
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Welches Titelbild würden Sie für ein Buch mit dem Titel "URLAUB MIT DEM EIGENEN PFERD" wählen? Genau. Eine endlose Weite am menschenleeren Strand, darauf Pferde und Reiter im gestreckten Galopp. So sieht der Urlaub mit dem eigenen Pferd aus.
Habe ich schon gehabt. War gar nicht schlimm. In ein paar Stunden ist man von der Gegend, in der ich wohne, an der Nordsee. Mit der Fähre kann man sogar auf die Inseln übersetzen, und auf der holländischen Insel Ameland, wo ich viele Jahre meinen Urlaub verbracht habe, darf man am Strand beliebig reiten.
Meine Tochter Merle hat ihre abenteuerliche Geschichte mit Pferden ausführlich geschildert (› Was Vater auch noch nicht wußte, Wie das große Pferdeabenteuer begann). Der Urlaub in Ameland spielte darin eine große Rolle (› Suche Ameland in Ausgaben), und als wir dann eigene Pferde hatten, haben wir sie regelmäßig mitgenommen (› Ein Fohlen entdeckt die Nordsee, Vater im Streß: mit Sack und Pack auf die Insel).
Natürlich braucht man einen Anhänger, und wenn man sich einen leihen muß, hat man vermutlich das Verladen mangels Objekt nicht geübt. Ich weiß, was das bedeutet. Deshalb empfehle ich unbedingt: kaufen Sie sich das vorliegende Buch. Es macht einen auf alle wichtigen Dinge aufmerksam. Der Kasten auf Seite 41 bringt es auf den Punkt:
| | Die richtigen Fragen stellen: Das kann man nur, wenn man weiß, was man will und was einem für sich selbst und das Pferd wichtig ist. | | |
Aber der Reihe nach:
| Urlaub: Jeder sehnt sich danach. Wieder einmal aus dem Alltagstrott ausbrechen, entspannen, etwas anderes erleben, sehen, entdecken. Viele Pferdebesitzer wollen auch ihren Jahresurlaub - oder zumindest einen Teil davon - im Sattel verbringen. Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten, egal ob Reitanfänger oder fortgeschrittener Reiter, egal ob zu zweit, allein oder in der Gruppe. Und es gibt sogar genug Möglichkeiten, einen Pferdeurlaub gemeinsam mit dem nichtreitenden Partner zu verbringen. [...]
Ihr Pferd steht in einem Ballungsgebiet mit mäßigen bis schlechten Ausreitmöglichkeiten? Warum nicht einfach für ein paar Wochen ein Stückchen weiter raus aufs Land, wo das Gelände phantastisch und die Wege vielseitig sind? Gerade im Sommer haben viele Reitställe Platz, wenn die eigenen Pferde rund um die Uhr auf der Sommerweide sind.
Sie wollen nicht mehr immer nur ausreiten? Sie wollen dazulernen und ihr Pferd rittiger machen? Ein Kurs, bei dem Sie auf dem eigenen und/oder Schulpferden Unterricht nehmen, bringt Spaß, motiviert wieder neu und ermöglicht den Austausch mit Gleichgesinnten. Diese beiden gegensätzlichen Möglichkeiten zeigen schon, mit welch einfachen Mitteln ein abwechslungsreicher Urlaub zu arrangieren ist. Nicht nur für denjenigen, der bereit ist, in etwas mehr Aufwand zu investieren, bietet sich eine unglaubliche Bandbreite faszinierender Möglichkeiten, Urlaub mit dem eigenen Pferd zu verbringen. Seite 5/6 | | |
Genau. Und ich würde sagen: Es muß nicht immer der Jahresurlaub sein - ein erweitertes Wochenende kann den Alltag und das Zusammenleben mit dem Pferd ebenso auffrischen und den Blick für neue Horizonte öffnen.
Urlaub, das heißt doch für viele Mitbürger: Die große weite Welt, je weiter und exotischer desto besser, ohne Langstreckenflug geht es nicht. Tja, in diesem Fall kann man sein Pferd nicht mitnehmen.
Trotzdem kann man einen Reitunterricht genießen, fremde Gegenden auf dem Pferderücken erkunden und neue Reittechniken lernen; zwar nicht auf dem eigenen Pferd, aber auch das wird den Reiter weiter bringen und damit auch seinem Pferd nutzen. Solche Fernreisen werden von Spezialisten seit zig Jahren organisiert und überall angeboten. Inzwischen gibt es sogar spezialisierte Zeitschriften für Leute mit Fernweh und Pferdesehnsucht.
