Olympische Spiele / FEI /FN/DOKR Vielseitigkeit Mannschafts- und Einzelwertung Mannschaftsgold mit Sahnehäubchen Hongkong/HKG (fn-press). "Wir sind die goldenen Reiter" – die Reiter sangen es nicht nur, sie setzten es auch in die Tat um. Was alle gehofft hatten, wurde in der asiatischen Olympiametropole Hongkong Wahrheit: Die deutsche Vielseitigkeitsequipe holte sich die Goldmedaille – und dieses Mal eine zum Behalten! Und dann war da noch das "i-Tüpfelchen auf dem i-Tüpfelchen auf dem i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen" – die Goldmedaille in der Einzelwertung für Hinrich Romeike und Marius! Vier Jahre lang hatten sich die Vielseitigkeitsreiter wie keine anderen auf ihren Auftritt in Hongkong vorbereitet. So weit es ging, wurde nichts dem Zufall überlassen. Spezialtraining in den Disziplinen Dressur, Geländereiten, Springen, Fitnesstraining, mentales Training – die Buschreiter ließen nichts aus, was auf dem Weg nach Hongkong Erfolg versprach. Akribisch wurden die Erkenntnisse aus dem Testevent ein Jahr vor den Spielen ausgewertet und in die Vorbereitungen einbezogen. "Ich glaube, wir waren die am besten vorbereitete Mannschaft am Start", sagte Bundestrainer Hans Melzer (Putensen). Der Lohn der Mühen: Mannschaftsgold, Einzelgold, fünf fitte Pferde und fünf müde, aber überglückliche Reiter! Bereits in der Dressur trumpften die Deutschen auf. Zwar mussten sich Peter Thomsen (Lindewitt) mit The Ghost of Hamish, Frank Ostholt (Warendorf) mit Mr. Medicott, Andreas Dibowski (Egestorf) mit Butts Leon, Ingrid Klimke (Münster) mit Abraxxas und Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius am Anfang noch hinter den Australiern einsortieren, doch der Grundstein war gelegt. Auf dem Gelände des Golfclubs Beas River setzte das Quintett dann zum Überholen an, allen voran Hinrich Romeike. Er absolvierte als dritter Reiter der deutschen Equipe den Geländekurs und brillierte mit einer souveränen Nullrunde in einer herausragenden Zeit. Schneller als das Holsteiner Paar waren nur der Australier Shane Rose mit All Luck und der Brite William Fox-Pitt mit Edmore Park, um dessen generelle Starterlaubnis die Richter noch in der Verfassungsprüfung mehrere Minuten lang diskutiert hatten. Innerhalb der erlaubten Zeit, die im Vorfeld von ursprünglich zehn auf acht Minuten verkürzt worden war, blieb auf der Strecke aber keiner. "Das war unser bisher schwerster Kurs", sagte Romeike. "Es wurde ja im Vorfeld kritisiert, der Kurs sei zu leicht. Meines Erachtens hat der Kursdesigner (Michael Etherington-Smith) hier einen tollen Job gemacht, alles super berechnet." Mit 12,8 Punkten für Zeitüberschreitung übernahm "Hinni" mit 50,2 Minuspunkten die Führung in der Einzelwertung. "Als Belohnung erwarten den Schimmel Wurzeln, Rübenschnitzel und Hafer. Zucker gibt's nur zwei Mal im Jahr, der ist schlecht für die Zähne", verriet der Zahnarzt augenzwinkernd. Denkbar knappe 0,5 Minuspunkte trennten Romeike nach dem Geländeritt von seiner Teamkollegin Ingrid Klimke, die nach der Dressur mit 33,5 Minuspunkten noch auf Platz drei gelegen hatte. Auch sie war fehlerfrei ins Ziel gekommen, hatte jedoch auf Empfehlung der Bundestrainer ("Chris Bartle hat mir tief in Augen geschaut und mir dann geraten, alternativ zu reiten") an der vorletzten Hinderniskombination, den Pagoden, die längere Alternative gewählt. "Die Pferde wurden zum Ende hin ziemlich ‚lang’", erklärte Klimke, daher wurde die Heckenkombination, die noch einmal alle Konzentration von Pferd und Reiter forderte, "zu einem Risiko". Das hatte bereits der erste deutsche Starter, Peter Thomsen zu spüren bekommen, der nach einer bis dahin einwandfreien Runde 20 Strafpunkte für einen Vorbeiläufer von The Ghost of Hamish am Aussprung kassierte. "Das ist zwar ärgerlich für mich, aber ich glaube, dass meine Teamkollegen aus meinen Erfahrungen lernen konnten", so Thomsen. Und tatsächlich gelang es dem deutschen Team dank der Leistungen von Hinrich Romeike und Ingrid Klimke, der guten Vorarbeit von Frank Ostholt und des souveränen Abschlusses durch Andreas Dibowski, die beide ebenfalls fehlerfrei durchs Gelände gekommen waren, sich im Gelände an den bis führenden Australiern vorbei an die Spitze zu setzen. In der Mannschaftswertung aufholen konnten auch die Briten. Dank gewohnt souveräner Geländeleistungen verdrängten sie die US-Amerikaner aus den Medaillenrängen. Deren erste Starterin Amy Tryon gehörte zu den insgesamt acht von 68 Startern, die den Geländekurs nicht beendeten. Sie war am "Vogelkäfig", Hindernis sechs, von ihrem Pferd Poggio gefallen und damit gemäß der jüngsten Änderung im Reglement disqualifiziert worden. Seit 1. August führt in internationalen Prüfungen nicht nur der Sturz eines Pferdes, sondern auch der eines Reiters zum sofortigen Ausschluss. Damit nicht genug kassierte die nach Dressur beste Amerikanerin Rebecca Holder mit Courageous Comet 60 Strafpunkte und auch Karen O’Connor kam mit Mandiba mit 40 zusätzlichen Strafpunkten nicht ungeschoren davon, so dass die Amerikaner vor dem Springen auf den siebten Rang zurückfielen. Noch übler als den Amerikanern erging es allerdings den Franzosen, die auch beim Geländeritt nicht vom Pech verschont blieben. So hatten die Titelverteidiger schon vor der ersten Verfassungsprüfung auf Jean Teulere und Esprit de la Mare und vor der Dressur auf Europameister Nicolas Touzaint und seinen Schimmel Galan de Sauvagère verzichten müssen. Im Gelände stürzte dann auch noch Schlussreiter Jean Renaud Adde, worauf das Team auf den elfen und letzten Platz der Mannschaftswertung zurückfiel. Trotz der guten Ausgangsposition der deutschen Mannschaft hieß es am letzten Wettkampftag noch einmal kräftig Daumen drücken, sowohl auf den den Tribünen, als auch an den Fernsehbildschirmen zuhause. Denn beim letzten Mannschaftsspringen fielen sowohl bei Peter Thomsen, als zuletzt auch bei Ingrid Klimke und Hinrich Romeike einmal die Stangen. Glücklicherweise hatten aber auch deren engste Verfolger wie beispielsweise die Australierin Megan Jones mit Irish Jester oder ihr Landsmann, Vize-Weltmeister Clayton Fredericks mit Ben Along Time, gepatzt, so dass schon vor Romeikes Start feststand: Deutschland ist Mannschafts-Olympiasieger – dieses Mal ohne Wenn und Aber. Bevor die frisch gebackenen Olympioniken dies aber so richtig realisieren konnten, galt es schon, sich aufs nächste Springen vorzubereiten. Zu diesem zweiten Springen – einer Spezialität der Olympischen Spiele, bei denen keine zwei Medaillen für dieselbe Leistung vergeben werden – sind jedoch nur die besten drei Reiter einer Nation zugelassen. Um den dritten deutschen Startplatz bewarben sich in Hongkong Andreas Dibowski und Frank Ostholt, die nach Dressur und Gelände Kopf-an-Kopf lagen. Im Mannschaftsspringen hatte Ostholt mit einer Nullrunde