Auch zu diesem Thema gibt es eigentlich genügend Fachliteratur, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es doch immer wieder Unklarheiten geben kann.
Ich werde mich bemühen, auf dieser Seite alle mir bekannten Pferdekrankheiten genauestens vorzustellen und deren Erscheinungsbild laiengerecht zu erklären. Meine persönlichen Erfahrungen mit diversen Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten werde ich hier ebenfalls einfließen lassen, wobei ich aber betonen möchte, dass diese nicht unbedingt Allgemeingültigkeit besitzen.
Alle mehr oder weniger häufigen Pferdekrankheiten detailliert zu beschreiben, wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.
Darum würde ich Ihnen vorschlagen, mich bei einer aktuellen Erkrankung Ihres Pferdes, die für Sie irgendwelche Fragen zur Symptomatik, Prognose oder Therapiemöglichkeit aufwirft, gegebenenfalls sofort per E-mail ( › PANTERARANCH@a1.net) zu kontaktieren.
Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass ich weder praktizierender Tierarzt noch Heilpraktiker bin und somit weder Diagnosen stelle noch Therapien verordne.
Im Bedarfsfall sollten Sie unbedingt den Tierarzt bzw. Heilpraktiker Ihres Vertrauens zu Rate ziehen und meine Messeseite nur als zusätzliche Informationsquelle betrachten.
Eine mir bestens bekannte und sehr engagierte Tierheilpraktikerin ist Claudia Deckenbrock aus Everswinkel. Bei ihr ist Ihr krankes Pferd sicherlich in den besten Händen, wobei sie neben der klassischen homöopathischen Behandlung auch noch einige andere alternative Heilmethoden anwendet. Nähere Informationen darüber finden Sie auf ihrer Homepage unter » www.tierischfit.de
| | Tipps zur Behandlung von Sehnenverletzungen | | |
Sehnenverletzungen können unter unglücklichen Umständen immer und überall entstehen, aber gerade in der kalten Jahreszeit passieren sie oft sehr rasch und unerwartet. Viele Freizeitreiter unterschätzen die Gefahren, wenn sie z.B. über längere Strecken übermütig im Tiefschnee galoppieren. Die Pferde spielen zwar meist eifrig mit, ihre Beine oder genauer gesagt die durch die Kälte nicht so geschmeidigen Sehnen aber leider oft nicht. So kommt es sehr leicht zu Überanstrengungen, die in vielen Fällen eine Sehnenscheidenentzündung oder auch eine Sehnenzerrung nach sich ziehen.
Ähnliche Probleme können entstehen, wenn Pferde auf harten Winterböden getrabt oder galoppiert werden, und auch das Reiten mit Stollen sollte langsam trainiert werden, damit es nicht zu Verspannungen und in Folge zu Sehnenverletzungen kommt. Wenn ein Huf auf eisigem Boden ausrutscht oder auf hart gefrorenem, unebenem Boden abrupt umkippt, kann es durchaus sogar zu Sehneneinrissen oder auch Sehnenabrissen kommen.
In diesem Fall ist die Hinzuziehung eines Tierarztes wohl unumgänglich, doch zusätzlich zu dessen Behandlung können Sie - ähnlich wie bei der Sehnenzerrung - mit homöopathischen Arzneien den Heilungsvorgang enorm beschleunigen. Folgende Komplexmischungen haben mir bereits bei vielen Sehnenverletzungen wunderbare Dienste erwiesen und mich auch in schwierigen Fällen nie im Stich gelassen:
1. Arnica D12, Aesculus D4, Hypericum D4, Symphytum D4, Ruta D4, Rhus toxicodendron D12. Diese Mischung (sie ist übrigens auch für Muskel-, Knochen- und Nervenverletzungen geeignet) sollte so rasch wie möglich gleich nach der Verletzung bzw. Überanstrengung gegeben werden, weshalb es günstig wäre, sie ständig in der Stallapotheke zur Verfügung zu haben. Man verabreicht sie am 1.Tag am besten stündlich und danach noch 2-3 Tage lang 3mal täglich. Dann sollten die akuten Symptome (Hitze, Schwellung, Schmerz) ganz oder wenigstens zum größten Teil behoben sein.
Nun sollte folgende Mischung zur Anwendung kommen:
2. Aesculus D4, Ruta D4, Silicea D12. Dieses Komplexmittel verbessert die Durchblutung und dient dem Wiederaufbau der Sehnenstruktur und sollte für mindestens 4-6 Wochen 2mal täglich verabreicht werden.
Am besten lassen Sie sich die beiden Komplexmittel in Ihrer Apotheke fertig mischen, wobei Sie die flüssige Zubereitungsform (Dilution) wählen sollten, da diese am einfachsten von den Pferden angenommen wird. Sie brauchen nur jeweils 30 Tropfen der gut geschüttelten jeweiligen Mischung auf ein Stück hartes Brot träufeln und es Ihrem Pferd verfüttern. Ich habe noch nie erlebt, dass irgendein Pferd jemals die Aufnahme verweigert hätte.
Damit diese homöopathischen Heilmittel ihre Wirkung auch möglichst rasch entfalten können, sollten sie so früh und regelmäßig wie möglich angewandt werden. Sie sollten die Sehnen Ihres Pferdes also nach jedem Ritt genauestens kontrollieren, um eventuelle Schäden schon an den ersten Frühsymptomen zu erkennen. Auch wenn sich die Sehnen nur etwas erwärmt oder verdickt anfühlen, kann es keinesfalls schaden, wenn Sie Ihrem Pferd sicherheitshalber 2-3mal die 1.Mischung verabreichen.
Dasselbe gilt auch für den Fall, dass zwar keine sicht- oder fühlbaren Veränderungen vorhanden sind, Ihr Pferd aber deutlich Schmerzsymptome zeigt, indem es das betroffene Bein beim Betasten ruckartig in die Höhe hebt. Manche Pferde reagieren allerdings prinzipiell empfindlich auf Berührungen an den Beinen, was aber durchaus für ständige chronische Schmerzen sprechen kann. Eine gründliche Durchuntersuchung beim Tierarzt bringt hier unter Umständen überraschende Erkenntnisse.
Im akuten Stadium von Sehnenzerrungen und Sehnenscheidenentzündungen empfiehlt sich meist auch eine Kaltwasserbehandlung der betroffenen Stelle, wobei allerdings nicht alle Tiere gleich gut darauf reagieren. Wenn Ihr Pferd dieser Behandlung immer wieder auszuweichen versucht, sollten Sie auf den Instinkt Ihres Pferdes hören. Manchmal verkrampfen sich Sehnen nämlich bei Kälteeinwirkung noch mehr und erzeugen so natürlich auch mehr Schmerz. Dies tritt vermehrt in der kalten Jahreszeit auf und sollte nicht einfach ignoriert werden. Viele Pferde reagieren auf kalte Umschläge besser als auf kaltes Abspritzen, bei manchen bewähren sich auch Wechselduschen (warm-kalt).
Ein Stützverband ist in manchen Fällen angebracht, aber man sollte nicht vergessen, dass die Blutzirkulation unter diesem nicht immer optimal ist, was wiederum die Heilung beeinträchtigen kann.
Was die Belastung anbelangt, so sollte eine Sehnenverletzung immer vollständig ausgeheilt sein, bevor man wieder mit dem Training beginnt, jede zu frühe Arbeit rächt sich bestimmt irgendwann, auch Schrittreiten schadet solchen Tieren nachweislich. Trotzdem sollte das verletzte Pferd regelmäßig auf festem, keinesfalls tiefem Boden bewegt werden. Spaziergänge auf Asphalt haben sich meist besonders bewährt, denn so werden die Sehnen nicht nur gesund, sondern sogar kräftiger als vor der Verletzung.
Wenn Sie diese Zeit tapfer durchhalten, wird Ihr Pferd es Ihnen sicher danken. Ein paar Wochen oder Monate Pause - je nachdem, wie schwer die Verletzung war - sollte Ihnen Ihr Pferd schon wert sein, denn schließlich würden auch Sie sich im Falle einer Sehnenzerrung oder dergleichen schonen. Dafür können Sie danach erwarten, dass Ihr vierbeiniger Reitkamerad wieder gestärkt und mit frischem Eifer an die Arbeit gehen wird.
Um ähnliche Verletzungen in Zukunft zu vermeiden, sollten Sie mit den Sehnen Ihres Pferdes sorgsam umgehen (dies gilt natürlich für alle Pferde!), indem Sie immer erst gründliche Aufwärmarbeit im Schritt leisten, bevor Sie mit schnelleren Gangarten beginnen, und Ihr möglichst tägliches (oder zumindest mehrmals wöchentliches) Training stufenweise langsam aufbauen. Bedenken Sie übrigens, dass das Aufwärmen im Winter immer etwas länger dauert, da die kalten Außentemperaturen eine schlechtere Durchblutung der peripheren Körperteile bewirken.
| | Tipps zur Vorbeugung von Sehnenverletzungen | | |
In meinen ‘Tipps zur Behandlung von Sehnenverletzungen’ habe ich die Ursachen und die Vermeidung von Sehnenverletzungen bereits kurz angesprochen, nun möchte ich dieses Thema etwas genauer behandeln.
Die Sehnen unserer Pferde sind natürlicherweise eigentlich sehr stabile Einrichtungen, sofern sie nicht durch schlechte Haltungsbedingungen, mangelhafte Hufkorrektur, ungenügendes bzw. falsches Training oder durch starke bzw. chronische Überlastung geschädigt und damit zu besonders verletzungsgefährdeten Schwachstellen werden. Alle diese Punkte greifen allerdings oft nahtlos ineinander über, sodass die jeweilige Ursache für einen Sehnenschaden im Nachhinein oft nicht mehr genau nachweisbar ist.
Sehen wir uns also die optimalen Bedingungen, die zu starken, beinahe unverwüstlichen Sehnen führen, etwas näher an und betrachten wir detailliert die einzelnen Risikofaktoren, die zu Schädigungen führen können.
Grundsätzlich sind alle Pferde Lauftiere, was wohl jedem hinlänglich bekannt sein dürfte, wobei allerdings nicht alle Menschen die genaue Bedeutung dieser Aussage richtig realisieren. Immer noch sind viele Laien, aber auch Pferdebesitzer und Reiter der Meinung, dass es genügen würde, dem Pferd täglich 1-2 Stunden Bewegung zu verschaffen. Leider hält sich genauso beständig die irrige Anschauung, man müsse das Pferd in dieser kurzen Zeitspanne einfach nur flott genug arbeiten lassen, dann wäre sein Bewegungsbedürfnis für den restlichen Tag voll und ganz gestillt. Wissenschaftliche Untersuchungen, aber auch eigene aufmerksame Beobachtungen können dies allerdings rasch widerlegen.
Feststeht, dass Wildpferde in der Natur die gemütliche Fortbewegung im Schritt stets den schnelleren Gangarten vorziehen werden, und dass dies für alle Körperbereiche - einschließlich der Sehnen - eine optimale Stimulation darstellt. Auch für das geistige und seelische Gleichgewicht des Pferdes ist diese ruhige Lebensweise eine wichtige Grundvoraussetzung. Natürlich legen auch Wildpferde hin und wieder kurze Strecken im Trab oder Galopp zurück, doch wird sich kein erwachsenes Tier jemals freiwillig länger als 10-15 Minuten durchgehend in schnelleren Gangarten fortbewegen. Werden sie durch irgendwelche Umstände oder Gefahren doch dazu gezwungen, stellt dies für sie eine große Stresssituation dar, nach der sie unbedingt eine ausreichende Phase der Erholung benötigen.
Vielen Reitern ist leider nicht bewusst, dass sie mit der oben angeführten Methode ihren Pferden tagtäglich ungeheuren Stress bereiten. Wenn die Tiere dann aus Erschöpfung ruhig im Stall stehen, meinen sie tatsächlich, das Beste für ihre Pferde getan zu haben. Ganz schlimm wird es, wenn sich solche unwissenden Menschen ein Vollblut kaufen, das natürlich grundsätzlich mehr Temperament als andere Pferderassen besitzt. Diese armen Tiere werden dann meist noch mehr durch die Gegend gehetzt, da man ihrem stärkeren ‘Bewegungsdrang’ nachkommen möchte, ohne dass bemerkt wird, wie sehr man diesen meist besonders sensiblen Geschöpfen damit eigentlich schadet.
Vielfältigste Verhaltensstörungen, vor allem aber geradezu hysterische Nervosität, sind meist die Folge dieser Behandlung, was dann oft fälschlicherweise als Rasseneigenschaft angesehen wird. Werden solche Tiere therapeutisch über längere Zeit hauptsächlich im Schritt geritten, entwickeln sie sich schnell wieder zu ausgeglichenen und nervenstarken Reitpferden.
Diese Problematik steht bei diesem Artikel allerdings nicht im Vordergrund, sodass ich sie zu gegebener Zeit in einem anderen Beitrag genauer behandeln werde. Mein Hinweis darauf soll hier nur als Denkanstoß dienen, um die tatsächlichen Bewegungsbedürfnisse unserer Pferde zu verdeutlichen.
Möglichst ganztägige ruhige Bewegungsmöglichkeit sollte also das Ziel sein, welches in einer Offenstallhaltung natürlich optimal gewährleistet ist. Für Jung- und Zuchtpferde und auch für Pferde, die reiterlich nur wenig beansprucht werden, stellt dies die perfekte Haltungsform dar, sofern die in einer Gruppe bzw. Herde zusammengehaltenen Tiere sich gut miteinander verstehen.
Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, dass nächtliche Boxenhaltung mit ganztägigem Koppelaufenthalt den meisten Pferden und ihren Bedürfnissen oft eher gerecht wird. Meine Pferde freuen sich jedenfalls, wenn sie die Nacht geschützt, ungestört und bequem in ihrer Box verbringen können, um sich dann gestärkt morgens auf der Koppel austoben und den restlichen Tag gemütlich dahinschlendernd frei bewegen zu können.
Hole ich sie dann zur Arbeit, haben sie immer noch genügend Energie, was bei Offenstallpferden nicht immer der Fall ist. Ranghohe Tiere, die immer über ihre Untergebenen wachen, aber auch rangniedere Tiere, die ständig vor unverträglichen Artgenossen fliehen müssen, sind selten so ausgeruht, dass sie wirklich gute Arbeit leisten können. Dies sei allerdings nur am Rande erwähnt, denn eigentlich geht es in diesem Beitrag ja vorrangig um die Sehnen unserer Pferde, für deren gesunde Entwicklung Haltungsformen mit - zumindest stundenweisen - freien Bewegungsmöglichkeiten unerlässlich sind.
Reine Boxenhaltung ist also Gift für die Sehnen der Pferde, aber was tun, wenn die einzigen in Frage kommenden Reitbetriebe keine Auslauf- oder Offenstallhaltung anbieten? Nun, ich persönlich würde meinem Pferd eine solche Unterbringung nie zumuten und lieber einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen, aber mir ist selbstverständlich klar, dass nicht jeder zu solchen Alltagserschwernissen bereit ist, sodass nach geeigneten Alternativen Ausschau gehalten werden muss.
Führanlagen und Laufbänder würden sich hier anbieten, wobei Letztere aber eigentlich nur für das Training gut ausgebildeter und wirklich gehorsamer Pferde geeignet sind, ansonsten stellen sie aufgrund zahlreicher Verletzungsmöglichkeiten eher eine Gefahr dar. Gibt es keine anderen Möglichkeiten, können Führanlagen einen gewissen Ersatz für freie Bewegung bieten (alles ist besser als völlige Untätigkeit!), doch sollte man die psychische Komponente nicht außer Acht lassen und die Situation einmal aus der Sicht des Pferdes betrachten. Wie wird es sich wohl fühlen, wenn es sich - nach ganztägigem Eingesperrtsein in einer Box - nun auf ebenso begrenztem Raum gezwungenermaßen in von Menschen vorgegebener Geschwindigkeit für eine ebenfalls von Menschen festgesetzte Zeitspanne in kontrollierter Weise bewegen muss?
Da finde ich die altbewährte Methode des Longierens bei weitem besser, denn dabei kann sich ein verspanntes Pferd auch einmal ein paar lösende Buckler erlauben, ohne dass es gleich zu verheerenden Folgen kommt (Führmaschinen können diesbezüglich sehr empfindlich reagieren!). Wenn der Pferdebesitzer selbst nicht genug Zeit hat, wird sich dafür möglicherweise ein Ausbilder oder auch ein engagierter Stallbursche finden. Unter Umständen wäre auch zu erwägen, ob man vielleicht eine(n) talentierte(n) Mitreiter(in) mit dieser Tätigkeit beauftragt. Es gibt übrigens auch heute noch pferdebegeisterte Mädchen, die sich freuen würden, wenn sie - sofern dafür geeignetes Gelände vorhanden ist - mit einem Pferd Spaziergänge machen dürften, was für beide Seiten eine willkommene und gesunde Abwechslung darstellen würde.
Haben wir bis jetzt unser Augenmerk vermehrt auf die Pferdehaltung gerichtet, so sollten wir uns nun eingehend mit dem für die Sehnen unserer Pferde optimalen Training beschäftigen. Der Bewegungsapparat des Pferdes ist - genau wie beim Menschen - aus verschieden zusammengesetzten Strukturen aufgebaut, die für ihre gesunde Entwicklung unterschiedliche Trainingsmethoden benötigen. Werden Muskeln vor allem durch schnellere Gangarten und Kraftanstrengung aufgebaut, so brauchen Knochen und Sehnen die bereits besprochene ruhige Fortbewegung auf möglichst hartem Boden, um die nötige Stabilität zu erlangen.
Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass Jungpferde über Monate hinweg auf Asphaltboden (der trotz seiner Härte eine gewisse Elastizität aufweist und somit den besten Trainingsuntergrund für Sehnen darstellt) zuerst geführt und dann geritten wurden. Heute nimmt sich dafür fast niemand mehr die Zeit, sodass diese Form der optimalen Sehnenstärkung wohl schon bald in Vergessenheit geraten wird.
Viel zu oft werden in wenigen Wochen wahre Muskelpakete auftrainiert, ohne zu bedenken, dass eigentlich zuerst das stabilisierende Knochengerüst und die alles verbindenden Sehnen gestärkt werden müssten. Dies rächt sich später mit diversen Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie eben z.B. Sehnenverletzungen.
Wenn Sie also Ihrem Pferd und damit indirekt auch sich selbst und Ihrer Geldbörse (tierärztliche Behandlungen sind in der Regel teuer!) etwas Gutes tun wollen, sollten Sie die Naturgesetze nicht einfach übergehen, sondern Ihrem Pferd die Zeit geben, die es zum Aufbau seiner Sehnen eben braucht. Wochenlanges Schrittreiten kann für manchen Reiter zwar eine Qual bedeuten, aber letztendlich werden Sie diese Mühen später nie bereuen, denn Ihr vierbeiniger Reitkamerad wird es Ihnen mit lebenslanger Gesundheit und hervorragender Leistungsfähigkeit danken.
Um einiges abwechslungsreicher und mindestens ebenso gesund sind natürlich Schrittausflüge in hügelige Waldregionen, wobei durch das abwechselnde Bergauf- und Bergabreiten auch noch die Muskulatur bestens gefördert wird. Achten sollte man allerdings vor allem bei Jungpferden auf geeigneten Untergrund, denn steinige Gebirgspfade können für ungeübte Tiere sehr viele Gefahren bergen. Langsames, behutsames Aufbautraining ist unter solchen Bedingungen ganz besonders angesagt!
Nach etwa 6-8 Monaten sollten Knochen und Sehnen dann eine wirklich starke Grundsubstanz aufgebaut haben, die sich auch so rasch nicht wieder abbaut. Danach kann mit dem üblichen Muskelaufbautraining begonnen werden.
Wie bereits erwähnt, ist also harter Untergrund für den Sehnenaufbau besonders wichtig, wohingegen tiefer Boden Gift für die Sehnen ist. Wenn sich Pferde ständig anstrengen müssen, um ihre Beine aus dem Boden herauszuziehen, kommt es - auch bei gut trainierten Pferden - rasch zu Überanstrengungen, die meist zu chronischen Sehnenscheidenentzündungen führen. Dies gilt sowohl für Reitplatz bzw. Reithalle als auch für den Koppelaufenthalt! Pferdebeine sollten maximal bis übers Fesselgelenk versinken, alles Weitere ist Tierquälerei!
Das Schlimmste, was ich bis jetzt gesehen habe, war ein Reitstall, der seine Pferde in einer Matschkoppel hielt, wo die Tiere bis zum Bauch im Schlamm versanken und nur mit Peitschenhieben wieder herausgebracht werden konnten. In meinen Augen unhaltbare, erbärmliche Lebensbedingungen für diese armen Geschöpfe, für die dortigen Pferdebesitzer stellte dies aber offenbar einen Normalzustand dar.
Aber auch das Gegenteil davon, nämlich ein zu harter Arbeitsuntergrund, kann enorme Belastungen für die Pferdesehnen bedeuten. Dann nämlich, wenn die Tiere darauf auch in schnelleren Gangarten geritten werden. Kurze Etappen werden zwar gesunden Pferdebeinen nicht schaden, aber ganze Trainingseinheiten von 20-60 Minuten Länge sollten nicht darauf absolviert werden, da es sonst zu Prellungen im Huf und auch an den Sehnen kommen kann.
Dies klingt nun wohl alles ein wenig kompliziert und verwirrend, sodass manch einer vielleicht der Meinung ist, diese Anforderungen niemals erfüllen zu können, doch so schlimm ist es auch wieder nicht. Irgendein passabler Kompromiss lässt sich bestimmt überall finden.
Zum Aufwärmen ein kleiner Spaziergang oder ein paar Runden in der Schrittmaschine, danach etwa 20-30 Minuten Arbeit auf dem Reitplatz und zum Abschluss ein halbstündiger Schrittausflug ins Gelände wäre z.B. eine optimale Trainingseinheit, die sowohl Sehnen stärkt als auch Muskeln aufbaut und zugleich auch noch den Geist Ihres Pferdes wachhält.
Es gibt allerdings viele Trainingsmöglichkeiten, und Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, doch einige Grundregeln sollten unbedingt immer beachtet werden.
1. Immer ausreichend aufwärmen, bevor Sie mit dem eigentlichen Training beginnen. Pferdebeine benötigen - je nach Außentemperatur - ca. 15-30 Minuten Schrittarbeit, bis sie ‘betriebswarm’ sind. Pferde, die den ganzen Tag im Stall stehen, brauchen verständlicherweise etwas länger, bis ihre steifen Muskeln und Gelenke in Gang kommen. Hat sich Ihr Pferd kurz vor dem Reiten gerade selbst ausgiebigst in der Koppel bewegt, geht dieser Vorgang natürlich schneller. Trotzdem sollte man dem Pferd einige Minuten Zeit geben, um sich auf das Reitergewicht einzustellen. Gleich nach dem Aufsteigen angeberisch loszugaloppieren ist eine schreckliche Unart, die den Pferden sowohl körperlichen als auch seelisch-geistigen Schaden zufügt! 2. Während des Trainings immer darauf achten, dass auf Phasen der Anspannung immer auch solche der Entspannung folgen, denn sonst kommt es zweifelsohne zu Verspannungen, die ebenfalls in Sehnenschäden münden können. Mehr zu diesem Thema in einem späteren Beitrag. 3. Überanstrengungen unbedingt vermeiden! Einmalige starke Anstrengungen nach forcierter oder zu langer Arbeit äußern sich meist sofort in Form von heißen und geschwollenen Sehnen oder Gelenken. Chronische Überanstrengungen, die meist durch Verspannungen entstehen, werden aber oft übersehen. Sind die Sehnen nur etwas wärmer und etwaige Schwellungen nur undeutlich sichtbar, misst man diesen ersten Anzeichen meist keine Bedeutung bei. Sind die Beine dann nach längerem Stehen ‘angelaufen’, wird dies als etwas völlig Normales gewertet, was aber keineswegs der Fall ist. Dies sind vielmehr Alarmzeichen überanstrengter Sehnen! Bei Nichtbeachtung dieser Symptome kommt es früher oder später garantiert zu bleibenden Sehnenschäden. 4. So wie das Aufwärmen vor dem Reiten ist auch das Abkühlen nach der Arbeit enorm wichtig. Am Ende jedes Rittes sollten mindestens 10 Minuten entspanntes Schrittgehen stehen. Wenn sich die Sehnen danach immer noch sehr warm oder gar geschwollen anfühlen, sollten die Beine unbedingt sofort einige Minuten kalt abgespritzt werden und danach eventuell mit einem Kühlgel, welches idealerweise Arnika enthalten sollte, eingerieben werden.
