Breitensport Quadrillen-Championate St. Hubertus Wesel-Obrighofen erobert sich Titel zurück Herford (fn-press). Es war der Kampf Titelverteidiger gegen Mehrfachsieger. Bei den "Deutschen Sparkassen Quadrillen-Championaten" Mitte August in Herford rückte der Reitverein St. Hubertus Wesel-Obrighofen die Welt des Formationsreitens wieder für sich zurecht: Doppelsieg - Platz eins im Wettbewerb um die klassische Quadrille (16,5 Punkte) und Platz eins bei den Themen-Quadrillen (17,2). So sehr sich der Kreisreiterverein Lippstadt auch um die Titelverteidigung bemühte - den acht Damen blieb am Ende der Titel des Vizechampions in beiden Wettbewerben (klassisch: 16,2/Themen: 16,4). Insgesamt schickten zehn Vereine und Betriebe 15 Teams, von denen sieben in beiden Wettbewerben starteten. "Beide Mannschaften präsentierten sich eindrucksvoll und sehr gut. Inhaltlich waren die Quadrillen der Weseler jedoch etwas anspruchsvoller und noch abwechslungsreicher als die Lippstädter. Zudem hatten die Reiter aus dem Rheinland herausragend gerittene Pferde mit sehr viel Grundschwung", begründete Jürgen Uthoff (Bielefeld) die Urteile, die er zusammen mit seiner Richterkollegin Susanne Wiete getroffen hatte. Geschlagen haben die Lippstädter die neuen Titelverteidiger aber an einer Stelle: Sie gewannen für ihre Vampirkostüme den Preis für die beste Verkleidung. Die Weseler hatten zwei Mannschaften am Start. Mit dem zweiten Team gewannen sie bei den Themenquadrillen den dritten Platz (16,2) und in der klassischen Tour hinter dem RuFV Bottwartal (15,8) den vierten Platz (15,6). Seit zwölf Jahren gibt es kein Championat ohne die Reiter des St. Hubertus Wesel-Obrighofen und deren Mannschaftsführerin Helmi Abeck (Wesel). Als die Lippstädter letztes Jahr so eindrucksvoll nach vorne stürmten, nahm Helmi Abeck es sportlich: "Erstens waren die anderen wirklich gut und haben verdient gewonnen. Und zweitens macht es die Sache ja auch spannender, wenn nicht immer derselbe gewinnt." Gegen aufkommende Langeweile gewannen daher diesmal wieder die Rheinländer. Ob sich künftig ein Duell Wesel-Obrighofen/Lippstadt entwickelt, bleibt abzuwarten. 2004 nahm der Kreisreiterverband Lippstadt zum ersten Mal am Deutschen Quadrillenchampionat teil und belegte den dritten Platz. 2005 und 2006 wurden sie Zweite, 2007 Titelträger. Auf jeden Fall haben die Reiter aus Ostwestfalen-Lippe Geschmack am Formationsreiten - wie auch das Publikum. Erstmals fanden die Championate im Rahmen der Bexter Hof Open statt und wurden dort von Veranstalter Ulrich Meyer zu Bexten ins rechte Licht gerückt. Dicht an dicht säumten die Zuschauer das Viereck und genossen die Musik und die kunstvollen Choreografien, der zu acht oder viert gerittenen Quadrillen. Fasziniert verfolgten sie komplizierte Hufschlagfiguren, die den Verdacht nahe legen, dass ein Quadrillenreiter vor allem ein gutes Erinnerungsvermögen haben muss. Das sollte einen von der Nachahmung aber nicht abschrecken. Von Reiter und Pferde, wird gut gerittenes A-Niveau erwartet. Beide Quadrillenchampionate werden auf A-Niveau ausgetragen. "Das Ausbildungsniveau der Vereine und Betriebe liegt zum größten Teil auf E-A-Niveau. Der Gedanke, dass – da nur wenige Lektionen auf diesem Level zur Verfügung stehen – eine Quadrille recht langweilig wird, ist absolut falsch. Sie lebt nicht von den Lektionen, sondern von den phantasievollen Ein- und Ausleitungen der Formationen, wodurch immer neue Bilder und Effekte entstehen. An die Pferde wird der Anspruch gestellt, sich sicher und schwungvoll in den Grundgangarten zu bewegen und durchlässig zu sein", sagte Annette von Hartmann (Warendorf), die sich bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) um das Quadrillenreiten kümmert und sich eine größere Verbreitung des Formationsreitens wünscht. "Das Quadrillenreiten bietet die Möglichkeit, auch mal was in der Gruppe oder im Team zu machen. Das kann ein tolles Erlebnis sein: Thema finden, Musik auswählen, Figuren und Choreografie entwickeln und das Ganze einstudieren. Dabei werden alle reiterlichen Qualitäten gefordert, denn punktgenaues Reiten ist erforderlich, damit die Formation symmetrisch und harmonisch ist." Die Deutschen Quadrillenchampionate gibt es seit 1990. Damals wurden Quadrillen-Wettbewerbe auch ins nationale Reglement – die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) – aufgenommen. Die historischen Wurzeln des Quadrillenreitens sind im Militär und dem höfischen Formationsreiten zu finden. Wie Letzteres dient auch heute noch das Quadrillenreiten vor allem der Unterhaltung, nur ist es jetzt demokratischer: Weder muss man adelig sein, um Quadrillen zu reiten, noch um sie präsentiert zu bekommen. Gegenwärtig ist das Quadrillenreiten vor allem dem Breitensport zu Pferde zugeordnet. Die Entwicklung geht zum Teil in Richtung Schaubild. Motto, Musik und Kostümierung gehören dazu. "Man entfernt sich hiermit zwar von der geforderten Gleichheit und zum Teil auch von dem Anspruch, die Musik passend zur Gangart zu wählen, erzielt aber andere sehr positive Effekte wie die Möglichkeit, auch die Nicht-Reiter eines Vereins mit einzubeziehen, Kulissen und Kostüme zu erfinden und damit hohe Publikumsattraktivität zu erzielen," wirbt Annette von Hartmann für die Themenquadrille. Bo Literaturtipp Quadrillenreiten: "Quadrillenreiten – Idee, Gestaltung, Präsentation" von Erich Oese, 28,80 Euro, erhältlich beim FNverlag, Telefon 02581/6362-154 oder -254, Fax 02581/6362-212, E-Mail vertrieb-fnverlag@fn-dokr.de, Internet » www.fnverlag.de . |