vorgelegt, "Dibo" war nachgezogen und mit einem denkbar knappen Vorsprung von nur 0,6 Minuspunkten vor seinem Teamkollegen eine Runde weiter. "Natürlich freue ich mich jetzt über meine Mannschaftsgoldmedaille. Aber gleichzeitig bin ich enttäuscht, nicht am Einzelspringen teilnehmen zu dürfen. Vor allem, weil mein Pferd ein ganz sicherer Springer ist", sagte Ostholt, der sich als Achtplatzierter nach Dressur, Geländeritt und erstem Springen durchaus gute Chance auf eine Einzelmedaille ausgerechnet hatte. Doch dazu kam es nicht: Ostholt war zum Zuschauen verurteilt, als zunächst Andreas Dibowski mit Butts Leon zwei Abwürfe kassierte und damit Platz acht in der Einzelwertung belegte. Auch Ingrid Klimke war an diesem Tag keine zweite Medaille vergönnt. Ein Abwurf und Zeitfehler genügten, um sie vom zweiten auf Platz fünf zurückfallen lassen. Ähnlich erging es der frisch gebackenen Mannschaftssilbermedaillengewinnerin Megan Jones aus Australien, die mit einem Abwurf auf Platz vier zurückfiel. Die beiden Reiterinnen machten Platz für die US-Amerikanerin Gina Miles mit McKinlaigh und Kristina Cook (Großbritannien), die mit zwei fehlerfreien Springen in die Medaillenränge aufrückten. So ruhten am Ende alle Medaillen-Hoffnungen der deutschen Fans auf dem letzten Starterpaar, Hinrich Romeike und Marius. Sie machten mit einer Nullrunde wahr, wovon kaum einer zu träumen gewagt hätte: Gold in der Einzelwertung! "Ich kann noch es gar nicht fassen", sagte der frisch gebackene Olympiasieger zwischen Lachen und Weinen. "Ich habe nach der Aberkennung der Goldmedaille in Athen 2004 ja immer wieder erklärt, dass da noch immer eine Medaille herumliegt, die darauf wartet, abgeholt zu werden. Aber ich wusste ja nicht, dass da noch eine zweite ist!", sagte Hinrich Romeike. Hb Dressur Mannschaftswertung Deutsche Dressurreiter setzen Goldserie fort Hongkong/HKG (fn-press). Die deutschen Dressurreiter bleiben bei Olympischen Spielen weiter ungeschlagen. In Hongkong setzten Nadine Capellmann (Würselen), Heike Kemmer (Winsen) und Isabell Werth (Rheinberg) die Siegesserie fort. Seit 1976 gingen alle Mannschaftsgoldmedaillen an Deutschland. Insgesamt ist es das zwölfe Gold für ein deutsches Dressurteam seit 1912. Silber ging an die Niederlande. Dänemark gewann Bronze. Elf Nationen stellten Teams. "Ich bin glücklich. Wir haben allen Unkenrufen zum Trotz, die Goldmedaille geholt," sagte Isabell Werth nach dem Ritt. Erstmals waren die goldgewöhnten Deutschen nicht so siegessicher zu Olympischen Spielen gefahren. Im vergangenen Jahr hatten die Niederländer die Deutschen bei den Europameisterschaften in Italien geschlagen und eine bis dahin 42-jährige Dominanz gebrochen. Bei der letzten Sichtung beim CHIO in Aachen hatten die starke niederländische Reservereiterin die Phantasien über die Stärke des holländischen Teams zusätzlich beflügelt. Und zuletzt kam auch noch die neue "Drei-Reiter-Regel" hinzu, wonach jede Nation nur noch maximal drei Reiter bei Olympischen Spielen stellen darf und damit das Streichergebnis entfällt, sich also keiner im Team Schwächen erlauben darf. Das taten sie auch nicht. Bereits am ersten Tag erzielte Heike Kemmer mit Bonaparte im Grand Prix 72,250 Prozent und nahm damit Kurs auf Gold: "Uns war klar, dass die Holländer uns im Nacken sitzen. Aber wir haben als Team einen super starken Zusammenhalt. Und wir wollten dem Erfolg der Vielseitigkeitsreiter