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Buch-Rezension · Mit Sicherheit Pferde verladen
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Kronsteiner, Alexander

Mit Sicherheit Pferde verladen
Mit Pferdeverstand zum Erfolg.
Für Einsteiger und Profis

88 S., durchgehend farbig
Mürlenbach, Herbst 2004 · Kynos Verlag
ISBN 9783933228857


9,90 EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:

Unsere Mobilität erlaubt es uns heute, Pferde durch die ganze Welt zu kutschieren - wenn wir nur eine Frage lösen können: Wie bekommen wir sie stressfrei und sicher in den Hänger?

Ein flaues Gefühl im Magen, ein ängstliches und widersetzliches Pferd, Stress bei allen Beteiligten, gefährliche Situationen - all das muss nicht sein, wenn wir nur mit Ruhe, Konsequenz und Pferdeverstand an das Unternehmen "Verladen" herangehen.

Ganz ohne Tricks aus der Zauberkiste oder patentierte Neuerfindungen zeigt der Autor einfach und klar mit viel Verständnis für das Wesen des Pferdes, wie Verladen vom Stress zum Spaß wird.

So, dass man es am liebsten sofort nachmachen möchte! Wetten, dass auch Ihr Pferd schon bald ganz entspannt in den Hänger steigt?


» www.Kynos-Verlag.de





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Noch ein Buch über das Verladen (siehe  Verlade- Training)? Natürlich, Pferde werden heute ziemlich häufig verladen, und selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, muß man auf diese Situation vorbereitet sein, denn es kann immer einmal der Notfall eintreten, daß das Pferd in die Klinik transportiert werden muß. Kaum ein Buch über Pferde, das nicht mit einer Abhandlung über die Natur der Pferde beginnen würde, und häufig enden die Bücher mit Hilfestellungen zum Verladen. In der Rezension  Urlaub mit dem eigenen Pferd aus demselben Verlag findet sich ebenfalls ein Verladetraining, das ich bemerkenswert fand.

Was also soll ein Buch nur über das Verladetraining? Nun, dies ist ein Buch über Pferde und den Umgang mit ihnen, mit besonderer Berücksichtigung des Verladens. Das Verladen gelingt als Konsequenz eines profunden Verständnisses der Kreatur Pferd, der Entwicklung eines ausgeprägten Pferdeverstandes und der besonderen Verladetechnik, die sich aus diesen Kenntnissen und Fertigkeiten ergibt.

Die Einleitung stellt das Verladetraining in den richtigen Zusammenhang:

VERLADEN LERNEN MACHT SPASS!

Mit Begeisterung kann ich behaupten, daß es einen angenehmen Weg gibt, der das Verladen eines Pferdes von einem auf das nächste Mal immer leichter werden läßt. Daß das nicht mit Zwang, sondern mit Vertrauensbildung erreichbar ist, ist für mich zu einer Selbstverständlichkeit geworden. [...]

Alles Handeln im Umgang mit dem Pferd versuche ich in der Berücksichtigung der Natur des Pferdes wurzeln zu lassen. Der Respekt vor dem Lebewesen Pferd steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich behaupte so lange, bis mir jemand das Gegenteil beweisen kann, daß dies die Einstellung ist, die langfristig gesehen am meisten Früchte trägt. Zudem ist es der sicherste und schönste Weg.

Wenn Sie sich Zeit für das Kennenlernen dieser Vorgehensweise nehmen wollen, so lade ich Sie ein, je weiter zu lesen. Vergleichen Sie meine Erfahrungen mit den Ihren. Entdecken Sie neue Perspektiven.

Nichts von dem Folgenden habe ich erfunden. So gut wie alles habe auch ich von erfahrenen Pferdeleuten gelernt, genauso wie diese es von jemandem gelernt haben. Es liegt mehr fern, Methoden oder Verfahrensweisen kopieren zu wollen. Betrachten Sie den Inhalt daß eine Sammlung von Erkenntnissen, die mich auf diesen Weg der Pferdearbeit gebracht haben.
Seite 5/6

Diese Einleitung wird illustriert von zwei kleinen Bildern, deren Unterschrift programmatisch ist:

Lassen Sie sich Zeit - und seien Sie eingeladen, auf den folgenden Seiten eine streßfreie Vorgehensweise kennenzulernen.

