
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
"Harmonie Pferd und Mensch" - davon träumen sicherlich die meisten Pferdebesitzer, zumindest diejenigen, die man als Freizeitreiter bezeichnet im Gegensatz zu den Profis, die etwa Deutsche Meisterschaften im Reining gewinnen. Bei diesen Menschen unterstellt man, daß die sportlichen Ziele im Vordergrund stehen und Mensch und Pferd sich diesen unterordnen müssen.
Desto erstaunlicher und erfreulicher, daß die Deutsche Meisterin Superhorse und Deutscher Allaround Champion 2003, Sita Stepper, mit ihrem Quarter Horse Hengst "Docs Smokey Dry" großes Gefallen an den Übungen gefunden hat, die Karin Tillisch in diesem Buch vorstellt. Im einleitenden Abschnitt "Warum dieses Buch?" plädiert die Autorin dafür, mehr Abwechslung in den Alltag mit dem Pferd zu bringen, damit die Pferde auch geistig gefordert werden. Das tut auch den Hochleistungspferden gut, wie man an den zahlreichen Abbildungen mit Sita Stepper und ihrem Hengst ablesen kann.
Darüber hinaus gymnastizieren die Zirkuslektionen natürlich auch ganz ungemein. Teilweise sind sie sogar so anstrengend, daß man sich erst allmählich der gewünschten Form annähern kann, etwa bei der Übung "Bergziege", bei der alle vier Hufe möglichst eng beieinander stehen.
Für Karin Tillisch waren die hier vorgestellten Lektionen jedoch kein Selbstzweck. Sie ist relativ zufällig auf die wunderbaren Möglichkeiten gestoßen, die das Verhältnis zu ihrem Pferd revolutioniert haben. Ursprünglich gestaltete sich nämlich das Zusammenleben und Arbeiten mit ihrem Pferd extrem schwierig. Vor diesem Hintergrund müssen die vielfältigen Illustrationen umso mehr verblüffen. Wenn so etwas mit einem Problempferd möglich ist, sollte es mit Ihrem Pferd erst recht möglich sein!
| Ich freue mich jeden Tag aufs Neue auf mein Pferd. Sobald mich Shadow mit dem Halfter kommen sieht, kommt er mir freudig und in aller Ruhe entgegen. Er kommt gar nicht auf die Idee, vor mir davonzurennen. So sollte es eigentlich jedem Pferdebesitzer ergehen. Seite 10 | | |
Die Autorin hat aus den Übungen Showprogramme entwickelt und regt den Leser dazu an, selbst in diese Richtung zu gehen. Die letzten 15 Seiten des Buches sind diesem Thema gewidmet: "Ready for Show". Die Auftritte in der Öffentlichkeit geben Karin Tillisch offenbar sehr viel, was sie den Lesern anscheinend ebenfalls angedeihen lassen will. Dabei weiß sie durchaus zu unterscheiden zwischen den Profis, die höhere Risiken eingehen können, und den Freizeitreitern, zu denen sie sich trotz aller Erfolge anscheinend selbst immer noch zählt.
Bei diesen Shows hat sich die Zusammenarbeit mit einer Kollegin sehr bewährt, die mit einem Hund arbeitet. So sind zwischen den Übungen für das Pferd und den Tips für die öffentlichen Auftritte Übungen für den Hund eingeflochten, die das Pferd erst einmal außer Acht lassen. Es würde für mich naheliegen, diese Übungen zu kombinieren, aber das hat die Autorin anscheinend dem Leser als Hausaufgabe überlassen.
Karin Tillisch ist erst nach mehreren Jahren Pause wieder zum Pferd gekommen. Der herkömmliche Reitunterricht war so unerfreulich, daß sie vollkommen die Lust verloren hatte. Dieses Problem ist vermutlich sehr verbreitet; immer wieder wird in Büchern darauf angespielt. Allen Pferdebesitzern, die keine wahre Freude mit ihren Tieren erleben können, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Die Schilderungen der Autorin könnten gut gelogen sein, aber die Fotos beweisen ganz eindeutig, daß zwischen ihr und ihrem Pferd eine wunderbare Entwicklung stattgefunden hat, die ich jedem Pferdebesitzer wünschen möchte.