Ein Punkt, der ebenfalls gerne übersehen wird, ist die indirekte Bedeutung der Ausrüstung und des Reiters auf das Wohlbefinden der Pferdebeine. Da - wie bereits erwähnt - Verspannungen ein Auslöser von Sehnenproblemen sein können, wirken sich ein drückender Sattel, ein schmerzendes Gebiss oder auch ein schlecht sitzender Reiter diesbezüglich oft katastrophal aus. Darum sollte man sich als verantwortungsvoller Pferdebesitzer immer um die bestmögliche Ausstattung und auch um eine gute Reitausbildung bemühen.
Außerdem sollte jeder Reiter auf sein Pferd hören, wenn es ihm mehr oder weniger deutlich zu verstehen gibt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Leichte Unmutsäußerungen bis hin zu schweren Widersetzlichkeiten zeigen meist irgendwelche Schmerzen an und sollten nicht ignoriert werden, auch wenn das Problem nicht gleich erkannt werden kann.
So habe ich z.B. einmal meine Shagya-Araberstute an eine junge Frau zum Ausreiten verliehen, die mir hoch und heilig versprach, dass sie mit der noch wenig trainierten Stute sehr behutsam umgehen werde. Als sie nach etwa einer Stunde wieder mit ihr zurückkam, war das arme Tier nicht nur schweißgebadet, sondern hatte auch noch eine dick geschwollene Sehne am linken Vorderbein. Auf meine Anfrage hin, erklärte mir die Dame, dass sie nur vorgehabt habe, eine kurze Strecke zu galoppieren, doch da sich die Stute bereits nach wenigen Metern heftigst widersetzt habe, sei sie wütend geworden und habe das Tier nun vermehrt angetrieben. Die Folge davon - ein tiefer Sehneneinriss, der die sonst so verlässliche Stute für ein halbes Jahr lahmlegte. Die Reiterin hätte damals auf das Pferd hören sollen!
Last but not least können Sehnenverletzungen auch durch fehlerhafte Hufkorrektur oder vernachlässigten Hufbeschlag entstehen. Sind die Zehen zu lang, wurden zu steile oder zu flache Hufstellungen nicht ausreichend korrigiert oder die Seitenwände ungleichmäßig gekürzt, kann dies fatale Folgen nach sich ziehen. Durch Unsicherheitsgefühle oder Schmerzen beim Auffußen kommt es zu Verkrampfungen im Sehnenbereich, durch Stolpern oder Umknicken im Fesselgelenk kann es sogar zu Sehnen- oder Bändereinrissen kommen.
Darum sollten die Hufe jedes Pferdes regelmäßig vom fachkundigen Pferdebesitzer oder Hufschmied kontrolliert werden! Leider ist es gerade bei Freizeitreitern immer noch eine weit verbreitete Unsitte, den Hufschmied erst dann zu rufen, wenn es bereits Probleme gibt. Da dieser dann meist auch noch nicht sofort Zeit hat, muss sich das arme Tier oft viele Tage unnötigerweise mit schmerzenden Beinen herumquälen, wodurch sehr leicht bleibende Schäden entstehen können.
Sehnenverletzungen vorzubeugen erfordert also vom Pferdebesitzer bzw. Reiter sehr viel Aufmerksamkeit und auch Rücksichtnahme, lohnt sich aber im Ganzen gesehen durchaus, denn ein gesundes und glückliches Pferd ist dafür sicher ein zuverlässigerer und leistungsstärkerer Reitkamerad!
| | Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Sehnenschwäche | | |
Um das Thema ‘Sehnen’ vollständig abzurunden, wollen wir uns diese Woche mit der Sehnenschwäche beschäftigen. Es gilt hier zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Form zu unterscheiden, wobei Sehnenschwäche sowohl im Fohlen- bzw. Jungpferdealter durch schlechte Aufwuchsbedingungen als auch bei erwachsenen Pferden aufgrund starker Bewegungseinschränkung (z.B. nach schweren Verletzungen, aber auch durch extreme Vernachlässigung) entstehen kann.
Bei der angeborenen Form - die oft bedeutend schlimmer aussieht als sie es dann im Endeffekt ist - ist meist eine genetische Veranlagung die Ursache, aber auch die Ernährung der Mutterstute während der Trächtigkeit kann eine große Rolle spielen. Dabei ist Mangelernährung - die man im Allgemeinen nur der Mutter ansieht - meist nicht das Problem, eher wirken sich eine Vitamin-Überversorgung bzw. ein bestehendes Mineralien-Ungleichgewicht schlecht auf die Entwicklung des Fohlens aus. Vor allem die Unsitte, die Stute wahllos mit den verschiedensten hochwertigsten Futterzusätzen vollzustopfen, kann ganz verheerende Folgen haben.
Vitamine und Mineralstoffe sind Bestandteile der Nahrung, die vom Körper in kleinen Mengen für diverse Funktionen benötigt werden. Eine kurzfristige Über- bzw. Unterversorgung verkraftet der Organismus problemlos, doch verabreicht man über einen längeren Zeitraum zu viel davon, hat dies in den meisten Fällen dieselbe Wirkung wie bei einem chronischen Mangel. Werden extrem große Mengen aufgenommen, kann es sogar zu richtigen Vergiftungserscheinungen kommen.
Leider wird dieser Umstand von den Herstellern sämtlicher Futterzusätze nicht ausreichend deklariert, sodass den meisten Pferdebesitzern nicht klar ist, womit sie ihrem vierbeinigen Liebling letztendlich nützen oder schaden können. Nur den wenigsten dürfte bekannt sein, dass die Verabreichung mehrerer verschiedener Futterzusätze gleichzeitig äußerst negative Auswirkungen auf diverse Körperfunktionen haben kann.
Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen Vitamin- und Mineralstoffzusätze verwenden, achten Sie vor allem darauf, dass Sie nicht gleichzeitig Futtermittel (Fertigfutter), Leckerlis oder andere Zusätze verfüttern, die eine ähnliche Zusammensetzung aufweisen. Denken Sie daran, dass Pferde trotz großer Belastungen über Jahrhunderte nur mit Heu und ursprünglichem Getreide gefüttert wurden und dabei ebenfalls gesund und leistungsfähig geblieben sind, und wählen Sie dann möglichst einen gesunden Mittelweg.
Dies gilt selbstverständlich nicht nur für die Mutterstute, sondern auch für das Fohlen. So ist z.B. eine ausreichende Menge an Calcium für die Knochenentwicklung unerlässlich, ein Zuviel schadet aber auch hier, denn es macht die Knochen nicht härter, sondern poröser, da sie ihre Elastizität verlieren. Dasselbe trifft natürlich auch auf Sehnen und andere Strukturen des Körpers zu.
Ein weiterer Punkt, der bei Fohlen eine Sehnenschwäche erzeugen kann, ist die übertriebene Schonung derselben, wobei sich vor allem ungeeignete Auslaufmöglichkeiten sehr negativ auswirken können. Fohlen brauchen zur Kräftigung ihrer Sehnen, aber auch ihrer Hufe, Knochen und Gelenke einen möglichst großflächigen Auslauf mit festem Untergrund (idealerweise eine Wiese), wo sie sich ganz nach Belieben in allen Gangarten austoben können. Tiefe Böden schaden den Fohlen, sie überlasten die schwachen Sehnen nur noch, bevor diese die nötige Festigkeit erlangt haben.
Auch zu langes Stehen in der Box rächt sich später ganz bestimmt. Die Westernpferde eines mir persönlich bekannten Züchters, der die Stuten mit ihren Fohlen bei Schlechtwetter oft sogar wochenlang im Stall stehen lässt, sind allesamt nicht belastbar. Sehnen-, Gelenks- und Hufrollenentzündungen sind bei ihnen leider auch schon in jungen Jahren an der Tagesordnung.
Oberstes Gebot zur Vorbeugung und Behandlung von Sehnenschwäche - egal welcher Ursache - lautet also: Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung, womit aber möglichst entspanntes Freilaufen gemeint ist. Erzwungene Bewegungen und daraus resultierende Verspannungen haben bekanntlich eher negative Auswirkungen auf die Sehnenbeschaffenheit (Hauptentzündungsursache), und Fohlen werden sich brav an der Hand gehend wohl auch nicht richtig gut entwickeln können.
Sollten sich Tiere mit ganz starker Sehnenschwäche aber nur ungern freiwillig bewegen, sollte man sie dennoch immer wieder dazu animieren und falls nötig auch sanften Zwang anwenden. Bei Fohlen reicht es ja im Allgemeinen aus, wenn die Mutter von ihnen wegbewegt wird, mit älteren (auch kranken) Tieren sollte man am besten regelmäßig Spaziergänge machen, da dies auch bei Verletzungen die Heilung ankurbelt, bei Infekten die körpereigene Immunabwehr steigert und ebenso alle anderen Körperfunktionen (Kreislauf, Verdauung, etc.) in Schwung hält.
Außer durch Bewegung kann man auch mit Hilfe der Homöopathie die Sehnen nachhaltig stärken. Hier ist vor allem - wie bei allen Sehnenproblemen - Silicea sehr zu empfehlen. Als Silicea D12 wird es zweimal täglich (je 10-15 Tropfen), als Silicea D30 zweimal wöchentlich (je 10 Tropfen) je nach Bedarf über einige Wochen oder auch Monate verabreicht.
Wenn sich das betreffende Tier nur sehr ungern bewegt oder aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage ist, ist auch die Verabreichung von Aesculus D4 (dreimal täglich 10-15 Tropfen) angebracht, um die Durchblutung in den Beinen zu verbessern.
Sollte bei Fohlen tatsächlich ein Calcium- und/oder Vitamin D3-Mangel nachgewiesen sein, kann man natürlich auch gezielte Vitamin- und Mineralstoffgaben einsetzen. Auch Calcium carbonicum D12 (bei eher dicklichen, schwerfälligen Fohlen), Calcium phosphoricum D12 (bei dünnen, nervösen Tieren) und Calcium fluoratum D12 (allgemein bei Calcium-Mangel) können sich dann sehr positiv auf den Heilungsverlauf auswirken.
Unterstützend zu den anderen Behandlungen empfiehlt sich als Futterzusatz Gelatine (1EL dieses gelblichen Pulvers einfach unter die übliche Kraftfutterration mischen), welche normalerweise problemlos angenommen wird.
Bei Fohlen mit angeborener Sehnenschwäche ist oft auch ohne Eingreifen des Menschen bei guten Aufwuchsbedingungen nach etwa 2 Wochen eine Spontanheilung zu erwarten, doch können die oben angegebenen homöopathischen Arzneimittel diesen Verlauf noch kräftig unterstützen und sind deshalb sehr zu empfehlen.
Für alle Formen von Sehnenschwäche gilt, dass Sehnen langsam regenerierende Strukturen sind, die etwa 3 Monate von der oben angeführten Rundum-Behandlung und danach nochmals 3-6 Monate gezieltes Bewegungstraining benötigen, um wirklich stark und strapazierfähig zu werden.
| | Tipps zur Vorbeugung von Hufrehe | | |
Endlich angenehm warme, ja manchmal sogar schon frühsommerlich heiße Temperaturen, da schießt das Gras nur so aus dem Boden. Überall, wohin man schaut, saftiges Grün und blühende Wiesenblumen - ein Paradies für Pferde. Doch wie in jedem Paradies lauern auch hier Gefahren!
Jedes Jahr um diese Zeit (oder auch schon etwas früher) erkranken empfindliche Pferde durch zu üppige Gras- und Kleeaufnahme an Koliken oder auch an Hufrehe, wobei Letztere besonders gefürchtet ist, weil sie in vielen Fällen den Tod des betroffenen Tieres bzw. schwere Folgeschäden an seinen Hufen nach sich zieht. Bei rechtzeitiger und richtiger Behandlung kann die Krankheit zwar geheilt werden, aber meist bleibt zumindest eine lebenslange Rückfallbereitschaft im Organismus vorhanden, sodass bereits der kleinste Auslöser einen neuerlichen Hufreheschub bewirkt.
Bevor wir uns mit diesen auslösenden Faktoren und deren bestmöglichen Vermeidung im Tipp der nächsten Woche genauer befassen, möchte ich Ihnen diese häufige Erkrankung ein wenig näher vorstellen.
Unter Hufrehe versteht man eine Stoffwechselerkrankung, deren Ursachen vielfältig sein können, deren tragisches Endergebnis aber immer eine Huflederhautentzündung mit mehr oder weniger verheerenden Folgen ist. Die Huflederhaut befindet sich im Inneren des Hufes und ist für das Wachstum des Hufes zuständig, in ihr werden die neuen Zellen gebildet. Um diese Aufgabe optimal erfüllen zu können, muss sie gut durchblutet sein, und genau hier liegt ihr wunder Punkt.
Wenn es durch irgendwelche Umstände zu einer verminderten Durchblutung oder aber zu einer verstärkten Blutzufuhr mit daraus folgendem Überdruck kommt, kann das empfindliche Gewebe rasch absterben oder Entzündungen erleiden, die die gefürchteten Symptome der Hufrehe hervorrufen.
Die Hufe sind dann entweder heiß und der Saumrand dick geschwollen oder eher kühl und auch sonst unauffällig, aber die charakteristische Lahmheit ist annähernd die gleiche. Die Tiere zeigen anfangs einen klammen Gang, bis sie sich letztendlich gar nicht mehr bewegen wollen bzw. können. Dann stehen sie meist mit weit vorgestreckten Beinen und nach hinten geneigtem Körper reglos da. Auf diese Weise versuchen sie den besonders schmerzenden vorderen Hufbereich zu entlasten. Wenn ihnen dies nicht mehr ausreichend gelingt, legen sie sich meist nieder und sind dann nur noch schwer zum Aufstehen zu bewegen.
Bleibt dieser Zustand über einige Tage unbehandelt (oder auch falsch behandelt), so kommt es zu charakteristischen Deformierungen des Hufes und zur Hufbeinsenkung, welche sich in besonders schweren Fällen in einem Hufbeindurchbruch an der Sohle zeigt. Dies bedeutet dann meist das Todesurteil für das betreffende Tier, obwohl auch hier noch Heilungschancen bestehen, wenn der Pferdebesitzer die damit verbundenen Strapazen auf sich nehmen will und das Pferd den nötigen Lebenswillen aufbringt.
Die größte Gefahr bei solch hochakuten Fällen liegt vor allem in der bakteriellen Infektion des Hufes, die bei Nichtbehandlung durch Stehen auf verschmutzter Einstreu, aber auch auf natürlichem Erd- und Wiesenboden unweigerlich der Fall ist. Wie Sie in solchen Fällen Ihr Pferd erfolgreich schützen und behandeln können, erfahren Sie im Artikel über die Behandlung der Hufrehe, dem Tipp der übernächsten Woche.
Die sonst üblichen Hufveränderungen sehen folgendermaßen aus: Der vordere Hufhornbereich wird immer länger und schließlich an der Spitze knollig verdickt, und es zeigen sich über den ganzen Huf verteilt Ringe, die an der Vorderseite eng untereinander verlaufen, woran man erkennt, dass das Hufhorn hier zusammengestaucht wird. Diese Ringe verlaufen auf der Seite des Hufes alle in Richtung der Trachten. Der Hufsaum ist geschwollen und zeigt eine Kippung nach unten, die die Hufbeinsenkung anzeigt. Diese wird - wenn man die Sohle betrachtet - auch an einer stark verbreiterten und aufgelockerten weißen Linie erkenntlich.
Der Hufbeindurchbruch erfolgt übrigens im vorderen Sohlenbereich, wobei dieser Bereich aber auch bei einer nicht so drastisch verlaufenden Hufbeinsenkung extrem schmerzhaft und nach unten gewölbt ist, da es dort zu einer starken Entzündung mit Bluterguss kommt. Wird dieser vorgewölbte Teil der Sohle irrtümlicherweise weggeschnitten, so eröffnet man damit den Huf und legt die Hufbeinspitze frei, was dann denselben Effekt wie ein Hufbeindurchbruch bewirkt.
Die wohl häufigste Ursache für Hufrehe ist eine Überfütterung mit stark eiweiß- oder stärkehältigen Futtermitteln, also mit jungem Gras, Klee oder Getreide, aber auch unter Umständen mit melassierten Rübenschnitten bzw. Äpfeln, da der darin enthaltene Zucker eine ähnliche Wirkung zeigt. In all diesen Fällen entsteht im Magen-Darm-Trakt eine Fehlgärung, bei der das bakterielle Gleichgewicht aus den Fugen gerät und die daraus entstehenden toxischen Produkte in den Blutkreislauf gelangen. In den Hufen verursachen diese dann die erwähnten Symptome, indem sie die Blutgefäße schädigen bzw. verengen.
Vermieden werden kann diese Art der Hufrehe durch maßvolle, vernünftige Zuteilung dieser problematischen Futtermittel je nach Bedarf des einzelnen Tieres, sowie durch langsames Gewöhnen an die Weide im Frühjahr. Bringen Sie mehrere Pferde gemeinsam auf Ihre Weide bzw. Wiesenkoppel, so müssen Sie sich diesbezüglich an den Bedürfnissen des empfindlichsten Tieres orientieren. So konnte ich z.B. jahrelang alle meine Pferde nur für max. 1 Stunde pro Tag auf die Wiese entlassen, weil meine Haflingerstute sonst garantiert einen neuen Hufreheschub bekam.
Immer wieder passieren auch ‘Unfälle’, indem Pferde aus ihrer Box oder ihrer Koppel ausbrechen, um sich in Futterkammern oder benachbarten Getreidefeldern den Bauch vollzuschlagen. Darum ist es besonders wichtig, Zäune möglichst ausbruchsicher zu gestalten und sämtliche Koppel- oder Boxentürverschlüsse lieber doppelt zu kontrollieren, bevor man das Pferd alleine lässt. Manche Tiere sind übrigens wahre Meister im Öffnen von Türen, weshalb Riegel und dergleichen am besten immer so angebracht sein sollten, dass das Pferd sie unter keinen Umständen selbst erreichen kann.
Zu genau den gleichen Vorgängen wie bei der Überfütterung kann es auch durch eine abrupte Futterumstellung, durch bestimmte Pflanzengifte oder ebenso durch zu kaltes Trinken im erhitzten Zustand kommen, denn auch dabei werden nützliche Darmbakterien abgetötet und damit Stoffwechselgifte freigesetzt.
Deshalb sollten Futterumstellungen stets behutsam vorgenommen werden, also Schritt für Schritt über mehrere Tage hinweg ein Futtermittel durch ein anderes ersetzen, anstatt diese einfach ohne langsame Umgewöhnung an irgendeinem Stichtag plötzlich gegeneinander auszutauschen.
Giftige Pflanzen wiederum sollten möglichst nicht in Koppelnähe geduldet werden, aber auch beim Ausreiten ist tunlichst darauf zu achten, dass das Pferd nicht vielleicht irrtümlicherweise doch irgendwo einen Happen solcher unbekömmlicher Pflanzen erwischt. Im Normalfall hat das Pferd zwar einen sehr guten Instinkt diesbezüglich, aber bei besonders gefräßigen Exemplaren oder auch manchen unvorsichtigen Jungtieren kann es schon vorkommen, dass sie auch einmal etwas Giftiges naschen, vor allem dann, wenn es sich bei der betreffenden Pflanze um ein Gewächs aus anderen Ländern handelt, für die unsere Pferde nicht das richtige Gespür haben.
Viele Pferde sind auch klug genug, um sich nach schweißtreibenden Anstrengungen nicht gleich über kaltes Wasser herzumachen, andere aber haben da keine Bedenken und krümmen sich dann oft vor Bauchschmerzen (Koliken) bzw. erleiden womöglich sogar einen Hufreheschub, weil empfindliche Darmbakterien durch den plötzlichen Temperatursturz abgetötet wurden und damit die bereits beschriebenen Folgen eintreten.
Auch hier kommt es ganz genau wie bei den anderen Punkten immer auf die individuelle Empfindlichkeit des Tieres an, denn manche vertragen einfach alles, sogar kübelweise Kraftfutteraufnahme, andere reagieren schon auf Kleinigkeiten höchst sensibel. Trotzdem würde ich jedem Pferdebesitzer raten, es nicht auf irgendein Risiko ankommen zu lassen.
Was das Tränken anbelangt, so wird meist geraten, das Pferd mit Trense zu tränken oder auf das dargereichte Wasser ein Büschel Heu zu legen, damit nicht so viel auf einmal davon aufgenommen werden kann. Reitet man jedoch wie ich mit gebissloser Zäumung fällt Ersteres schon mal weg, hat man dann auch noch ein eher heikleres Pferd, dann wird dieses bei der zweiten Methode die Wasseraufnahme wohl eher ganz ablehnen. Ich biete deshalb im Winter meist leicht temperiertes Wasser an, im Sommer hingegen warte ich einfach 10-20 Minuten mit dem Tränken. Da ich meinen Pferden sowieso als ersten Durstlöscher ein paar Karotten oder Äpfel gebe, überstehen sie diese Wartezeit problemlos.
Eine neuerdings - genau wie bei uns Menschen - immer häufiger vorkommende Ursache für Hufreheschübe können auch Allergien auf bestimmte Futtermittel sein. So hatte ich selbst zwei Pferde, die bereits nach dem Verzehr von 2-3 Maiskörnern oder einem Maisstengel deutliche Hufrehesymptome zeigten, von denen sie sich immer erst nach einigen Tagen wieder erholten. Eines dieser Pferde reagierte auch auf Äpfel und Karotten in ähnlicher Weise. Dieses Tier bekam auf solche Futtermittel gleichzeitig auch verstärkten allergischen Husten.
Eine andere mögliche Ursache ist eine zu starke Belastung der Hufe bei Reiten auf zu hartem Boden. Vor allem lang anhaltendes Traben und Galoppieren auf z.B. hart gefrorenem Untergrund kann bei Rassen mit eher weichen Hufen, wie z.B. Haflingern, an einem oder beiden Vorderbeinen, seltener auf allen vier Beinen, Hufrehe auslösen. Durch die ständige Hufprellung kommt es zur Huflederhautentzündung, die sich meist nicht so hochakut wie bei der fütterungsbedingten Hufrehe, sondern eher nur durch klammen Gang und geringgradige Hufdeformierungen äußert.
Verhindern kann man diese Art der Hufrehe nur durch etwas Rücksichtnahme auf das Pferd, wenn die Bodenbeschaffenheit eben nicht für schnelles Reiten geeignet ist, oder aber durch eine Unterbringung des Pferdes in einem Reitstall mit Halle, wo man während schlechter Wetterbedingungen auf dem weichen Hallenboden trainieren kann. Eventuell käme bei solch empfindlichen Tieren auch ein gepolsterter Hufbeschlag in Frage.
Gleichzeitig muss aber auch festgestellt werden, dass Pferde, die für eine Belastungshufrehe anfällig sind, meist auch eine chronische Überfütterung aufweisen, wodurch sich das Hufhorn auflockert und instabiler wird. Deshalb ist es bei solchen Tieren besonders wichtig, darauf zu achten, dass Übergewicht konsequent abgebaut wird und die Futterrationen dem tatsächlichen Verbrauch angepasst werden. Auch wenn manche Pferde ohnehin schon sparsamer gefüttert werden, können sie unter Umständen immer noch relativ zu viel fressen, weil sie vielleicht einfach zu gute ‘Futterverwerter’ sind. Genau wie bei uns Menschen funktionieren nämlich auch bei den Pferden die Stoffwechselvorgänge nicht bei jedem Individuum gleich gut und schnell.
Eine ebenfalls nicht so selten vorkommende Form der Hufrehe ist die so genannte Geburtsrehe. Sie entsteht, wenn die Nachgeburt den Uterus nicht rasch genug verlässt, sondern sich darin zersetzt und damit ebenfalls eine bakterielle Entzündung und Eiweißanreicherung im Blut bewirkt. Deshalb ist es besonders wichtig, die Stute nach der Geburt genauestens zu beobachten, um möglichst rasch eingreifen zu können, wenn sich die Nachgeburt nicht innerhalb weniger Stunden von selbst vollständig löst.
| | Tipps zur Behandlung von Hufrehe | | |
Da ich selbst bei der Behandlung dieser Krankheit mit der Schulmedizin schon leidvolle Erfahrungen machen musste, mit Hilfe der Homöopathie aber sogar schon angeblich aussichtslose Fälle heilen konnte, würde ich jedem Betroffenen empfehlen, die folgenden Heilmittel auszuprobieren, bevor Sie zusehen müssen, wie Ihr krankes Pferd sich schmerzvoll durch die Gegend schleppt und letztendlich in vielen Fällen dann doch eingeschläfert werden muss.
Wenn Sie der Homöopathie doch noch ein wenig skeptisch gegenüberstehen, können Sie diese Heilmittel auch parallel zu der schulmedizinischen Behandlung anwenden, obwohl die Wirkung dadurch ein wenig geschmälert wird, weil der Körper vermehrt mit dem Abbau der synthetischen Arzneien beschäftigt ist. Dies ist auch meines Erachtens nach der Hauptgrund, warum die Hufrehe durch die klassische Schulmedizin nur selten geheilt, ja sogar oft noch verschlimmert wird.