An diese Zielgruppe wendet sich dieses Buch weniger. Was soll man solchen Leuten auch erzählen? Der Reiseveranstalter hat für alles gesorgt. Hier geht es um das eigene Pferd, mit dem man Urlaub machen möchte, und das ist eine ganz andere Sache. In diesem Fall muß man selbst organisieren, selbst vorbereiten, selbst abwickeln.
Aber zunächst geht es um die Klärung der Frage, was man alles tun kann. Das entsprechende Kapitel "Wie? Möglichkeiten" ist unterteilt in die folgenden Abschnitte:
| - Unterricht nehmen - dazulernen
- Abzeichen machen - Wissen prüfen
- Reitweisen entdecken
- Wanderreiten - Freiheit und Abenteuer
- Distanzreiten - Marathon für vier Hufe
- Fahren - Perspektive wechseln
- Handpferdereiten
- Einfach ausspannen
- Untugenden abtrainieren
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Nach dem Wie? nun das Wo? "Meer oder Berge", "Klein oder fein", "Mit dem Pferd ins Ausland" sowie "Und noch ein paar Ideen" heißen die Abschnitte. Als Illustration ein Bild, wie ich es aus meinem Urlaub in Ameland kenne: Glatter Sand, im Vordergrund noch ganz naß und spiegelnd, weil die Flut sich gerade erst zurückzieht, und im Hintergrund die typischen Dünen im Nebel. Die Reiter im Galopp und so dick vermummt, daß man auf eine Jahreszeit ganz früh im Frühjahr oder ganz spät im Herbst tippen möchte. Dazu die Bildunterschrift: "Ein Galopp am Strand muß kein Traum bleiben! Übrigens: Meerwasser und Seeluft sind gut für Pferdebeine und -lungen."
Wie auch für Menschen. Der Text informiert darüber, daß an den meisten Stränden in der Hochsaison das Reiten allerdings verboten ist. Man sollte sich also vorher informieren. Aber es muß ja nicht immer der Strand sein. Wichtig erscheint mir folgende Bemerkung:
| Wer in Ballungsgebieten oder stark flurbereinigten Gegenden wohnt, träumt oft schon von ausgiebigen Trab- und Galoppstrecken. In vielen Gegenden Deutschlands, speziell im Norden und Osten, gibt es phantastische Sand- und Wiesenwege , die den Reitern zur Verfügung stehen. Als Beispiel seien hier die Mecklenburgische Seenplatte und die Lüneburger Heide genannt. Diese Gegenden bieten sich nicht nur für Wanderreiter an, sondern sind für jeden, der beim Ausreiten nur ein oder zwei mögliche Routen hat, eine tolle Abwechslung. Oft muß man aber gar nicht weit fahren. Manchmal reichen schon 50 Kilometer, um von einem Asphalt- und Kiesdschungel in ein Wald- und Wiesenwegeparadies mit Reiterlaubnis zu gelangen. Wer vom Ballungsraum München Richtung Bayerischer Wald oder Altmühltal fährt, wird dies ebenso erleben wie ein Kölner, der im Bergischen Land seinen ganz persönlichen Ausreiturlaub macht. Seite 34 | | |
Ein Urlaub in der Nähe des Wohnortes hat auch den Vorteil, daß man vorher schon einmal ganz unverbindlich die Angebote sondieren kann. Man muß sich nicht überraschen lassen. Schließlich muß das Pferd am Urlaubsort untergebracht werden. Wenn es in eine Box kommt, wird die Sache für das Pferd vielleicht nicht ganz so erfreulich. Stellt man es hingegen in eine vorhandene Herde, ergeben sich möglicherweise für alle Beteiligten vorübergehend Streßsituationen - also nichts für einen Kurzurlaub.
Ein spezieller Abschnitt "Sicher verladen und fahren" beschäftigt sich mit den unvermeidlichen Transportproblemen. Die Autorin hat offenbar schon die tollsten Sachen erlebt und setzt deshalb immer ganz tief an. Zuweilen gibt sie eine haarsträubende Geschichte zum Besten, damit man nachvollziehen kann, warum auch die grundlegendsten Fragen sorgfältig bedacht werden müssen.
