pohl, Christine und Friedhelm: › Ausbildung & Korrektur, Das Pferdisch Prinzip, Kommunikation statt Konditionierung
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