Die Hufrehe ist - wie wir schon in den früheren Beiträgen gehört haben - eine Stoffwechselerkrankung bzw. -vergiftung, die die Leber des erkrankten Tieres sowieso schon vor höchste Aufgaben stellt. Synthetische Medikamente, die ebenfalls von der Leber abgebaut werden müssen, belasten diese nun noch mehr, was dann manchmal sogar zu einem völligen Zusammenbruch dieses Organs führen kann. Deshalb empfehle ich die alleinige Verwendung von homöopathischen Heilmitteln.
Je nach Ursache und Symptomatik des einzelnen Krankheitsfalles kommen verschiedene Arzneien zum Einsatz, wobei bei Hufrehe ganz besonders wichtig ist, dass die Behandlung so schnell wie möglich gleich bei den ersten Symptomen erfolgt, damit es nicht zu äußerst schwierig und langwierig therapierbaren chronischen Schäden kommt.
Im hochakuten Anfangsstadium einer Hufrehe, bei der das Pferd deutliche Fiebersymptome zeigt und meist stark schwitzt, sowie dessen Hufe heiß und am Kronrand geschwollen sind, ist BELLADONNA D6 das wichtigste Mittel, von dem anfangs stündlich (2-3mal), danach alle 2 Stunden 10-15 Tropfen verabreicht werden sollten, bis das Fieber gesunken und die extreme Hitze aus den Hufen verschwunden ist. Danach ist dieses Mittel sogleich abzusetzen.
Handelt es sich um eine so genannte Futtermittelrehe, also um eine Hufrehe, die durch Überfütterung, Futtermittelunverträglichkeit oder auch Vergiftung zustande gekommen ist, wirkt NUX VOMICA D6 als hervorragendes Entgiftungsmittel, welches vor allem in Kombination mit AESCULUS D4 (dient der Durchblutungsförderung) und CALCIUM FLUORATUM D12 (fördert den Wiederaufbau gesunder Hornsubstanz) wahre Wunder wirken kann. Diese Arzneien sollte man 3mal täglich verabreichen, bis alle akuten Krankheitssymptome beseitigt sind. Gibt man die Mittel einzeln, stellen 10-15 Tropfen eine Gabe dar, als Mischung werden 30 Tropfen auf einmal gegeben.
Diese homöopathische Mischung hilft auch dann, wenn es bereits zu einem Hufbeindurchbruch gekommen ist, doch sollte in einem solchen Fall unbedingt zusätzlich SILICEA D30 (1mal täglich 10-15 Tropfen) verabreicht werden, welches eine zusätzliche Eiterbildung verhindert bzw. heilt und außerdem beim Knochen- und Hornaufbau beste Dienste leistet. Desgleichen ist dieses Mittel sehr empfehlenswert, wenn das erkrankte Tier aufgrund der vermehrten Sehnenbelastung bereits deutliche Symptome der Überanstrengung in diesem Bereich, wie z.B. Sehnenschwellung oder -verhärtung, zeigt.
Dies ist auch dann oft der Fall, wenn es sich um eine Belastungshufrehe handelt, die durch langes und flottes Reiten auf zu hartem Boden oder durch einseitig vermehrte Belastung (wenn das Pferd das andere Bein aus irgendwelchen Gründen stark schont) entstehen kann. Für diese Art der Hufrehe hat sich vor allem ARNICA D12 (das Mittel der Wahl bei sämtlichen Verletzungen) ebenfalls in Kombination mit AESCULUS D4 und CALCIUM FLUORATUM D12 bestens bewährt. Auch diese Mischung wird 3mal täglich (jeweils 30 Tropfen) verabreicht, bis das Pferd wieder schmerzfrei gehen kann.
Bei extrem starker Lahmheit, die durch jegliche Bewegung verschlimmert wird, kann auch noch BRYONIA D8 (3mal täglich 10-15 Tropfen) gute Dienste leisten. Bei starken Schwellungen im Kronrandbereich ist möglicherweise auch noch APIS D4 (3-5 Gaben im Abstand von jeweils 2 Stunden) angezeigt.
Die Geburtsrehe, die durch Nachgeburtsverhaltung zustande kommt, erfordert wieder eine andere Behandlung. Sie benötigt vor allem PYROGENIUM D30, welches die bakterielle Infektion bekämpft, und LACHESIS D8, welches zuverlässig bei allen Blutvergiftungen wirkt (kann auch bei Futtermittelvergiftungen angewandt werden). PYROGENIUM D30 wird im hochakuten Fall stündlich (jeweils 10 Tropfen) und nach Abklingen der fieberhaften Erscheinungen 1mal täglich verabreicht. LACHESIS D8 kann gemeinsam mit Pyrogenium gegeben werden (10-15 Tropfen pro Gabe), sollte aber aufgrund der niederen Potenz auch im weniger akuten Zustand 3mal täglich Anwendung finden.
Sobald kein Fieber mehr vorhanden ist, sollte auch diese Form der Hufrehe mit AESCULUS D4 und CALCIUM FLUORATUM D12 - wie oben beschrieben - nachbehandelt werden, wobei auch NUX VOMICA D6 zur weiteren Entgiftung nicht schaden kann.
Um Leber und Nieren bei ihrer Entgiftungsarbeit zu unterstützen, können außerdem noch FLOR DE PIEDRA D3 und BERBERIS D4 (1mal täglich je 10 Tropfen) Verwendung finden.
Chronische Hufreheschäden werden mit SILICEA D30 (1-2mal wöchentlich 10-15 Tropfen) beseitigt, bei sehr kalten Hufen wird die Durchblutung zusätzlich mit AESCULUS D4 (3mal täglich 10-15 Tropfen) gefördert.
Akute Krankheitsschübe bei Pferden mit chronischer Hufrehe werden wie hochakute Hufrehefälle (so wie oben beschrieben) behandelt.
Begleitend zu diesen homöopathischen Therapien sollte ein Pferd mit hochakuter Hufrehe nur wenig getränkt und sparsam gefüttert werden. Zuviel Wasserzufuhr erhöht die Schwellungen und damit den Druck in den Hufen, zuviel Futter belastet die Leber zusätzlich und führt zu neuerlichen Vergiftungserscheinungen. Nach 2-3 Tagen kann das Pferd wieder soviel trinken, wie es will, die Futterration sollte aber auch weiterhin stark reduziert bleiben, bis völlige Schmerzfreiheit gegeben ist. Meist bleiben solche Tiere aber auch nach Ausheilung der Krankheit sehr empfindlich, sodass auch danach auf beste Futterqualität und nicht zu üppige Mahlzeiten geachtet werden sollte.
Heiße Hufe während eines akuten Hufreheschubes sollten mehrmals täglich mit kaltem Wasser abgespritzt werden, nach ein paar Tagen sind dann meist Wechselduschen mit abwechselnd kaltem und angenehm warmem Wasser zielführender, weil sie die Durchblutung besser anregen.
Ist bereits ein Hufbeindurchbruch eingetreten, so muss ein Hufverband angelegt werden, damit es zu keinen Infektionen kommen kann. Ich habe dabei beste Erfahrungen mit Schwedenbitter-Umschlägen (Schwedenbitter ist ein hochprozentiger Alkohol, dem sog. Schwedenkräuter - eine spezielle Kräutermischung, die in der Apotheke erhältlich ist - zugesetzt wurden.) gemacht, die sowohl desinfizierend als auch heilungsfördernd wirken.
Was letztendlich die Bewegung des erkrankten Tieres anbelangt, so gehen diesbezüglich die Meinungen stark auseinander. Die Pferde gewaltsam über längere Zeit durch die Gegend zu treiben, ist meiner Meinung nach sinnlose Tierquälerei und belastet die Hufe noch viel mehr. Erstens sollten die betroffenen Tiere nur auf weichem, aber nicht zu tiefem Boden bewegt werden, zweitens genügt durchaus zügiger Schritt, um die Hufpumpe zum Arbeiten zu bringen und damit die Durchblutung und Entgiftung zu unterstützen. 3-4mal täglich für jeweils 10-20 Minuten sollte sich aber jedes Hufrehe-Pferd doch bewegen, um den Blutkreislauf und den ganzen Stoffwechsel anzuregen.
| | Tipps zur Vorbeugung von Koliken | | |
Diesmal wollen wir uns mit der wahrscheinlich gefürchtetsten Magen-Darm-Erkrankung des Pferdes, der Kolik, beschäftigen, wobei ich diese und nächste Woche mein Hauptaugenmerk auf die Entstehung und Vermeidung von Koliken richten möchte, während der Tipp der übernächsten Woche der Behandlung von Koliken gewidmet sein wird.
Nun, was genau ist denn eine Kolik? Man versteht darunter das äußerst schmerzhafte, krampfartige Zusammenziehen eines Hohlorganes. Koliken gibt es also nicht nur im Magen-Darm-Trakt, sondern auch bei anderen Organen, wie z.B. den Nieren oder der Blase. Sehr gefürchtet ist beim Menschen auch die Gallensteinkolik, die meist durch Verlegung des Gallenblasenausganges durch einen größeren Gallenstein hervorgerufen wird - eine Erkrankung, die es beim Pferd in dieser Art nicht gibt, da diesem eine Gallenblase fehlt. Als Ausgleich dazu besitzt es allerdings einen riesigen Blinddarm, der für die Verdauung des Pferdes - im Gegensatz zu uns Menschen - von großer Bedeutung und deshalb auch besonders störanfällig ist.
Der Magen-Darm-Trakt des Pferdes ist überhaupt ein äußerst empfindliches Organ, das von Natur aus darauf ausgerichtet ist, große Mengen an verhältnismäßig schwer verdaulichem Futter bedarfsgerecht aufzubereiten und damit für den Körper verwertbar zu machen. Diese Arbeit wird hauptsächlich von Darmbakterien verrichtet, die in besonderer Vielfalt und in großen Mengen vor allem im Blinddarm beheimatet sind.
Damit diese Verdauung optimal erfolgen kann, ist erstens eine möglichst gleich- und regelmäßige, nicht zu üppige Befüllung des Darmes erforderlich. Zweitens sollte der Hauptanteil der Nahrung aus Gras und Raufutter bestehen, und drittens braucht das Pferd für die Aufbereitung dieses Futters sehr viel Ruhe. Wenn eine oder mehrere dieser drei Kriterien nicht erfüllt werden, kommt es früher oder später - je nach Konstitution des Pferdes - zu mehr oder weniger ausgeprägten Verdauungsstörungen, die in vielen Fällen in einer Kolik gipfeln können.
Koliken können durch allgemeine Überfütterung, durch zu rasche Futterumstellung, durch unverträgliche Futtermittel oder Giftpflanzen, durch nicht artgemäße und bedarfsgerechte Futterzusammensetzung, durch extrem unregelmäßige Fütterungszeiten, durch vermehrten Stress während des Fressens, aber auch bei genereller Stressbelastung mit fehlenden Ruhephasen ausgelöst werden.
Anhand dieser vielen Möglichkeiten wird bereits ersichtlich, dass vor allem auf gesunde, artgerechte Haltung und Fütterung größter Wert gelegt werden sollte. Dies beginnt bei der Aufteilung der täglichen Futtermenge auf mehrere, nicht zu große Rationen, denn wenn die einzelnen Mahlzeiten zu weit auseinanderliegen, kommt es erstens zu einem Absterben der so wichtigen Darmbakterien mit dadurch verbundenen Fehlgärungen und zweitens durch das gierige Verschlingen des in Folge natürlich relativ zu hohen Futterangebotes zu einer Magenüberladung, die - da das Pferd nicht erbrechen kann - sogar zu einer Magenzerreißung führen kann.
Auch sollte stets ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rau- und Kraftfutter bestehen, wobei Kraftfutter immer den kleineren Anteil der Nahrung ausmachen sollte, um Verdauungsstörungen tunlichst zu vermeiden. Vor allem bei Pferden ohne oder mit sehr geringen Arbeitsleistungen ist es allemal besser gar kein Kraftfutter als zuviel davon zu verabreichen.
Besonders pelletiertes Futter, das nur aus feinen, mehligen Bestandteilen besteht, kann - wenn es als Alleinfutter verwendet wird - die Magen- und Darmschleimhaut verkleben und reizen. Durch die fehlenden Ballaststoffe werden außerdem die natürlichen Darmbewegungen langsam lahmgelegt, bis es irgendwann zum gefürchteten Darmstillstand kommen kann. Deshalb ist es ganz wichtig, auch bei diesen Alleinfuttermitteln immer ausreichend Stroh anzubieten und wenn möglich auch ein wenig Heu zuzufüttern. Das ‘Ungleichgewicht der Nährstoffe’, das dadurch entstehen könnte, ist niemals so schlimm wie die Folgen von strukturarmer Ernährung.
Den Darm zu vermehrter Aktivität und damit unter Umständen auch zu leichten Kolikattacken animieren können z.B. auch Äpfel und Karotten, wenn sie in großen Mengen verfüttert werden. Ähnliche Reaktionen kann es auch bei Futtermittelunverträglichkeiten geben, die bei jedem Pferd individuell verschieden ausgeprägt sein können. Deshalb sollte man sein Pferd möglichst häufig beobachten, denn wenn es nach dem Verzehr bestimmter Futtermittel immer wieder deutliche Symptome von Unwohlsein, wie z.B. Unruhe und Gereiztheit zeigt, sich gelegentlich bis häufig nach seinem Bauch umsieht oder sich auch zeitweilig mit den Hinterbeinen auf den Bauch schlägt, sollte man dies sehr wohl ernst nehmen und solche Futtermittel je nach Stärke der Symptome meiden oder nur in sehr geringen Mengen anbieten.
Ähnlich können sich allerdings - je nach Empfindlichkeit des jeweiligen Tieres - auch unregelmäßige Fütterungszeiten bzw. sehr stressbelastetes Füttern auswirken. Wobei das eine Pferd es bereits als Stress betrachtet, wenn es bei der Futterzuteilung nicht als Erstes an die Reihe kommt oder das Nachbarpferd während des Fressens einen Blick über die Boxenwand riskiert, während andere wiederum sich durch fast gar nichts aus der Ruhe bringen lassen.
Was sich allerdings immer schädlich auf die Verdauung auswirkt, ist ein ständiges Gerangel während der Fütterung, wie man es bisweilen beim gemeinsamen Füttern von Offenstallpferden beobachten kann, wenn dort besonders futterneidige Tiere ihr Unwesen treiben. Dies muss zwar nicht unbedingt zu Koliken führen, aber so manches Magengeschwür liegt durchaus in solchen wiederholten Stresssituationen begründet. Deshalb ist es gerade bei solchen Haltungsformen notwendig, darauf zu achten, dass die Futterplätze unverträglicher Tiere möglichst weit auseinanderliegen, oder dass die Pferde während der Fütterung in getrennte Bereiche (Futterstand, Boxen) gesperrt werden.
Reiterlicher Stress sollte ebenso als Auslöser von Koliken nicht unterschätzt werden, denn wie bei uns Menschen schlägt sich auch bei den Pferden jeder Ärger und jede Angst auf den Magen-Darm-Trakt nieder und kann dort gravierende Störungen verursachen. Gibt es also beim Reiten regelmäßig Probleme zwischen Ihnen und Ihrem Pferd und zeigt Ihr Pferd immer wieder leichte oder auch schwerere Koliken, kann es da durchaus einen engeren Zusammenhang geben.
Hier sollte dann eine gründliche Problembearbeitung stattfinden, denn die Kolik ist dann nicht die Krankheit sondern nur das Symptom. Manchmal muss dabei die ganze Reiter-Pferd-Beziehung überdacht werden, bisweilen genügt es aber auch schon, wenn dem Pferd zwischen den einzelnen Arbeitseinheiten genügend Entspannungspausen geboten werden. Auch zeitweilige geruhsame Ausritte können so manchem hypernervösen Pferd helfen, seine Spannungen abzubauen und neue positive Energien zu tanken, die dann eine bessere Leistungsbereitschaft bringen.
Wird das Ausreiten selbst jedoch als Möglichkeit für ‘Wettrennen’ zwischen befreundeten Reitern genutzt, so wirkt dieses natürlich keinesfalls entspannend auf das Pferd, sondern erzeugt nur noch mehr Stress- und Angstgefühle in ihm. Leider glauben immer noch viele Reiter, dass auch ihren vierbeinigen Reitkameraden dies Spaß machen würde, aber das Galoppieren im Höchsttempo ist für ein Pferd immer gleichbedeutend mit Flucht - ein Gefühl, das in der Gruppe noch verstärkt wird. Diese Art von Aufregung wird von den verschiedenen Pferdetypen ganz unterschiedlich verarbeitet, sodass man dem Einen die Nervosität schon von weitem ansieht, während der Andere vielleicht nicht besonders auffällige Magen-Darm-Leiden oder andere Krankheiten bzw. Verhaltensstörungen entwickelt.
Aber auch verschiedene andere Faktoren können bei Pferden Stressgefühle erzeugen und sich unter anderem auf die Verdauung auswirken. Wenn Ihr eigentlich ganz gut trainiertes Pferd z.B. von jedem Ausritt - auch bei durchschnittlichen Außentemperaturen und nicht zu hohen Leistungsanforderungen - schweißgebadet nach Hause kommt bzw. während des Ausrittes immer nervöser und unkontrollierbarer wird, dann befindet sich Ihr Pferd während des Rittes - aus welchem Grund auch immer - in einer eindeutigen Stresssituation, die es ängstigt und nervös macht. Sie sollten dann gründlich überlegen, woran dies liegen könnte, und versuchen, an dieser Situation etwas zu ändern. Zwischenzeitlich können da auch Beruhigungsmittel auf homöopathischer oder anderer naturheilkundlicher Basis eine bessere Ausgangsposition zur Problembewältigung schaffen.
Da wir gerade beim Thema Überanstrengung und Schwitzen sind - hier kann noch eine zusätzliche Kolikgefahr bestehen, wenn nämlich das Pferd in erhitztem Zustand mit zuviel kaltem Wasser getränkt wird. Dieser plötzliche Temperatursturz im Darm kann sich nicht nur auf die Bakterien der Darmschleimhaut, sondern auch auf die Darmperistaltik negativ auswirken. Langsames, etappenweises Tränken bietet dem Magen-Darm-Trakt die Möglichkeit, sich langsam an die niedrige Temperatur zu gewöhnen.
Um der Darmflora die Möglichkeit zu geben, sich auf veränderte Bedingungen optimal einstellen zu können, sollten auch Futterumstellungen immer behutsam über mehrere Tage verteilt vorgenommen werden. Dies gilt ganz besonders natürlich auch für den Beginn der Weideperiode. Abruptes Absetzen des gewohnten Rau- und Kraftfutters bei gleichzeitigem Übergang zur alleinigen Grasfütterung geht an keinem Pferd ohne heftige Magen-Darm-Störungen vorüber.
Je nach Konstitution des Pferdes sind die Folgen davon entweder ‘nur’ tagelanger Durchfall, der auf entlegenen Weiden oft unbemerkt bleibt, oder aber auch leichte bis schwere Koliken bzw. die bereits in meinen letzten Tipps besprochene Hufrehe. Ratsam ist deshalb immer ein langsames Zufüttern von Gras schon vor der eigentlichen Weideperiode sowie Raufuttergaben zumindest während der ersten Tage des Weideaufenthaltes.
Weiters kann eine starke Verwurmung der Auslöser für eine Kolik sein, was sehr häufig bei jungen Weidetieren auftritt, wenn zu viele Pferde auf einer Weide gehalten werden und/oder die Beweidung zu lange und zu intensiv erfolgt. So genannte Geilstellen - die bevorzugten Kot- und Urinabsatzstellen der Pferde -, deren Gras normalerweise von den Pferden verschmäht wird, werden bei dieser Art der Weidehaltung aus Futtermangel schließlich doch abgefressen, wodurch die dort vermehrt vorhandenen Wurmeier nun massenhaft aufgenommen werden. Da während der Weideperiode die Tiere nur in den seltensten Fällen entwurmt werden, kommt es zu einer regelrechten Invasion von Würmern, die im Körper dieser Jungtiere großen Schaden anrichten und unter anderem auch zu Koliken führen können.
Aus diesem Grund ist es besonders bei Jungtieren wichtig, regelmäßige Entwurmungen durchzuführen (Beachten Sie bitte die Angaben des Beipacktextes der verschiedenartigen Wurmmittel!), Weideperioden nicht zu lange auszudehnen und im Bedarfsfall ausreichend zuzufüttern, um eine Überweidung zu vermeiden und die Darmflora gesund zu erhalten.
Aber nicht nur ein verstärkter Parasitenbefall, sondern auch bakterielle bzw. viröse Magen-Darm-Erkrankungen, die meist mit Durchfall und auch Blähungen beginnen, können unter Umständen zu Koliken führen. Deshalb mein guter Rat an alle Pferdebesitzer: Beobachten Sie das Kotabsatzverhalten Ihres Pferdes so oft wie möglich und werfen Sie - wenn Sie Ihr Pferd in der Box besuchen - auch einen Blick auf die Pferdeäpfel, um jegliche veränderte Beschaffenheit frühzeitig zu bemerken. Länger anhaltende und/oder immer wiederkehrende Durchfälle und Blähungen müssen unbedingt behandelt werden!
Das gleiche gilt auch für Verstopfungen und Fehlgärungen aufgrund von Fütterungsfehlern, die sowohl in akuter als auch chronischer Form durchaus gefährlich für das Tier werden können, wenn es etwa zu völligem Darmstillstand und zur Darmverlegung, bzw. zur Aufblähung einzelner Teile des Darmes und zu vermehrter Peristaltik kommt. Je nachdem, wieviel Darmbewegung in bestimmten Darmabschnitten vorhanden ist, können dabei auch Darmverschlingungen und -drehungen sowie Darmzerreißungen die Folge sein, welche in vielen Fällen das Todesurteil für das betreffende Pferd bedeuten.
Nur rechtzeitige Behandlung bereits bei den ersten Symptomen einer Kolik kann solche Komplikationen verhindern! Notoperationen können zwar oft noch das Leben des Tieres retten, aber der so behandelte Darm (der abgeschnürte Teil wird dabei meist herausgeschnitten) bleibt oft für die verschiedensten Reize extrem anfällig und kolikgefährdet.
Deshalb ist es von größter Bedeutung, Pferden nur Futtermittel bester Qualität anzubieten und auf ein bedarfsgerechtes Mischungsverhältnis der einzelnen Komponenten zu achten. Gerade im Bereich der Fütterung können zwar viele Fehler gemacht werden, aber andererseits kann hier auch der Grundstein für ein langes und gesundes Leben gelegt werden. Alles was dazu erforderlich ist, ist ein wenig Fachwissen, das sich jeder aus einschlägigen guten Fachbüchern aneignen kann, und ein wenig Zeit für die Beobachtung des betreffenden Pferdes, um etwaigen Verdauungsstörungen gleich auf den Grund gehen und ihnen entgegenwirken zu können.
Im Gegensatz dazu ist die so genannte Wetterkolik leider nicht vermeidbar. Sie kommt je nach individueller Neigung des jeweiligen Pferdes bei Wetterumschwüngen, extremen Temperaturstürzen, bei Föhn, kalten Stürmen, Gewitter etc. zustande und kann oft sehr heftig ausgeprägt sein. Da man als Pferdebesitzer keinen eigentlichen Einfluss auf das Wetter hat, kann man nur versuchen, das Pferd möglichst keinen negativen Wettereinflüssen direkt auszusetzen (Empfindliche Tiere bekommen leicht rheumatische Koliken, wenn sie z.B. kalten Regen längere Zeit über sich ergehen lassen müssen!) und seine Neigung zur Wetterfühligkeit ein wenig abzuschwächen.
Dies erreicht man am ehesten durch beste Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie gute Konditionierung des Pferdes und eine harmonische Beziehung zum Tier. Wenn sich Seele, Geist und Körper in einem gesunden Gleichgewicht befinden und sich das Pferd somit rundherum wohl fühlt, kann ihm auch das schlechteste Wetter nicht wirklich etwas anhaben!
Womit wir gleich einen hervorragenden Übergang zu einer weiteren nur schwer behandelbaren Ursache für Koliken haben, dem Luftschlucken von so genannten Koppern, die sich diese Unart meist aus Langeweile oder Nervosität, bisweilen aber auch aufgrund einer bereits bestehenden Magenreizung angewöhnt haben. Leider entwickelt sich dieses äußerst ungesunde Verhalten meist sehr rasch zu einer unkontrollierbaren Sucht, die nur schwer bekämpfbar ist, da sie dem Pferd - wie ja jede Sucht dies auf die eine oder andere Art tut - einen Lustgewinn verschafft, den es auch nach Ausschaltung der dazu führenden Ursachen nicht mehr missen möchte.
