Angebot für Kalenderwoche 07-26
| | Wann darf ich wieder nach euch? | | |
Liebe große und kleine Leser,
in der letzten Woche haben wir darüber sinniert, wie präzise sich ein Kind bildlich ausdrücken kann, wo doch die Worte fehlen. In dieser Woche bringen wir ein schönes Beispiel für mangelnde Rechtschreibung und Zeichensetzung, unvollkommene Ausdrucksweise und falschen Wortgebrauch. Aber alles das zählt nichts angesichts des überwältigenden Gefühls, was sich in Wort und Bild vollkommen ausdrückt.
Welche Sehnsucht spricht aus diesem Brief! Ringsherum bilden Unmengen von Klebebildern einen unterstützenden Rahmen, jedes bestimmt mit Bedacht ausgewählt und sorgfältig an seinen Platz geklebt. Sechsmal muß die verliebte Minnie herhalten, die überstarken Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Acht rote Herzen, drei davon gemalt, fünf geklebt, zwei noch mit einem Stern verziert, sagen: Hallo Dörte, ich liebe dich!
Das Mädchen auf dem Pferd, das seine Gefühle hier deutlich, aber etwas verschämt zum Ausdruck bringt, ist glücklich. Es richtet seine Gefühle auf Dörte, aber sie sind natürlich gleichermaßen bezogen auf das Pferd. Das Kind ist glücklich, weil es auf dem Pferd sitzt, und die Erinnerungen an die glückliche Zeit sind lebendig und verlangen nach mehr.
Das Bild ist uneingeschränkte Freude, im Text aber deutet sich Trauer an. Die entscheidende Frage kann nicht an Dörte gerichtet sein, und man darf annehmen, daß die Eltern, die eigentlich gemeint sind, nicht angesprochen werden wollen oder können. Also ist das Kind mit seiner Not allein und verschafft sich Erleichterung durch das Bild und die Botschaft.
Eltern können oft nicht so, wie sie wollen. Am unteren Bildrand findet sich ein ganzer Zoo, und auch das deutet auf große Gefühle und unerfüllte Wünsche hin. Wetten, daß dieses Kind, wenn es groß ist, viele Tiere halten wird? Wundern wir uns dann, wenn die Kinder dieses Kindes kein Bedürfnis nach Tieren entwickeln werden, weil diese Bedürfnisse von Anfang an gestillt sind?
Wir leben auf dem Lande und können unsere Verbundenheit mit den Tieren ausleben. Unsere Gäste kommen oft aus der Stadt, wo das nicht möglich ist. Wir stillen Bedürfnisse, die vorhanden sind und befriedigt werden müssen. Alles was unsere Sehnsucht anfeuert und nicht berücksichtigt werden kann, quält uns, beschäftigt uns, belastet uns. Erwachsene haben meist gelernt, damit umzugehen, aber für Kinder ist das häufig sehr schwierig. Desto mehr freut es uns, wenn wir dann bescheinigt bekommen, daß wir diese Wünsche haben erfüllen können, und gern tun wir das wieder und wieder, bis die Sehnsucht nachläßt. Das ist unsere Aufgabe, und die erfüllen wir gern.
Übrigens: Auch hier wieder eine Seele von Pferd, ein Porträt, das an Präzision nichts zu wünschen übrigläßt. Dieses Pferd spitzt seine Ohren und hört auf die Reiterin, ist gewissermaßen fröhlich und nur zu gern bereit, seiner Reiterin zu Diensten zu sein - ein Herz und eine Seele. So soll es sein.
Ihre Familie Vox
| | Aus unserem Ordner mit Dankesbriefen | | |
| Liebe Dörte ich wünsche dir schöne Grüße. Wann, darf ich einkich wieder nach euch Deine Cathleen |
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