Landschaft, Pferd und Mensch in Harmonie. Wer sein Pferd führen kann, kann es auch verladen.

Die Bilder zeigen Pferd und Mensch im Schnee. Als Abschluß der Einleitung ein Kasten mit einer Grafik, die einem griechischen Tempel nachempfunden ist:

Ein kleines Gedankengebäude veranschaulicht meine Ideale. Auf einem ewig verbesserungswürdigen Fundament aus Pferdeverstand stehen Säulen, die meine Prioritäten in der Arbeit mit Pferden darstellen:

- Sicherheit für Mensch und Pferd
- Vertrauenssteigernder Umgang
- Konsequenz im eigenen Handeln

Das Dach über diesem gedanklichen Gebäude bildet die Ruhe.

Diese Ruhe strahlt das Buch aus. Kronsteiner bedankt sich bei seinem Lehrer Niko Bernard, dem das Buch gewidmet ist. Hier schreibt jemand, der das meint und fühlt, was er ausdrückt.

Zwar hat der Autor immer das Thema des Buches im Auge, braucht aber so viele Seiten, weil das Verladen, so wie er es realisieren möchte, die Konsequenz einer Haltung ist, die gebührend erläutert werden muß. Im Grunde geht es nicht nur um die Erziehung des Pferdes, sondern vor allem um die des Menschen.

ÜBER DIE INDIVIDUALITÄT VON PFERD UND MENSCH

[...] wichtiger als eine Methode selbst ist das Hintergrundwissen, das zu ihr geführt hat. Es erscheint mir daher als wesentlich, nicht einfach eine Methode zu lernen, sondern sich zuerst vertiefend mit deren Ursachen auseinanderzusetzen. [...] danach kann eine sichere Anwendung gelingen, weil Sie dann erst Ihr Ton dem jeweiligen Pferd und der spezifischen Situation anpassen können.
Seite 7

Der Autor hält sich aber nun nicht mit Allgemeinheiten auf, wie man denken könnte, sondern bleibt immer konkret und verdeutlicht seine Gedankengänge immer wieder auch mit Schilderungen, die beweisen, daß er schon allerhand erlebt hat und weiß, wie die Praxis aussieht. Ein Beispiel, das mir zu denken gegeben hat:

Es gibt Transporter, bei denen man die Zwischenwand zur Seite schieben kann, um mehr Raum zu schaffen. Ich glaube man irrt bei der Annahme, Zeit zu sparen, wenn man das Pferd zuerst bei vergrößerten Raumangebot an das Einsteigen gewöhnen möchte. Die Zeit, die man hier vielleicht gewinnen mag, braucht man später wieder, wenn man das Pferd an den schmalen Einstieg gewöhnen muß. Außerdem halte ich ohnehin den schmalen Einstieg für den besseren, weil sich das Pferd dabei im Hänger nicht umdrehen kann. Dies könnte nämlich auch zu riskanten Situationen führen. Ich bin dabei einmal nur knapp ohne schwerere Verletzung davongekommen, weil das bis dahin wirklich ruhige Pferd sich vor irgendetwas außerhalb des Hängers erschreckt hat. Für mich sehr überraschend hat es versucht, sich umzudrehen und wieder mit dem Kopf voran aus dem Hänger zu stürmen. Es hat dabei die (nicht verankerte!) Trennwand zur Seite geschoben und mich dabei beinahe erdrückt, weil ich auf der anderen Seite des Laderaumes gestanden bin. Ich bin noch glimpflich davongekommen und habe daraus gelernt.
Seite 12

Bereits auf Seite 14 die Zusammenfassung des Gelernten in Bezug auf das Verladen:

Zusammenfassung

  • Guter technischer Zustand des Transporters
  • Ein Heunetz ist immer gut
  • Geöffnete Vorrichtungen in sichere Position bringen
  • Zwischenwand (wenn vorhanden) bleibt fest verankert
  • Kurzes Anbindeseil ohne Panikhaken
  • Gutes Halfter
  • Rutschfester Boden

Das ist ein Teil der Rahmenbedingungen, die im zweiten Kapitel verhandelt werden. Im dritten Kapitel geht es um den Pferdeverstand. Der Autor geschildert das Verladen und den Pferdeanhänger sehr plastisch aus der Sicht des Pferdes und folgert:

Sich vorzunehmen, beim Verladen nicht ungeduldig zu werden, mag schon reichen. Viel leichter gelingt das aber, wenn man immer wieder an obige Punkte denkt und diese auch versteht. Ich selbst bin immer vielmehr darüber erstaunt, daß ein Pferd überhaupt in einen Hänger steigt. Es muß dabei gewaltig über seinen Schatten (seine Instinkte) springen. Also ist Respekt angebracht!

