Die Stunde der Wahrheit rückt immer näher. Wenn am Sonntag, 5. Juli 2009, das IDEE 140. Deutsche Derby (795 000 Euro incl. Besitzer- und Züchterprämien) in Hamburg-Horn entschieden wird, ist auch ein Pferd aus Hoppegarten dabei. Der im Besitz des German Racing Clubs befindliche Hengst ORDENSTREUER nimmt den Kampf gegen 16 Altersgefährten auf und soll Ehre für die Hoppegartener Trainingszentrale einlegen. Mit dem Start von ORDENSTREUER ist es seit 1990 der dritte Anlauf eines in Hoppegarten trainierten Pferdes im Deutschen Derby. Sein Trainer Roland Dzubasz hat ORDENSTREUER im Oktober 2007 auf der BBAG Auktion in Iffezheim ersteigert und ihn schonend aufgebaut. Bei den bisherigen drei Starts war er einmal erfolgreich und landete zweimal auf dem zweiten Platz. Dennoch wird er als Außenseiter in Hamburg an den Start gehen. Geritten wird er vom gebürtigen Dresdener und einstigen Lehrling in Hoppegarten Alexander Pietsch, der auch bei allen bisherigen Starts im Sattel saß und das Vertrauen von Besitzer Sven Goldmann hat. Der Unternehmer aus dem einen "Steinwurf" von der Rennbahn Hoppegarten entfernten Waldesruh ist ein Neuling in der Rennsportszene. "Vor einem knappen Jahr bin ich Besitzer von Rennpferden geworden," sagt er, "doch Kontakt zu Pferden hatte ich schon früher. Auch hat sich unsere Firma bereits als Sponsor in Hoppegarten eingebracht." "ORDENSTREUER hat bei seinen drei Starts stets zugelegt und bisher nichts falsch gemacht − ich erwarte ihn unter den ersten fünf Pferden" betont Roland Dzubasz. Ein weiteres Plus hat ORDENSTREUER, er sollte weichen Boden können und mit viel Regen kann in Hamburg gerechnet werden. Bei den Gegnern heben sich die beiden Vertreter des Gestütes Schlenderhan, SUESTADO und WIENER WALZER, und wohl auch BOLIVIA ab. Allerdings nehmen sich auch die anderen Starter nicht viel. Beim Blick auf das Pedigree von ORDENSTREUER fällt neben dem guten Vererber NAYEF (Vater der ausgezeichneten LADY MARIAN) die erfolgreiche mütterliche Linie auf. Und die ist deutschen Ursprungs, auch wenn das Gestüt Karlshof Ordenstreuers Mutter DRAMRAIRE MIST 2005 tragend von NAYEF für 14.000 Guineas in Newmarket gekauft hat. Die 4. Mutter ORDENSTREUE (v. ORSINI) avancierte 1966 zur dreijährigen Championstute in Deutschland, gewann u.a. den klassischen Preis der Diana. Irgendwie erinnert das an das englische Derby vor wenigen Wochen, als mit SEA THE STARS und FAME AND GLORY die Erstplatzierten aus deutschen Stutenfamilien stammten, deren Vertreterinnen später in der englischen Vollblutzucht erfolgreich waren. Interessant ist ferner, dass die vor 80 Jahren von Walther Bresges aus Ungarn eingeführte Stute SACHERTORTE im Gestüt Zoppenbroich die Familie von ORDENSTREUER begründete, der die renommierte Zuchtstätte die beiden Derbysieger OROFINO und ORDOS zu verdanken hat. Wie OROFINO ist ORDENSTREUER ein Pferd ohne Speed, kommt nicht so schnell auf die Beine und will gehen. Sind aller guten Dinge drei? Übrigens − es ist am Sonntag seit 1990 der dritte Anlauf eines in Hoppegarten trainierten Pferdes im Deutschen Derby. Ein großes Rennen lief ARTAN 1995, das bisher beste in Hoppegarten trainierte Pferd der letzten 20 Jahre. Rikki Morse hatte zu zeitig das Rennen aufgenommen und verlor den zweiten Platz erst unmittelbar vor der Ziellinie. ARTAN blieb als Fünfter nur um Hals-Hals-Hals geschlagen. Wenn ARTANS Trainer Martin Rölke an das Rennen denkt, könnte er sich heute noch die Haare raufen. Bleibt zu hoffen, dass ORDENSTREUER am Sonntag mehr Glück hat. |
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