Nach Möglichkeit sollte man versuchen, solchen Pferden veränderte und vor allem interessantere Lebensbedingungen zu bieten, um sie von dieser Sucht abzulenken, was aber meist nur in der Anfangszeit erfolgversprechend ist. Wenig hilfreich und pferdefreundlich ist hingegen der so genannte Kopperriemen, der den Kehlgangsbereich so abschnürt, dass das Koppen mechanisch ver- bzw. behindert wird. Wird dieser Riemen in wirksamer Weise festgeschnürt, handelt es sich dabei eigentlich um eine Tierquälerei, wird er etwas lockerer belassen, verfehlt er seine Wirkung.
Eine mögliche Alternative stellt die homöopathische Behandlung des Koppens dar, die durch eine individuelle Bachblütentherapie noch unterstützt werden kann.
| | Tipps zur Behandlung von Koliken | | |
In den letzten Wochen habe ich ziemlich ausführlich über die Vermeidung von Koliken gesprochen, nun wollen wir uns ansehen, woran man eine Kolik erkennt und welche Sofortmaßnahmen und alternative Behandlungen helfen können.
Erste Warnsignale, die für eine beginnende Kolik sprechen, sind ein unruhiges Herumgehen bzw. Im-Kreis-Drehen mit zeitweiligem Hinlegen und Wiederaufstehen, sowie Scharren mit den Vorderbeinen. Dieses ist leicht vom Betteln um Leckerbissen zu unterscheiden, da nun vom Pferd in der Regel nichts mehr gefressen wird, auch keine sonst so geliebten Karotten, Äpfel oder dergleichen. Nur in Ausnahmefällen wird von manchen Tieren noch Futter angenommen, dann allerdings auch deutlich zaghafter als sonst. Auch wenn das Pferd während der Fütterung plötzlich zu fressen aufhört, irgendwie einen apathischen Eindruck macht und dann zu gähnen oder flehmen beginnt, ist dies ein sicheres Zeichen für Übelkeit mit beginnender Kolik.
Ganz deutliche Koliksymptome sind dann das ständige Umsehen zur schmerzenden Bauchseite, das heftige Hinaufschlagen mit den Hinterbeinen auf den Bauch und unkontrolliertes Sich-Zu-Boden-Werfen und Wälzen des schmerzgeplagten Tieres. In diesem Zustand kommt es meist auch zu starkem Schweißaustritt, sodass die Pferde dann oft binnen kürzester Zeit klatschnass sind und richtiggehend dampfen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich ihre Haut etwas später eiskalt anfühlt, denn dann ist ein völliger Kreislaufzusammenbruch zu erwarten.
Auch wenn ein Pferd nach vorheriger höchster Erregung plötzlich ganz still und apathisch dasteht, ist dies kein gutes Zeichen, denn dann kann es bereits zu einer Magen- oder Darmzerreißung gekommen sein. Bei allen extrem heftigen Kolikattacken muss man auch mit Darmverschlingungen und -drehungen rechnen. Nur schnellste Operationen können dann noch das Leben des betreffenden Tieres retten, sodass nicht oft genug betont werden kann, dass bei jeder Kolikattacke sofort ein erfahrener Pferdetierarzt verständigt werden sollte.
Bis der Tierarzt eintrifft, können Sie als Pferdebesitzer allerdings eine ganze Reihe von Sofortmaßnahmen anwenden, um das Schlimmste zu verhindern und die Schmerzen des Tieres zu lindern. Viele homöopathische Heilmittel eignen sich sogar zur vollständigen Behandlung diverser Kolikarten, doch sollten gerade Laien nicht gänzlich ohne professionelle Hilfe auszukommen versuchen, da sonst möglicherweise ernsthafte Erkrankungen übersehen werden könnten.
In den meisten Fällen ist neben einer homöopathischen Therapie - die ich im Tipp der nächsten Woche ausführlich erläutern werde - auch eine Massage des Bauches und ruhige Bewegung sehr hilfreich. Am besten führt man das Pferd an der Hand abwechselnd auf der linken und auf der rechten Hand in kleineren Kreisen herum. Dies hat neben einer beruhigenden, entspannenden auch eine gewisse massierende Wirkung auf den Verdauungstrakt, wodurch bereits mitunter leichte Verkrampfungen oder Verstopfungen gelöst werden können.
Ganz schlecht ist hingegen ein Longieren im Trab oder Galopp! Nicht nur, dass es dabei zu noch mehr Komplikationen im Darmbereich kommen kann, wie z.B. Darmdrehungen etc., ist diese Anstrengung für das Pferd auch sonst höchst gesundheitsgefährdend, da damit ein totaler Kreislaufzusammenbruch des armen Tieres riskiert wird. Außerdem können aufgrund dieser enormen Belastung sogar bleibende Herzschäden entstehen.
Pferde mit Koliken sollten also immer nur im Schritt geführt werden!
Ob man das von den Pferden ständig versuchte Hinlegen und Wälzen völlig unterbinden sollte, darüber scheiden sich die Meinungen diverser Fachleute gewaltig. Manche meinen, dass die Pferde spüren, mit welchen Bewegungen sie die Darmschlingen wieder in die richtige Position bringen können, andere wiederum vertreten die Ansicht, dass erst durch dieses Wälzen Magen- und Darmdrehungen zustande kommen.
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass ein zeitweiliges Hinlegen und Wälzen bei leichteren Koliken im Normalfall nicht schadet, doch bei schwereren Koliken hindere ich das betreffende Pferd am Niederlegen, indem ich es beständig im Kreis führe, bis sich die Symptome bessern, was mit Hilfe meiner homöopathischen Behandlung meist innerhalb einer Stunde der Fall ist.
Ein rücksichtsloses, richtiggehend hysterisches Hinwerfen muss jedoch schon in Anbetracht der damit verbundenen Verletzungsmöglichkeiten unbedingt unterbunden werden, doch ist hier natürlich besondere Vorsicht geboten, da solche Pferde auch für den Menschen sehr gefährlich werden können. Bachblüten und homöopathische Beruhigungsmittel können hier oft sehr gute Dienste tun (Näheres dazu folgt dann nächste Woche.).
Womit ich ebenfalls sehr gute Erfahrungen gemacht habe, sind Bauchmassagen und hier vor allem gezielte Akupunktmassagen, die helfen können, eine Verstopfung bzw. Blähungen zu lösen, womit oftmals schon der erste entscheidende Schritt in Richtung Heilung getan ist.
Ein ganz wichtiger Punkt befindet sich etwa eine Handbreit hinter dem Bauchnabel (beim Menschen etwa 2-3 Fingerbreit unter dem Nabel), der etwa 5-10 mal hintereinander kräftig gedrückt werden sollte, wodurch die stockende Verdauung recht zuverlässig wieder in Gang gebracht wird. Am besten drückt man mit den Fingerspitzen (nicht Fingernägeln!) einer Hand die Bauchwand in diesem Bereich einige Zentimeter nach oben, hält diese Stellung für ein paar Sekunden und läßt dann wieder langsam los. Nach einigen Sekunden Wartezeit wiederholt man diesen Vorgang wieder, und meist kann man bereits nach 3-5maliger Durchführung einen lautstarken Abgang von sog. verschlagenen Winden hören.
Sinn macht diese Behandlung aber nur bei Verstopfungs- und Blähungskoliken, ebenso wie die kräftige Massage der Kruppe bzw. der Muskulatur des Kreuzbeinbereiches, wobei hier allerdings eventuell auch eine Entspannung bei einer Krampfkolik erreicht werden kann. Man massiert hier vom höchsten Punkt der Kruppe direkt neben der Wirbelsäule entlang in Richtung Schweifrübe. Auch dabei sollte mit langsamen Bewegungen, aber sehr starkem kontinuierlichem Druck gearbeitet werden.
So, damit hätten wir bis auf die homöopathischen Behandlungsmöglichkeiten, über die ich im Tipp der nächsten Woche ausführlich sprechen werde, alle helfenden Sofortmaßnahmen erläutert.
Erwähnen sollte ich vielleicht auch noch, dass jegliches Futter sofort aus dem Bereich des kranken Tieres entfernt werden sollte, da manche Pferde aus Nervosität, zwischen einzelnen Schmerzattacken, sowie bei Besserung des Symptome wieder ein paar Happen zu sich nehmen, was sehr rasch zu einer (erneuten) Verschlimmerung der Kolik führen kann. Tränken hingegen kann sich bei unterschiedlichen Kolikursachen und -verläufen auch ganz verschieden sowohl positiv als auch negativ auswirken, wodurch diesbezüglich keine allgemein gültigen Ratschläge gegeben werden können.
Homöopathische Behandlungsmöglichkeiten von Koliken:
Nachdem mein erstes Pferd beinahe an einer Kolik gestorben wäre, weil am Wochenende einfach kein Tierarzt aufzutreiben war, habe ich mich mit diesem Thema ganz besonders intensiv befasst und Möglichkeiten entdeckt, die eine herkömmliche Behandlung meist unnötig machen. Trotzdem möchte ich nochmals betonen, dass prinzipiell bei jeder Kolik sofort ein Tierarzt verständigt werden sollte, weil nur die wenigsten Pferdebesitzer in der Lage sein werden, lebensbedrohliche zusätzliche Komplikationen wie etwa Darmverschlingungen (gegen die die Homöopathie natürlich nichts ausrichten kann) zu erkennen.
Da eine homöopathische Behandlung mit den von mir angegebenen Heilmitteln aber bei allen komplikationslosen Koliken schnellstens hilft, indem es krampflösend und verdauungsfördernd wirkt, sollte möglichst jeder Pferdebesitzer diese Arzneien vorrätig haben und sie im Bedarfsfall bereits bei den ersten Symptomen verabreichen. Je früher hier gehandelt wird, umso weniger Aufwand ist nötig, um den Normalzustand des Magen-Darm-Traktes wiederherzustellen.
Meine persönlich bevorzugte homöopathische Mischung gegen Krampfkoliken besteht aus: Colocynthis D6, Magnesium phosphoricum D8 (oder auch D12) und Atropinum sulfuricum D6. Diese drei Arzneien ergänzen sich hervorragend zu einem Komplexmittel, welches den Darm zuverlässig entkrampft und den Blähungsabgang fördert, wodurch es bei fast allen Koliken rasch zu einer deutlichen Besserung kommt.
Da Atropinum sulfuricum auch auf die Lunge entkrampfend wirkt, eignet es sich als Einzelmittel auch ganz besonders für Pferde, die im Zuge einer Allergie sowohl zu kolikartigen Verdauungsstörungen als auch zu asthmatischen Hustenanfällen neigen. Hier ist oft auch eine längerfristige Behandlung mit 2-3maliger Anwendung täglich angezeigt, ansonsten wird es wie unten angeführt verwendet.
Werden die oben angegebenen Mittel einzeln verabreicht, sollte man alle 20 Minuten von jedem 10-15 Tropfen geben, vom fertig gemischten Komplexmittel stellen 30 Tropfen eine Gabe dar. Normalerweise ist nach spätestens 3-4 Gaben, also nach etwa einer Stunde zumindest eine teilweise, wenn nicht sogar völlige Auflösung sämtlicher Symptome zu bemerken. Sollte dies nicht der Fall sein, so liegen im Normalfall gefährliche Komplikationen vor, die schnellstens von einem Tierarzt bzw. in einem Tierspital behandelt werden sollten, oder diese Kolik benötigt eine andere Therapie, welche sich aus den jeweiligen Ursachen und Symptomen ergibt.
Wurde eine Kolik durch einen Fütterungsfehler, also z.B. durch Überfütterung oder durch verdorbenes Futter hervorgerufen, so ist Nux vomica D6 das Mittel der Wahl. Man gibt davon ebenfalls alle 20 Minuten 10-15 Tropfen, bis das Pferd offensichtlich beschwerdefrei ist (aber max. 5 Gaben in Folge). Diese Arznei kann auch sehr gut zur Nachbehandlung von sämtlichen Verdauungsstörungen verwendet werden, da es generell regulierend auf den Magen-Darm-Trakt wirkt.
Vor allem gemeinsam mit Carbo vegetabilis D6 entfaltet es seine optimale Wirkung gegen immer wiederkehrende Durchfälle, Verstopfungen und Blähungen aufgrund von Futterunverträglichkeiten und Überfütterung. In solchen Fällen sollte man 2mal täglich von beiden Mitteln je 10-15 Tropfen geben.
Dies soll aber nun keine versteckte Aufforderung zu nicht fachgerechter Fütterung sein! Natürlich muss schnellstens die genaue Ursache für die Verdauungsstörungen gefunden und nach Möglichkeit beseitigt werden. Die genannten Heilmittel können aber sehr gut dabei helfen, rasch wieder ein gesundes Darmmilieu aufzubauen und die Darmtätigkeit zu normalisieren.
Die bis jetzt angeführten homöopathischen Arzneien lassen sich alle sehr gut miteinander kombinieren, bei den nachfolgend erwähnten Mitteln sollte man davon allerdings Abstand nehmen, da sich einige von ihnen untereinander nicht so gut vertragen bzw. sich in ihrer Wirkung sogar gegenseitig auflösen können. Sie sollten also nur einzeln, mit zeitlichen Abständen zueinander (mindestens eine halbe Stunde) eingegeben werden.
Ein weiteres sehr wichtiges Heilmittel bei der Behandlung von Koliken - letzte Woche habe ich ja schon einige andere homöopathische Arzneien besprochen - ist Belladonna D6 (oder auch D4 - dies ist meiner Erfahrung nach völlig gleichwertig in seiner Wirkung). Diese Arznei ist vor allem dann angezeigt, wenn es sich um eine Krampfkolik handelt, die durch Aufregung, Überanstrengung oder durch extreme Wettereinflüsse bzw. eine Erkältung entstanden ist.
Als Hauptsymptom ist hier das besonders starke Schwitzen des Pferdes zu nennen, es dampft förmlich, der Pulsschlag ist an der Halsvene sehr deutlich zu sehen und die Pupillen sind stark geweitet. Außerdem zeigt das Tier heftige Bauchkrämpfe mit meist starken Blähungen und reagiert höchst empfindlich auf Lichteinflüsse, Geräusche und Berührungen. Vom Typ her passt dieses Mittel übrigens ganz besonders gut für Vollblüter, welches ebenso im 20minütigen Abstand - jeweils 10-15 Tropfen - verabreicht werden sollte, bis sich bei dem betroffenen Pferd eine Beruhigung einstellt. Aber auch hier sollte sich nach spätestens 5maliger Gabe ein Erfolg abzeichnen, da sonst alles auf andere Komplikationen hindeutet.
Bei Koliken, die zu starkem Kreislaufversagen und kalten Schweißausbrüchen führen, ist Veratrum album D6 angezeigt. Es wird im selben Modus wie die anderen Einzelmittel verabreicht und stabilisiert den Kreislauf bei Koliken, die meist von schleimigen Durchfällen begleitet sind und durch Futtermittelvergiftungen oder auch psychische Belastungen bzw. Hitze zustande kommen.
Wenn es im Herbst durch das Fressen von nassem, kaltem Gras zu Koliken mit starken Blähungen und Durchfall kommt, dann hilft hier Colchicum D6 sehr zuverlässig. Die Dosierung erfolgt wie bei den anderen Mitteln.
Bei genereller Neigung zu Verstopfung mit zeitweisen Kolikattacken ist meist Lycopodium D6 zu empfehlen. Vor allem Pferde, die einen starken Blähbauch aufweisen, deren übriger Körper aber eher schlank ist und die zu jähzornigem Verhalten neigen, profitieren von diesem Mittel. Im akuten Kolikanfall sollte diese Arznei genau wie die anderen Mittel dosiert und eingegeben werden, allerdings kann es zur allgemeinen Verdauungsförderung auch über einen längeren Zeitraum 2mal täglich verabreicht werden.
Gegen Verstopfungskoliken, bei denen bereits ein Darmstillstand eingetreten ist, kann unter Umständen Opium D30 (jeweils 10 Tropfen in 20 Minuten - Abständen) noch helfen. Erkennbar ist diese Komplikation an den fehlenden Darmgeräuschen, wenn man den Bauchbereich mit einem Stethoskop oder auch mit freiem Ohr direkt an der Bauchwand abhört. Normalerweise wären sonst auf der linken Seite gluckernde, plätschernde Geräusche (feuchter Dünndarminhalt) und auf der rechten Seite eher knurrende Töne (eher trockener Dickdarminhalt) zu hören.
Eine Arznei, die vor allem bei Koliken von Jungtieren Verwendung findet, ist Chamomilla D6. Vor allem Fohlen während des Zahnens neigen manchmal zu nächtlichen Koliken mit gereizter Überempfindlichkeit, welche mit diesem Mittel sehr gut behandelt werden können. Man gibt hier ebenfalls etwa alle 20 Minuten eine Gabe (max. 5mal), doch genügen beim Fohlen jeweils 5-10 Tropfen.
Ein anderes in mehreren Fachbüchern erwähntes Mittel, Dioscorea villosa D12, habe ich persönlich noch nie benötigt, soll aber bei Krampf- und Blähungskoliken, die vor allem durch Aufregung (z.B. durch Rosse oder Deckakt) ausgelöst wurden, sehr hilfreich sein. Als besonderes Merkmal ist hier das ständige Strecken und Dehnen des Pferdes zu nennen.
Damit hätten wir die wichtigsten homöopathischen Arzneien, die zur Behandlung von Koliken verwendet werden, besprochen. In manchen Fällen eignen sich dafür auch noch andere Heilmittel, die normalerweise aber eher bei anderen Verdauungsstörungen, wie Durchfall oder Verstopfung, zur Anwendung kommen, weshalb ich diese auch in einem diesbezüglichen separaten Beitrag vorstellen möchte.
Nun möchte ich noch etwas genauer auf alternative Methoden zur Beseitigung der psychischen Kolikursachen und ganz speziell auf das Thema ‘Koppen’ eingehen.
Da das Koppen (Luftschlucken) - wie ich bereits zu Beginn dieser Artikelserie erwähnt habe - einen besonderen Risikofaktor für Koliken darstellt, sollte man unbedingt versuchen, diese Verhaltensstörung durch Veränderung der Lebensumstände des Pferdes für das Tier möglichst uninteressant zu machen und/oder mit ganzheitlichen Therapien (Homöopathie, Bachblüten) die Seele und des Geist des Pferdes wieder ins innere Gleichgewicht zu bringen. Hat sich der ‘Tick’ schon über lange Zeit im Alltag des Pferdes festgesetzt, so kann diese Behandlung allerdings viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen, bis sich der erwartete Therapieerfolg einstellt.
Da ich bezüglich der homöopathischen Behandlung von Koppern nur über wenig eigene Erfahrungen verfüge, möchte ich diesbezüglich hauptsächlich das sehr empfehlenswerte Buch ‘Unsere Pferde - gesund durch Homöopathie’ von Michael Rakow zitieren.
Als erstes Mittel wird hier Zincum metallicum D30 genannt, welches sich für besonders unruhige Tiere eignet, die - bevor sie jeweils mit dem Koppen beginnen - aufgeregt hin und her trippeln. Ausgelöst wird diese Verhaltensstörung vor allem durch Erschrecken des Pferdes, doch auch abends und nachts sind die Symptome verstärkt. Besonders auffällig ist auch die starke Verkrampfung des Halsmuskels während des Koppens.
Dieses Mittel kann übrigens auch ich wärmstens für unruhige Tiere empfehlen, es eignet sich auch hervorragend für Pferde, die weben (eine Verhaltensstörung, bei der die Pferde auf den Vorderbeinen hin und her schaukeln, wobei auch der Kopf mitschwingt) oder ständig in der Box im Kreis laufen.
Eine weitere homöopathische Arznei gegen das Koppen ist Hyoscyamus D30, welche vor allem bei so genannten Krippensetzern - das sind Pferde, die mit den Schneidezähnen irgendwo (auf Futtertrögen, auf Holzzäunen, etc.) aufsetzen, während sie Luft schlucken - zum Einsatz kommt. Das Koppen erfolgt bei Pferden, auf die dieses Mittel passt, meist tagsüber nach der Futteraufnahme oder nach intensiver reiterlicher Belastung, sowie aufgrund freudiger Erregung bei Erwartung der Fütterung.
Vor allem Pferde, die bei Angst eher zu aggressivem Verhalten und überschießenden Reaktionen neigen, sowie eine gewisse Abneigung gegen Wasser zeigen, wie z.B. Angst vor Wassergräben oder Pfützen, können von diesem sehr stark wirkenden Heilmittel profitieren.
Sehr ähnlich sind die Symptome, die für eine Verwendung von Stramonium D30 sprechen, meist handelt es sich allerdings um sexuell stark erregte Tiere, die diese Arznei benötigen. Sie zeigen besonders ausgeprägte Schreckhaftigkeit und hysterisches Panikverhalten, wobei das Koppen hier vor allem durch körperliche und/oder geistige Überforderung bzw. durch Aufregung hervorgerufen wird.
Beide zuletzt genannten homöopathischen Arzneien wirken sehr stark und tiefgreifend. Bei falscher Wahl können sie dementsprechend durchaus auch Schaden zufügen, sodass eine Therapie mit diesen Mitteln in die Hände eines Tierheilpraktikers oder naturheilkundlich geschulten Tierarztes gehört. Zum Wohle Ihres Pferdes sollten Sie hier keinesfalls eigenmächtig irgendwelche Experimente versuchen, sondern immer Rücksprache mit einem Fachmann/frau halten!
Dies gilt auch für Strychninum phosphoricum D30, das der Autor des oben genannten Buches für so genannte Freikopper - Pferde, die Luft schlucken, ohne mit den Zähnen irgendwo aufzusetzen - verwendet. Es hilft vor allem futterneidischen Tieren, die gleichzeitig schlechte Futterverwerter sind und zu Magen-Darm-Störungen, also eben auch zu Koliken, neigen.
All die hier genannten Mittel werden als Hochpotenzen 1mal täglich (je 10 Tropfen oder Globuli) verabreicht, bis es zu einer Besserung der Symptome kommt, danach nur noch 1-2mal pro Woche, bis sie beim gewünschten Erfolg schließlich ganz abgesetzt werden. Diese Angaben hat der Autor des Buches gemacht, ich würde allerdings empfehlen, diese stark wirkenden Potenzen nicht länger als eine Woche durchgehend täglich zu verwenden. Sollte danach noch keine deutliche Besserung eingetreten sein, ist aller Wahrscheinlichkeit das Mittel falsch gewählt.
Um einem koppenden Pferd dabei zu helfen, sein seelisch-geistiges Gleichgewicht wiederzufinden, wäre aber auch eine Therapie mit Bachblüten sehr empfehlenswert.
Je nach Charakter und Typ des Pferdes bzw. der Ursache des Koppens können verschiedenste Bachblüten den gewünschten Erfolg bringen, weshalb Sie auch diese Behandlungsmethode möglichst unter fachmännischer Anleitung durchführen sollten. Trotzdem möchte ich Ihnen die am ehesten geeigneten Mittel hier etwas näher vorstellen.
Da wäre einmal Chestnut Bud zu nennen, welches immer dann gegeben wird, wenn ein Lernprozess unterstützt werden soll, womit auch ein solches Suchtverhalten bekämpft werden kann. Gegen diese Sucht, bei der das Pferd nur noch an das Koppen denken kann, hilft aber auch White Chestnut sehr gut. Wurde das Koppen durch ein Schockerlebnis ausgelöst, so würde ich als Anfangsmittel auf alle Fälle Star of Bethlehem empfehlen, das dem Pferd hilft, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten. Walnut kann dann letztendlich die Wandlung zu neuen positiven Verhaltensweisen unterstützen.
Dies waren nun die speziell auf das Koppen bezogenen Blütenessenzen. Sollte das koppende Pferd auch noch andere Verhaltensauffälligkeiten zeigen, dann kann man zusätzlich auf eine oder mehrere der folgenden Bachblüten zurückgreifen.
Ist das Pferd generell sehr lebhaft, nervös und reizbar, dann sollte man auch unbedingt Impatiens verabreichen, welches dem Tier zu mehr Stabilität und Gelassenheit verhilft. Spielt Futterneid eine große Rolle und zeigt das Pferd aggressives Verhalten, so ist Holly das Mittel der Wahl. Tieren mit sehr starkem eigenen Willen kann eventuell mit Vine und/oder Oak geholfen werden. Beech kommt in Frage, wenn das Pferd in vielen Bereichen intolerant ist und bestehende Haltungs-, Fütterungs- und Reitbedingungen einfach nicht akzeptieren kann, sich immer wieder dagegen auflehnt und reizbar ist. Handelt es sich bei dem betreffenden Pferd um ein generell ängstliches Tier, so stehen vor allem zwei Mittel zur Wahl: Mimulus, wenn das Pferd wenig Selbstbewusstsein hat und sich vor vielen realen Dingen fürchtet, und Aspen, welches sich für Tiere eignet, die ‘Gespenster’ sehen oder hören, also scheinbar grundlos erschrecken. Neigt ein Pferd gar zu häufiger Hysterie und panischen Kurzschlusshandlungen, so benötigt es in der Regel Cherry Plum und/oder Rock Rose, die beide eine sehr ähnliche Wirkungsweise haben und auch in den so genannten Notfalltropfen - eine spezielle Bachblütenmischung für Notfälle aller Art - enthalten sind.
