Angebot für Kalenderwoche 06-34
Liebe große und kleine Leser,
Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie intensiv Kinder ihre Sehnsüchte und Phantasien ausleben. Wenn kein Pferd zur Verfügung steht, verwandelt sich das Kind eben selbst in ein Pferd, und wenn mehrere Kinder spielen, muß natürlich das eine Pferd und das andere Mensch sein.
Die Zeichnungen eines solchen Rollenspiels, die Melanie Adamek uns als Teil eines Dankesbriefe zugeschickt hat, sind eine besondere Kostbarkeit. Sie zeugen von der unbändigen Freude und offenbaren eine ganz spezifische Schwierigkeit, die sich aus der unterschiedlichen Anatomie von Pferd und Mensch ergibt. Ganz offensichtlich heben die Pferde ihre Knie an, und ebenso offensichtlich weisen die Ellenbogen nach hinten, wenn der Mensch sich auf allen Vieren bewegt.
Melanie hat dieses Problem dadurch gelöst, daß sie kurzerhand den Ellenbogen nach vorn gedreht hat. Das ist anatomisch unmöglich, macht aber aus dem Kind ein Pferd. Daß dieselben Probleme sich mit den Hinterbeine stellen, tut hier nichts zur Sache.
Das Bild vom Stall soll laut Aufschrift sowohl Melanie als auch das Pferd Alina zeigen; tatsächlich sieht man nur Melanie, die jedoch nicht vor der Box steht, sondern innerhalb, als sei sie das Pferd - und sie ist glücklich. Sattel, Stroh, Hafer und Kleie zeigen, daß alles da ist, was ein Pferd braucht.
Ganz besonders interessant ist das letzte Bild, wo ein Rollentausch in umgekehrter Richtung vorgenommen wird. Das Pferd mistet aus. Es ist offensichtlich ein männliches Pferd, denn es trägt einen Hut. Außerdem ist das Geschlecht ganz deutlich durch den Schlauch bestimmt, der allerdings merkwürdig menschlich anmutet. Damit ist dieses Bild ein Beleg für die unterstützende Wirkung bei der Auseinandersetzung mit der sich entwickelnden eigenen Geschlechtlichkeit. Die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht werden hilfsweise am Pferd gemacht.
Ihre Familie Vox
| | Aus unserem Ordner mit Dankesbriefen | | |
| |