Die Behauptung des Autors, nichts selbst erfunden zu haben, ist anscheinend untertrieben. Im Abschnitt "Von Rang- und Raumordnung, vom Loben und Strafen und vom "Klick", der Wunder wirkt" äußert sich Kronsteiner über Dominanz (" [...] hat für mich einen zu bitteren Beigeschmack") und Belohnung ("[...] daß man sich keinen Bettler erzieht").

Nach einem Exkurs über das Klickertraining und dessen spezielle Anwendung im Zusammenhang mit Belohnungen bekennt er:

Egal bei welcher Gelegenheit ich einen Pferd etwas zum Naschen gebe - ohne Klick kein Leckerli! Das wird bald verstanden und ich habe auch mit vollen Taschen immer Ruhe vor Taschendieben.

Mich begeistern einfache Kleinigkeiten, die mir die Arbeit mit Pferden aber so optimieren.

Um diese Technik überhaupt praktikabel zu machen, habe ich den Klicker, den man sonst immer parat in der Hand haben müßte, durch ein lautes Schnalzen mit der Zunge ersetzt. Diesen "Klicker" habe ich immer zur rechten Zeit zur Verfügung. Er hat mich nur einmal im Stich gelassen. Das war im Winter bei -17°C.

Das Kapitel "Unerläßliche Vorübungen der Verladetechnik" führt drei "Hauptkomponenten" auf:

  • Vorwärtsgehen und Anhalten an der Hand
  • Rückwärtsrichten an der Hand
  • Schick das Pferd in den Hänger
Hier wird die ganze Angelegenheit richtig spannend. Wieviel ist schon über das Führen geschrieben worden! Kronsteiner arbeitet das Wesentliche sehr einfühlsam und deutlich heraus. Er sagt ganz genau, was er wann und unter welchen Umständen tut und wie das Pferd reagieren sollte. Dann werden diese Sequenzen auf vier Seiten fotografisch dokumentiert und nochmals beschrieben. Wunderbar!

Zusammenfassung

Schritt 1: Entspannte Haltung neben dem Pferd
Schritt 2: Körperaufrichtung- Spannung aufbauen mit Blick in die Bewegungsrichtung
Schritt 3: Bei Bedarf Aufmerksamkeit holen durch Zupfen am Seil
Schritt 4: Bewegung andeuten - nach vornebeugen
Schritt 5: Mit Stimme unterstützen (nur wenn noch notwendig!)
Schritt 6: Mit der Gerte so lange auffordern, bis Pferd sich in Bewegung setzt (nur wenn noch notwendig). Nie vor dem Pferd losgehen!

Seite 32

Die ganze Prozedur wird dann noch einmal für das Anhalten und Rückwärtsrichten durchgespielt, ebenfalls mit Fotosequenzen. Mit Stolz berichtet der Autor vom Lohn der Arbeit:

Vom Führen zur Freiarbeit

Das Führen eines Pferdes ist eine nur anscheinend banale Sache. Es kann jedoch zu einem echten Erlebnis werden, wenn man es bis zu einer gewissen Perfektion führt. Ich liebe es, mit meinen Pferden ohne direkte Verbindung durch Seil und Halfter über den Reitplatz zu laufen.

Meine Pferde folgen mir in drei Gangarten auf dem Fuß und weichen, egal bei welcher Manöver, keinen Millimeter von meiner Seite. Bei so einer Art von Freiarbeit stehen Vertrauen, Aufmerksamkeit und Respekt auf dem Prüfstand. Es ist ein erhebendes Gefühl, so mit Pferden spielen zu können, mit ihnen in ihrer Sprache zu kommunizieren - der Körpersprache.

