Olympische Spiele / Zucht Olympische Spiele Viele Medaillen an deutsche Pferde Hongkong/HKG (fn-press). Nach den Olympischen Spielen können die deutschen Züchter eine positive Bilanz ziehen. Wie auch bei den vorangegangenen Spielen waren deutsche Pferde auch in Hongkong zahlreich vertreten. Insgesamt 194 Pferde gingen in den Disziplinen Vielseitigkeit, Dressur und Springen an den Start. 52 davon, also mehr als ein Viertel, trugen ein deutsches Brandzeichen. Von den möglichen 45 Medaillen, die in Hongkong vergeben wurden, gingen mindestens 18 an Pferde aus deutscher Zucht. Den höchsten Anteil hatten die deutschen Pferde mit 40 Prozent in der Dressur. Von insgesamt 47 Pferden stammten 19 aus deutscher Zucht. Spitzenreiter ist hier das Zuchtgebiet Hannover mit elf Pferden, gefolgt von Oldenburg mit fünf Pferden und den Verbänden Holstein, Westfalen und Baden-Württemberg mit je einem Pferd. Im Parcours vertraten 20 Holsteiner, je drei Hannoveraner und Westfalen, zwei Oldenburger und ein Württemberger – das sind 29 von insgesamt 77 gestarteten Pferden – die Farben der deutschen Pferdezucht. Vier der insgesamt 70 Buschpferde, zwei Hannoveraner, ein Holsteiner und ein Württemberger, stammten aus deutscher Zucht. Die deutschen Pferde waren aber nicht nur – gemäß dem olympischen Motto - "dabei", sie mischten auch vorne mit. So waren in der Vielseitigkeit gleich drei der vier deutschen Pferde erfolgreich: Für die beiden Hannoveraner Euroridings Butts Leon (Reiter: Andreas Dibowski, Egestorf), FRH Butts Abraxxas (Ingrid Klimke, Münster) und den Holsteiner Marius Voigt-Logistik (Hinrich Romeike, Nübbel) gab es Gold in der Mannschaftswertung, dazu kam eine weitere Goldmedaille für Marius in der Einzelwertung. In der Dressur überzeugten die deutschen Zuchtprodukte nicht nur durch Masse, sondern vor allem auch Klasse. Sechs Pferde aus deutscher Zucht errangen insgesamt neunmal Edelmetall. Gold in Mannschaftswertung ging an Satchmo (Isabell Werth, Rheinberg), Bonaparte (Heike Kemmer, Winsen) und Elvis VA (Nadine Capellmann, Würselen). Die Mannschafts-Silbermedaillengewinner Anky van Grunsven und Imke Schellekens-Bartels aus den Niederlanden hatten Salinero und Hunter Douglas Sunrise gesattelt, die wie die drei "Goldpferde" das hannoversche Brandzeichen tragen. Für das dänische Bronzeteam startete Andreas Helgstrand den Oldenburger Blue Horse Don Schufro. Im Springen gingen sieben von insgesamt 15 möglichen Medaillen auf das Konto deutscher Pferde, darunter der Mannschaftsgoldmedaillengewinner Carlsson vom Dach (Will Simpson/USA), die Mannschaftssilbermedaillengewinner In Style (Ian Millar/Kanada) und Special Ed (Jill Henselwood/Kanada) sowie die Holsteiner Le Beau, Casino, Cattani und Camiro, mit denen das norwegische Team beritten war. Sollte diesem aufgrund des positiven Ergebnisses der Medikationskontrolle bei Tony Andre Hansens Pferd Camiro die Mannschaftsbronzemedaille aberkannt werden, würde die Schweizer Mannschaft mit den beiden deutschen Pferden Cantus (Niklaus Schurtenberger) und Nobless M (Pius Schwitzer) auf den Bronzerang vorrücken. Bereich Zucht/Hb Kurzportraits erfolgreicher "Goldpferde" in Hongkong Vielseitigkeit Der elfjährige Wallach Euroridings Butts Leon ist aus dem Hannoveraner Zuchtbuch für Halbblutrennpferde gezogen und stammt von dem erfolgreichen Vollbluthengst Heraldik ab. Bereits seine Mutter, die Hannoveraner Stute Lilian, war im Vielseitigkeitssport erfolgreich. Butts Leon, dessen Namenszusatz von seinem Züchter, dem verstorbenen Friedrich Butt aus Bülkau, stammt, qualifizierte sich 2002 für das Bundeschampionat und wurde 2003 Vize-Bundeschampion der sechsjährigen Geländepferde. Auch seine Vollschwester FRH Butts Leonesse konnte sich für das aktuelle Bundeschampionat 2008 qualifizieren. Mit seinem Reiter Andreas Dibowski (Egestorf) ist er seit mehreren Jahren international erfolgreich. Gleich zweimal – 2005 und 2006 – siegte das Paar im Derby-Dynamic-Cup, einer Vielseitigkeitsserie für Nachwuchspferde und -reiter auf dem Weg in den großen Sport. Vom gleichen Züchter wie Euroridings Butts Leon stammt das zweite deutsche Goldpferd in der Vielseitigkeit FRH Butts Abraxxas. Auch dieser elfjährige Wallach ist ein Nachkomme von Heraldik und ist seit 2005 unter dem Sattel von Ingrid Klimke (Münster) in der Vielseitigkeit erfolgreich. 