nicht nachstehen." Schließlich überrundete sie mit diesem Ergebnis die beiden ersten niederländischen Teamreiter, die ebenfalls am ersten Tag ihren Einsatz hatten. Mit 70,083 Prozent hielt Nadine Capellmann mit Elvis VA den Spitzenplatz des deutschen Teams aufrecht. Bis Anky van Grunsven kam. Die Niederländerin wurde für ihre Vorstellung mit Salinero von den Richtern mit 74,750 Prozent belohnt und brachte damit ihr Team in Führung. "Isabell muss jetzt alles geben," sagte Nadine Capellmann nach ihrem Ritt. Sie hielt sich daran. Als die vierfache Olympiasiegerin mit Satchmo das Viereck betrat, wusste sie, dass sie mindestens 73 Prozent erzielen musste. So knapp wollte sie es nicht machen. Mit einem Ergebnis von 76,417 Prozent sicherte sie dem Team die Goldmedaille und sich selbst Platz eins im Grand Prix. "Wir haben unser Gold schon am ersten Wettkampftag verloren", sagte Anky van Grunsven, die in der Einzelwertung Zweite wurde vor Heike Kemmer. Nadine Capellmann landete auf Platz neun. Damit konnten alle drei deutschen Reiterinnen auf weiteres Edelmetall hoffen, denn die besten 25 Paare des Grand Prix kamen eine Runde weiter in den Grand Prix Special als erster Wertungsprüfung in der Einzelwertung. Star des Tages der Teamentscheidung war die Doppelweltmeisterin von 2006. "Isabell ist die Königin. Satchmo ist zur Zeit in unglaublicher Form. Das war ein ganz starker Ritt von Isabell. Sie hat im Hinblick auf die Einzelwertung ein deutliches Zeichen gesetzt", begeisterte sich Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg), Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). "Zwei Goldmedaillen waren unser Mindestziel. Jetzt sind es schon drei und wir hoffen, dass noch weitere folgen." An Isabell Werth sollte es nicht scheitern. Sie hatte sogar noch Luft nach oben, denn um das Teamergebnis nicht zu gefährden, hatte sie sich nach eigenem Bekunden zurückgehalten. "Ich bin kein volles Risiko gegangen." Da wusste sie allerdings noch nicht, dass ihr vierbeiniger Partner Satchmo ihr wenige Tage später einen Strich durch die Rechnung machen würde. Nach einem erneuten Aussetzer Satchmos in der Kür entglitt Werth das greifbar nahe Goldmedaille. Bo Dressur Einzelwertung Silber und Bronze für Werth und Kemmer Hongkong/HKG (fn-press). Da hat Satchmo ihr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Mit Silber statt Gold endete für Isabell Werth (Rheinberg) das Einzelfinale bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong (76,650 Prozent). Nach einem groben Ungehorsam ihres 14-jährigen Hannoveraners musste sie den Sieg der Niederländerin Anky van Grunsven mit Salinero überlassen (78,680). Während Werth Gold verlor, gewann Heike Kemmer (Winsen) mit Bonaparte Bronze (74.455). Es ist die erste Einzelmedaille für Kemmer, die nach 2004 in Hongkong zum zweiten Mal Mannschaftsolympiasiegerin wurde. "Wir haben jetzt das ganze Sortiment ausgeschöpft: Gold, Silber und Bronze," sagte Bundestrainer Holger Schmezer (Verden), denn schon am einige Tage zuvor hatte das deutsche Team entgegen allen Erwartungen die hochfavorisierten Niederländer geschlagen und damit die seit 1976 ununterbrochene "Gold-Serie" der Deutschen fortgeschrieben. "Gold im Einzel war natürlich hier angepeilt, aber man muss es so akzeptieren. Wir gratulieren den Holländern. Anky hat verdient gewonnen. Auch ohne den Patzer wäre es in der Kür eng geworden." Ganz großes Lob gab