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Buch-Rezension · Erfolgreich arbeiten mit Pferden
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Diacont, Kerstin

Erfolgreich arbeiten mit Pferden
Entspannt reiten, stressfrei ausbilden mit minimalen Hilfen

160 Seiten, 234 Farbabbildungen, gebunden
Cham, 2004 · Müller Rüschlikon
ISBN 9783275015047


19,90 EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:

Wie schafft es der Reiter, sein Pferd mit minimalem Kraftaufwand zur Mitarbeit zu motivieren? Diese Frage beantwortet Kerstin Diacont, indem sie unterschiedliche Konzepte und wesentliche Zusammenhänge erklärt. Ziel ist es, dem Reiter zu verdeutlichen, wann welche Hilfe angemessen ist und wie welche Hilfe beim Pferd ankommt. Anfänger und Fortgeschrittene aller Reitweisen lernen so, unmissverständliche Hilfen zu geben und diese auf ein Minimum zu reduzieren. Leitgedanke ist: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Egal, ob am Boden oder im Sattel, dieses Buch macht Schluss mit unwilligen, verspannten Pferden und verkrampften Reitern.



Rückumschlag

Besonders detailliert werden in diesem Buch Funktionskreise und muskuläre Verkettungen im Körper des Reiters, des Pferdes und in der Einheit Reiter und Pferd dargestellt. Es werden Haltungsfehler bei Reiter und Pferd analysiert und deren negative Auswirkungen auf die Bewegungsfreiheit des Reiter-Pferd-Paares aufgezeigt. Insbesondere die wichtigen Schaltstellen im Gesamtsystem "Becken des Reiters - Reitergesäß - Pferderücken" sowie "Hals- und Kopfhaltung des Pferdes - Maul - Zügelhand - Schulter des Reiters" werden hinsichtlich Beweglichkeit und "Verspannungspotential" unter die Lupe genommen.



Informationen zu Kerstin Diacont

Kerstin Diacont hat eine Reihe sehr erfolgreicher Pferdebücher veröffentlicht. Sie arbeitet als Autorin, Grafikerin, Illustratorin und Fotografin. Sie hat im Müller Rüschlikon Verlag bereits den Titel "Wie sag ich’s meinem Pferd" veröffentlicht.

» www.mueller-rueschlikon.ch





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Dieses Buch ist in vier Kapitel eingeteilt:

  1. Wissen, verstehen und beurteilen
  2. Funktionskreise beim Reiter
  3. Funktionskreise beim Pferd
  4. Funktionskreise Reiter plus Pferd
Die letzten drei Kapitel sind nochmals sehr detailliert unterteilt. Ein Beispiel:

  • 4.1 Das innere Gleichgewicht von Pferd und Reiter
    • Der Umgang mit der Angst
    • Vertrauensaufbau
    • Angstbewältigungsprogramme
    • Aufmerksamkeit
    • Positiver und negativer Streß
Es ergibt sich also ein sehr logischer Aufbau. Das Buch ist sehr streng gestaltet, enthält sehr viele Illustrationen und Fotos und arbeitet sowohl mit negativen als auch mit positiven Beispielen, die es ermöglichen, die inhaltliche Argumentation nachzuvollziehen. Dabei arbeitet die Autorin "reitweisenübergreifend", verdeutlicht also ihre Argumente sowohl mit Westernpferden und Westernübungen als auch mit Warmblütern bzw. Barockpferden und klassischen Dressurübungen.

Wo Fotos nicht reichen, greift die Autorin zu Illustrationen. Auf Seite 105 findet sich eine Sequenz aus fünf Zeichnungen mit folgendem Begleittext:

(1) Korrekter Spannungsbogen ohne Aufrichtung
(2) Korrekter Spannungsbogen und gute Schulterfreiheit mit Aufrichtung
(3) Hinter dem Zügel - Bruch im Spannungsbogen im dritten Hals wirbelt - die Hinterhand schleift nach, der Rücken hängt durch
(4) Über dem Zügel (vgl. Alarmhaltung), blockierte Schulter, durch hängt der Rücken, Bruch im Spannungsbogen im Bereich Widerrist und 7. Halswirbel
(5) Überrollt - blockierte Schulter, zusammengeknautscher Hals, Bruch im Bereich des 3. oder 4. Halswirbels

(Die nebenstehenden Zeichnungen sind leider nicht übertrieben dargestellt, sondern es handelt sich hier um Grafiken, deren Linienführung direkt von vorhandenen Fotos aus Trainings- und Turniersituationen abgepaust und nur leicht schematisch vereinfacht wurde).