Eine Therapie mit diesen Bachblüten eignet sich natürlich auch für Pferde, die nicht koppen, aber diesem Charaktertyp angehören und andere Verhaltensstörungen oder Krankheitsbilder zeigen. So können sie also auch bei Pferden, die aus Nervosität zu immer wiederkehrenden Koliken neigen, heilend wirken, indem sie die grundlegende Ursache ausschalten oder zumindest dämpfen.
Natürlich kann aber auch die Homöopathie in solchen Fällen helfen und nervöse Pferde nachhaltig beruhigen.
Argentum nitricum D30 ist hier besonders hervorzuheben, da es vor allem solchen Pferden hilft, die bei jeder Aufregung und Veränderung zu Durchfall und leichten Koliken neigen. Es kann als Basistherapie 1-2mal wöchentlich (jeweils 10 Tropfen) oder vorbeugend etwa eine Stunde vor einem geplanten Ereignis (Transport, Reiten eines Turnierbewerbes, Ausritt, etc.) verabreicht werden.
Nun möchte ich nur noch eine homöopathische Arznei nennen, die speziell bei Blähungskoliken zum Einsatz kommt, welche beispielsweise durch übermäßiges Koppen entstanden sind. Es ist dies Asa foetida D4, welches - genau wie alle anderen homöopathischen Kolikmittel - alle 20 Minuten (jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht werden sollte. Bei entsprechender Symptomatik können aber natürlich auch noch andere passende homöopathische Heilmittel, die ich zur Behandlung von Koliken empfohlen habe, zur Anwendung kommen.
| | Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Verdauungsstörungen | | |
Ergänzend zu den Koliken möchte ich nun auch noch andere mögliche Verdauungsstörungen des Pferdes näher besprechen. Diese können - genau wie bei uns Menschen oder anderen Tieren - sehr vielfältiger Natur sein, verschiedenste Ursachen haben und sich auf unterschiedliche Art und Weise mit mehr oder weniger eindeutigen Symptomen äußern.
Ein ungefährer Überblick darüber soll Ihnen als Pferdebesitzer und/oder Reiter vor allem eine Früherkennung akuter oder auch unterschwellig verlaufender chronischer Verdauungsprobleme erleichtern und Ihnen geeignete homöopathische Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Ich möchte dabei möglichst chronologisch den Weg der Verdauung und die häufigsten Erkrankungen des jeweiligen Bereiches sowie deren mögliche Ursachen und Symptome näher beschreiben, doch dabei auch nicht vergessen, Ihnen die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Verdauungsorganen sowie dem seelischen und körperlichen Wohlbefinden nahe zu bringen.
Beginnen möchte ich mit der Mundhöhle, wo mit der ersten Zerkleinerung des Futters bereits die Basis für eine optimale Verdauung gelegt wird. Die Zähne des Pferdes sind natürlicherweise - genau wie der übrige Verdauungsapparat - hauptsächlich auf das Verarbeiten von Gras und Kräutern in frischer und getrockneter Form eingerichtet. In freier Wildbahn ist dies das Hauptnahrungsmittel der Pferde, nur in Notzeiten - vor allem im Winter - wird auch die Rinde mancher Bäume geknabbert und nach nahrhaften Wurzeln gegraben.
So vorhanden verspeisen Wildpferde im Herbst natürlich auch süßes Obst, doch ist diese ungewöhnlich hohe Zuckerzufuhr eben nur auf eine kurze Zeitspanne beschränkt, sodass den Tieren daraus kein Schaden erwächst. Ganz anders sieht es da bei der Fütterung ihrer zivilisierten Artgenossen aus, die oft das ganze Jahr über melassiertes Kraftfutter und womöglich auch noch andere Leckereien wie z.B. Würfelzucker angeboten bekommen, was sich verständlicherweise sehr schlecht auf die Gesundheit der Zähne auswirkt.
Genau wie bei Kindern, die zuviel Süßigkeiten bekommen, entsteht auch bei Pferden Karies, also bakteriell bedingte Zahnfäulnis, die mitunter sehr schmerzhaft sein kann, wenn sich dieses klebrige Futter in den Zahnzwischenräumen festsetzt, was natürlich vermehrt passiert, wenn nicht genügend grob strukturiertes Raufutter zusätzlich verfüttert wird. Das Zermahlen von Stroh und grobstängeligem Heu bewirkt jedoch nicht nur eine gewisse Reinigung, sondern auch einen gleichmäßigen Abrieb der Backenzähne, was für Pferde von großer Bedeutung ist.
Bei ungleichmäßigem Abrieb - der hauptsächlich durch unnatürliche Fütterung in Form von pelletiertem Alleinfutter entsteht - können an der Innen- oder auch Außenseite der Backenzähne scharfkantige Spitzen entstehen, die in Folge die Zunge oder die Backenschleimhaut verletzen und zu Entzündungen führen. Dadurch wird die Nahrungsaufnahme schmerzhaft erschwert, was bei sensiblen Tieren sogar bis zur völligen Futterverweigerung führen kann. Dass dadurch auch noch andere Verdauungsstörungen entstehen und es in kürzester Zeit zu einer starken Abmagerung des betreffenden Pferdes kommt, ist wohl verständlich.
Schnelles Handeln ist in solchen Fällen angebracht - der Tierarzt muss nun mit der Zahnraspel die störenden Zahnspitzen entfernen und bereits vorhandene Schleimhautentzündungen mit Spülungen behandeln. Bei den Naturheilmitteln bewährt sich vor allem lauwarmer Salbeitee für solche Spülungen sehr gut.
Homöopathisch kann man solche Entzündungen, Aphthen und Geschwüre der Mundschleimhaut mit Mercurius solubilis D12 und Borax D4 (jeweils 2-3mal täglich 10 Tropfen am besten direkt auf die Schleimhaut der Unterlippe aufbringen) zum Abklingen bringen. Ist der Krankheitszustand soweit fortgeschritten, dass das Pferd sogar fiebrige Zustände zeigt und die Schleimhaut stark gerötet und trocken ist, sollte man dagegen allerdings Belladonna D6 in derselben Menge und Anwendungsform verwenden. Sind Fieber und hochakute Entzündung mit diesem Mittel beseitigt, kommen bis zum völligen Abheilen der Schleimhaut dann nur noch die beiden oben genannten Arzneien zum Einsatz.
Diese beiden Heilmittel eignen sich natürlich auch, wenn es durch unsachgemäße Aufzäumung, durch groben Umgang mit dem Gebiss beim Reiten und Führen eines Pferdes oder durch andere Ursachen zu Mundschleimhautverletzungen gekommen ist, die sich unbehandelt entzündet oder geschwürig verändert haben. Bei dadurch entstandenen Eiterungen oder bei eitrigen Zähnen kann man vor allem mit Hepar sulfuris D12 sehr oft eine Heilung erzielen, da durch dieses Homöopathikum der körpereigene Abbau von Eiterherden enorm gesteigert wird. Die Dosierung erfolgt wie bei den anderen bis jetzt genannten Mitteln.
Hat sich bereits ein richtiger Abszess gebildet, so ist es allerdings oft besser, diesen zum Aufbrechen zu bringen, was mit Myristica sebifera D3 und Hepar sulfuris D6 oder D8 (alle 2 Std. je 10 Tropfen verabreichen) meist schnellstens (innerhalb von 1-2 Tagen) gelingt. Hepar sulfuris ist übrigens ein bewährtes Mittel gegen sämtliche Eiterungen, das in niedrigen Potenzen (bis D8) das Reifen und Aufbrechen eines Abszesses fördert, wohingegen es in mittleren und hohen Potenzen Eiterungen verhindert oder diese in innerlichen Abbauprozessen beseitigt.
Zur Nachbehandlung oder bei chronischer Neigung zu Eiterungen ist vor allem Silicea D30 eine sehr bewährte Arznei, die eine vollständige Ausheilung und zugleich eine Stabilisierung der wichtigsten Körperstrukturen bewirkt. Diese Hochpotenz sollte anfangs täglich einmal und nach einigen Tagen dann wöchentlich einmal (je 10 Tropfen) verabreicht werden. Zeigen all diese Behandlungen keinen baldigen und vor allem bleibenden Erfolg, kommt man wahrscheinlich nicht umhin, den kranken Zahn durch einen Tierarzt entfernen zu lassen.
Besser für das Pferd ist es allerdings, wenn bereits bei den ersten Anzeichen eines Zahnproblems ein kompetenter Pferdetierarzt konsultiert wird, damit es gar nicht erst zu solch drastischen Auswirkungen kommt. Gerade in diesem Bereich ist es allerdings wirklich enorm wichtig, dass Sie nur Fachleute zu Rate ziehen, die nachweislich Erfahrung in solchen Dingen haben. Wie eine gute Freundin von mir leidvoll feststellen musste, kann nämlich durchaus auch zuviel von den Zähnen abgeraspelt werden, was zur Folge hat, dass das arme Tier seine Nahrung dann noch viel weniger zermahlen kann, weil kein Zahnschluss mehr zustande kommen kann. Außerdem ist bei vielen Tieren eine leichte Sedierung nötig, damit eine Zahnbehandlung problemlos durchgeführt werden kann, was ebenfalls ein gewisses Fingerspitzengefühl von Seiten des Tierarztes erfordert.
Durch natürliche Ernährung können solche Prozeduren allerdings meist verhindert werden, weil es dann nur selten zu Zahnerkrankungen kommt. Wird ein ungleichmäßiger Zahnabrieb frühzeitig bemerkt, kann er mitunter auch allein durch eine möglichst rasche Futterumstellung auf grob strukturiertes Heu (trotzdem weiterhin auch das gewohnte Futter anbieten, da sonst der Magen-Darm-Trakt negativ reagieren könnte) ausgeglichen werden. Durch Verfütterung von ganz hartem Brot über mehrere Tage (ungefähr 4-5 Schnitten Brot pro Tag) kann der Abbau krankhafter Zahnspitzen zusätzlich gefördert werden.
Erste Hinweise auf eine Zahnerkrankung sind übrigens deutlich verlangsamtes Fressen und verringerte Nahrungsaufnahme, zeitweises Ausspucken von Futter (bei Heufütterung produziert das Pferd ganz charakteristisch aussehende kleine Röllchen aus halb zerkleinertem und stark eingespeicheltem Heu), sowie häufiges Öffnen des Maules und abnorme Kieferbewegungen während des Fressens. In vielen Fällen macht sich eine Zahnerkrankung auch dadurch bemerkbar, dass das Pferd das Gebiss des Zaumzeuges plötzlich nur sehr widerwillig annimmt oder darauf sogar mit deutlicher Widersetzlichkeit reagiert.
Nun folgen die Erkrankungen im Bereich der Halsregion, die sich vor allem in Form von Schluckbeschwerden äußern. Mehrere Ursachen kommen dafür in Frage - Entzündungen des Rachens und/oder der Ohrspeicheldrüsen, sowie Verstopfungen, Krämpfe und Lähmungen der Speiseröhre sind dabei die wichtigsten Auslöser für Schluckstörungen.
Entzündungen des Rachens, der großen Ohrspeicheldrüsen, sowie der im angrenzenden Bereich und zwischen den Unterkiefern liegenden kleineren Speicheldrüsen und Lymphknoten sind fast immer infektiöser Natur und erfordern deshalb je nach Schweregrad in den meisten Fällen eine tierärztliche Behandlung, die Ohrspeicheldrüsen können allerdings auch durch mechanische Überbeanspruchung schmerzhaft anschwellen.
Dies kann sowohl beim Reiten und Longieren durch übertriebene Versammlungshaltung als auch durch Fütterung aus zu hoch montierten Futtertrögen entstehen, wobei Pferde mit sog. Ganaschenzwang (wenn die Unterkiefer zu nahe beieinanderstehen und zu weit nach hinten hinausragen) oder solche mit kurzen, dicken Hälsen besonders anfällig dafür sind. Bei ihnen haben nämlich die Drüsen nicht genügend Platz, wenn Kopf und Hals vermehrt gebogen werden, weshalb man bei solchen Tieren unbedingt auf zu starke Versammlung verzichten und Futtertröge so anbringen sollte, dass die Pferde in entspannter Kopf-Hals-Haltung fressen können.
Bei bereits entstandenen Entzündungen kann Phytolacca D6, eine hauptsächlich auf Drüsen spezialisierte homöopathische Arznei, helfen. Man gibt davon 3mal täglich 10-15 Tropfen, wenn sich aber daraufhin nicht binnen weniger Tage eine deutliche Besserung der Schwellung und Berührungsempfindlichkeit zeigt, sollte unbedingt ein Tierarzt oder Tierheilpraktiker konsultiert werden, da es sich dann mit größter Wahrscheinlichkeit um eine infektiöse Erkrankung handelt.
Homöopathisch kann man bakterielle Infektionen mit Echinacea D4 und viröse Erkrankungen mit Vincetoxicum D6 bekämpfen, beide Mittel können auch gut miteinander kombiniert und sogar vorbeugend bei Infektionsgefahr gegeben werden. Vorbeugend genügen einmal täglich je 10-15 Tropfen, im akuten Erkrankungsfall kann dieselbe Dosis auch stündlich verabreicht werden. Diese Arzneien können außerdem auch begleitend zu einer antibiotischen Behandlung als Unterstützung für die allgemeine Abwehrkraft gegeben werden.
Ebenso abwehrkraftstärkend und außerdem entzündungshemmend wirkt das bereits vorige Woche erwähnte Mercurius solubilis D12, welches sich ganz hervorragend zur Behandlung von Rachen- und Drüsenentzündungen eignet (2mal täglich 10-15 Tropfen). Es stehen allerdings auch noch andere Mercurius-Verbindungen zur Verfügung, die einen ähnlichen Wirkungskreis besitzen, wobei hier die Auswahl des richtigen Mittels unbedingt dem homöopathisch geschulten Tierarzt bzw. Tierheilpraktiker überlassen werden sollte.
Bei eitrigen Drüsen- und Lymphknotenschwellungen sowie eitriger Angina (die Maulhöhle riecht nach altem Käse) kann außerdem die Verabreichung von Hepar sulfuris D12 (2-3mal täglich 10-15 Tropfen) sehr hilfreich sein.
Bei akuter Angina mit Fieber, Rötung und Trockenheit der Schleimhäute ist hingegen Belladonna D6 das Mittel der Wahl. Man gibt davon 3mal täglich 10-15 Tropfen, im hochakuten Fall mit starkem Fieber kann es aber auch stündlich verabreicht werden, bis eine deutliche Besserung eintritt.
Zeigt sich zusätzlich zur Rachenentzündung auch noch trockener Husten, so hilft meist Bryonia D6, 3mal täglich 10-15 Tropfen, ein Mittel, das vor allem dann angewandt werden sollte, wenn der Patient sich nicht bewegen möchte und sehr reizbar reagiert.
Bei extrem starken Schwellungen, die ein Schlucken scheinbar unmöglich machen, ist hingegen eine Verabreichung von Apis D6, 10-15 Tropfen in halbstündlichen Abständen, anzuraten, wobei in solchen Fällen natürlich schnellstens ein Tierarzt gerufen werden sollte, da dafür ev. auch eine allergische Reaktion als Ursache in Frage kommt und unter Umständen auch Erstickungsgefahr bestehen kann!
Eine ähnliche Symptomatik zeigen außerdem auch Schlundverstopfungen, die bei Pferden relativ leicht zustande kommen, wenn ungenügend zerkleinertes oder rasch quellendes Futter zu hastig verschlungen wird. Eine große Gefahr stellen kleine Äpfel dar, wenn sie im Ganzen verfüttert werden, da sie so bei gierigen Pferden unzerkaut in den engen Schlund geraten und dort stecken bleiben können. Dies passiert vor allem im oberen Halsbereich beim Übergang vom etwas breiteren Anfangsteil in den engeren Mittelteil des Schlundes.
Dasselbe kann auch bei der Verfütterung von großen Pellets vorkommen, wobei dies bedrohliche Ausmaße annehmen kann, wenn diese dann auch noch im Schlund zu quellen beginnen. Aus diesem Grund sollten vor allem Rübenschnitten nur in Wasser aufgeweicht und nie in Form von ganzen Pellets den Pferden gegeben werden, aber auch trockene Heupellets können gefährlich werden. Meist ist der Fremdkörper direkt hinter dem Kehl- bzw. Schlundkopf an der linken Halsseite als deutliche Schwellung sicht- und spürbar. Natürlich muss hier sofort ein fachkundiger Behandler hinzugezogen werden, um das festsitzende Futterstück zu entfernen, bei einem quergestellten Pellet kann man im Notfall allerdings auch versuchen, dieses durch vorsichtige, sanfte Massage im Schlund zu drehen, sodass es dann abgeschluckt werden kann.
Die Symptome einer Schlundverstopfung sind vor allem plötzliche Unterbrechung der Futteraufnahme, krampfartiges Schlucken und Würgen mit gestrecktem oder nach oben gedrehtem Kopf, Speicheln, Kopfschütteln und in Folge auch Unruhe mit Scharren und Schweißausbrüchen. Oftmals fließt auch Wasser oder Futter aus dem Maul und/oder den Nüstern.
Durch die Anstrengungen, das Futter doch noch zu schlucken, entstehen bei solchen Schlundverstopfungen zumindest kleinere Verletzungen auf der Schleimhaut der Speiseröhre, sodass in den ersten Tagen danach zur Erholung möglichst nur breiiges Kraftfutter und feines, weiches Heu verfüttert werden sollte, wohingegen sperriges Futter unbedingt vermieden werden muss, um damit nicht eine chronische Entzündung hervorzurufen.
Manche Pferde neigen auch aufgrund nervlicher Belastung zu Schlundverkrampfungen, was wiederum homöopathisch sehr gut in den Griff zu bekommen ist. Als Hauptmittel kann hier Ignatia genannt werden, doch auch Lycopodium, Nux vomica und Asa foetida kommen für diese Behandlung in Betracht, die unbedingt von einem Fachmann auf den jeweiligen Typ des Pferdes abgestimmt werden sollte. Da aber auch manche Infektionskrankheiten durch Beteiligung des Nervensystems zu Schlundlähmungen führen können, ist bei häufig auftretenden oder länger anhaltenden Schluckbeschwerden sowieso immer vorsichtshalber ein Tierarzt oder Tierheilpraktiker zu Rate zu ziehen.
Nun wollen wir uns dem Magen des Pferdes und seinen gesundheitlichen Problemen zuwenden, die bezüglich Ursachen und Symptomen unseren menschlichen Magenerkrankungen sehr ähneln, mit dem einen entscheidenden Unterschied, dass Pferde sich ihres Mageninhaltes nicht einfach durch Erbrechen entledigen können, wodurch eine Überfüllung des Magens oder auch die Aufnahme von verdorbenen Futtermitteln bzw. Giftpflanzen verheerende Folgen haben können.
Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass Pferde nicht zu viel und vor allem nichts Unverträgliches oder gar Giftiges fressen. Obwohl Pferde in vielen Bereichen ein untrügliches Gespür dafür haben, was sie brauchen oder was ihnen schaden könnte, kann man sich als Pferdebesitzer doch nicht völlig darauf verlassen, denn gewisse Umstände können diesen Instinkt schon mal irritieren oder völlig ausschalten, wobei auch das Alter und individuelle Neigungen des Tieres eine große Rolle spielen.
So überlegt ein von seinem Naturell her sehr gefräßiges Tier keineswegs, ob große Mengen Kraftfutter tatsächlich seiner Gesundheit zuträglich sind, wenn es z.B. durch Unachtsamkeit seines Besitzers endlich eine Möglichkeit gefunden hat, in die Futterkammer mit all den Köstlichkeiten einzubrechen. Wenn es zuvor womöglich auch noch auf Diät gesetzt war, wird es sich den Magen bis zum Rand vollschlagen, ohne auf sein natürliches Sättigungsgefühl zu hören.
Ähnlich verhält es sich auch mit frischem Gras, Klee oder was auch immer Ihrem Pferd ganz besonders schmeckt, und noch dramatischer ist die Wirkung, wenn etwa in Gärung befindliches Obst oder stark quellende Futtermittel, wie z.B. pelletierte Rübenschnitten, in großen Mengen verschlungen werden, da es hierbei durch die vermehrte Entwicklung von Gärgasen bzw. durch die Aufquellung des Futters im feuchten Magenmilieu und der damit verbundenen raschen und starken Umfangsvermehrung sogar zur Magenzerreißung kommen kann.
Es gibt zwar auch Tiere, die selbst bei verlockendem Angebot einen sehr ausgeprägten gesunden Naturinstinkt besitzen, doch sind dies vor allem Pferde, die in freier Wildbahn aufgewachsen oder einfach schon etwas älter und erfahrener sind. Bei Jungtieren und vor allem bei nicht artgerecht aufgezogenen Pferden ist durch mangelnde Erfahrung bzw. Instinktverlust aber auch viel zu oft das Gegenteil der Fall, wodurch wir hier die Verantwortung für die Gesundheit unserer Pferde übernehmen müssen.
Dies gilt auch für Giftpflanzen, die von manchen Pferden nicht richtig eingeschätzt werden, vor allem dann, wenn der Herkunftsort der Pflanzen und des Pferdes nicht derselbe ist. Es scheint hier ein gewisses genetisches Wissen in den Tieren verankert zu sein, sodass Pferde, die in Mitteleuropa beheimatet sind, heimische Giftpflanzen grundsätzlich meiden, während sie fremdländische giftige Gewächse nicht unbedingt als solche erkennen. Bei Pferden, die aus Ländern mit ganz anderen Vegetationen zu uns eingeführt wurden, ist es natürlich umgekehrt, sodass sie durchaus auch Vergiftungen durch bei uns heimischen Pflanzen erliegen können.
Doch nicht nur Giftpflanzen, auch verdorbene Futtermittel - wie etwa verschimmeltes Brot, Obst und Gemüse, werden von vielen Pferden gefressen und zum Teil auch allem Anschein nach gut vertragen. Dies liegt aber vor allem daran, weil nicht jeder Schimmelpilz giftige Stoffwechselprodukte erzeugt, wie uns ja allen z.B. von der Schimmelkäseherstellung her bekannt sein dürfte. Da man einem Schimmelpilz aber nicht einfach so ansieht, ob er gefährlich ist oder nicht, sollte man es selbstverständlich vermeiden, Pferden verschimmeltes Futter anzubieten.
Dies klingt nun relativ einfach, da verschimmeltes Heu, Brot, Karotten etc. ja relativ einfach zu erkennen sind, doch kann es mitunter passieren, dass sowohl das Auge des Menschen als auch die Nase des Pferdes einer Täuschung unterliegen, wenn z.B. in Futtermittelmischungen die Anwesenheit von Schimmelpilzen oder anderen gefährlichen Keimen durch die Beimengung optisch überdeckender, sowie intensiv riechender und schmeckender Futtermittelzusätze erfolgreich verschleiert wird.
Ein solcher Geschmacksverbesserer ist z.B. Melasse, welche bei vielen Pferdemüslis oft mehr als großzügig verwendet wird und durch ihren süßen Geschmack sämtliche bitteren Stoffwechselprodukte krank machender Keime überdeckt. Da die zuckerhältige Melasse außerdem extrem klebrig ist, bindet sie auch sämtliche Staubanteile des Futters, wodurch auch dieses Anzeichen eines Pilzbefalles wegfällt. (Wobei ich hiermit keinem Futtermittelhersteller irgendwelche bösen Absichten oder Schlampereien unterstellen, sondern einfach nur die möglichen Gefahren einer solchen Fütterung aufzeigen möchte.)
Da es selbst bei guten Lagerbedingungen (kühl und trocken) relativ rasch verderben kann, sollte gequetschtes Getreide also möglichst nur im frischen Zustand und ohne irgendwelche Zusätze verfüttert werden. Es hingegen über viele Wochen oder gar Monate einzulagern, ist nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch äußerst gefährlich für die Gesundheit der Pferde. Selbstverständlich kann aber auch pelletiertes Fertigfutter zu schimmeln beginnen, wenn es in einem feuchten Raum, z.B. in Stallnähe, gelagert wird, wobei man aufgrund der feinen Vermahlung der einzelnen Bestandteile außerdem auch wenig Einsicht in die tatsächliche Zusammensetzung der Futtermischung hat, was vor allem bei Pferden, die zu Futtermittelallergien neigen, zu Schwierigkeiten führen kann.