es für Heike Kemmer, deren Bronze vielleicht so überraschend ist wie Werths Silber. "Meine hohe Anerkennung für Heike, die sich seit Aachen so gesteigert hat. Sie hat alles aus dem Pferd herausgeholt." Goldmannschaftskollegin Nadine Capellmann (Würselen) fehlte mit Elvis VA im Finale. Sie hatte sich im Grand Prix Special mit Rang 17 nicht für die Kür qualifiziert. "Das war der schlechteste Ritt meiner Karriere. Es gibt ein Leben nach Olympia. Das heute ging gar nicht. Ich mache nach den Olympischen Spielen erst einmal eine Pause," sagte sie zerknirscht nach dem Special. Für Isabell Werth entwickelte sich das Einzelfinale zu einem Dejá vu. Wie schon im Grand Prix Special als erster Wertungsprüfung wenige Tage zuvor blockierte der Wallach in der Piaffpirouette, nahm den Kopf zwischen die Vorderbeine und ging ein paar Schritte rückwärts. Nervenstark brachte Werth den unwilligen Partner wieder zurück in die Choreografie und auf die Spur mit der Musik. Ab dann klappte alles wieder wie am Schnürchen. Die viermalige Mannschaftsolympiasiegerin zeigte eine mit höchsten Schwierigkeiten gespickte Kür, in der schwerste Lektionen sich aneinander reihten. Dazu präsentierte sie ihre neu arrangierte und vom Potsdamer Sinfonieorchester eingespielte Musik, deren Titel "Hymn of Emotions" sicher zu dem Wechselbad der Gefühle passte, durch das Satchmo seine Reiterin bei diesen Spielen schickte. Wie schon im Grand Prix Special kostete die unerwünschte Einlage von Satchmo wertvolle Punkte. Hatte Isabell Werth nach dem Special noch mit 75.200 Prozent hauchdünn vor ihrer niederländischen Konkurrentin geführt, so reichten die 78.100 Prozent der Kür am Ende nicht für den Gesamtsieg. Auf diese Erkenntnis musste die Olympiasiegerin von 1996 allerdings noch 30 Minuten warten. Nach ihr kamen noch die Auftritte von Heike Kemmer und dem US-Amerikaner Steffen Peters. Der bestätigte mit seinem Pferd Ravel den vierten Platz im Special auch in der Kür (74.150), so dass Heike Kemmer für ihre nahezu fehlerfreie Vorstellung mit 75.900 nach 73.000 Prozent im Special die Bronzemedaille sicher hatte. Dann kam das Finale des Finales: Anky van Grunsven. Die Kürweltmeisterin bot ebenfalls eine neue und eindrucksvolle Kür auf. Und auch sie hatte einen Komponisten engagiert, eine Musik zu schreiben, die alle Stärken Salineros zur vollen Geltung bringt. Der 14-jährige Hannoveraner blieb von Anfang bis Ende konzentriert bei seiner Aufgabe. "Nachdem ich Isabells Ergebnis gesehen habe, brauchte ich nicht mehr volles Risiko zu gehen," sagte Anky van Grunsven. Mit 82.400 Prozent entschied sie das Duell mit Isabell Werth für sich und holte damit zum dritten Mal in Folge Gold bei Olympischen Spielen. Damit ist ein Rekord Isabell Werths erst mal aufgeschoben: Die Ablösung von Dr. Reiner Klimke als erfolgreichsten Dressurreiter bei Olympischen Spielen muss mindestens bis zu den Spielen 2012 in London warten. Mit der Goldmedaille im Einzel hätte Isabell Werth mit zweimal Einzelgold, zweimal -silber und viermal Mannschaftsgold den verstorbenen Dressurreiter überholt, der eine Gold- und zwei Bronzemedaillen im Einzel sowie fünfmal Gold mit dem Team holte. Ob sie das nächste Olympiagold mit Satchmo anpeilt, der dann 18 Jahre alt wäre, bleibt abzuwarten. Sie hat erst einmal ein anderes Ziel. "Satchmo hat das Problem in der Piaffe aus dem Special nicht vergessen. Jetzt tauchte der Fehler bei der