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| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | |
| Re: meine erste eigene Seite Flash und andere Kleinigkeiten | | |
Lieber Andi,
für einen ersten Entwurf sehr schön - vielleicht ist es jetzt noch Zeit, einige grundlegende Gedanken zu berücksichtigen. Der Köder muß bekanntlich der Fisch schmecken, nicht dem Angler - deshalb muß man eine solche Seite immer mit den Augen derer sehen, für die sie gemacht ist. Und diese Leute kenne ich nicht, deshalb kann sich meine Kritik nur auf formale Hinweise beschränken.
Ich bin nicht vollständig durchgegangen, weil Ihr die formalen Hinweise dann selber auf die anderen Seiten anwenden könnt. Grundsätzlich muß man auch noch berücksichtigen, daß die Betrachter die unterschiedlichsten Systeme haben. Es soll natürlich überall gut aussehen. In meinem Fall ist es so, daß ich mit einem normalen PC und Windows XP und einem 17 Zoll Monitor unterwegs bin. Dieser 17 Zoll Monitor ist auf eine Auflösung von 1024*768 Pixel eingestellt. Das ist eine Auflösung, die zur Zeit die Mehrzahl der Benutzer haben.
Der Trend geht natürlich hin zu einer höheren Auflösung. Wer eine höhere Auflösung hat, hat aber nicht unbedingt mehr Platz auf dem Bildschirm, da bei diesen Auflösungen ein Vollbild-Modus nicht mehr üblich ist. Man kann dann im Grunde nur rätseln, wie groß der Bildschirm wohl eingestellt sein mag.
Du kannst diese allgemeinen Prinzipien ganz leicht überprüfen, wenn du die überaus beliebte Seite » Spiegel.de aufrufst. Die Designer haben das Erscheinungsbild in Beton gegossen. Auf jedem Bildschirm sieht man dasselbe. Ist die Auflösung kleiner als 1024*768, wird beschnitten. Ist sie größer, hat man Leerflächen. Bei der Pferdezeitung ist das anders; die paßt sich der Auflösung an, soweit es geht. Der Kopf zum Beispiel enthält einige Grafiken, die nicht verkleinert werden können. Sie können zusammenrutschen oder weiter auseinanderdriften. In jedem Fall ergibt sich eine andere Anmutung, das ist natürlich klar.
Das erste Bild zeigt, was ich sehe, wenn ich die Seite aufrufe. Die problematischen Bereiche habe ich markiert. Oben haben wir viel Platz, der nicht genutzt wird. Am Scrollbalken rechts sehen wir, daß noch etwas kommen wird. Am Scrollbalken unten erkennen wir, daß die erforderliche Breite nicht vorhanden ist, obwohl das aus dem Design nicht zwangsläufig hervorgeht und zumindest für den Eingangsbildschirm sicher nicht gebraucht wird.
Man sieht zunächst: nichts. Je nach Übertragungsleistung der Internetverbindung kommt dann etwas, was man vom Fernsehen her kennt. Ruft man die Seite ein zweites Mal auf, geht es schneller, weil der Cache des Browsers mithilft.
Es ist natürlich schlecht, wenn man nichts sieht. Die Geduld des Besuchers wird auf die Probe gestellt. Deshalb hat man verschiedene Ansätze für dieses Problem geschaffen und ausprobiert, aber keiner vermag richtig zu überzeugen.
Die reinen Textdaten werden zuerst übertragen, anschließend bzw. parallel auf mehreren Kanälen werden weitere Dateien übertragen, im Regelfall Bilder und, wie hier, Flash-Dateien. Da diese beliebig groß sein können, ergibt sich hier die zeitliche Verzögerung, die um so größer ist, je langsamer bzw. belasteter die Verbindung ist.
Bei Bildern hat man versucht, diese sukzessive zu übertragen und gleich etwas anzuzeigen, allerdings zunächst nur in groben Umrissen, die dann nach und nachverfeinert werden. Das kann nicht überzeugen und hat sich nicht durchgesetzt. Die Warterei wird dadurch nur noch ätzender. Als nächstes hat man große Bilder zerschnitten und die Mosaikteilchen einzeln übertragen, aber auch das hat sich nicht durchgesetzt. Es gibt nur einen Weg: die Bilder so zu gestalten, daß sie höchste Qualität bei kleinster Dateigröße liefern. Das ist möglich.
Mit Flash habe ich mich bisher noch nicht auseinandergesetzt und sehe auch nicht, daß ich das tun werde. Es handelt sich hier meines Erachtens um den Versuch, Techniken, die in einem anderen Medium ihre Berechtigung haben, auf ein Medium zu übertragen, wo sie nicht hingehören.
Möglicherweise wird es in Kürze möglich sein, bewegte Bilder auf Papier darzustellen. Ich bin sicher, daß die Werbebranche bewegte Bilder dann auf Papier übertragen wird. Man darf gespannt sein, wie die Leser reagieren werden. Nicht interessierende Werbung stört im Moment auf Papier nicht besonders, weil sie eben still ist. Sollte sie anfangen, zu zappeln und zu schreien, werden die Leser sich wehren müssen, denn der Mensch kann das einfach nicht leisten.
Genau das passiert im Internet. Der Leser konzentriert sich auf das, was ihn interessiert, und die Werbeindustrie bemüht sich mit immer stärkeren Mitteln, ihn abzulenken. Kein Wunder, daß mehr und mehr Techniken entwickelt werden und zum Standard werden, die diese unhaltbare Einmischung in die Privatsphäre unterdrücken. Popup-Blocker sind aus diesem Grunde heute nicht mehr wegzudenken und gehören zum Standardlieferumfang.