Mit anderen Worten: die Fotos hätten von der eigentliche Botschaft abgelenkt. Durch die Abstraktion der Zeichnung gelingt es wesentlich besser, das Argument zu verdeutlichen.

Ein Pferd ist auf der Zeichnung nur ein Pferd. Im Foto ist es immer auch ein Individuum, und Kerstin Diacont hat für Ihre Illustrationen ausgesprochen schöne Individuen gewählt. Wenn ich mich nicht irre, kommen diese Pferde auch in anderen Büchern der Autorin vor; es wird sich vermutlich um ihre eigenen Pferde handeln. Sie erscheint wohl auch selbst auf vielen Abbildungen als Reiterin.

So erklärt sich auch die Bandbreite: Kerstin Diacont ist in der Westernreiterei genausogut ausgebildet wie in der klassischen Dressur, die sie inzwischen anscheinend mehr beschäftigt. Diese Beschäftigung mit der klassischen Dressur nimmt nach meiner Beobachtung ganz allgemein ständig zu, was zu begrüßen ist. Es handelt sich dabei ganz offensichtlich um einen langwierigen Lernprozeß, sowohl für den Reiter als auch für das Pferd.

Wer sich auf diesen Weg begibt, braucht einen langen Atem und wird sich in jeder Hinsicht weiterbilden wollen. Dieses Buch ist für einen solchen Lernprozeß sehr hilfreich, weil es auf dem Hintergrund der persönlichen Erfahrung detaillierte Analysen und präzise Handlungsanweisungen liefert, die eine intensive gedankliche Auseinandersetzung und viel Erfahrung als Pädagoge voraussetzen.

Kerstin Diacont erscheint also in erster Linie als Lehrerin, die die Fülle ihrer anderen Talente in den Dienst in der pädagogischen Berufung stellt. Dieses Buch wendet sich allerdings nicht unbedingt an Anfänger, weil es doch sehr anspruchsvoll ist und einen aufmerksamen und wißbegierigen Leser voraussetzt. Andererseits profitiert natürlich gerade ein Anfänger besonders, wenn er sofort auf einer Ebene einsteigt, die er ohnehin anvisieren muß.

Diese Überlegungen sind reichlich abstrakt; ich illustriere sie am besten durch ein Zitat. Im letzten Kapitel werden auf Seite 122 Begriffe erläutert; ich kann diesen Abschnitt nicht vollständig zitieren, aber der Anfang sollte genügen:

Begriffsbestimmung

In die Tiefe reiten = Dehnungshaltung
Tief ist nicht einfach unten.


Richtiges "In-die-Tiefe-Reiten" bedeutet immer, die korrekte Dehnungshaltung zu erreichen - mit der Nasenlinie vor der Senkrechten - alles andere ist "Hals zusammenknautschen".

Richtiges "Tief-Reiten" erfordert jedoch auch immer eine aktive Hinterhand und einen locker schwingenden Pferderücken.

Westerngerittene Pferde werden in sogenannten Pleasure-Prüfungen oft in einer der Dehnungshaltung ähnlichen Positur geritten - mit sehr langem, tiefem Hals. Die tiefe Halshaltung in Verbindung mit sehr langsamen Tempo soll in diesem Fall die Rückenbewegung des Pferdes minimieren und den Reiter bequem sitzen lassen. Die Nase dieser Pferde ist zwar vor der Senkrechten, doch die aktive Hinterhand fehlt. Das Pferd läßt den Hals kraftlos hängen, statt ihn zu dehnen. Ein ziemlich trauriger Anblick - wie alles, was übertrieben wird! Und als Training für die Oberlinie wertlos, wenn nicht sogar schädlich.

In die Tiefe reiten ≡ Auseinanderfallen

Richtiges Verlängern des Halses und in die Tiefe reiten hat nichts mit "Auseinander-Fallen" zu tun. Dem auseinandergefallenen Pferd fehlt die aktive Hinterhand; es läßt den Hals ab Widerrist hängen, statt ihn zu tragen und zu strecken.