Optimal wäre eine Einlagerung von einzelnen Getreidesorten in Rohzustand und eine dem Bedarf entsprechende möglichst täglich frische Quetschung der Körner - was aus technischen und Zeitgründen nur für die wenigsten Pferdehalter in Frage kommt - oder auch eine Verfütterung von ganzen Körnern, was gesunde Pferde oft besser vertragen und verwerten, als die meisten Menschen glauben.
Für welche Fütterungsvariante man sich aber auch immer entscheidet, auf das Wohl der Pferde sollte dabei doch in erster Linie geachtet werden, denn genau wie bei uns Menschen kann eine ungesunde Ernährung auch bei Pferden zu Magenschleimhautentzündungen führen, die sich nicht nur auf die gesamte Verdauung negativ auswirken, sondern auch auf das generelle Wohlbefinden und damit auch auf die Leistungsfähigkeit der Tiere einen gewaltigen Einfluss haben.
Doch auch der umgekehrte Fall ist nicht selten, denn genau wie bei uns Menschen schlägt sich auch bei vielen Pferden besonders starker bzw. häufiger Stress aufgrund schlechter Haltungsbedingungen oder extremer Leistungsanforderungen schnell auf den Magen.
Eine Gastritis, also eine akute oder chronische Magenschleimhautentzündung, unter der so manches Pferd mehr oder weniger offensichtlich leidet, kann im Rahmen von Infektionskrankheiten - auch als Folge einer Verabreichung von magenunverträglichen Medikamenten - entstehen, ist aber meist ernährungs- und/oder stressbedingt. Wobei Stress ein sehr relativer Begriff ist, denn was das eine Tier bereits schrecklich aufregt und seelisch überfordert, wird vielleicht von einem Anderen mit völlig gelassenem Gleichmut gesehen. Dies trifft auf alltägliche Ereignisse, wie etwa Training oder Ausritte, genauso zu wie auf außergewöhnliche Vorkommnisse, zu denen man z.B. einen Turnierbesuch rechnen kann.
Bemerken wird man vor allem eine chronische Gastritis meist nur, wenn man sich intensiv um das betreffende Pferd kümmert und es auch nach dem Reiten sowie während der Fütterung aufmerksam beobachtet. Frisst es allgemein langsam und eher lustlos, obwohl es eigentlich schon Hunger haben müsste, und legt es immer wieder Fresspausen ein, in denen es bisweilen gähnt, flehmt oder sich mit der Zunge ständig über die Lippen bzw. über Holz- und Metallteile des Stalles leckt, sollte man durchaus an ein Magenproblem denken.
In akuten Fällen wird es mitunter zu leichten oder mittelgradigen Koliken kommen, meist ist aber zumindest die Futteraufnahme stark eingeschränkt oder sie wird ganz verweigert. Auch wenn beim oder nach dem Reiten immer wieder ein ähnliches Verhalten (Gähnen, Flehmen, Lecken) gezeigt wird, sollte man dies als Warnsignal sehen. Möglicherweise ist die körperliche Auswirkung ja noch nicht vorhanden, aber es ist ein Zeichen dafür, dass das Pferd die Leistungsanforderungen nur schwer ‘verdauen’ kann.
Dazu gleich auch noch ein paar Worte zu der Anschauung vieler Pferdetrainer, dass Pferde nur dann effektiv denken bzw. das Gelernte optimal verarbeiten und im Gehirn speichern, wenn sie während der Arbeit intensiv kauen und lecken. Ich bin der Meinung, dass diese Behauptung - wenn überhaupt - nur teilweise stimmt und dass gerade in diesem Bereich das Pferdeverhalten reichlich fehlinterpretiert wird.
Auch ich habe schon einige Pferde ausgebildet und korrigiert, dabei aber nur in den seltensten Fällen dieses Phänomen des Leckens und Kauens beobachten können. Kluge Tiere, die sämtliche Lektionen in kürzester Zeit verstanden haben, haben es eigentlich nie gezeigt, vereinzelt war es nur bei solchen Pferden zu sehen, die aufgrund geringerer Intelligenz mehr oder weniger große Lernprobleme hatten, wobei auch stressbedingte Nervosität und Anspannung zu bemerken waren.
Meiner Meinung nach leiden diese Tiere je nach Typ einfach nur - genau wie wir Menschen - unter unangenehmer Mundtrockenheit oder vermehrtem Speichelfluss, also stressbedingten Symptomen, welche die Pferde zu deutlichem Lecken und Kauen anregen. Dass dabei auch ein gewisser Denk- und Lernprozess beteiligt ist, steht außer Frage, doch ist dies nicht der ursächliche Grund für das Verhalten.
Doch nun zurück zu unserem eigentlichen Thema - den Magenerkrankungen. Die Hauptsymptome einer Gastritis habe ich Ihnen genannt - wobei bei einer länger andauernden chronischen Gastritis natürlich auch Abmagerung und/oder Blähbauch, sowie andere Verdauungsstörungen dazukommen können - doch sollten Sie als Pferdebesitzer selbstverständlich immer den Rat eines Experten hinzuziehen, wenn Sie meinen, Ihr Pferd könnte ein Magenproblem haben, besonders da dieses auch durch eine Infektion mit Viren, Bakterien oder Parasiten bedingt sein kann und dann unbedingt von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker behandelt werden sollte.
Natürlich gilt dies auch für den Fall, dass Sie den Verdacht einer Magenüberfüllung haben, denn hier hilft oftmals nur die rasche fachkundige instrumentelle Entleerung und Spülung des Magens, da es sonst unter Umständen zu einer Magenzerreißung kommen kann. Vor allem Koliksymptome mit anschließender plötzlicher Teilnahmslosigkeit sollten als möglicher Hinweis darauf sehr ernst genommen werden.
Als Sofortmaßnahme bei sämtlichen akuten Magenproblemen - einschließlich Magenüberfüllung - sollte Nux vomica D6 (10-15 Tropfen in viertel- bis halbstündlichen Intervallen) verabreicht werden. Dieses homöopathische Hauptmittel für sämtliche Magenbeschwerden sollte deshalb möglichst in jeder Stallapotheke vorrätig sein. Meist kann man bereits nach 3-5maliger Einnahme eine deutliche Verbesserung der Symptome bemerken, danach sollte diese Arznei 2-3mal täglich bis zur völligen Ausheilung gegeben werden, wobei diese Dosierung auch bei einer chronischen Gastritis angebracht ist.
Ein anderes wichtiges Magen-Darm-Mittel ist Carbo vegetabilis D6, welches in derselben Dosierung wie Nux vomica und auch mit diesem gemeinsam angewandt werden kann. Es eignet sich vor allem zur Therapie von Blähungen und Durchfall.
Blähungen in Kombination mit Verstopfung verlangen hingegen eine Behandlung mit Lycopodium D6 in ebensolcher Dosierung.
Überwiegen jedoch eher die kolikartigen Symptome mit krampfartigen Schmerzen, ist Colocynthis D6 das Mittel der Wahl, welches in gleicher Weise verabreicht werden sollte, wobei es allerdings - anders als die zuvor genannten Arzneien - eher nur für den akuten Fall und nicht unbedingt für eine Dauertherapie geeignet ist - außer es besteht zusätzlich ein chronisches ischiasartiges Hüftleiden.
Ist eine Gastritis allerdings rein stressbedingt und zeigt sich zusätzlich bei Belastung eine Übererregung mit Durchfall, dann kann vor allem Argentum nitricum helfen. Als D6 kann man dieses Homöopathikum genau wie die anderen Mittel verwenden, doch meist ist eine konstitutionelle Therapie mit einer Hochpotenz zielführender. Am besten verabreicht man zuerst 4 Tage lang täglich 1mal und danach wöchentlich 1mal Argentum nitricum D30, bis die körperlichen Krankheitssymptome beseitigt sind und auch die Psyche des betreffenden Pferdes stabilisiert ist. Da aber natürlich - je nach Typ des Pferdes - auch noch andere Konstitutionsmittel für die Behandlung eines psychisch bedingten Magenleidens in Frage kommen, sollte auch dafür grundsätzlich ein Tierheilpraktiker oder homöopathieerfahrener Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Eine letzte wichtige Arznei, die bevorzugt bei akuten Vergiftungen oder Infektionen zum Einsatz kommt, ist schließlich Arsenicum album D6 (bzw. D12). Als Hauptsymptom zeigt sich hier vor allem Durchfall mit großer Schwäche des betroffenen Tieres. Meist genügt eine 3-5malige Gabe von 10-15 Tropfen im Abstand von jeweils 20-30 Minuten, damit eine deutliche Besserung eintritt, zur sanierenden Nachbehandlung eignen sich dann Nux vomica und Carbo vegetabilis.
Nach der Besprechung der Magenerkrankungen möchte ich mich jetzt dem Darm des Pferdes zuwenden. Da das Pferd ein Pflanzenfresser ist und deshalb natürlicherweise große Mengen an voluminösem Futter aufnimmt, hat sich dessen Darmtrakt im Laufe der Evolution auf diese Gegebenheit eingestellt, indem er einen sehr langen, fassungsreichen Dünndarm und einen mit vielen nützlichen Darmbakterien angereicherten Blind- und Dickdarm ausgebildet hat.
Da hauptsächlich erst durch diese Mikroorganismen die Aufschließung von schwerverdaulichem Grün- und Raufutter ermöglicht und damit eine gesunde Verdauung aufrechterhalten wird, sollte man als Pferdebesitzer stets bestrebt sein, diese bisweilen sehr sensibel reagierende Darmflora nicht mit ständigen und/oder abrupten Futterumstellungen bzw. unnatürlichen oder verdorbenen Futtermitteln aus dem Gleichgewicht zu bringen oder gar zu zerstören. Wie verhältnismäßig leicht dies passieren kann, zeigt der wissenschaftlich nachgewiesene Umstand, dass sogar ein Wechsel zwischen geringfügig verschiedenen Heusorten eine deutliche Veränderung des Darmmilieus bewirkt.
Je nach individueller Empfindlichkeit entsteht bei nicht artgerechter bzw. qualitativ schlechter Fütterung früher oder später eine katarrhalische Darmentzündung, die sich vor allem in Durchfall und/oder Blähungen äußert. Zusätzliche begünstigende Faktoren für die Entstehung einer solchen Darmerkrankung sind unter anderem Stress, Aufregung, das Trinken von zu kaltem oder zu keimhaltigem Wasser, sowie auch extreme Wetter- und Temperaturwechsel.
Selbstverständlich kann diese Art von Verdauungsstörungen aber auch infektiös oder parasitär bedingt sein bzw. durch Vergiftungen oder Futtermittelunverträglichkeiten zustande kommen. Aus diesem Grund sollte vor allem bei hochakutem, von Fieber und starken Allgemeinstörungen begleitetem Durchfall, sowie bei länger anhaltendem Darmkatarrh unbedingt ein Tierarzt oder Tierheilpraktiker zu Rate gezogen werden, wobei man damit keinesfalls zu lange zuwarten sollte.
In jedem Fall ist heftiger Durchfall ein ernstzunehmendes Symptom, dessen Ursache nicht nur schnellstens abgeklärt werden sollte, sondern welches auch einer raschen Behandlung bedarf, damit es nicht zu extremen und womöglich lebensgefährlichen Wasser- und Elektrolytverlusten kommen kann! Je nach Krankheitsursache und -verlauf kann aber auch die Homöopathie entweder als unterstützende Sofortmaßnahme oder auch als alleinige Therapie bei Durchfallerkrankungen zum Einsatz kommen und hier sehr gute Dienste leisten.
Bei fieberhaften Infektionskrankheiten wären hier vor allem Aconitum, Belladonna, Lachesis, Pyrogenium und Ferrum phosphoricum zu nennen, die - zum jeweiligen Krankheitsbild passend - meist einzeln angewandt werden und gegebenenfalls auch mit einer Antibiotika-Therapie kombiniert werden können.
Aconitum (D4 oder D6, ev. D30) ist vor allem zur Behandlung von erkältungsbedingten Erkrankungen geeignet. Hohes Fieber innerhalb weniger Stunden, starker Durst und ein noch nicht eindeutig auf bestimmte Organe beschränkter Krankheitsprozess sowie ängstliches, unruhiges Verhalten des Patienten mit überdeutlich spürbarem Herzklopfen sprechen für dieses Anfangsmittel, welches in halbstündlichen Intervallen (jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht werden sollte, bis eine deutliche Besserung oder eine Veränderung der Krankheitssymptome zu bemerken ist.
Belladonna (D4 oder D6, ev. D30) hilft vor allem dann, wenn die ‘Erkältung’ eine Folge von Hitze und Überanstrengung ist, weil das schwitzende Pferd z.B. Zugluft ausgesetzt war. Hohes Fieber mit starken Schweißausbrüchen, trockenen, roten Schleimhäuten und wenig Durst, sowie abwechselnd schreckhaftes und apathisches Verhalten sind die Hauptsymptome, die für dieses Mittel sprechen. Der Einnahmemodus ist derselbe wie bei Aconitum, als dessen Folgemittel es ebenfalls zur Anwendung kommt, wenn bei einer zuvor unbestimmten Erkrankung nach einiger Zeit eine deutliche Lokalisierung des Krankheitsprozesses ersichtlich wird. Niemals jedoch darf es gleichzeitig mit Aconitum angewendet werden, weil sich die beiden Arzneien in ihrer Wirkung gegenseitig aufheben!
Lachesis (D8, D10, D12) hingegen ist ein Fiebermittel, das hauptsächlich bei septikämischen, infektiösen Erkrankungen verwendet wird. Hohes Fieber mit starker Allgemeinstörung (Appetitlosigkeit, Apathie) und Herz-Kreislauf-Problemen, sowie - im Unterschied zu den beiden vorigen Mitteln - blasse oder bläuliche Schleimhäute sind hier die hervorstechendsten Symptome. Diese Arznei wird meist etwas weniger häufig (ca. 3-5mal täglich) verabreicht und kann bei Bedarf auch gut mit den anderen Fiebermitteln kombiniert werden.
Eine besonders gute Ergänzung findet Lachesis in Pyrogenium (D8, D15, D30), das ebenfalls bei septischen Prozessen, aber auch bei Vergiftungen mit verdorbenen Futtermitteln zur Anwendung kommt. Neben Fieber sind hier Unruhe, Zittern und vor allem aashaft stinkende Durchfälle bzw. Blähungen zu bemerken. Als charakteristisches Symptom ist dabei meist auch ein außergewöhnliches Pulsverhalten zu beobachten - langsamer Puls bei hohem Fieber und schneller Puls bei mäßigem Fieber. Dieses Mittel sollte in schweren Fällen ebenfalls halbstündlich, sonst 3mal täglich gegeben werden.
Ein Homöopathikum, das bevorzugt bei jungen oder schwächlichen Tieren zum Einsatz kommt, ist Ferrum phosphoricum (D8, D10, D12). Hier ist das Fieber meist nicht sehr hoch, aber dafür beständig oder immer wiederkehrend. Am besten gibt man es 2-3mal täglich, um die Abwehrkraft zu stärken und eine allgemeine Kräftigung zu erzielen.
Dies waren die wichtigsten Mittel zur homöopathischen Behandlung von akuten, fieberhaften Erkrankungen des Verdauungsapparates, nun möchte ich Ihnen noch einige bewährte Homöopathika vorstellen, die ganz speziell bei diversen Durchfallerkrankungen zum Einsatz kommen.
Eines der bei akuten Durchfällen am meisten verwendeten Mittel ist Arsenicum album D6 (oder auch D12 bzw. D30), welches auch in schwersten Fällen prompt und zuverlässig hilft. Es ist besonders dann angezeigt, wenn der Durchfall eine Folge von verdorbenem oder vergiftetem Futter ist, und das Pferd trotz deutlicher Schwäche (häufig mit Zittern) sehr unruhig ist und immer wieder kleine Mengen Wasser trinkt. Der dünnflüssige, schleimige, dunkle Kot wird häufig in kleinen Mengen abgesetzt, enthält viele unverdaute Anteile, riecht faulig und ist wundmachend. Eine verkrustete Analregion und kotverschmierte Hinterbacken mit Neigung zur Rötung und Ekzembildung sind Zeichen, die für diese Eigenschaft sprechen.
Leichte Bewegung und Wärme (Eindecken, Infrarotbestrahlung) wirken hier unterstützend. Ein völliger Futterentzug mit Ausnahme von langfaserigem Heu und Stroh ist in solchen Fällen angebracht. In hochakuten Fällen ist eine 3-4malige Gabe von 10-15 Tropfen in halbstündlichen Intervallen notwendig - wonach bereits eine deutliche Besserung zu bemerken sein sollte - und anschließend, sowie bei chronischen Durchfällen verabreicht man Arsenicum album je nach Potenz 1-3mal täglich bis zum völligen Abklingen der Symptome, was meist schon nach wenigen Tagen der Fall ist.
Eine weitere hervorragende Arznei, die hauptsächlich bei Vergiftungen mit insektizid- oder pestizidhaltigem Futter empfohlen wird, ist Okoubaka D3. Auch Durchfälle, die auf Vergiftungen mit Antiparasitika (Insektensprays, Wurmpasten, etc.) oder Holzschutzmittel zurückzuführen sind, sprechen auf eine Behandlung mit diesem Mittel meist gut an. Als Hauptsymptom finden wir hier meist heftige wässrige Durchfälle mit fehlender Futteraufnahme, aber starkem Durst.
Auch bei Okoubaka erfolgt die Anwendung wie bei Arsenicum album, wobei die Einnahme möglichst mit einem homöopathieerfahrenen Tierarzt oder Tierheilpraktiker abgesprochen werden sollte. Dies vor allem schon deshalb, weil die Behandlung von schweren Verdauungsstörungen und ganz besonders von Vergiftungen natürlich immer in die Hand eines Fachmannes gehört.
Steht bei akutem wässrigem Durchfall eine starke Kreislaufschwäche im Vordergrund, die sich durch schwachen, schnellen Puls, blasse bzw. bläuliche Schleimhäute, Schwitzen im Hals- und Schulterbereich (kalter Schweiß) und Zittern der Gliedmaßen äußert, dann ist Veratrum album D6 das Mittel der Wahl. Es kann aber auch zusätzlich zu anderen homöopathischen Arzneien angewandt werden, da es generell den Kreislauf stabilisiert. Eine mehrmalige Gabe in 20minütigen Abständen ist hier meist angebracht.
Gegen die Sommerdurchfälle von Fohlen, die durch Kombination von heißem Wetter und dem Trinken von Muttermilch entstehen können, hilft Podophyllum D6 (oder D8), wobei auch hier anfänglich eine mehrmalige Anwendung (jeweils 10 Tropfen) in viertel- bis halbstündlichen Intervallen nötig ist, da es ansonsten sehr schnell zu einer starken Schwächung der Jungtiere kommt. Hat sich der Zustand gebessert, wird mit einer 2-3maligen Gabe täglich bis zur Ausheilung weiterbehandelt. Sehr typisch für diese Erkrankung ist, dass der sehr wässrige gelbliche, grünliche oder hellbraune Kot unter hohem Druck in weitem Boden aus dem After schießt, wobei kurz zuvor meist noch starke Blähungen abgehen.
Ebenfalls bei Saugfohlen vorkommende Durchfälle, die mit Beginn der ersten festen Nahrungsaufnahme vor allem bei Koppelgang auftreten, stark säuerlich riechen und für das Fohlen sehr schmerzhaft sind (oftmaliges leises Stöhnen hörbar), erfordern eine Behandlung mit Rheum D6 (3mal täglich 10 Tropfen). Da diese milchigen Durchfälle auch wundmachend sind und ein starker Kotdrang besteht, ist der After meist leicht vorgewölbt und gerötet.
Bei grünlichem, schaumigem und säuerlich riechendem Kot kann auch Magnesium carbonicum D6 helfen. Dieses Mittel wird vor allem gegen immer wiederkehrende Durchfälle mit kolikartigen Schmerzen verwendet. Schleimhautberuhigend bei Entzündungen des Verdauungstraktes wirkt auch Chamomilla D6, welches ebenso wie Magnesium carbonicum bevorzugt bei Jungtieren zur Anwendung kommt. Beide Arzneien werden wie Rheum normalerweise 3mal täglich verabreicht, können aber in akuten Fällen auch mehrmals im halbstündlichen Rhythmus gegeben werden.
Natürlich können vor allem bei jungen Pferden Durchfälle aber auch parasitär bedingt sein, wogegen es auch spezielle homöopathische Mittel gibt.
Da wäre einmal Cina D4 zu nennen, welches meist gleichzeitig mit Abrotanum D1 bzw. D4 verwendet wird, um Jungtiere von Darmparasiten zu befreien bzw. ihren geschwächten Allgemeinzustand zu verbessern und damit ihre Abwehr zu stärken. Vor allem magere Pferde mit dickem, aufgeblähtem Bauch, die auch immer wieder Durchfall und Koliksymptome zeigen, sprechen auf diese beiden Homöopathika sehr gut an. Man gibt da normalerweise beide Mittel 3-4mal täglich (jeweils 10 Tropfen) über einen Zeitraum von 2-4 Wochen.
Eine andere Arznei, die gleichfalls bei solchen Symptomen zum Einsatz kommt, ist China D6. Dieses Mittel ist vor allem bei Bandwurm- und Kokzidienbefall angezeigt und wird genauso wie die beiden zuvor genannten dosiert. China wird generell bei starkem Blut- bzw. Flüssigkeitsverlust verwendet, da es eine rasche Regenerierung des Organismus bewirken kann, und ist deshalb auch zur Nachbehandlung bei schweren Verwurmungen hilfreich, wenn es bereits zu Schäden am Verdauungs- und Blutgefäßsystem gekommen ist.
Ebenfalls zur generellen Sanierung des ganzen Organismus bei Durchfallerkrankungen und zur Abwehrkraftsteigerung ist Sulfur D6 (aber auch D12 und D30) geeignet, vor allem aber dann, wenn der Durchfall eine Folge von Medikamenteneinnahme ist, wie dies z.B. häufig nach Antibiotika- oder Cortisongaben der Fall ist. Hauptsymptome, die für dieses Mittel sprechen, sind Blähungen, die nach faulen Eiern riechen und wässriger bzw. schleimiger, brauner oder grüner Kot, sowie ein geröteter After und ev. Scheuerstellen am Schweif, weil Juckreiz vorhanden ist.
Sulfur wird meist kurmäßig angewandt, wobei die D6 2-3mal täglich, die D12 hingegen nur 1-2mal täglich für etwa 1-3 Wochen verabreicht wird. Die D30 wiederum kommt eher als Reaktions- und Konstitutionsmittel meist nur 1-2mal wöchentlich zum Einsatz, wobei auch hier eine Gabe aus 10 Tropfen besteht.
Als Darmsanierungsmittel muss man natürlich auch hier das schon mehrfach genannte Homöopathikum Nux vomica D6 erwähnen. Mit seiner generell verdauungsregulierenden und entgiftenden Wirkung kann es auch bei diversen Durchfallerkrankungen gute Dienste leisten, vor allem, wenn diese fütterungsbedingt sind. Gerade im Zusammenhang mit Durchfall und übelriechenden Blähungen ist eine Kombination mit Carbo vegetabilis D6 zu empfehlen, wobei diese beiden Mittel anfänglich halbstündlich (3-5 Gaben) und danach 2-3mal täglich (jeweils 10-15 Tropfen pro Arznei) bis zur völligen Gesundung angewandt werden sollten.
Ist der Durchfall hingegen nervös bedingt und tritt vor allem bei Stresssituationen, wie Transport, Turnierteilnahme, Ausritte, etc., auf, so ist Argentum nitricum D6 (oder auch D30) das Mittel der Wahl, welches meist schon nach 2-3maliger Gabe in viertel- bis halbstündlichen Abständen (ebenfalls jeweils 10-15 Tropfen) eine sehr gute Wirkung zeigt, wobei hier die niedere und die hohe Potenz aufgrund der speziellen akuten Situation gleich häufig, aber dafür nur höchstens 3-5mal hintereinander verabreicht werden.
Dies wären die bei Durchfall hauptsächlich in Frage kommenden homöopathischen Arzneien, wobei es aber auch noch einige Mittel für Spezialfälle gibt, wie z.B. Dulcamara D6 bei wetterbedingten Durchfällen - Kälte und Nässe ist hier der Auslöser - oder Pulsatilla D6 bei hormonellen Problemen bzw. zu reichlicher Obstfütterung.
