Angebot für Kalenderwoche 06-29
Liebe große und kleine Leser,
Abschied nehmen fällt immer schwer, besonders, wenn Sehnsüchte erfüllt worden sind und die Tage voller wunderbarer Erlebnisse waren. So ist es ganz natürlich, daß der Abschied zugleich den Wunsch nach Wiederholung hervorbringt. Wie oft hören und lesen wir, wie im Dankesbrief dieser Woche: "Ich hoffe, ich komme bald wieder."
Hier wird sogar ein konkreter Terminwunsch geäußert. Allerdings folgt in der nächsten Zeile ein Wort, das es in sich hat: "Naja". Dieses Wort bringt Resignation zum Ausdruck, so als sei die Hoffnung so gut wie vergebens. Die Bedeutung ist unschwer zu erraten. Es geht um Unausgesprochenes, gewissermaßen um ein Tabu. Es geht um Geld.
Denn ein Aufenthalt bei uns ist natürlich nicht kostenlos zu haben. Und gerade angesichts zunehmend angespannter Haushaltskassen dürfte die Entscheidung weniger von den Bedürfnissen und Sehnsüchten des Kindes als vielmehr von den vorgegebenen Möglichkeiten abhängen. Und deshalb sieht das Kind kaum eine Chance. Ist eine solche Situation unausweichlich?
Eine Pfarrersfrau beklagte neulich die Sorglosigkeit, um nicht zu sagen Verantwortungslosigkeit, mit der Schüler auf Klassenfahrt mit ihrem Taschengeld umgehen. So etwas habe es bei ihren sechs Kindern nie gegeben. Die hätten nämlich nie Taschengeld bekommen. Taschengeld, das sei doch eine perverse Idee. Normalerweise müsse der Mensch für sein Einkommen arbeiten. Warum solle das nicht für Kinder gelten?
Ihre Kinder hätten immer über reichlich Geld verfügt und seien damit sehr verantwortlich umgegangen, denn es sei selbstverdientes Geld gewesen. Es gäbe so viele Möglichkeiten im häuslichen Bereich, Aufgaben zu vergeben, die selbstverständlich zu honorieren seien, und damit seien sehr viele Probleme auf einmal gelöst.
Hätte Ann-Cathrin die Möglichkeit, selbst Geld zu verdienen und auf ihren Aufenthalt bei uns hinzuarbeiten, müßte sie nicht hoffnungslos resignieren. Sie hätte ein Ziel und könnte sich ausrechnen, wann es erreicht wäre. So einfach wäre das. Ganz nebenbei würde sie auch noch eine ganze Menge Stolz auf ihre eigenen Leistung ansammeln und ihren Aufenthalt bei uns mit Sicherheit auch anders erleben, nämlich im Bewußtsein, sich diese Freuden selbst erarbeitet zu haben.
Ihre Familie Vox
| | Aus unserem Ordner mit Dankesbriefen | | |
| Eggermühlen, Freitag, 25. Oktober 2002.
Liebe Dörthe! Schade, dass ich morgen fahren muss! Ich werde euch und die Ponys, besonders Gafield sehr vermissen! Die 16 Tage waren superschön, und ich danke euch für alles! Ich hoffe ich komme bald wieder. Vielleicht in den Sommerferien? Naja, nochmal danke für alles, deine Ann-Cathrin |
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