
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Voltigieren ist Pferdesport, soviel ist sicher: ohne Pferd kein Voltigieren. Ist Voltigieren eine Vorstufe zum Reiten? Mit Sicherheit wird man sich besser auf dem Pferd ausbalancieren können, wenn man ausreichend im Voltigieren geübt ist. Wer also Reiten lernen will und noch zu klein ist, für das Voltigieren aber groß genug, der kann durch die Übungen auf dem Pferd sicher für das spätere Ziel profitieren.
Darum aber dreht es sich in diesem Buch nicht. Die Seiten, die sich auf die ersten Übungen für die ganz Kleinen beziehen, lassen sich an einer Hand aufzählen. Die Leidenschaft der Autorin, wen wundert es, gehört dem Spitzensport, und der ähnelt dem Kunstturnen und der Akrobatik anscheinend mehr als dem eigentlichen Reiten. Schon das Titelbild macht es deutlich: der Könner ist das Ziel.
Die Bilder sind geeignet, dem Anfänger zu zeigen, welche Leistungen er bringen kann, wenn er nur geduldig und zielstrebig an sich arbeitet. Kann man das Voltigieren aus diesem Buch erlernen? Vermutlich nicht. Zum einen ist das Voltigieren ein Gruppensport: alleine kann man das nicht machen. Zum anderen sind es gerade Kinder und Jugendliche, die diesen Sport unter der Anleitung von Erwachsenen ausüben, und ich kann mir nicht denken, daß die dies Buch lesen wollen, zumindest nicht, solange sie Anfänger sind.
Wer aber sich mit diesen Sport schon länger beschäftigt hat und weiterkommen will, sei es als Ausbilder oder als Ausübender, wird dieses Buch gründlich studieren wollen. Es ist umfassend, fundiert, systematisch und kompetent. Der Wettbewerb spielt eine große Rolle, die Hinweise auf den Wettkampf durchziehen das gesamte Buch. Neben den eigentlichen Anleitungen finden sich immer wieder Listen von typischen Fehlern, die bei der Ausbildung sicherlich sehr hilfreich sind.
Als Beispiel will ich zwei Zitate aus den Seiten 84 und 85 bringen:
| Stützschwung vorlings - Mit der oben beschriebenen Schwungtechnik Schwung holen. Beim Aufschwung auf die Arme stürzen, Hüfte strecken und die Beine bis zu maximalen Höhe rück-hochschwingen (Abb. links). Die gestreckten Beine kurz vor dem höchsten Punkt über dem Pferderücken schließen.
- In Umkehrpunkt die Hüfte beugen und dadurch den Schwung abbremsen, dabei das Gesäß so hoch wie möglich schieben. Die Beine im Aufwärtsschwung pferdebreit öffnen und - wie unten beschrieben - korrekt einsitzen.
| [...] Typische Fehler bei allen Schwüngen vorlings - Schwung gegen den Galopprhythmus; schwaches Schwungholen mit zu wenig Beschleunigung; beim Rückschwung der Beine wird der Schwung am Pferd abgebremst.
- Zu frühes Vorneigen des Oberkörpers mit vorzeitiger Armbeugung, dadurch ist keine Hüftstreckung möglich.
- Zu frühes Durchdrücken der Arme, mangelndes Abtauchen, der Oberkörper wird so blockiert und der Aufwärtsschwung wird verhindert.
- Zu geringer Abdruck mit den Armen oder Abdruck nach hinten statt direkt nach oben; ungleichmäßiger Armdruck, damit schiefe Körperlage.
- Keine gerade Körperachse (Hohlkreuzhaltung); mangelnde Beinstreckung, Hüftstreckung und mangelnde Körperspannung.
- Harte Landung auf dem Pferd beim Stützschwung; falsche Landetechnik auf dem Boden bei der Wende.
| | | | Der wichtigste Einwand gegen Pferdebücher allgemein und dieses im besonderen ist die Schwierigkeit, das besondere Vergnügen der Arbeit mit dem Pferd in Wort und Bild darzustellen. Die Bilder vermitteln vor allem den akrobatischen Aspekt; das Pferd gefriert zur Statue, während es doch in Wirklichkeit zumindest trabt, wahrscheinlich sogar galoppiert.
Voltigieren ist Arbeit mit dem und am Pferd, in der Gruppe und mit turnerischer Absicht. Das Pferd ist dabei mehr Sportgerät als individueller Partner. Die Wurzeln dieser Sportart gehen zurück bis auf die Römer; aber erst vor fünfzig Jahren wurde dieser Sport neu entdeckt als preiswerte Möglichkeit, Kinder und Jugendliche an das Pferd heranzuführen. 1963 fand die erste deutsche Meisterschaft für Gruppen statt, 1986 die erste deutsche Meisterschaft im Einzelvoltigieren, im gleichen Jahr die erste Weltmeisterschaft.
Dieses Buch trägt dazu bei, die Faszination des Voltigierens zu verdeutlichen und wird zweifellos die Qualität der Arbeit heben. Für Ausbilder und fortgeschrittene Voltigierer ist dieses Buch Pflichtlektüre - dies beweist die Tatsache, daß das Buch bereits in dritter Auflage vorliegt.
erschienen 02.02.03
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