Außerdem gibt es auch noch einige andere Mittel zur Sanierung der Darmschleimhaut, wie etwa Kalium bichromicum D6 oder Mercurius solubilis D12, die aber auf die jeweils vorhandenen Symptome genau abgestimmt und deshalb unbedingt von einem Tierheilpraktiker oder homöopathisch geschulten Tierarzt verschrieben werden sollten, wie überhaupt generell jede homöopathische Behandlung nach Möglichkeit erst nach Beratung mit einer Fachkraft erfolgen sollte.
Nachdem ich nun schon fast alle möglichen Verdauungsstörungen des Pferdes und auch diverse homöopathische Arzneien, die sich für deren Behandlung eignen, näher besprochen habe, bleibt mir jetzt im Magen-Darm-Bereich nur noch ein Krankheitsbild übrig, die Obstipation, also die Darmverstopfung.
Bemerkt und ernst genommen wird eine solche Verstopfung meist erst dann, wenn sich zusätzlich Koliksymptome oder gar ein teilweiser bzw. völliger Darmverschluss einstellen. Leichte Fälle werden hingegen oft übersehen bzw. als normal eingestuft, solange das Pferd sonst keine Krankheitssymptome zeigt. Nur die wenigsten Menschen wissen, dass Pferdeäpfel eher weich und locker sein und beim Aufprall auf den Boden ein wenig zerfallen sollten.
Kleine, sehr feste, mitunter stark eingetrocknete Kotballen - meist auch in Verbindung mit mehr oder weniger starken Blähungen - zeigen bereits Verdauungsstörungen an, die an fehlerhafter bzw. einseitiger Fütterung (z.B. zuviel Stroh), zuwenig Wasseraufnahme oder auch an Darmträgheit liegen können. In manchen Fällen sind auch Darmhindernisse, wie z.B. alte Narben von Kolikoperationen, oder eine generelle Darmenge die Ursache für eine akute oder chronische Darmverstopfung.
Hier ist unter Umständen eine regelmäßige Beifütterung von Leinsamen ratsam, um den Kot gleitfähiger und damit leichter passierbar zu machen. Auch feuchte Kleie wirkt verdauungsfördernd, trockene Kleie allerdings verstopfend - also Vorsicht! Die Anwendung von Glaubersalz und anderen darmanregenden Mitteln ist dagegen bei anatomischen Problemen nicht empfehlenswert, da es dadurch eher zu Krämpfen anstatt zu einer Erleichterung kommen kann.
Manche homöopathischen Arzneien hingegen können auch in solchen Fällen eine sehr gute Wirkung zeigen und unter Umständen neben der Behebung der Verstopfung auch eine Heilung der ursächlichen Störungen bewirken. Natürlich sollte eine solche Behandlung aber möglichst immer mit einer genauen Untersuchung durch einen erfahrenen Pferdetierarzt und der Beratung einer homöopathisch geschulten Fachkraft einhergehen.
Eines der wichtigsten Homöopathika ist auch bei dieser Art von Verdauungsstörungen Nux vomica D6, da es generell eine regulierende Wirkung auf den gesamten Verdauungsapparat besitzt. Kleine, dunkle, sehr harte Kotballen, eine stark gespannte Bauchdecke mit Anhäufung großer Gasmengen und vor allem schmerzhafte Verspannungen der Rückenmuskulatur sind Symptome, die für die Anwendung dieses Mittels sprechen. Meist kann man schon nach einer einzigen Gabe eine deutliche Besserung bemerken, da es im Normalfall sehr schnell zu einem Blähungs- und Kotabgang kommt. Trotzdem ist fast immer zumindest eine mehrtägige Behandlung (2-3mal täglich 10-15 Tropfen) anzuraten, um den Darm richtig zu sanieren.
Eine Kombination mit Carbo vegetabilis D6 ist auch hier wiederum empfehlenswert, vor allem dann, wenn der Kot mit Schleim überzogen oder durchsetzt ist und extrem starke, übel riechende Blähungen vorhanden sind bzw. wenn zusätzlich auch noch eine Kreislaufschwäche mit Wasseransammlung in den Beinen und laute Darmgeräusche zu bemerken sind. Leichte Bewegung an der frischen Luft ist für solche Pferde ganz besonders wichtig, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und den Blähungsabgang zu fördern.
Carbo vegetabilis eignet sich übrigens auch sehr gut, um eine verzögerte Darmpechausscheidung beim Fohlen in Gang zu setzen. Dabei genügen etwa 7-10 Tropfen und maximal 2-3 Gaben im Abstand von jeweils 1 Stunde, ansonsten wird auch dieses Mittel am besten in derselben Dosierung wie Nux vomica angewandt.
Bei oftmaligem erfolglosem Kotdrang und ebenfalls kleinen schleimüberzogenen Kotballen kann aber auch Plumbum aceticum D6 das Mittel der Wahl sein, nämlich dann, wenn begleitend zur akuten Darmverstopfung keine Blähungen zu bemerken sind und der Bauch eher aufgezogen ist. Für dieses Mittel spricht auch, wenn sich das Pferd nicht bewegen will und sich beim Führen benommen zeigt und oft stolpert. Meist sind damit auch Ischiasbeschwerden oder ein starker Muskelkater vergesellschaftet. Wärme, Ruhe und ein festes Reiben des Bauches können hier Erleichterung bringen. Mehrere halbstündliche Gaben (wieder jeweils 10-15 Tropfen) sollten den akuten Notfall beheben, möglicherweise ist aber auch hier eine mehrtägige Nachbehandlung in derselben Weise wie bei den zuvor genannten Arzneien erforderlich.
Bei sehr hartnäckigen, chronischen Verstopfungen mit fehlender Darmperistaltik, vor allem bei älteren, mageren Pferden, hat sich Alumina D6 bewährt. Meist sind dabei auch trockene, schuppige Haut an Mähne, Schweif und Kruppe und trockene Schleimhäute, sowie ein entzündeter After zu bemerken. Eine 2-3malige Einnahme täglich von jeweils 10-15 Tropfen ist auch dabei meist über einen längeren Zeitraum nötig.
Im Gegensatz dazu ist die Verabreichung von Graphites D6 besonders bei fetten, gefräßigen und faulen Tieren angesagt, wobei aber auch hier eine starke Ekzemneigung besteht und der After entzündete, tiefe Einrisse zeigt. Reichliche, übel riechende Blähungen, ein aufgetriebener Bauch und morgens angelaufene Beine runden das Gesamtbild ab, welches nach Graphites verlangt, wobei Stuten vor allem während der Rosse eine deutliche Verschlechterung des Krankheitsbildes aufweisen. Die Dosierung erfolgt genau wie bei Alumina.
Wenn Verstopfung während der Rossezeit mit hysterischem, nymphomanischem Verhalten einhergeht, dann hilft am besten Platinum D12 (1-2mal täglich 10-15 Tropfen) oder auch Platinum D30 (1mal täglich 10 Tropfen), wobei hier die Einnahme am besten auf die Rossetage beschränkt wird.
Das letzte Mittel, das ich heute hier besprechen möchte, ist vor allem in ganz aussichtslosen Fällen angezeigt, wenn die Darmperistaltik völlig zum Stillstand gekommen ist oder ein sich nicht lösen wollender Krampf bzw. eine Anschoppung besteht. Insbesondere bei Entstehen dieses Krankheitsbildes aufgrund einer starken Aufregung des Pferdes kommt hier Opium D30 3-4mal im halbstündlichen Abstand (jeweils 10 Tropfen) zum Einsatz. Hauptsymptom ist dabei vor allem eine Apathie, die aber bei Einwirkung äußerer Einflüsse (Licht, Geräusch, Berührung und Zwangsmaßnahmen) rasch in ein extrem schreckhaftes Verhalten verwandelt werden kann.
Zusätzlich zu diesen Arzneien, die hauptsächlich ganz spezifisch bei Darmverstopfung verwendet werden, haben sich auch einige typische Lebermittel zur Behandlung dieser Verdauungsstörung bewährt, da sie auf den Leberstoffwechsel und damit auch auf die Enzymbildung anregend und auch allgemein entgiftend wirken. Diese Homöopathika werde ich Ihnen zusammen mit anderen Arzneien für die Leber vorstellen.
Den Abschluss zum Thema ‘Verdauungsstörungen’ bildet die homöopathische Behandlung von Lebererkrankungen, welche beim Pferd - genau wie beim Menschen - vielfältige Ursachen und Erscheinungsformen aufweisen können. So kann man auch hier Entzündungen und Degenerationen, Gelbsucht und Fettleber bis hin zur Leberzirrhose vorfinden, wobei nur der eine Unterschied zum Menschen besteht, dass bei Pferden Alkohol eher nicht der Auslöser sein kann.
Meist entstehen Leberveränderungen beim Pferd durch grobe Ernährungsfehler oder im Rahmen von schweren Infektionskrankheiten, aber auch eine nachhaltige Schädigung durch Parasiten, wie z.B. dem Leberegel, ist möglich. Da eine der Hauptaufgaben der Leber in der Entgiftung des Organismus besteht, setzen ihr vor allem toxische Substanzen sehr zu, die pflanzlicher, bakterieller oder chemischer Natur sein können, aber auch ein Mangel an hochwertigem Eiweiß, Vitaminen und/oder Spurenelementen kann sich auf die Leber sehr negativ auswirken.
Je nach Schwere des Leberschadens können auch die dazugehörigen Symptome ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild aufweisen. Von den gelb verfärbten Lidbindehäuten bei einem Ikterus, einer Gelbsucht, bis hin zu schweren Bewusstseins- bzw. Bewegungsstörungen mit beschleunigtem Puls und dunklem oder auch blutigem Harn reicht da die Bandbreite, wobei vor allem Laien diese Krankheitsanzeichen wohl nur selten richtig deuten werden.
Allgemeine Schwäche und schwankender Gang, Abmagerung und Neigung zu Koliken, Fress- und Trinkunlust, sowie verstärktes Schwitzen und Lichtempfindlichkeit können Symptome einer Lebererkrankung sein und sollten den Pferdebesitzer dazu veranlassen, eine Blutuntersuchung durchführen zu lassen. Zeigt sich dabei unter anderem der Bilirubingehalt des Blutes erhöht, so ist dies ein Alarmsignal, das unbedingt ernst genommen werden muss, da eine starke Leberschädigung unbehandelt unter Umständen sehr rasch zum Tod des Tieres führen kann.
Vor allem ein gestörter Eiweißstoffwechsel als Folge eines chronischen Eiweißmangels bzw. einer allgemeinen Unterernährung, sowie nach lang anhaltenden, schweren Durchfällen oder anderen auszehrenden Infektionskrankheiten kann die Bildung einer so genannten Fettleber hervorrufen, denn wenn Leberzellen geschädigt werden, kommt es an deren Stelle zur Fetteinlagerung. Starke Kreislaufprobleme mit Blutstauung, aber auch die Aufnahme mancher chemischer bzw. pflanzlicher Gifte können ebenfalls Auslöser für solche Lebererkrankungen sein.
Da der Laie das Ausmaß einer solchen Erkrankung oft nicht richtig abschätzen kann, sollte bei jeglichem Verdacht auf eine Leberschädigung sofort ein erfahrener Pferdetierarzt oder Tierheilpraktiker zu Rate gezogen werden. Bei rechtzeitiger fachkundiger Behandlung hat die Leber meist eine Chance, sich wieder zu regenerieren, andernfalls besteht jedoch akute Lebensgefahr für das Pferd!
Dies sollten sich auch jene Pferdebesitzer zu Herzen nehmen, die meinen, dass ihre Pferde jegliches - auch verdorbenes - Futter problemlos vertragen. Ständige Verfütterung von verschimmeltem Heu bzw. Brot oder von in Fehlgärung befindlicher Silage, sowie von verpilztem Getreide mag zwar bei manchem Pferd keine spontan sichtbare Reaktion hervorrufen, aber die Leber wird durch die dadurch nötige stark gesteigerte Entgiftungsarbeit überanstrengt und schließlich immer mehr geschädigt, was sich dann nach Wochen, Monaten oder Jahren in einem plötzlichen Leberversagen und dem totalen Zusammenbruch des Tieres äußern kann.
Aus diesem Grund ist eine gesunde und bedarfsgerechte Fütterung nicht nur ein Dienst am Tier, sondern kann auch dem Pferdebesitzer so manche Kosten und Mühen ersparen. Um die Leber bei ihrer Tätigkeit bestmöglich zu unterstützen und ihre Selbstheilungskraft optimal anzuregen, gibt es auch einige spezielle Homöopathika, deren kurmäßige Anwendung oft sehr hilfreich sein kann.
Auch hier wäre gleich einmal das Universalmittel für sämtliche Verdauungsprobleme zu nennen - Nux vomica D6, welches die Verdauung reguliert und die Ausscheidung von Giften und Stoffwechselprodukten fördert. Bei Fütterungsfehlern vorbeugend verabreicht, kann es so manche negative Auswirkung schon im Keim ersticken und damit die Lebertätigkeit optimal unterstützen. Die Anwendung erfolgt hier genau wie bei den anderen Verdauungsstörungen, die ich in den letzten Wochen beschrieben habe. Zur gezielten Behandlung von Lebererkrankungen sind allerdings andere Homöopathika besser geeignet.
Da wäre einmal Chelidonium D6 (oder auch D4) zu nennen, welches bei starker Gelbsucht und bei Störungen im Eiweißstoffwechsel zum Einsatz kommt. Pferde, die dieses Mittel brauchen, sind meist unruhig und berührungsempfindlich und bevorzugen warmes Trinkwasser, der Kot ist gelblich und der Urin dunkel gefärbt. Immer wieder werden kolikartige Schmerzen bemerkbar und charakteristischerweise zeigt sich auch oft eine rechtsseitige Schulterlahmheit.
Eine Arznei, die ebenfalls zur Behandlung von Ikterus und Leberentzündung verwendet wird, ist Taraxacum D3, wobei hier als Hauptsymptome Verstopfung und Blähungen zu bemerken sind. Die Tiere zeigen außerdem mangelnde Fresslust und Vitalität, verstärkten Harnabsatz und oft auch Nachtschweiß.
Harter Kot mit aufgeblähtem Bauch kann auch für die Anwendung von Carduus marianus D3 (oder auch D4) sprechen, wobei dieses Mittel hauptsächlich bei Stauungsleber und verschleppten Lebererkrankungen zum Einsatz kommt. Oft ist dabei auch eine Neigung zur Leberverhärtung vorhanden.
Ein Homöopathikum, das dem Organismus bei allen Stadien von Leberleiden hilfreiche Unterstützung bieten kann, ist Flor de Piedra D3. Besonders gut wirkt es allerdings bei Pferden, die verlangsamte Bewegungen und Reaktionen zeigen, welche an ein dummkollerartiges Verhalten erinnern. Auch Futter- und Wasseraufnahme sind dabei meist verlangsamt, obwohl großer Durst besteht.
Chelidonium, Taraxacum, Carduus marianus und Flor de Piedra können sowohl einzeln (jeweils 3mal täglich 10-15 Tropfen) - auf die jeweiligen Symptome abgestimmt - oder auch gemeinsam als Komplexmittel (3mal täglich 30 Tropfen) verabreicht werden, da sie sich in ihrer Wirkung gegenseitig gut ergänzen. Eine Kombination mit einer der anderen hier genannten Arzneien ist allerdings nicht unbedingt anzuraten, weil es dabei unter Umständen zu unerwünschten Wechselwirkungen oder auch einer gegenseitigen Aufhebung kommen kann. In jedem Fall ist aber eine Rücksprache mit einem homöopathisch geschulten Tierarzt oder einem Tierheilpraktiker anzuraten.
Auch Bryonia D6 ist eine Arznei, die bei Ikterus zur Anwendung kommen kann, vor allem dann, wenn das betroffene Pferd sehr reizbar ist, großen Durst zeigt und sich nicht bewegen möchte, weil ihm jegliche Bewegung und auch Berührung Schmerzen bereitet. Weitere Indikatoren für dieses Mittel sind trockene Schleimhäute, harter, trockener Kot und eine Verschlimmerung der Symptome durch Wärme.
Ein ebenfalls stark leberbezogenes Mittel ist Lycopodium D6, welches vor allem bei chronischer Leberentzündung und beginnender Leberzirrhose angebracht ist. Die Pferde zeigen ein launisches Verhalten, teils ängstlich, teils aggressiv oder auch apathisch. Vor allem auf das Zuziehen des Sattelgurtes reagieren sie sehr empfindlich, da ihnen dies Schmerzen bereitet. Ebenso leiden sie unter Verstopfung, ihr Urin ist dunkel, meist bräunlich oder rötlich verfärbt und sie vertragen absolut keinen Stress. Weitere sehr spezifische Symptome sind häufiges, scheinbar unmotiviertes Schnauben und Heißhungerattacken mit raschem Sättigungsgefühl, die in kurzen Zeitabständen wiederkehren. Meist sind diese Tiere im Stammbereich eher mager, während sie einen verhältnismäßig dicken, schlaffen Bauch aufweisen.
Zur Behandlung von infektiöser akuter Leberentzündung, Gelbsucht, Fettleber und auch Leberzirrhose eignet sich auch Phosphorus D8, welches auch als Konstitutionsmittel für zierliche, eher ängstliche Pferde vom Vollbluttyp Verwendung findet. Genau wie bei allen hier in diesem Artikel genannten Arzneien, ist auch bei Phosphorus eine mehrwöchige Behandlung (3mal täglich 10-15 Tropfen) nötig, um die Leber bei ihrer Regeneration und Entgiftungsarbeit optimal zu unterstützen.
Unter Umständen kann bei Ikterus auch die Anwendung von Berberis D4 - das genau wie Lycopodium und Phosphorus ein hervorragendes Nierenmittel ist - angebracht sein, wenn die Leberbeschwerden vor allem durch eine Störung im Harnsäurestoffwechsel zustande kommen. Da dieses Homöopathikum allerdings vorwiegend bei Nierenleiden verabreicht wird, möchte ich dieses Mittel erst bei diesem Thema näher beschreiben.
| Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Nieren- und Blasenerkrankungen | | |
Nierenfunktionsstörungen treten beim Pferd häufig in Verbindung mit bzw. als Folge von Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen auf, aber es können natürlich auch eigenständige Nieren- und Blasenentzündungen vorkommen, die durch Infektionen oder durch Einfluss von Nässe und Kälte entstehen können. Außerdem besteht auch noch die Möglichkeit, dass eine sexuelle Überreizung, wie dies z.B. bei nymphomanischen Stuten der Fall ist, eine Blasen- und ev. sogar auch eine Nierenentzündung hervorrufen kann.
Wirklich vermeiden lassen sich eigentlich bestenfalls erkältungsbedingte Nieren- und Blasenerkrankungen, und auch das kann bei manchen Haltungsformen äußerst schwierig sein. So gibt es durchaus sehr empfindliche Pferde, die sich bereits verkühlen, wenn sie auch nur kurze Zeit kühlem Regen oder Wind ungeschützt ausgesetzt sind. Ganz besonders besteht diese Gefahr der Verkühlung auch dann, wenn verschwitzte Pferde Wind oder Zugluft zu spüren bekommen, was nicht nur nach längeren bzw. anstrengenden Ritten, sondern z.B. auch nach übermütigem Spiel auf der Koppel bei Auslauf- und Offenstallpferden der Fall sein kann.
Vielen robusten Pferden schadet all dies gar nicht, doch krankheitsanfällige Tiere sollte man bei Schlechtwetter nicht zu lange im Freien lassen bzw. nach schweißtreibender Arbeit mit Abschwitzdecke trockenführen oder mit ihnen - so vorhanden - das Angebot eines Pferdesolariums nutzen, denn diese Wärmebehandlung wirkt nicht nur trocknend, sondern auch sehr entspannend auf die Rückenmuskulatur und Nierenpartie, womit ein doppelter positiver Effekt gegeben ist.
Leben solche Pferde in ganztägiger Auslauf- oder in Offenstallhaltung, so muss man hierbei besonders auf ausreichende und wirklich wetterfeste Unterstellmöglichkeiten achten. Dies kann unter Umständen auch deshalb zum Problem werden, weil gerade schwächliche und sensible Tiere meist keinen hohen Rang in der Herde innehaben und deshalb oftmals aus den schützenden Ställen oder Unterständen vertrieben werden. Aus diesem Grund ist auch die Neueingliederung eines nicht so robusten Pferdes in eine bestehende Herde im Spätherbst oder Winter nicht ratsam.
Will man die Pferde vor Nässe und Kälte schützen, indem man sie ganztägig eindeckt, so muss man damit bereits frühzeitig im Herbst beginnen, um eine Winterfellbildung zu vermeiden, oder das Tier muss zumindest im Rückenbereich geschoren werden, denn ansonsten würde ein sehr ungesunder Wärmestau unter der Decke entstehen. Mittlerweile werden ja schon diverse Modelle angeboten, die angeblich eine völlig freie Beweglichkeit des Pferdes garantieren, doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur sehr unsensible Tiere dies auch so sehen. Die meisten Pferde zeigen sich in ihrer Bewegung sehr wohl gehemmt, womit die Nützlichkeit einer Decke dann wieder in Frage gestellt werden muss.
Am gesündesten ist meiner Meinung nach immer eine möglichst natürliche Haltung, doch sollte man diese bereits von Fohlenbeinen an praktizieren, denn eine ‘Abhärtung’ in späteren Jahren kann vor allem bei besonders verweichlichten Pferden gesundheitliche Probleme mit sich bringen und sollte deshalb auch nur langsam und stufenweise erfolgen, damit es nicht zu Lungen- und/oder Nierenerkrankungen kommt.
Ganz gefährlich ist auch das Abspritzen der Sattellage bzw. des ganzen Körpers mit kaltem Wasser nach der Arbeit. Selbst an sehr heißen Tagen, wo viele Reiter meinen, ihren Pferden damit etwas Gutes zu tun, kann dies durch den extremen Temperaturunterschied nicht nur zu schmerzhaften Muskelverspannungen führen, sondern auch die Nieren stark reizen. Eine Nierenentzündung kann dadurch schnell zustande kommen, wobei leichtere Fälle auch relativ häufig übersehen werden können, da dem veränderten Harnabsatzverhalten - es werden im Krankheitsfall meist in kürzeren Zeitabständen kleinere Mengen Harn oft auch mit schmerzhafter Anstrengung abgesetzt - eines Pferdes ja nur sehr selten Beachtung geschenkt wird.
Erst wenn die Tiere aufgrund der Schmerzen eine mehr oder weniger starke Berührungsempfindlichkeit in der Nierenregion und den so typischen steifen, vorsichtigen Gang in der Hinterhand zeigen, werden die Besitzer meist aufmerksam. Oft ist dann bereits eine Trübung oder dunkle Verfärbung des Harnes zu bemerken, wobei er sehr häufig auch blutig sein kann. Bei akuter Nierenentzündung können zu diesen Symptomen auch noch Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und manchmal auch Kolikerscheinungen hinzukommen, wobei dies vor allem auf infektiös oder toxisch bedingte Nierenerkrankungen zutrifft.
Sowohl solche akuten Fälle, als auch chronische Nierenentzündungen, die zu einer raschen Abmagerung führen, sollten schnellstens von einem Tierarzt behandelt werden, da ansonsten ein völliges Nierenversagen drohen könnte, was unweigerlich zum Tod des betreffenden Pferdes führen würde. Doch auch wenn der Zustand des Tieres nicht ganz so kritisch ist, kann es durch eine chronische Nierenentzündung zu anderen verheerenden Folgen kommen. Vor allem Herz und Leber werden dadurch vermehrt beansprucht und auch geschädigt, was fast immer eine individuelle Diät und Ruhigstellung des Pferdes erforderlich macht.
Reiterlich nutz- oder gar stärker belastbar sind Pferde mit Nierenleiden jedenfalls nicht, weshalb eine rasche und wirkungsvolle Therapie auch im Sinne des Pferdebesitzers unbedingt angestrebt werden sollte. Als sehr natürliche und trotzdem effiziente Behandlungsmöglichkeit erweist sich auch in diesem Bereich die Homöopathie, denn rechtzeitig angewandt kann sie eine völlige Regeneration der geschädigten Nierenzellen bewirken.
Geht das akute Entzündungsgeschehen an Nieren und/oder Blase mit Fieber und krampfartigen Schmerzen einher, dann kommt auch hier das bereits gut bekannte Belladonna D6 (oder D4) zum Einsatz. Meist wird dabei von den Pferden nur spärlich Harn abgesetzt, der mitunter auch Blutspuren beinhalten kann. Man verabreicht diese Arznei normalerweise 3-5mal täglich (jeweils 10-15 Tropfen), in hochakuten Fällen kann aber auch kurzfristig eine stündliche oder halbstündliche Gabe erfolgen. Sobald das Fieber gesunken ist, sollte mit dem Bestpassendsten der folgenden Mittel oder einer daraus hergestellten Mischung die Erkrankung austherapiert werden.
