Zucht Bundesjungzüchterwettbewerb Team des Pferdezuchtverbands Brandenburg-Anhalt überragender Sieger Wickrath (fn-press). Deutschlands beste Jungzüchter kommen aus dem Osten. Beim Bundesjungzüchterwettbewerb 2009 im rheinischen Wickrath siegte die Mannschaft vom Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt vor den Teams des Verbands hannoverscher Warmblutzüchter und des Westfälischen Pferdestammbuchs. Insgesamt stellten 14 Pferdezuchtverbände eine Mannschaft. Es war ein überragender Sieg. Die Jungzüchter aus Brandenburg-Anhalt, im vergangenen Jahr noch Sechste der Gesamtwertung, erwiesen sich in Wickrath als die Besten. In der Altersklasse I (14 bis 18 Jahre) erzielten Lisa Wachtel (Estedt), Hans-Martin Michaels (Saalfeld) und Teresa Jürges (Altensalzwedel) ein Gesamtergebnis von 976 Punkten und verwiesen damit die Hannoveraner-Mannschaft (969) und das Team vom gastgebenden Rheinischen Pferdestammbuch (949,5) auf die Plätze. "Mit einem Sieg haben wir eigentlich nicht gerechnet. Wir waren zwar immer gut mit dabei und auch gut vorbereitet, aber ein bisschen Glück gehört ja auch dazu", sagt Mannschaftsführer Jörg Kotenbeutel (Neustadt/Dosse) vom Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt bescheiden. "Zum Beispiel ob man zu den zugelosten Pferden beim Vormustern gleich einen Draht findet." Wesentlich zum Sieg ihres Teams trug Lisa Wachtel bei, die mit insgesamt 336,6 Punkten auch Platz eins in der Einzelwertung belegte. Die 17-Jährige, die aus einem Haflingerstall in Sachsen-Anhalt kommt, zählte in allen vier Teilaufgaben zu den Besten und schaffte es beim Vormustern sogar auf Platz zwei hinter Hans-Martin Michaels. Unterstützung erhielten Lisa und ihre Teamkollegen von ihrer Schwester Sophie Wachtel, die für alle beim Vormustern als Peitschenführerin fungierte. Zweite in dieser Altersklasse wurde Meta Christmann (Neddenaverbergen) vom Hannoveraner Verband (335). Die 18-Jährige war nicht nur in der Theorieprüfung ganz vorne, wo sie hinter ihrer Teamkollegin Patrizia Grünhagen Zweite wurde, sondern zählte auch im praktischen Teil zu den Top Ten. Ganz weit vorne in drei von vier Teilaufgaben lag auch Isabell Alber (Vaihingen) vom Pferdezuchtverband Baden-Württemberg. Gemeinsam mit drei weiteren Teilnehmern hatte sie in der Beurteilung der Pferde beim Freispringen und Freilaufenlassen sogar die Nase vorn. Bei der Exterieurbeurteilung lag sie allerdings etwas daneben, so dass es im Gesamtergebnis "nur" zum dritten Platz reichte (327). Noch dominanter als ihre jüngeren Kollegen erwiesen sich die Jungzüchter aus Brandenburg-Anhalt in der Altersklasse der 19- bis 25-Jährigen (AK II). Mit einem Gesamtergebnis von 1.045 Punkten sahnten sie nicht nur den Mannschaftstitel ab, sondern belegten auch in der Einzelwertung ihrer Altersklasse sowie in der Gesamteinzelwertung die Plätze eins bis drei. Fleißigste Punktesammlerin war dabei Viktoria Herzog aus Ketzin (355). Anders als die meisten anderen Teilnehmer stammt sie nicht ursprünglich aus der Pferdeszene, aus einem Pferdebetrieb oder aus der Landwirtschaft. "Viktorias Eltern betreiben ein Fahrgastschiff, sie selbst ist Binnenschifferin. Zum Pferd ist sie über Nachbarn gekommen, die einen Pferdehof haben. Viktoria ist jetzt seit sechs, sieben Jahren bei den Jungzüchtern", berichtete Jörg Kotenbeutel. "Am Anfang war noch nicht klar, ob sie in Wickrath wirklich startet oder nur als Reserve dabei ist", sagte der Mannschaftsführer schmunzelnd: "Zum Glück haben wir sie starten lassen." Denn Viktoria Herzog erwies sich als die Beste im Vormustern und verpasste auch in der Exterieurbeurteilung und bei der Beurteilung des Freispringens knapp Platz eins. Lediglich in der Theorie wurde sie "nur" Fünfte. Hier musste sie den Sieg ihren beiden Teamkollegen David Bahnemann aus Pausin (350,5) und Claudia Constabel aus Beetzendorf (339,5) überlassen, die in der Einzelwertung hinter ihr die Plätze zwei beziehungsweise drei belegten. "Es ist aber auch wirklich ernorm, was die jungen Leute in der Theorie alles wissen müssen", sagte Jörg Kotenbeutel. Um die rund 60 aktiven Jungzüchter seines 4.500 Mitglieder starken Pferdezuchtverbands für die Theorie fit zu machen, nutzt er das Internet. "Wir machen da so eine Art Fernakademie. Ich stelle für die Mitglieder Infomaterial ins Netz und regelmäßig auch Fragenkataloge, die sie dann innerhalb von vier Wochen beantworten müssen." Bester Jungzüchter der AK II, der nicht aus Brandenburg-Anhalt kam, war Konstantin von dem Knesebeck (Warendorf). Er ging in Wickrath für den Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes an den Start, teilte sich den Bronzerang mit Claudia Constabel. und wurde mit dem Oldenburger Team Zweiter in der Mannschaftswertung (999). Platz drei in der AK II-Teamwertung ging an das Westfälische Pferdestammbuch (988,5). "Der Wettbewerb bietet ein tolle Chance. Hier kommen die Jungzüchter aus allen Regionen zusammen und stellen fest, dass sie alle dasselbe Ziel haben., auch wenn die einzelnen Verbände in Konkurrenz zueinander stehen", sagte Theodor Leuchten (Ratingen). Dieses "Miteinander statt Gegeneinander" begeisterte den Vorsitzenden des Bereichs Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), der als Vorsitzender des Rheinischen Pferdestammbuchs auch "Gastgeber" der Veranstaltung war, ebenso wie die ausgelassene Stimmung. "In den Wettbewerben herrschte natürlich der nötige Ernst. Alle waren gut vorbereitet, die Sieger aus Brandenburg-Anhalt haben ihre Sache perfekt gemacht. Aber daneben hatten alle einfach ihren Spaß. Die Stimmung war super." Erfreut war Leuchten auch über die große Zahl teilnehmender Zuchtverbände. "Diese Vielfalt droht bei uns ja ein bisschen verloren zu gehen. Ich fand es daher toll zu sehen, mit welcher Begeisterung gerade die kleinen Verbände mit ihren Teams und Schlachtenbummlern beim Wettbewerb dabei waren." In den Jungzüchtern sieht Leuchten eine wichtige Säule für die Zukunft der Pferdezucht. "Gerade in einem enger werdenden Markt brauchen wir engagierte, junge Leute in unseren Verbänden." Hb |