
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Claus Penquitt ist ein sehr erfolgreicher Mann. Seit vielen Jahren sind seine Bücher und Videos Bestseller. Außerdem unterrichtet er und bildet zudem Schüler aus, die nach seinem System unterrichten. Bei der Recherche zu dieser Rezension bin ich auf eine seiner Schülerinnen gestoßen, die sich wie folgt äußert:
| Birgit reitet schon seit 1974. 1995 absolvierte sie die Ausbildung zur Trekkingführerin des ETCD (Erster Trekking-Club Deutschlands). Nach dem Umstieg auf das Westernreiten war es selbstverständlich, dass sie 1996 das Reitabzeichen im Westernreiten (EWU) ablegte, und um in allen Sätteln daheim zu sein, kam 1998 noch das Reitabzeichen im Klassischen Reiten dazu.
Der Reitstil, der ihr jedoch am meisten zusagt, wird von Claus Penquitt gelehrt. Claus Penquitt war Europameister im Westernreiten und hat das Westernreiten nach altkalifornischem Stil wiederentdeckt.Dieser kalifornische Stil ist geprägt von der Reitweise der Spanier und hat weniger mit dem Arbeitsreiten des texanischen Stils zu tun.
Claus Penquitt wurde bekannt durch Auftritte bei der Equitana und gab bald in ganz Deutschland und in der Schweiz Reitkurse.
Birgit nahm an solch einem Kurs teil und war so begeistert, dass sie beschloss, auf dieser Basis weiterzuarbeiten. Sie besuchte weitere Kurse und ist seit 1999 eine der wenigen von Claus Penquitt autorisierten Trainern in Süddeutschland. Sie unterrichtet in seinem Stil in der Zwischenzeit ca. 100 Reitschüler. Als selbstständige Trainerin unterrichtet sie nicht nur in verschiedenen Vereinen, sondern auch bei sich selbst zu Hause auf ihrer Reitanlage. » Die Methode | | |
Diese Äußerung beeindruckt, weil die Autorin sehr viel Erfahrung hat und vergleichen kann. Claus Penquitt kann also auch begeistern.
Bücher sind eben eine Sache, Unterricht eine zweite. Dieses Buch ist auf Anregung der Schüler geschrieben worden und faßt die Übungen zusammen, die Claus Penquitt in seinem Unterricht einsetzt. Viele Leser werden Claus Penquitt schon gesehen haben, zum Beispiel auf der Equitana. Natürlich ist es phantastisch, wenn Meister ihr Können zeigen. Was heißt das für Normalsterbliche?
Penquitt ist der Meinung, daß jedes Pferd gymnastiziert werden muß und daß seine Methode für jede Reitweise und jede Pferderasse geeignet und vorteilhaft ist. Als Beispiel schildert er in der Einleitung:
| So wurde mir ein Isländer zur Korrektur gebracht. Bei der Besitzerin des Pferdes handelte es sich um eine der großen, in einschlägigen Kreisen wohlbekannten Pferdefrauen, die unter anderem als glühender Verfechter des Tölts bekannt war. Ich sollte versuchen, mit meiner eigenen Aus- und Fortbildungsmethode den unbefriedigenden Tölt ihres Pferdes zu verbessern.
In Zusammenarbeit mit meiner Tochter Nathalie wurde das Pferd nach meinen Methoden gymnastiziert. Trotz der relativ kurzen Zeit, die uns nur zur Verfügung stand, gelang es uns, einen äußerst zufriedenstellenden Tölt bei dem Pferd zu erreichen. So wurde es mir jedenfalls von der Bereiterin und Haustochter der Pferdebesitzerin versichert. Zu bemerken ist hier noch, daß wir erst am vorletzten Tag vor der Übergabe das Pferd im Tölt wieder testeten. Seite 9 | | |
Außerdem führt der Autor sein berühmtes Pferd Watani 12 an, mit dem er unter anderem 1986 Europameister in der Disziplin Superhorse wurde. In seiner Selbstdarstellung formuliert er:
| Skepsis bis offen bekundete Ablehnung meiner Ausbildungs- und Trainingsmethoden bei den "Offiziellen" im Westernlager verschwanden, denn eine nicht abreißende Serie von Turniererfolgen bestätigten am besten die Richtigkeit meiner Überlegungen. » Die Claus Penquitt Reitlehre | | |
Das klingt alles ganz phantastisch. Aber ganz einfach scheint der Sache doch nicht zu sein, denn sonst würde ja jedermann nach seiner Methode unterrichten und selber reiten. Claus Penquitt muß also nach wie vor für seine Ideen arbeiten. Seine eigene Geschichte ähnelt der vieler:
| Aber auch die Pferde hatten in ihrer Ausbildungszeit allzu oft Schwierigkeiten zu begreifen, was man von ihnen wollte. Mir wurde dann befohlen, härter durchzugreifen. So kam bei den vielen auszubildenden Pferden unter denen, die "durchgreifend" mußten, recht wenig Freude auf. Die Lust am Reiten schwand auch bei mir dahin, jedoch die Liebe zum Pferd blieb. Und so begann ich später, mir ein Pferd nach meinen eigenen Überlegungen auszubilden. Die nach jahrelangen Überlegungen modifizierten fairen Hilfen verstanden meine Pferde erstaunlich schnell, so auch durch die entsprechend andere Körperhaltung. Diese Erkenntnisse, seit zwei Jahrzehnten im Unterricht umgesetzt, brachten den gewünschten Erfolg. Sollten Sie allerdings Ihr Pferd mit den von Ihnen gewohnten Hilfen ausgebildet haben und auch so weiter reiten bzw. lehren wollen, so können Sie selbstverständlich auch bei den hier vorgeschlagenen Übungen wie gewohnt verfahren. Falls Sie aber einmal etwas anderes probieren wollen - tun Sie es doch! Geschadet hat es nach meinen Erfahrungen bislang niemandem, weder Pferd noch Reiter. Vielleicht werden auch Sie überrascht sein. Nicht unbedingt sofort, aber sicherlich ein klein wenig später. Seite 19 | | |