Eines der wichtigsten Nierenmittel ist Berberis D4 (oder D6), welches bevorzugt bei chronischen Nieren- und Blasenproblemen mit Rückenschmerzen in der Lenden(Nieren)gegend angewandt wird, wobei typischerweise ein ständiger Wechsel der Symptome zu bemerken ist. So sind die Tiere dabei zeitweise apathisch, schwach und appetitlos, zeigen dann aber wieder guten Appetit und sind relativ munter. Ähnlich verhält es sich mit dem Durstgefühl und auch die Farbe des Urins schwankt zwischen hell und dunkel, wobei sehr oft ein grießiges, rotes Sediment als Bodensatz vorhanden sein kann.
Berberis steigert die Nierenfunktion und fördert die Harnausscheidung, womit Harnsand, aber auch Infektionserreger leichter ausgeschwemmt werden können. Man gibt es am besten 2-3mal täglich (ebenfalls 10-15 Tropfen) für mehrere Tage oder - wenn nötig - auch Wochen, um eine völlige Ausheilung zu erreichen.
Sehr gut kombiniert werden kann Berberis mit Solidago D3, welches vor allem bei verstärktem Harndrang mit dunklem, trübem, meist schwarzes Sediment enthaltendem Urin angewandt wird. Dieses Mittel ist vor allem dann angebracht, wenn infektiös bedingte Nierenschäden eine verzögerte Heilung aufweisen. Die Dosierung erfolgt wie bei Berberis und den beiden nachfolgend beschriebenen Arzneien, mit denen es auch gemeinsam gegeben werden kann.
Eines dieser sehr häufig verwendeten Homöopathika, das besonders hilfreich bei brennenden Nieren- und Blasenentzündungen ist, welche durch Erkältung, Infektion oder auch sexuelle Überreizung entstanden sind, ist Cantharis D6 (oder D4). Starker Harndrang und das häufige Absetzen kleiner Mengen Urin, der oft blutig-schleimige Beschaffenheit aufweist, sind die Hauptsymptome, aber auch eine stark gerötete Vaginalschleimhaut bei übererregten Stuten spricht für dieses Mittel.
Ist die Nieren- bzw. Blasenentzündung nach kalter Durchnässung des Pferdes entstanden, so ist Dulcamara D6 das Mittel der Wahl. Auch hier zeigen sich vor allem vermehrter Harndrang mit trübem und manchmal blutigem Urin, wobei die betroffenen Tiere aufgrund der Schmerzen sehr unruhig sein können, und sich teilweise auch unwillkürlicher Harnabgang zeigen kann.
Verwendet man Berberis, Solidago, Cantharis und Dulcamara in Form einer Mischung, also eines homöopathischen Komplexmittels, dann genügt es, wenn man davon 2-3mal täglich jeweils 30 Tropfen verabreicht. Die Kombination von Berberis und Solidago ist außerdem geeignet, wenn man die Nieren zur allgemeinen Entgiftung des Körpers zu vermehrter Tätigkeit anregen will, was bei oder nach vielen schwereren Erkrankungen und Stoffwechselstörungen, besonders aber auch bei Dämpfigkeit oder chronischen Ekzemen der Fall ist. Durch die verstärkte Ausscheidung von Krankheitserregern, Giftstoffen und Stoffwechselschlacken kann hier ein entscheidender Heilungsschub bewirkt werden. Eine Anwendung über 1-2 Wochen ist dabei angezeigt.
Damit hätten wir einmal die gebräuchlichsten Nieren- und Blasenmittel besprochen, doch gibt es noch eine ganze Reihe anderer Homöopathika, die bei der Behandlung von Nieren- und Blasenerkrankungen eine Rolle spielen können.
Geht eine Nierenerkrankung mit einer starken Anschwellung der Nierengegend und/oder anderen Ödemen, wie z.B. Wasseransammlungen im unteren Beinbereich, Gelenkschwellungen, etc. einher, so sollte eine Behandlung mit Apis D4 (3-4mal täglich 10-15 Tropfen) erfolgen, welche meist schon nach wenigen Tagen deutliche Erfolge zeigt.
Handelt es sich hingegen um eine eitrige Nierenbeckenentzündung, so kann Hepar sulfuris D6 helfen, welches im hochakuten Fall auch alle 1-2 Stunden (wieder jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht werden kann. Starke Berührungs- und Kälteempfindlichkeit sind bei Pferden, die dieses Mittel brauchen, zu bemerken.
Ebenfalls als Heilmittel gegen Eiterungen eignet sich Mercurius solubilis D12 (oder D8 bzw. D6), bei dem der blutige oder auch eitrig-schleimige Urin meist nur tropfenweise abgegeben wird. Diese Arznei ist auch zur Behandlung von Geschwüren geeignet, die sich sowohl an der Blasen-, als auch an der Nierenschleimhaut entwickeln können. Sie wird am besten 2mal täglich (jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht.
Bei allen bakteriellen Harnwegsinfekten mit Fieber und Neigung zur Blutvergiftung ist Lachesis D10 (aber auch D8 oder D12) das Mittel der Wahl, welches auch sehr gut mit Antibiotikagaben kombiniert werden kann. Unter Umständen ist in besonders schweren Fällen auch noch die zusätzliche Verabreichung von Pyrogenium D12 angebracht, da dieses außerdem eine besonders gute Wirkung auf das Lymphgefäßsystem ausübt. Beide Homöopathika sollten 2-3mal täglich oder kurzfristig auch alle 1-2 Stunden (je 10-15 Tropfen) solange gegeben werden, bis das Fieber und alle akuten Symptome verschwunden sind.
Wenn es durch eine Vergiftung oder in Folge anderer schwerer Erkrankungen zu einer Nierenschädigung gekommen ist, die sich bereits in einer Degeneration des Nierengewebes äußert, sollte man Arsenicum album D6 (oder D12) in der üblichen Menge 2-3mal täglich verabreichen. Tiere, die diese Arznei benötigen, wirken meist ziemlich ausgezehrt und deutlich gealtert, sie sind sehr kälteempfindlich und zeigen viel Durst, wobei häufig kleine Mengen getrunken werden. Der Harn enthält meist viel Eiweiß und Zellen, die betroffenen Tiere neigen zu Durchfall, und es treten oftmals Hautödeme auf.
Tritt die Nierenentzündung in Folge bzw. in Gesellschaft einer Lebererkrankung auf, so ist die Einnahme von Lycopodium D6 und/oder Phosphorus D8 (oder D12, aber auch D30 als Typmittel) zu empfehlen, wobei sich diese beiden Arzneien sehr gut ergänzen und sich dadurch auch für eine Kombinationstherapie eignen. Die Anwendung erfolgt dabei ebenfalls 2-3mal täglich mit jeweils 10-15 Tropfen.
Wer lieber nach der klassischen Homöopathielehre vorgehen und nur ein Homöopathikum zur Behandlung heranziehen will, sollte sich vor allem an folgenden Symptomen orientieren. Für Lycopodium spricht, wenn das Pferd starke Rückenschmerzen zeigt, zu einem Blähbauch neigt, und der Harn einen rötlichen Bodensatz aufweist. Außerdem sind diese Tiere eher gereizt und neigen zu jähzornigem Verhalten, während Pferde vom Phosphorus-Typ eher ängstlich-nervös, sensibel gegen äußere Einflüsse, sowie sehr schlank und feingliedrig sind.
Selbstverständlich sollte aber jede homöopathische Anwendung - vor allem bei Verwendung von Hochpotenzen - nach Möglichkeit zuerst mit einem Tierheilpraktiker oder homöopathisch geschulten Tierarzt Ihres Vertrauens abgesprochen werden.
Letztendlich gibt es dann auch noch ein paar Arzneien, die vorwiegend bei Blasenentzündungen zum Einsatz kommen, wie z.B. Petroselinum D6 (oder auch D3), das bei allen Entzündungsformen der Harnblase mit starkem Harndrang verwendet werden kann, wohingegen etwa Terebinthina D6 (bzw. D4) bei eitrigen Veränderungen hilft, die eine Verminderung der Harnmenge bewirken. Diese beiden Mittel werden ebenso wie die nachfolgend beschriebenen - der niederen Potenz entsprechend - 3-4mal täglich in der üblichen Menge verabreicht.
Als geschlechtsspezifische Blasenmittel wären dann noch zwei weitere Homöopathika zu nennen: Pareira brava D4 für männliche Tiere, welches auch der Behandlung von Prostataentzündungen dient, und Pulsatilla D4 für Stuten, wenn die Blasenentzündung von einer aufsteigenden Scheidenentzündung herrührt, was gehäuft während der Rosseperiode auftritt.
| | Tipps zur Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates | | |
Nachdem ich letzte Woche über die Behandlung von Nieren- und Blasenerkrankungen gesprochen habe, möchte ich mich nun einem Bereich zuwenden, der sehr eng damit verbunden ist, dem weiblichen Geschlechtsapparat. Nicht umsonst spricht der Fachmann meist nur zusammengefasst vom Urogenitalapparat, weil Harn- und Geschlechtsapparat eine starke Wechselwirkung aufeinander ausüben, wodurch Infektionen und Entzündungen selten auf eines der beiden Organsysteme beschränkt bleiben und man im Nachhinein oft gar nicht mehr beurteilen kann, wo genau und wodurch die Erkrankung begonnen hat.
Dies trifft vor allem für Scheiden- und Blasenentzündungen zu, die durch Infektionen, Erkältung aber auch durch sexuelle Überreizung entstehen können und bisweilen nicht sehr einfach zu therapieren sind. Infektionen, die beim Deckakt oder z.B. durch mangelhaften Scheidenverschluss - wie er bei älteren Stuten häufig vorkommt - entstehen können, sollten aber schnellstens einer Behandlung unterzogen werden, da sonst durch Ansteckung von Gebärmutter und Eierstöcken auch eine vorübergehende oder gar bleibende Unfruchtbarkeit drohen kann.
Aber auch bei Stuten, die nicht für die Zucht verwendet werden, sollte man Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates nicht auf die leichte Schulter nehmen, da sie sich nicht nur negativ auf den Allgemeinzustand der Stute, sondern auch auf deren Verhalten auswirken. Stärkere Entzündungen erkennt man noch relativ leicht am dickschleimigen oder eitrigen, bisweilen sogar blutigen Scheidenausfluss, der oft auch Verklebungen an Innenschenkeln und Schweif hinterlässt, wobei es unter Umständen auch zu fiebrigen Symptomen, mangelnder Fresslust und Ödemen an den Hinterbeinen kommen kann.
Zeigt das Pferd nicht so ausgeprägte Entzündungssymptome, wird eine Erkrankung in diesem Bereich leicht übersehen oder falsch gedeutet. Nur zu oft wird z.B. ein generell zickiges Verhalten einfach als typische Stuteneigenschaft angesehen, obwohl dieses - wenn es nicht nur auf eine normal kurze Rossezeit von 2-4 Tagen beschränkt ist - ein ziemlich sicheres Zeichen für eine Störung im Hormonhaushalt oder eine Erkrankung der Geschlechtsorgane darstellt. Meist verbirgt sich eine chronische Entzündung oder eine zystische Entartung der Eierstöcke dahinter.
Der beste Beweis dafür sind trächtige Stuten, die in den allermeisten Fällen höchstens ganz zu Beginn oder am Ende ihrer Trächtigkeit so ein launenhaftes und/oder übersensibles Verhalten an den Tag legen und sonst meist die Ruhe und Ausgeglichenheit in Person sind. Bei einer normal verlaufenden Trächtigkeit ist eben der Hormonhaushalt stabil, und es gibt keine Zysten an den Eierstöcken.
Im genauen Gegensatz dazu befinden sich sog. nymphomanische Stuten aus den oben genannten Gründen in einem Dauererregungszustand, der ihnen physisch und psychisch sehr zu schaffen macht. Sie zeigen sich kitzelig und quietschen im Kontakt mit anderen Pferden oder auch, wenn sie vom Besitzer bzw. Reiter an besonders empfindlichen Stellen, vor allem im Flanken- und Bauchbereich berührt werden. Mitunter keilen sie dabei auch aus, manche Tiere reagieren auch auf das Zuziehen des Sattelgurtes überempfindlich und versuchen, sich diesem Vorgang durch Herumtänzeln oder Beißen zu entziehen.
Besonders unangenehm für Pferd und Reiter ist es, wenn solche Stuten auch im Rückenbereich druckempfindlich sind bzw. Schmerzen in der Nieren- und Eierstocksgegend haben, denn dann wird verständlicherweise auch der Sattel nur widerwillig geduldet und es kann zu starken Widersetzlichkeiten vor allem bei den schnelleren Gangarten kommen. Auch das oft auftretende Drücken gegen den treibenden Schenkel und die häufige allgemeine Gehorsamsverweigerung können die Nerven des jeweiligen Reiters schon gewaltig strapazieren.
Je nach individuellem Naturell des Pferdes kann an Stelle dieser lästigen ‘Sturheit’ aber auch eine generelle Überempfindlichkeit treten, die sich in übertriebener Schreckhaftigkeit und Nervosität äußert und bisweilen zu regelrechter Hysterie ausarten kann. Schon im Interesse der eigenen Sicherheit gilt es also, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und Hormonstörungen schnellstmöglich zu behandeln. Dies vor allem auch deshalb, weil sich sonst dieses Problem in Form eines Teufelskreises immer mehr verstärkt.
Sexuelle Übererregtheit bewirkt nämlich häufiges Harnabsetzen mit sog. Blitzen, durch dieses oftmalige Öffnen der Scham kann es - abgesehen von der mechanischen Reizung - sehr leicht zu einer bakteriellen Infektion von außen kommen, was wiederum zu Schleimhautentzündungen führt, welche unter anderem eine verstärkte sexuelle Reizung und oft auch eine Blasenentzündung hervorrufen, wodurch dann der Kreislauf wieder von vorne beginnt.
In Anbetracht des Zusammenwirkens von verschiedenen physischen und psychischen Komponenten ist neben einer unter gewissen Umständen notwendigen Antibiotikagabe eine ganzheitliche Therapie anzustreben. Hier bieten sich unter anderem Akupunktur und Bioresonanzverfahren an, aber auch die weitaus kostengünstigere Behandlung mit homöopathischen Arzneien kann hier sehr gute Erfolge erzielen. Wie auch in anderen bereits besprochenen Bereichen, sollte aber auch hier nach Möglichkeit vor einer Behandlung zusätzlich der Rat eines Tierheilpraktikers oder homöopathisch geschulten Tierarztes eingeholt werden.
Ein Mittel, das wir bereits im Rahmen des Beitrages über Blasenentzündungen kennen gelernt haben, ist Cantharis D6, welches sich besonders zur Behandlung von juckenden Scheidenentzündungen eignet, die mit einem gesteigerten Geschlechtstrieb - der auf dieser Entzündung und nicht auf einer zystischen Entartung der Eierstöcke beruht - und gleichzeitig mit einer akuten Blasenentzündung einhergehen. Die Verabreichung von 10-15 Tropfen 3mal täglich sollte bereits nach wenigen Tagen eine deutliche Besserung der Krankheitssymptome bewirken.
Bei Scheidenentzündungen, die nicht nur eine Rötung und Schwellung der Schleimhaut, sondern auch noch weißlich-gelblichen, wundmachenden Ausfluss aufweisen, der eine Geschwürbildung hervorrufen kann, benötigt man Mercurius solubilis D12 (ev. auch D6 oder D8), welches 2mal täglich (ebenfalls jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht werden sollte.
Ist der Ausfluss weißlich-gelblich, aber mild und eher zäh und fadenziehend, so ist Hydrastis D6 (oder auch D4) das Mittel der Wahl, eine Arznei, die auch bei eitrigen und blutigen Gebärmutterentzündungen zum Einsatz kommen kann und in derselben Weise verabreicht wird wie Cantharis.
Bei bakterieller Infektion bzw. hochgradiger Entzündung ist es ratsam, zusätzlich Echinacea D4 (oder D3) zu geben, da dieses abwehrkraftsteigernd und entzündungshemmend wirkt. 3-4mal täglich je 10-15 Tropfen ist die zu empfehlende Dosierung, wobei diese Arznei auch sehr gut mit anderen Fieber- und Infektionsmitteln kombiniert werden kann, falls die Entzündung bereits einen bedrohlichen Zustand erreicht hat.
Allen voran eignet sich dafür Lachesis D10 (oder D8 bzw. D12), welches bei stinkendem, eitrigem Ausfluss und der Gefahr einer Blutvergiftung am besten 3-4mal täglich und in hochakuten Fällen auch stündlich (ebenfalls jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht werden kann. Sobald eine Besserung der Krankheitssymptome zu bemerken ist, muss die Einnahmehäufigkeit selbstverständlich wieder verringert oder überhaupt das ganze Mittel abgesetzt werden.
Ähnliches gilt auch für Pyrogenium D15 (od. auch D30), wobei für dieses Homöopathikum vor allem ein aashaft stinkendes Sekret, sowie Fieber in Kombination mit Unruhe und Zittern sprechen. Sehr häufig kann man dabei auch ein eher ungewöhnliches Pulsverhalten beobachten, bei dem hohes Fieber mit langsamem Puls oder mäßiges Fieber mit schnellem Puls einhergeht.
Eine stark reinigende und heilende Wirkung auf die Schleimhaut der Gebärmutter hat auch Aristolochia D12, welches die Durchblutung fördert, sowie die Immunabwehr steigert, indem es die sog. Fresszellen aktiviert, und die Funktionen der Eierstöcke reguliert, indem es die Brunst und die Ovulation in Gang bringt. Damit kann also die Rosse bei Jungstuten verstärkt werden (2mal täglich 15 Tropfen) und somit die Aufnahmebereitschaft verbessert werden. Ein paar Tage vor dem errechneten Geburtstermin gegeben (1mal täglich 15 Tropfen), bewirkt Aristolochia aber auch die Erweiterung des weichen Geburtsweges, was die Geburt natürlich erleichtert. Und letztendlich wird dieses Mittel auch nach Schwergeburten mit Schleimhautverletzungen gegeben (2mal täglich 15 Tropfen), weil dadurch eine bessere Heilung und in Folge auch eine schnellere Deckbereitschaft erreicht wird.
Einen ähnlichen Aufgabenbereich erfüllen allerdings auch noch andere homöopathische Arzneien, die als typische ‘Stutenmittel’ bezeichnet werden können, da sie hauptsächlich bei verschiedenen Krankheiten der Eierstöcke und Gebärmutter, aber z.B. auch bei der Deck- und Geburtsvorbereitung zum Einsatz kommen.
Eines der wichtigsten Mittel zur Behandlung der weiblichen Geschlechtsorgane ist Pulsatilla D4 (oder D6). Ein schleimig-eitriges, mildes, gelbes oder gelblich-grünliches Sekret spricht für diese Arznei, die nicht nur bei Gebärmutterentzündungen, sondern auch bei diversen Fruchtbarkeitsstörungen und bei der Geburtsvorbereitung wertvolle Hilfe leisten kann und deshalb vor allem für die Stallapotheke von Zuchtställen sehr zu empfehlen ist.
Pulsatilla eignet sich vor allem für jüngere Stuten, deren Rossezyklus unregelmäßig oder verlängert ist und deren Rosse meist unbemerkt bleibt, weil die typischen Brunsterscheinungen (Blitzen, Quietschen, etc.) fehlen oder wenig ausgeprägt in Erscheinung treten. Meist handelt es sich um gutmütige und anhängliche Tiere, die dieses Mittel brauchen. Es löst durch verstärkte Durchblutung der Beckenorgane die Rosse, aber nicht den Eisprung aus, weshalb es auch am besten mit Aristolochia D12 (diese Arznei habe ich bereits in meinem vorigen Tipp beschrieben) kombiniert gegeben werden sollte (2mal täglich je 10-15 Tropfen).
Aber auch rund um die Geburt hat Pulsatilla eine wichtige Bedeutung, denn es hilft bei der Geburtseinleitung, indem es die Schleimhautdurchblutung verbessert und die weichen Geburtswege erweitert, wodurch der Geburtsvorgang erleichtert wird. Ebenso wird die Anbildung des Euters angeregt, weshalb vor allem erstgebärende Stuten von einer vorbeugenden Gabe dieses Homöopathikums sehr profitieren. Man kann es bereits 2-4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin 1mal täglich (10-15 Tropfen) verabreichen.
Im Gegensatz zu Pulsatilla ist Sepia D6 (oder D8 bzw. D12) besonders für ältere, schon etwas eckigere, magere Stuten geeignet, deren ganzer Körper bereits deutlich an Spannkraft verloren hat. Dieses Mittel hilft bei allgemeiner Bindegewebsschwäche, regt den Brunstzyklus erneut an und ist speziell bei Gebärmuttersenkung, sowie bei Scheiden- bzw. Gebärmuttervorfall sehr zu empfehlen. Meist ist dafür eine Behandlung über 3-4 Wochen (2mal täglich 10-15 Tropfen) nötig, wobei aber auch eine Konstitutionsbehandlung mit einer Hochpotenz durchgeführt werden kann, welche allerdings immer dem Fachmann vorbehalten sein sollte. (Dies gilt eigentlich für jede homöopathische Behandlung, doch insbesondere für den Einsatz von tiefgreifenden Hochpotenzen!)
Während die bis jetzt genannten Homöopathika vor allem bei einer generellen Unterfunktion der Eierstöcke eingesetzt werden, sind bei Fruchtbarkeitsstörungen, die auf einer zystischen Entartung bzw. Degeneration der Ovarien beruhen, wieder andere Mittel vonnöten. Vorrangig werden dafür Apis D4 (bei Zysten am rechten Eierstock) und Lachesis D8 (bei Zysten am linken Eierstock) verwendet, wobei meist eine mehrtägige Behandlung in derselben Dosierung wie Sepia ausreichend ist, um die Zysten zu eröffnen und den Geschlechtszyklus in Gang zu bringen.
Bei linksseitigen Ovarialzysten und Eierstocksdegenerationen ist auch Aurum D8 (oder als Typmittel die D30) zur Therapie geeignet, wenn die Stute ein sehr temperamentvolles, dominantes und mitunter auch sehr aggressives Verhalten an den Tag legt. Im Gegensatz zu den vorher genannten Mitteln äußern sich hier die Fruchtbarkeitsstörungen aber nicht in Form von verminderten Brunsterscheinungen, sondern durch gesteigerte sexuelle Erregbarkeit. Aurum D8 wird dabei ebenfalls 2mal täglich (jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht, bis sich das Verhalten und der Brunstzyklus normalisiert haben.
Passt Aurum vom Typ her nicht, so gibt es auch noch andere Mittel, mit denen man diese nymphomanischen Störungen beseitigen oder zumindest abschwächen kann. Da wäre einmal Platinum D30 zu nennen, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe, als meine Lieblingsstute in jungen Jahren zur Dauerrossigkeit mit ständigem Quietschen und Berührungsempfindlichkeit beim Reiten neigte. 1mal täglich 10 Tropfen dieser Hochpotenz über 4 Tage verabreicht, brachte ihr Gefühlsleben wieder in Ordnung. Diese Arznei ist vor allem für überreizte und sensible Vollblutstuten geeignet, während Aurum mehr bei schwereren Pferderassen angewandt wird.
Für leichtere Rassen eignet sich auch Bufo D10, welches allerdings im Normalfall über 10 Tage 2mal täglich (je 10-15 Tropfen) verabreicht werden muss, um Erfolge zu zeigen. Es beseitigt die nymphomanischen Erscheinungen, kann aber die zystische Entartung der Eierstöcke nicht beheben und auch keinen neuen Zyklus in Gang bringen.
Zeigt die Stute ein extrem ängstliches und aggressives, also richtiggehend hysterisches Verhalten, so kann Hyoscyamus D30 helfen, welches am besten wie Platinum dosiert wird. Eine Eigenheit, die besonders für dieses Mittel spricht, ist die große Angst vor Wasser in jeder Form (Pfützen, Wassergraben, etc.).
Sind die übertriebenen Rosseerscheinungen mit kolikartigen Bauchschmerzen vergesellschaftet, so gibt man am besten Colocynthis D6, ist hingegen hauptsächlich ein extrem verstärkter Harnabsatz zu bemerken, so ist Cantharis D6 das Mittel der Wahl. Beide Arzneien werden 3mal täglich (je 10-15 Tropfen) oder notfalls auch in kürzeren Zeitabständen gegeben, bis eine deutliche Besserung zu bemerken ist.
Auch wenn die Liste damit noch nicht vollständig ist, so haben Sie doch einen Überblick über die wichtigsten homöopathischen Arzneien bekommen, die für die Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates in Frage kommen.
Ich erbringe meine Leistungen ohne Honorarforderung. Spenden sind jedoch willkommen und sollten mit einem entsprechenden Hinweis auf das unten angegebene Konto eingezahlt werden. Beachten Sie auch › Danksagungen.
Heidi Keppel
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