Marlit Hoffmann, Expertin auf diesem Gebiet (› Marlit Hoffmanns Trickkiste, › Rezension/214, › Handpferdreiten), hat das Vorwort geschrieben. Auf mich wirkte es gar nicht wie ein Vorwort, sondern wie ein Rezension. Und deshalb möchte ich dieses Vorwort in seiner Gänze hier zitieren:
| Schon der vielversprechende Titel des neuen Buches Harmonie Pferd und Mensch von Karin Tillisch macht neugierig auf den Inhalt. Die Autorin widmet das Buch ihrem prächtigen Tigerschecken Shadow, der als dreijährige Wildfang zu ihr kam und bis dahin keine Manieren gelernt hatte. Denn er wuchs ohne Weidegesellschaft auf und lernte in den Prägejahren (den wichtigsten im Leben eines Pferdes) keinerlei Herdenverhalten und Einfügen in eine Rangordnung kennen.
Diese Pferde zu erziehen ist eine große Herausforderung: Viele Pferdebesitzer scheitern daran und geben auf. Nur wenige Menschen sind dazu in der Lage, diesen inzwischen großen und sehr kräftigen Vierbeinern das Versäumte beizubringen.
Kein Tillisch hat es mit übergroßer Geduld, Konsequenz und Verstand geschafft und besitzt jetzt mit ihrem Shadow ein Traumpferd, das mit unglaublicher Intelligenz, Lernfähigkeit und Eifer zum echten Partner wurde. Diesen langen, mühevollen Weg beschreibt die Autorin und zeigt in vielen klar verständlichen Lektionen, wie der Wildfang über Bodenarbeit, Zirkus- und Tricklektionen zum Verlaßpferd wurde.
Ein Pferd, das jeden Tag nur stoisch dasselbe Trainingsprogramm in der Halle oder auf dem Platz abspult, stumpft im Laufe der Zeit ab. Zirkus- und Tricklektionen jedoch fordern und fördern neben körperlicher Koordination auch ein großes geistiges Fassungs- und Kombinationsvermögen. Karin Tillisch beschreibt Schritt für Schritt, wie man Pferde an diese Art der Arbeit heranführt, die von großem Vorteil ist für eine weitere Ausbildung unter dem Sattel oder vor der Kutsche.
Die Autorin erläutert die für jede Lektion sinnvolle Ausrüstung, zeigt die einzelnen Schritte mit vielen begleitenden Fotos bis zur korrekten Ausführung und schildert, wie die Pferde dabei ihr Körpergefühl erfahren, Defizite ausgleichen und ihre Gliedmaßen besser koordinieren lernen. Dabei warnt sie vor möglichen Gefahrensituationen, erklärt Schutzvorkehrungen für Mensch und Pferd und beschreibt, wie man Schwierigkeiten meistert.
Der Text ist locker, gut lesbar und leicht nachvollziehbar geschrieben. Viele gute, zum Text passende Fotos helfen, den Inhalt noch besser zu verstehen.
Ich wünsche dem Buch, das nicht nur Zirkuslektionen vorstellt, sondern auch deren großen Nutzen für die Pferde schildert sowie das Ausarbeiten einer publikumswirksamen Show und schließlich den Weg zum erfolgreichen Auftritt in der Öffentlichkeit, eine weite Verbreitung.Marlit Hoffmann | | |
Die Autorin hat übrigens auch eine Homepage: » www.Shadow-Show-Team.com.
erschienen 07.11.04
Siehe auch die folgenden Rezensionen: Ausgabe 396, Tillisch, Karin: › Reiten ohne Sattel und Zaumzeug, Über Trauen und Vertrauen, Harmonie zwischen Pferd und Reiter Ausgabe 431, Tillisch, Karin: › Vom Round Pen zur Freiheitsdressur, Bodenarbeit mal anders, Cadmos Reiterpraxis
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