So findet sich hier also auch ein komplettes Verladetraining inklusive Illustrationen über sage und schreibe vier Doppelseiten. Immer wieder bin ich von der Sorgfalt der Texte überrascht worden. Ein Beispiel aus diesem Abschnitt:
| Links oder rechts: Verlädt man nur ein Pferd, soll man es nach gängiger Meinung links transportieren, weil aufgrund der abfallenden Neigung der Straßen nach außen ein Fahren schwieriger wird, wenn das Gewicht des Pferdes auch nach außen zieht. Auch in den Kurven habe man eine andere Gewichtsverteilung, abhängig davon, auf welcher Seite ein einzelnes Pferd steht. Stimmt nicht, sagen Anhängerhersteller, bei einem modernen Längsträgerfahrwerk spielt das keine Rolle. Wichtig ist eine vernünftige Fahrweise und daß die Zugmaschine und das Gewicht von Hänger und Pferd zusammenpassen. Lediglich wenn man einmal mit dem rechten Rad ins Bankett kommen sollte, ist es günstiger, wenn die Hauptlast nicht rechts liegt, ist die Erfahrung, die der ADAC mit Wohnwagen gemacht hat. Seite 70 | | |
Wir haben zwar meistens zwei Pferde transportiert, doch wenn es nur eins war, habe ich es rechts hingestellt, aber mir nie darüber Rechenschaft abgelegt, warum. Mir schien es sinnvoller, das Pferd auf die dem Verkehr abgewandte Seite zu stellen. Ein dicker Lastzug auf der Autobahn, der das schwer arbeitende Zugfahrzeug an einer Steigung überholt, könnte bei einem links stehenden Pferd mehr und leichter Ängste auslösen - das war wohl mein Beweggrund.
Das Buch steuert auch Ideen für (noch) nicht reitende Partner bei, bietet eine Checkliste, ein Adreßverzeichnis mit Adressen zu regionalen Wanderreitnetzen und Fachschulen für Reiten und Fahren. Es beschäftigt sich auch mit Auslandsreisen, macht aber nach meinem Eindruck vor allem Mut zu Inlandsreisen. Warum auch nicht? Manch einer hat die ganze Welt gesehen und kennt seine nähere Umgebung nicht. Von unseren neuen Bundesländern ganz zu schweigen - ein hoher Prozentsatz der Ostdeutschen hat den Westen bereist, umgekehrt nur sehr wenige.
Dort liegt jede Menge Neuland, das es zu entdecken gilt. In einem der Bücher, die ich in letzter Zeit rezensiert habe, fand ich die Anzeige eines großen Reisekonzerns, der offenbar die Reiter als Zielgruppe entdeckt hat. Es wurde höchste Zeit. Das florierende Geschäft der auf Reiterreisen spezialisierten Unternehmen zeigt, daß hier ein Bedarf vorliegt. Interessanterweise bot dieser Reiseriese im Gegensatz zu den etablierten Unternehmen, die typische Fernreisen anbieten, Reiterurlaub in Deutschland an, speziell auch in Ostdeutschland. Das fand ich bemerkenswert.
Natürlich handelt es sich dabei um ein Pauschalangebot, das den Partner Pferd nicht vorsieht. Auf der anderen Seite wachen die lokalen Anbieter langsam auf. Hier in Westfalen ist vor kurzem die Marketingveranstaltung "Pferdestärken" inszeniert worden, in Schleswig-Holstein hat man riesige Reitwegenetze eingerichtet, und die Eifel ist seit langem schon Vorreiter in Sachen Wanderreiten (siehe › Eifelscout und › Zwei Wochen Eifel zu Pferd, 300 Kilometer auf dem Pferderücken durch eine wundervolle und abwechslungsreiche Landschaft).
Man muß also nicht alles auf eigene Faust organisieren, sondern kann sich darauf verlassen, daß andere für einen sorgen. In Verbindung mit diesem Buch kann eigentlich der nächste Urlaub oder Kurzurlaub nicht schiefgehen. Viel Vergnügen für Sie und Ihr Pferd! Und wenn Sie etwas Interessantes zu berichten haben, können wir vielleicht demnächst in der Pferdezeitung darüber lesen...
erschienen 03.10.04
Siehe auch die folgende Rezension: Ausgabe 287, Götz, Claudia: › Reitbeteiligung gesucht, Ein Ratgeber für pferdelose Reiter und zeitarme Pferdebesitzer
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