Einen besonders guten Trainingseffekt für die Elastizität von Rücken und Hinterhand hat der ständige Wechsel zwischen kurzer Versammlung und dem Entlassen des Pferdes in die Streckung mit aktive Hinterhand. Bei diesen Haltungswechseln muß das Pferd sich nicht immer bis an die Grenze strecken, d. h. die Nase nicht immer bis auf den Boden nehmen. Es wird auch von Pferd zu Pferd unterschiedlich sein, wie weit es sich abstreckt. Manche Pferde fordern ab und zu vehement die Streckung (vor allem in Schrittpausen) und spielen Staubsauger - mit den Nüstern am Boden. Achten Sie bei diesen Pferden darauf, daß sie dabei nicht die Hinterbeine vergessen, denn sonst hängt der Rücken wieder durch.

Vor der Senkrechten - das Genick als höchster Punkt

Vor der Senkrechten bedeutet "Naselinie vor der Senkrechten". Nicht "Unterkiefer in der Senkrechten" und nicht "Kopfmitte in der Senkrechten".

Und es bedeutet beim zusammengestellten oder versammelten Pferd: Das Genick ist der höchste Punkt. Nicht der erste Halswirbel (Atlas) und nicht der zweite Halswirbel (Axis). Die meisten Pferde unterbrechen ihren Spannungsbogen zwischen Axis und drittem Halswirbel, da sich dort eine Art Sollbruchstelle befindet (siehe Abbildung Seite 137).

Leider sieht man eine korrekte Kopf-Hals-Position in Dressurprüfungen recht selten - auch in den hochkarätigen nicht. Was wiederum aus meiner Sicht einiges über die Qualität des Bewertungssystems aussagt ...

Nehmen Sie die Stirn des Pferdes als Orientierung und lassen ein Lot nach unten fallen. Als generelle Richtlinie kann gelten: Die Nüstern des Pferdes müssen vor dieser Lotsenkrechten liegen.

Begleitet ist diese Diskussion natürlich mit positiven und negativen Bildbeispielen, hier wiederum überwiegend als Zeichnung, weil diese sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Wie gut, daß die Autorin sowohl fotografiert als auch zeichnet als auch gestaltet!

So kann ein Buch aus einem Guß entstehen, das die Absichten der Pädagogin optimal umsetzt. Allerdings hatte ich immer wieder einmal das Gefühl, die Illustrationen und auch der Text könnten den Leser entmutigen. Diese Pferde sind einfach zu schön und können schon zu viel, die Autorin ist zu erfahren - der Leser könnte sich eher entmutigt als ermutigt fühlen. Aber dann setzte doch der Kopf ein: Wie soll der Leser auf den Weg gebracht werden, wenn nicht so?

Und im übrigen trifft dieser Einwand auf so gut wie jedes Buch zu. Die Fotos sind immer unter optimalen Verhältnissen aufgenommen, die Pferde gebührend herausgeputzt, die Reiter zeigen sich von der besten Seite - es geht nicht anders.

Das Layout sieht als Verlängerung eingestreuter Kästen bis zum Bildrand ein schmales Foto vor. Und da diese Kästen sich durch das ganze Buch ziehen, erscheint dieses Foto immer wieder. Als Randverzierung genießt es natürlich nur eine sehr geringe Aufmerksamkeit. Durch die Wiederholung aber wird sozusagen ein Grundton angeschlagen, dem sich der Leser auf Dauer nicht entziehen kann.

Die Illustrationen signalisieren fast ausschließlich eins: Arbeit! Anstrengende Arbeit! Konzentration! Aufmerksamkeit! Ausdauernde Aufmerksamkeit und Konzentration! Die Randillustration kompensiert - sie zeigt eine Reitergruppe im Schritt am Strand vor auflaufender Flut.

Die Einleitung zeigt vermutlich den Knabstrupper der Autorin im Galopp an vielleicht demselben Strand. Das Buch beginnt mit folgenden Sätzen:

Der Umgang mit Pferden und das Reiten sollen uns Menschen Freude bereiten. Immer mehr Reiter suchen hierbei einen harmonischen, von Verständnis geprägten Weg; das Pferd in seiner Eigenschaft als Freizeit- und Sportpartner des Menschen soll nicht zur Arbeit gezwungen, sondern mit Einfühlungsvermögen zur Mitarbeit motiviert werden.