dritten Piaffe auf. Ich kann es nicht erklären. Der Rest war super. Es war ansonsten seine beste Kür. Ich denke jetzt erst mal daran, wie ich dem Pferd Ruhe und Vertrauen wiedergeben kann." Solche Sorgen hatte ihre Teamkollegin Heike Kemmer nicht. "Ich bin total glücklich. Das ist überhaupt meine allererste Einzelmedaille bei einem Championat – und das bei Olympischen Spielen. Ich bin total locker reingeritten, weil ich wusste, dass ich gut vorbereitet bin. Der einzige Fehler, das Angaloppieren in der Passagetraversale, hat lediglich Abzug in der Choreografie gegeben. Ich habe natürlich bei dem Ritt von Peters gezittert, ob es zu einer Medaille reicht," sagte eine gelöste Heike Kemmer nach der Kür, die aus deutscher Sicht einen positiven Schlusspunkt unter diese olympische Dressur setzte. Auch aus Sicht der deutschen Pferdezucht - speziell des Hannoveraner Verbandes - waren die Spiele ein voller Erfolg, denn alle drei Medaillengewinner saßen auf Pferden mit dem Hannoveraner Brand. Bo Springen Mannschaftswertung Deutsches Springreiter-Team enttäuscht Hongkong/HKG (fn-press). Mit einem enttäuschenden fünften Platz für die deutschen Springreiter endete der Mannschaftswettbewerb bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong. Hochfavorisiert angereist, war bei Christian Ahlmann (Marl), Ludger Beerbaum (Riesenbeck), Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) und Marco Kutscher (Riesenbeck) vom ersten Springen an der Wurm drin. Zum Schluss summierten sich die Fehler aus beiden Team-Umläufen auf 34 Strafpunkte. Mannschaftsolympiasieger wurden die USA, die sich im Stechen um Gold gegen die neuen Silbermedaillengewinner Kanada durchsetzten. Beide hatten den Teamwettbewerb zuvor punktgleich beendet (je 20 Strafpunkte). Bronze ging überraschend an die Norweger (27 Strafpunkte). Mit insgesamt 30 Strafpunkten landeten die zuvor auf Silberkurs liegenden Schweizer auf dem vierten Platz. Den fünften Platz teilen sich die Deutschen mit den Niederländern. "Das war meine bitterste Niederlage," sagte Bundestrainer Kurt Gravemeier (Münster) nach dem Absturz der Favoriten. "Vielleicht waren die Pferde zu früh hier und zu lange aus dem Training und Wettkampf raus," stellte er erste Vermutungen über die Ursachen für dieses Ergebnis an, das nach dem elften Platz von Barcelona 1992 das zweitschlechteste Resultat seit 1952 ist. Seit damals holten die Deutschen bis auf diese zwei Ausnahmen sieben Mal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Ludger Beerbaum wollte sich Gravemeiers Analyse nicht anschließen: "Es ist noch viel zu früh. Man muss vorsichtig sein und nicht mit Gewalt Gründe suchen." Das Ergebnis redete der dreifache Team-Olympiasieger, der im zweiten Umlauf sechs Fehlerpunkte kassierte, allerdings nicht schön. "Nachdem ich gestern Abend noch zu Recht optimistisch war, bin ich jetzt endgültig nicht zufrieden. Die Chance auf eine Medaille war da. Aber dazu muss der eine oder andere Null reiten." Und genau die eine oder andere Nullrunde fehlte im entscheidenden Springen. Von Anfang an lief es bei diesen Spielen nicht rund beim deutschen Quartett. Beim ersten Qualifikationsspringen hatte es noch so ausgesehen, als würden die Springreiter es bewusst verhalten angehen lassen. Die diversen Fehler von allen im ersten Umlauf des Mannschaftsspringens ließen die Deutschen dann aber fast den Einzug ins Finale verpassen. Dank der Fehler