2006 wurde das Paar Dritter im Derby-Dynamic-Cup. Seine hannoversche Mutter Kira-Annabell startete unter Andreas Dibowski erfolgreich in Vielseitigkeitsprüfungen. Das dritte aus deutscher Zucht entstammende Pferd der deutschen Vielseitigkeits-Goldmannschaft ist Marius Voigt-Logistik, der es unter Hinrich Romeike (Nübbel) zum Doppelolympiasieg brachte. Der 14-jährige Wallach v. Condrieu xx zeigte sein Talent zur Vielseitigkeit bereits bei den Bundeschampionaten 1999 und 2000, wo er den zweiten beziehungsweise fünften Platz. Von seiner Mutter Echse stammt auch der im Springsport unter Holger Wulschner erfolgreiche, gekörte Hengst Cefalo ab. Marius Voigt-Logistik ist bereits der zweite Olympiasieger aus der Zucht von Hans-Werner Ritters in Krumstedt. Aus seinem Stall stammt auch die Stute Classic Touch, die 1992 Ludger Beerbaum (Hörstel) zu olympischem Einzelgold im Springen verhalf. Dressur Vierjährig wurde der 1996 geborene Wallach Elvis VA über die Verdener Elite-Auktion 2000 an Martin Schaudt (Albstadt) verkauft. 2004 errang der erfolgreiche Hannoveraner unter Heiner Schiergen (Krefeld) seinen ersten Sieg in der schweren Klasse, bevor er noch im selben Jahr zu seiner jetzigen Reiterin Nadine Capellmann (Würselen) wechselte. Zahlreiche Erfolge wie einen Sieg im Nürnberger Burgpokal sowie den Mannschaftsweltmeistertitel in Aachen 2006 hat das Paar zu verbuchen. Züchter ist Christian Pfeil aus Bremerhafen. Der 15-jährige Wallach Bonaparte, der von dem Hannoveraner Bon Bonaparte abstammt, wurde als Fohlen von seiner Reiterin Heike Kemmer (Winsen) gekauft und bis zur Olympia-Reife ausgebildet. Mit ihr war er bereits 2003 Mannschafts-Europameister und wurde als bestes Dressurpferd der Welt 2003 ausgezeichnet (WBFSH-Wertung). Die Züchterin ist Monika Jacob-Goldeck (Wedemark). Schon zweijährig wurde Satchmo, Erfolgspferd von Isabell Werth (Rheinberg), als teuerster nicht gekörter Hengst in Verden an Dr. Uwe Schulten-Baumer (Rheinberg) verkauft. Der von dem Oldenburger Hengst Sao Paulo abstammende 14-jährige Wallach wurde 2003 mit dem Otto Lörke Preis ausgezeichnet. Der größte Erfolg des Paares war Doppel-Gold bei den Weltmeisterschaften 2006 in Aachen. Mit Stuten aus dem hannoverschen Mutterstamm (Legata v. Legat) gewann der Züchter Albert Kampert den Ratje-Niebuhr-Preis auf der Hannoveraner Verbands-Stutenschau 2002. Der von dem Hannoveraner Hengst Salieri abstammende 14-jährige Wallach Salinero errang in Hongkong die dritte Einzel-Goldmedaille bei Olympischen Spielen in Folge. 1999 belegte Salinero beim Bundeschampionat der fünfjährigen Dressurpferde Platz 15. Unter seiner niederländischen Reiterin Anky van Grunsven feierte er zahlreiche Erfolge: Vierfacher Weltcup-Sieger von 2004 bis 2008, Kür-Weltmeister 2006, Mannschafts- und Einzeleuropameister 2007. Vom selben Züchter Horst Bünger (Essel) stammt auch der Vollbruder Seven Up, der im internationalen Springsport unter Jung-Hyon Joo Erfolge zu verzeichnen hat. Springen Der 12-jährige Holsteiner Wallach Carlsson vom Dach gehört mit seinem Reiter Will Simpson zur Goldmannschaft der USA. Gezüchtet von Henrich Horstmann (Tarp) wurde er im vergangenen Jahr über Gilbert Böckmann (Lastrup) in die USA verkauft. In den Sport gebracht wurde Carlsson vom Dach von seinem Vorbesitzer Christian Siemer (Wildeshausen), der in bis Drei-Sterne-S-Prüfung erfolgreich vorstellte. Simpson hatte zunächst vor, den für einen Amerikaner nahezu unaussprechlichen Namen "Carlsson zum Dach" zu ändern. Von diesem Entschluss trat er zurück, als er die Übersetzung des Namens erfuhr und dies als gutes Omen betrachtete: Sein erstes Erfolgspferd hatte den Namen "Roofer" (deutsch: Dachdecker)! Carlsson vom Dach ist einer der drei Holsteiner Cassini I-Nachkommen, die bei den Olympischen Spielen in Hongkong an den Start gingen. Bereich Zucht/Hb |