Dies erfordert eine umfassende Ausbildung der zwei- und vierbeinigen Beteiligten auf körperlicher und geistiger Ebene - eine von gegenseitigem Verständnis geprägte Ausbildung. Dazu ist es notwendig, daß der Reiter zuerst sich selbst und dann sein Pferd "erkennt". Er muß seine eigenen Fähigkeiten und die des Pferdes auf körperlicher und psychische Ebene beurteilen lernen und dann mit Logik und "gesundem Menschenverstand" darangehen, einen individuellen Trainingsplan zu erstellen, der sowohl den eigenen Fähigkeiten als auch denen des Pferdes angemessen ist und zu einer langfristig positiven Entwicklung von beiden Partnern führt.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang das "Sehen-Lernen"; die Fähigkeit des Reiters, zu beurteilen, ob eine Haltung des Pferdes oder Reiters funktionell richtig ist oder ob beide nur in eine optische Schablonen gepreßt wurden, die dem Körperbau von Pferd und/Reiter nicht gerecht wird. Individualität ist gefragt, aufbauend auf allgemeingültigen Grundlagen. Individuelle Eigenheiten und Probleme von Pferd und Reiter müssen erkannt und in die Ausbildung integriert werden. [...]

Schaut man sich den "Alltagstrott" vieler Reiter an, so fallen ganz häufig "logische Fehler" in der Arbeit mit dem Pferd auf. Egal, ob unter dem Sattel oder bei der Boden- und Longenarbeit. Die Pferde werden nicht sinnvoll beschäftigt, sondern nur "bewegt". Ein durchdachtes Arbeitsprogramm und eine klare Zielsetzung fehlen oft. Der Mensch konzentriert sich nicht auf seinen Partner Pferd, sondern telefoniert beim Longieren oder hält beim Reiten ein Schwätzchen. Erstellt keine Anforderungen an das Pferd (alle nicht vorüberlegt hat, was selber erreichen will) oder selbst gestellte Forderungen nicht konsequent genug durch. Und wundert sich dann, wenn das Pferd macht, was es für richtig und bequem hält.

Dieses Buch ist anscheinend auch für die interessant, die schon alles zu wissen glauben. Zwar haben wir ein hochentwickeltes Turnierwesen in fast jeder Reitweise, das Beurteilungsvermögen der Richter und Lehrer scheint jedoch nicht so entwickelt zu sein, wie es die Autorin für notwendig hält. Und wenn die Lehrer und Richter nicht Bescheid wissen und mangels Erkenntnisfähigkeit nicht die richtigen Korrekturen geben können, kann der Schüler keine Fortschritte machen.

Daher wünsche ich diesem Buch eine lebhafte Diskussion nicht nur bei der Zielgruppe, sondern auch in den Kreisen der Richter und Trainer, deren Kenntnissen und Fertigkeiten von der Autorin immer wieder in Frage gestellt werden. Daß diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen sind, beweisen die vielen Zeichnungen, die, wie oben zitiert, nach Originalfotos aus Lehr- und Turniersituationen hergestellt worden sind.


erschienen 10.10.04




Siehe auch die folgenden Rezensionen:
Ausgabe 161, Diacont, Kerstin:  Mit System zum harmonischen Reiten, Das konsequente Ausbildungs- und Trainingskonzept
Ausgabe 225, Diacont, Kerstin:  Besser Westernreiten mit George Maschalani, Profitips für Training und Turnier
Ausgabe 272, Diacont, Kerstin:  Was die Cowboys noch wußten, Wie das Pferd funktioniert · Sicherheitsfaktoren und Angstbewältigung
Ausgabe 343, Diacont, Kerstin:  Reitstunde, Die klassische Ausbildung modern vermittelt
Ausgabe 379, Diacont, Kerstin / Löffler, Andrea:  Richtiges Training - Gesundes Pferd, Anatomisches Grundwissen für Reiter und Ausbilder




Diacont, Kerstin

Erfolgreich arbeiten mit Pferden
Entspannt reiten, stressfrei ausbilden mit minimalen Hilfen

160 Seiten, 234 Farbabbildungen, gebunden
Cham, 2004 · Müller Rüschlikon
ISBN 9783275015047


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