Für das Verladen ist dieses Niveau an Kommunikationsfähigkeit natürlich nicht unbedingt notwendig, aber es erleichtert es ungemein.
Seite 41

Im Geiste sehe ich Monty Roberts und Klaus Ferdinand Hempfling - aber welcher Kontrast! Kein Ballast an Philosophie, sondern reiner Pragmatismus. Hier will sich niemand aufspielen, hier zeigt einer nur, was er kann, damit auch andere ihm nacheifern können. Auch diese Ausführungen werden mit Fotos dokumentiert.

Die letzte Übung findet sich in ähnlicher Form auch bei Pat Parrelli. Vor Jahren hatte ich berichtet, wie die querschnittsgelähmte Parrelli-Schülerin Silke Valentin ihre beiden Friesen vom Golfmobil aus in den Hänger schickt ( Frei in den Hänger). Wie schon bei der Führposition benutzt Kronsteiner Spielzeugfiguren, die von oben aufgenommen wurden, um seine Argumentation bildlich zu verdeutlichen.

Ab Seite 59 dann eine sehr ausgiebige Fotodokumentation mit dem auf dem Rücktitel abgebildeten Warmblüter, der keineswegs ohne Scheu geradewegs in den Hänger läuft. Der Autor hat reichlich Gelegenheit, problematische Situationen zu dokumentieren und läßt keine aus. Ab Seite 70 dann ein weiteres Beispiel mit einem Jungpferd, also erschwerten Bedingungen.

Das letzte Kapitel heißt "Fahren und Entladen". Auch hier wieder eine sorgfältige Diskussion sämtlicher Umstände und ein Fazit:

Zusammenfassung

Schritt 1: Nach dem Fahren warten, bis sicher Ruhe hergestellt ist
Schritt 2: Rampe öffnen
Schritt 3: Warten, bis wiederum Ruhe herrscht
Schritt 4: Von vorne einsteigen, Führseil einhängen und anderes Ende über den Rücken des Pferdes nach hinten werfen
Schritt 5: Warten, bis wieder Ruhe herrscht
Schritt 6: Anbindestrick lösen
Schritt 7: Nach hinten zur Rampe gehen, seitlich hinter dem Pferd positionieren und Seil aufnehmen, Sicherungsstange oder Kette öffnen
Schritt 8: Langsam und gerade zurückgehen, bis das Pferd die Rampe vollständig verlassen hat

Seite 79

Zum Schluß verrät der Autor, wie das Titelbild zustandekam - indem er nämlich sein Pferd rückwärts in den Hänger schickte. Was mich besonders beeindruckte und weshalb ich das Buch jedem Pferdefreund empfehlen möchte, ist die Haltung, die Kronsteiner zu Pferden einnimmt. Es ist eigentlich eine Lebensart, die da zum Ausdruck kommt, eine Liebe zum Pferd, die beglückt. Das Buch ist eine Illustration zum Motto, das der Autor seine Einleitung vorangestellt hat:

Pferde zu lieben ist einfach.
Es sollte Ausdruck unserer Liebe
zu diesen wundervollen Lebewesen sein,
sie verstehen und begreifen zu lernen.

Aber nicht nur das: Man kann das Buch sogar als eine Anleitung zum richtigen Leben auffassen. Zwar hat er diesen Abschnitt "Problembewältigung beim Umgang mit Pferden" benannt, aber man kann die Leitsätze auch allgemeiner verstehen, zum Beispiel den ersten Satz:

Ein Problem ist eine Herausforderung an unseren Geist und daher etwas Positives. Eine bewältigte Herausforderung macht uns um eine Erfahrung reicher.

Der Autor glaubt nicht, daß man das Verladen von Pferden nur aus Büchern lernen kann. Er selbst hat aus Büchern und von Menschen gelernt und empfiehlt neben der Lektüre der Bücher den Unterricht. Hoffen wir, daß die Leser die Chance haben, so gute Lehrer zu finden wie es Alexander Kronsteiner vergönnt war. Er gibt selbst genug Beispiele für schlechten Rat. In diesem Fall sollten Sie sich an die guten Bücher halten, die es Ihnen vielleicht auch ermöglichen, zwischen guten und schlechten Beispielen zu unterscheiden.


erschienen 31.10.04




Kronsteiner, Alexander

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