der Brasilianer und der Australier rutschte die Deutschen schließlich doch noch gerade ins Finale und schöpften neue Hoffnung auf eine Mannschaftsmedaille. Schließlich hatte Ludger Beerbaum es wenige Tage zuvor schon gesagt: "Bei den Olympischen Spielen herrschen eigene Gesetze." Alles ist möglich. Doch nicht alles, musste man nach dem Finale sagen. Die beste Vorstellung lieferten Christian Ahlmann und Meredith Michaels-Beerbaum. Bis zum letzten Sprung sah es bei Ahlmann als erstem Deutschen nach einer Nullrunde aus. Dann aber fiel die Stange. "Cöster ist heute vom Feinsten gesprungen. Leider hat das letzte Glück gefehlt." Auch die gebürtige US-Amerikanerin war zerknirscht. "Schade, wir hatten so auf eine Medaille gehofft." Die Weltranglistenerste blickte da aber schon auf das nächste Ziel: die Einzelmedaillen, die erst zwei drei Tage nach dem Nationenpreis vergeben werden. "Donnerstag beginnt der Wettbewerb von Neuem." Das gilt für sie, Christian Ahlmann und Ludger Beerbaum, die in dieser Reihenfolge als 16. (14 Strafpunkte) und gerade noch 31. (22 Strafpunkte) und 33. (24 Strafpunkte) den Einzug ins Finale der besten 35 Einzelreiter aller bisherigen Prüfungen geschafft haben. Mit den Einzelmedaillen nichts mehr zu tun hat Marco Kutscher, für den sich diese Spiele zu einem Fiasko entwickelten und der im zweiten Umlauf fast ein Dejá vu hatte. Mit 19 Strafpunkten sorgte er zum zweiten Mal mit Cornet Obolensky für das Streichergebnis. Das Drama begann wieder mit dem Wassergraben. Kutscher hatte im wahrsten Sinne des Wortes einen "Steher" (so nennt man gelegentlich eine Verweigerung im Fachjargon), denn sein Pferd stieg und stand auf den Hinterbeinen. "Nach dem Wasser hat er mir den Dienst quittiert. Das war ein klarer Ungehorsam und ist sehr bitter. Es war das Gleiche wie gestern. Für mich ist das Turnier absolut vorbei." Die Pause bis zur Einzelentscheidung werden die Deutschen sicher nutzen, denn der Traum von Edelmetall kann noch wahr werden. Auch wenn in der Einzelwertung der Norweger Tony Andre Hansen mit Camiro vor Jos Lansink (Belgien) mit Cumano und Mclain Ward (USA) nach den bisherigen Qualifikationsrunden führen. Das aus zwei Runden (A und B) bestehende Finalspringen beginnen alle Reiter wieder bei Null. In der ersten Runde sind die besten 35 Paare aus den ersten Qualifikationsprüfung zugelassen, jedoch maximal drei Paare pro Nation. In der zweiten Runde sind es nur noch 20 Paare. Olympiasieger wird, wer im Finale nach den Umläufen A und B die wenigsten Strafpunkte hat. Bei Strafpunktgleichheit gibt es ein Stechen um die Medaillen. Wie auch immer das Finale ausgeht: Wie schon in der Dressur gehört die deutsche Pferdezucht auch im Springen zu den Gewinnern – vor allem der Holsteiner Pferdezuchtverband. Sechs der zwölf Medaillenpferde tragen den Holsteiner Brand: Gold für Carlsson vom Dach (Reiter: Will Simpson/USA), Silber für In Style (Ian Millar/Kanada) und Bronze für Le Beau, Casino, Cattani und Camiro, mit denen das komplette norwegische Team beritten war. Über Silber durfte sich noch ein deutscher Zuchtverband freuen. Special Ed von Jill Henselwood (Kanada) ist ein Oldenburger. Ob die Deutsche Pferdezucht noch weitere Medaillen bekommt, wird sich am Donnerstag zeigen. Cöster ist ein Holsteiner, All Inclusive NRW ein Westfale und Shutterfly ein Hannoveraner. Insgesamt sind 20 der Pferde im Einzelfinale aus deutscher Zucht. Bo |