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DVD-Rezension · Jagdreiten
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Braun , Gudrun

Jagdreiten
Freiheit im Galopp
mit vielen interessanten Extras

48 Min; Video-Artikel-Nr.: 475900, 39,90 EUR
Langwedel, o.J. · TV-Produktion und Video Verlag Thomas Vogel

49,90 EUR ·  Bestellen


Der Verlag sagt über die DVD:

DVD-Extras:

  • Das Jagdreiter Lexikon
    Wichtige Begriffe von A-Z
  • Das Signal-Quiz
    Jagdsignale hören und erkennen
  • Der Trainingsplan
    So mache ich mein Pferd jagdfit!
  • Jagdszenen zum Genießen
    eine musikalische Sinfonie mit Pferden und Hunden
  • Die deutschen Meuten
    Informationen und Adressen
Zum Inhalt des Videos:

Das Jagdreiten hinter den Hunden hat eine lange Tradition. Im Herbst ist die Zeit der jagenden Meuten, der roten Röcke, der galoppierenden Pferde. So faszinierend dieser Sport ist, so vielfältig sind die Regeln.

  • Welche Rolle spielen die Hunde?
  • Was ist ein Pikör?
  • Was bedeuten die Jagdhornsignale?
  • Welche Kleidung muß man tragen?
Dieser Film zeigt Ihnen alles, was Sie über das Jagdreiten wissen sollten. Lassen Sie sich von wunderschönen Bildern und atemberaubenden Jagdszenen faszinieren!

  • Tradition und Geschichte
  • Hundemeuten
  • Ausbildung und Training der Pferde
  • Aufgaben von Master und Pikören
Ein Leitfaden für alle begeisterten Jagdreiter und Einsteiger, die im Herbst hinter der Meute reiten möchten!

Ein Film der TV-Produktion, Thomas Vogel

Redaktion: Gudrun Braun





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu der DVD:
von   Werner Popken

Im Hauptartikel dieser Woche berichte ich darüber, wie sich aus der Jagdreiterei schließlich die Erfüllung eines Lebenswunsches entwickelt ( Ein Vermächtnis an die Heimat). Da schien mir das Video bzw. die DVD über das Jagdreiten passend. Im September hatte ich über die Petersfelder Herbstjagd berichtet ( Über Felder, Gräben und Hindernisse), die ohne Meute abgehalten wird.

Im Jagdreiterlexikon, das nur auf der DVD zu finden ist, lese ich, daß so etwas eine "Fuchsschwanzjagd" ist, eine "verpönte Art der Jagdreiterei ohne Hunde". Weiter hinten im Lexikon gibt es noch das Stichwort "Reitjagd", zu dem es neutral heißt: "Jagd ohne Hunde". In diesem Film geht es ausschließlich um die Jagdreiterei mit Hunden. Die Hunde stehen im Vordergrund, obwohl die meisten Teilnehmer der Jagd mit den Hunden direkt nichts zu tun haben.

Es geht nämlich um die Fortsetzung einer Tradition, die Jahrhunderte alt ist und insbesondere in England, Frankreich und Deutschland ununterbrochen gepflegt wurde. Sie feiert eine der wenigen Vergnügungen, deren sich der vermögende Adel erfreuen konnte. Bei den Schilderungen der Vergnügungen der Herren konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Art Zerstreuung auf Dauer doch recht öde gewesen sein muß.

Da tue ich aber sicherlich den Teilnehmern früherer Jagden in mehrfacher Hinsicht unrecht. Zum einen ist das Geschehen natürlich jedesmal neu, anders und aufregend. Mit demselben Argument würde man den gesamten Sport aushebeln können, denn auch dort geht es immer wieder um dasselbe, den Sprung über Hindernisse, die Zurschaustellung eingeübter Figuren usw. Zum anderen ging es tatsächlich um die Jagd.

Ein Jäger bin ich nicht und deshalb nicht befugt, über das Vergnügen am Töten zu urteilen. Es gab sicher Zeiten, in denen die Jagd den notwendigen Lebensunterhalt verschafft hat. Das Jagen zu Pferde war Privileg des Adels, und auch bestimmte Wildarten waren den Herrschaften vorbehalten. Im Film wird mehrfach erwähnt, daß in Frankreich immer noch auf den Hirschen gejagt wird und in England auf den Fuchs.

Soweit ich unterrichtet bin, hat sich die Gesetzeslage in England inzwischen geändert und die Jagd auf lebendes Wild ist dort ebenfalls verboten. Aber auch der Master der friedlichen, hundelosen Petersfelder Herbstjagd war über die englischen Jagden begeistert und fand diese dem Fuchs gegenüber durchaus fair.

Wie dem auch sei, in Deutschland ist die Jagd auf lebendes Wild seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts verboten, und siehe da: Es geht auch ohne! Zwar klingt im Film immer wieder das Bedauern durch, aber man hat hierzulande offensichtlich gelernt, auch mit dem Ersatz zu leben und seine Freude daran zu haben. Ich könnte mir denken, daß die französischen Jagdreiter ähnlich auf die deutschen Jagdreiter herabblicken wie diese auf die Reitjäger, die sich noch nicht einmal eine Meute leisten können.

Die Meute ist also absolute Voraussetzung dafür, daß man dazugehört. Da sich nun nicht jeder, der sich das Vergnügen eines Jagdrittes gönnen will, eine Meute halten kann, stehen die 23 Meuten unseres Landes zuzüglich der zwei Anwärter mietweise zur Verfügung. Auf diese Weise können in unserem Lande jährlich um die 800 Jagdritte stattfinden.