Gute Designer, die aus welchen Gründen immer Flash anbieten, entwickeln zwei Versionen und lassen dem Leser die Wahl: Flash oder HTML. HTML ist schnell und sicher und allemal vorzuziehen. Wenn die Flash-Version gewählt wird oder keine Alternative angeboten wird, hat sich eingebürgert, zumindest einen Progressionsbalken einzubinden, der den Ladezustand anzeigt und die Gesamtgröße, damit der Leser weiß, auf was er sich gefaßt machen muß.
In Einzelfällen wird Flash durchaus gerechtfertigt sein, nämlich dann, wenn man durch diese Technik, die ja eine Filmtechnik ist, etwas verdeutlichen kann, was anders nicht verdeutlicht werden kann. In den meisten Fällen ist es jedoch so, daß man auf alle Effekte durchaus hätte verzichten können. Man fühlt sich an das Sprichwort erinnert: "Ein Berg kreißt, und eine Maus wird geboren."
Die Frage muß hier also lauten: Lassen sich Deine Kunden durch diesen Flash beeindrucken? Würde die Seite leiden, wenn man auf Flash verzichten würde? Kann man Deinen Kunden die zeitliche Verzögerung, die mit Flash notwendigerweise verbunden ist, in jedem Fall zumuten?
In den weiteren Beispielen habe ich ebenfalls Screenshots gemacht, die zeigen, was ich gesehen habe, und wo ich mich gewundert habe, ob jetzt noch etwas kommt oder nicht. In einem Fall kam noch etwas, in einem anderen nicht.
Da ich annehme, daß Deine Zielgruppe wenig Zeit und Geduld hat, könnte ich mir vorstellen, daß die genauso ungeduldig und ungehalten wird wie ich. Die werden sich vielleicht ebenfalls fragen: Muß diese Spielerei sein? Ich will schnell zur Sache kommen. Wo sind die Argumente, die ich brauche?
Aber vielleicht liege ich ja ganz falsch - wie gesagt, man muß seine Zielgruppe kennen. Wenn die so etwas voraussetzt, darf man sie natürlich nicht enttäuschen.
Der zweite Screenshot verdeutlicht, daß die Sprachenauswahl nach oben gezogen werden könnte; die Flaggen können durchaus kleiner sein, dann werden sie schneller geladen und brauchen weniger Platz. Sie würden als erstes erscheinen und dem Besucher schon mal zeigen, das sich was tut. Jetzt muß ich nach unten blättern, um an die Sprachenauswahl zukommen. Ich bin dazu gezwungen, weil die oberen Elemente nicht zum Klicken ausgelegt sind. Das ist schade; eine Standardauswahl wäre durchaus angebracht und käme der Erwartung des Lesers entgegen. Die Bildelemente würden natürlicherweise auf die Sprachauswahl Deutsch führen, weil Du eben ein Deutscher bist. Das würde sich auch dann empfehlen, wenn die Sprachauswahl per Flagge nach oben gezogen würde.
Der dritte zeigt, daß die leere Fläche neben dem Flash irritiert. Man erwartet entweder weitere Bildinformationen oder Text. Anhand des Scrollbalkens kann der erfahrene Besucher sehen, daß noch etwas kommt. Er muß allerdings herunterblättern, um den Text zu erschließen. Dieser könnte gut und gerne bereits oben neben dem Bild anfangen.
Der nächste Schnappschuß zeigt, daß ich hier wieder erwartet habe, daß der Platz neben dem Flash leer bleibt. Ich habe die Stoppuhr nicht laufenlassen, aber ich kann mich erinnern, daß ich eine Weile auf diese technische Zeichnung geschaut und mich gewundert habe, warum die weiß auf schwarz und nicht schwarz auf weiß ist. Für den Fachmann, für den Du diese Seite gemacht hast, ist die Zeichnung vermutlich sofort aussagekräftig, für mich alsichs Laien wäre sie schwarz auf weiß besser einzuschätzen.
Ich habe dann den Screenshot gemacht, bin in das Grafikprogramm gewechselt und habe den Screenshot hereingeholt und wieder zurückgewechselt in den Browser. Da war ich überrascht, daß inzwischen weitere Bilder erschienen waren. Wie der Designer das hingekriegt hat, daß bei der Sprachenauswahl oben die Hälfte des ersten Buchstabens abgeschnitten ist, habe ich nicht untersucht. Soweit meine ersten Eindrücke.
Da Du jetzt seit über zehn Jahren im Geschäft bist und es nur wenige Kunden in Deiner Branche gibt, von denen einige bereits seit vielen Jahren zu Deinen zufriedenen Kunden zählen, müßte die Wirksamkeit der Seite sich an zwei Stellen beweisen:
- Bringt diese Seite Deinen langjährigen Kunden etwas, was rechtfertigen würde, daß sie ihre Zeit und Energie opfern, und
- ist sie geeignet, diejenigen, die bisher noch nicht mit Dir zusammengearbeitet haben und Dich vermutlich ebenfalls bereits kennen, möglicherweise sogar persönlich, in Deinem Bemühen, sie zu Deinen Kunden zu machen, zu fördern?
Alle Entscheidungen sollten sich in dieser Hinsicht rechtfertigen lassen.
Mit freundlichen Grüßen Dein Werner
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