Sie sind also gemeint: Für Sie hat er das Buch geschrieben. Und für alle die, die seine Übungen endlich einmal in Buchform vorliegen haben wollten:
| Aber auch viele Reiterinnen und Reiter sowie Ausbilder aus verschiedensten anderen Lagern und Reitarten, so wird mir immer häufiger versichert, interessieren sich für die in diesem Buch nunmehr in Wort und Bild zusammengefaßten Anregungen. Seite 10 | | |
Ein Buch ist im Grunde eine trockene Angelegenheit. Claus Penquitt betont immer wieder, daß es ihm auf die Freude bei Pferd und Mensch ankommt. In seinen Kursen kann er das offenbar gut vermitteln:
| Alle Beteiligten betonen übereinstimmend, daß sie bei allem ernsten und gewichtigen Hintergrund ihres Reitens gelernt hätten, diese Art zu reiten dennoch zu einem lockeren, fröhlichen und harmonische Spiel werden zu lassen. Seite 13 | | |
Darüberhinaus plädiert er für seine Methode, weil die herkömmlichen Reitlehren langfristig Probleme verursachen können:
| [...] Aber nicht nur die Reitenden empfinden auf Dauer Langeweile und Frust. Den Pferden gefällt es noch viel weniger, so benutzt zu werden. Sie werden auf der Reitbahn immer träger und abgestumpfter. Mißmutig befolgen sie die meistens wenig verständlichen "Hilfen" und schlurfen, kaum auf die immer stärker werdenden treibenden Einwirkungen achtend, dahin. Beim Ausreiten ins Gelände geht's zwar nicht besser, dafür aber etwas anderes zu. Aber auch hier kommt bei ständiger Phantasielosigkeit der Reitenden bei den Pferden Langeweile, sprich Frust auf. Dies wird irgendwann zu eigentlich unbegründeten Überreaktionen des Pferdes führen und den, der draufsitzt, in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Schon mancher, dessen Pferd vor lächerliche Kleinigkeiten scheute, mußte getrennt von ihm nach Hause marschieren und noch zufrieden sein, wenn er das überhaupt noch konnte. [...] Nach solchen oder ähnlichen Unfällen erklären die meisten Reiterinnen und Reiter das Verhalten Ihres Pferdes für völlig unverständlich. Sie hätten doch nie etwas anderes mit dem Pferd getan als geradeaus auf bekannten Wegen oder auf dem Hufschlag in der Halle bzw. auf dem Reitplatz geritten. - Eben! Das hört sich, ist es glimpflich verlaufen, alles recht lustig an, aber meistens doch wohl nur für die anderen. Denn das Pferd wird sich immer mehr Unarten einfallen lassen, um seinem nicht erkannten Frust, seiner unausgelasteten Psyche, sprich Langeweile, Ausdruck zu geben. Die Betroffenen erkannten meistens die Ursache für das Verhalten Ihres Pferdes nicht. Woher sollten Sie auch! Welchen Rat daraufhin manch einer aus seinem Umfeld bekam? Er solle es doch mal mit Hilfszügeln versuchen oder mit einem schärferen Gebiß. Auch könnte in Erwägung gezogen werden, dem Pferd in seiner Box mal eine "Abreibung" zu verpassen, damit es in Zukunft derartige Mätzchen sein läßt. Diese und andere "Ratschläge" wurden mehr als einmal und nicht nur als Ausnahme berichtet. Das führt dann so weit, daß Pferde unreitbar werden, obgleich sie eigentlich die besten Anlagen haben und prima Partner sein könnten. So aber wandern diese armen Geschöpfe von Hand zu Hand. Die Endstation kann sich jeder vorstellen. Das Fazit aus alldem vorher Gesagten dürften nochmals bestätigen: Pferde brauchen ständig sinnvolle Abwechslung. Seite 14-16 | | |
Diesem Ziel dienen 42 Übungen, die vorbildlich aufgebaut und ausführlich erläutert sind und mit Fotos und Grafiken sinnvoll unterstützt werden. 42 Anregungen, das Zusammensein mit dem Pferd anregend zu gestalten und damit fast nebenbei eine Revolution in Gang zu setzen, die dem Pferd guttut und dadurch auch den Reiter befriedigt.
Selbstverständlich muß man auch nach Penquitts Methode üben. Die Erfolge des Meisters, seine Ausstrahlung im Sattel, die in jedem der vorzüglichen Fotos überwältigend zum Ausdruck kommt, sind Ansporn, es ihm gleich zu tun. Das Buch hilft dabei, die Übungen richtig, abwechslungsreich und lebendig zu gestalten.
Sollten Sie dann doch noch einen Kurs bei ihm selbst oder bei einem seiner Schüler absolvieren wollen, werden Sie die Vorbereitung nicht bereuen. Vielleicht macht das Buch sogar ausgesprochen Lust auf eine Kursteilnahme - der Autor wäre sicher über diesen Nebeneffekt nicht unglücklich.
erschienen 14.11.04
| |