Da an so einem Jagdritt um die 100 Personen teilnehmen, könnte die Gesamtzahl der jährlichen Teilnehmer an Jagdritten gut 100.000 betragen. Und da es sich um die Fortsetzung einer adeligen Tradition handelt, ist natürlich die entsprechende Etikette zu beachten. Wer diese DVD studiert, dürfte sich zumindest theoretisch optimal auf dieses gesellschaftliche Ereignis vorbereiten (das Video ist kostengünstiger, enthält jedoch nicht die zusätzlichen Informationen).

Es gibt aber auch Lehrgänge, anscheinend jedoch nur für die Jugend. Der Abschnitt "Ausbildung" schildert ausführlich, wie die Jugendlichen im Trainingscamp im niedersächsischen Dorfmark (an der Autobahn Hannover/Hamburg nahe der Abzweigung Bremen) ausgebildet werden und worauf es ankommt. Die Spezialabteilung "Trainingsplan" enthält hilfreiche Angaben, wie man sich und sein Pferd sechs Wochen lang Woche für Woche auf den bevorstehenden Ritt vorbereiten kann. Wer das Video besitzt oder erwerben will, findet solche Informationen sicherlich in entsprechenden Büchern, die der Verlag ebenfalls bereithält.

Die DVD enthält natürlich nicht nur Informationen, sondern auch wunderbare Bilder, insbesondere von der Meute. Solche Bilder wird man selbst kaum einfangen können; als Teilnehmer kommt man schon gar nicht in den Genuß, denn man reitet ja der Meute hinterher. Bekanntlich werden die Reiter in Felder eingeteilt, je nach reiterlichem Vermögen. Das kommt generell zu kurz, hier wird ausschließlich das erste, springende Feld gezeigt.

Das besondere Vergnügen an der Jagdreiterei begründet sich durch das Gemeinschaftserlebnis, den Ritt durch die Natur, die abwechslungsreiche Landschaft, phantastische Naturhindernisse (oder diesen zumindest hervorragend nachempfundene) und die Herausforderung an Pferd und Reiter, die natürlich auch dann gegeben ist, wenn nicht oder nicht über alle Hindernisse gesprungen wird.

Es geht aber nicht nur um Hindernisse, sondern um die Harmonie zwischen Pferd und Reiter insgesamt. Deshalb ist eine gute Dressurausbildung allemal vorteilhaft, wenn nicht sogar Voraussetzung. Eine Szene zeigt sehr schön eine Reihe Reiter in einem trockenen Graben und einen dazwischen, dessen Pferd partout nicht im Graben gehen will, weil es Gräben generell als Hindernisse, die zu überspringen sind, ansieht. Durch den Nachahmungstrieb gelingt es dem Reiter dann doch, sein Pferd ruhig in der Reihe gehen zu lassen.

Gerade das Reiten in der Gruppe bedarf einiger Vorsichtsmaßregeln, denn die oberste Maxime heißt: Gesund und heil ankommen. Die Aufnahmen zeigen selbstverständlich ausschließlich diszipliniert reitende Teilnehmer, die ihr Pferd vollkommen unter Kontrolle haben, und Pferde, die in dieser doch sehr aufregenden Situation absolut gelassen bleiben. Immerhin geht der Sprecher darauf ein, was zu tun ist, wenn ein Pferd durchgeht. Zwei Reiter werden gezeigt, die gestürzt sind, allerdings nach dem Sturz, und beiden ist nichts passiert.

Reiten ist nicht ungefährlich, Jagdreiten fordert sozusagen die Gefahr heraus. Kein Wunder, daß alle Beteiligten sich bemühen, die Risiken zu begrenzen. Selbst die Etikette hat darunter zu leiden, denn neuerdings nehmen die Herren nicht mehr den Hut zum Gruße ab, da dieser ja fest unter dem Kinn verschnallt ist. Überhaupt ist man bemüht, Schäden jeglicher Art zu begrenzen und das Ansehen dieses Sports in der Öffentlichkeit nicht zu gefährden. Die Jagdreiter haben es ohnehin schwer genug und werden immer wieder einmal von Leuten, die meistens nichts von der Sache verstehen, unqualifiziert diffamiert.

Im Abschnitt über die Ausbildung der Meuten wird klargemacht, daß die Hunde auf keinen Fall hinter natürlichen Fährten, etwa Kaninchen, herlaufen dürfen. Bekanntlich kann man Hunde, wenn man es richtig anstellt, beliebig konditionieren. Die meisten Menschen können es nicht, was sehr bedauerlich ist und ihnen auch jede Menge Ärger einbringt; die Master und Piköre der Meuten können es selbstverständlich sehr gut, zumindest überzeugten mich die entsprechenden Passagen im Film.

Selbst wenn man keine Hunde hat, auf die Bläser möchte man auf keinen Fall verzichten. Das DVD-Spezial enthält auch ein Quiz. Eine ganze Reihe von Signalen wird im Film erklärt und man kann testen, ob man sie wiedererkennt. Die vorgestellten Signale stammen aus der französischen Jagdreiterei und sind ursprünglich entwickelt worden, um dem versprengten Feld Nachrichten zu übermitteln. So gibt es Signale, die anzeigen, daß man ein Wasser überquert oder aus dem einen Wald in den anderen wechselt. Das Jagdhorn ist bis zu sechs Kilometer weit hörbar.

Eingangs erklärt ein Master, warum die Jagdreiterei für ihn eine so große Faszination ausübt. Auf Turnieren gibt es immer Gewinner und Verlierer, beim Jagdreiten gewinnen alle. Es scheint, als ob das Jagdreiten süchtig machen kann. Also Vorsicht: diese DVD könnte eine Einstiegsdroge sein!


erschienen 09.05.04




Braun , Gudrun

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©1999-2008 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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