Auch zu diesem Thema gibt es eigentlich genügend Fachliteratur, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es doch immer wieder Unklarheiten geben kann.
Ich werde mich bemühen, auf dieser Seite alle mir bekannten Pferdekrankheiten genauestens vorzustellen und deren Erscheinungsbild laiengerecht zu erklären. Meine persönlichen Erfahrungen mit diversen Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten werde ich hier ebenfalls einfließen lassen, wobei ich aber betonen möchte, dass diese nicht unbedingt Allgemeingültigkeit besitzen.
Alle mehr oder weniger häufigen Pferdekrankheiten detailliert zu beschreiben, wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.
Darum würde ich Ihnen vorschlagen, mich bei einer aktuellen Erkrankung Ihres Pferdes, die für Sie irgendwelche Fragen zur Symptomatik, Prognose oder Therapiemöglichkeit aufwirft, gegebenenfalls sofort per E-mail ( › PANTERARANCH@a1.net) zu kontaktieren.
Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass ich weder praktizierender Tierarzt noch Heilpraktiker bin und somit weder Diagnosen stelle noch Therapien verordne.
Im Bedarfsfall sollten Sie unbedingt den Tierarzt bzw. Heilpraktiker Ihres Vertrauens zu Rate ziehen und meine Messeseite nur als zusätzliche Informationsquelle betrachten.
| | Tipps zur Behandlung von Sehnenverletzungen | | |
Sehnenverletzungen können unter unglücklichen Umständen immer und überall entstehen, aber gerade in der kalten Jahreszeit passieren sie oft sehr rasch und unerwartet. Viele Freizeitreiter unterschätzen die Gefahren, wenn sie z.B. über längere Strecken übermütig im Tiefschnee galoppieren. Die Pferde spielen zwar meist eifrig mit, ihre Beine oder genauer gesagt die durch die Kälte nicht so geschmeidigen Sehnen aber leider oft nicht. So kommt es sehr leicht zu Überanstrengungen, die in vielen Fällen eine Sehnenscheidenentzündung oder auch eine Sehnenzerrung nach sich ziehen.
Ähnliche Probleme können entstehen, wenn Pferde auf harten Winterböden getrabt oder galoppiert werden, und auch das Reiten mit Stollen sollte langsam trainiert werden, damit es nicht zu Verspannungen und in Folge zu Sehnenverletzungen kommt. Wenn ein Huf auf eisigem Boden ausrutscht oder auf hart gefrorenem, unebenem Boden abrupt umkippt, kann es durchaus sogar zu Sehneneinrissen oder auch Sehnenabrissen kommen.
In diesem Fall ist die Hinzuziehung eines Tierarztes wohl unumgänglich, doch zusätzlich zu dessen Behandlung können Sie – ähnlich wie bei der Sehnenzerrung – mit homöopathischen Arzneien den Heilungsvorgang enorm beschleunigen. Folgende Komplexmischungen haben mir bereits bei vielen Sehnenverletzungen wunderbare Dienste erwiesen und mich auch in schwierigen Fällen nie im Stich gelassen:
1. Arnica D12, Aesculus D4, Hypericum D4, Symphytum D4, Ruta D4, Rhus toxicodendron D12. Diese Mischung (sie ist übrigens auch für Muskel-, Knochen- und Nervenverletzungen geeignet) sollte so rasch wie möglich gleich nach der Verletzung bzw. Überanstrengung gegeben werden, weshalb es günstig wäre, sie ständig in der Stallapotheke zur Verfügung zu haben. Man verabreicht sie am 1.Tag am besten stündlich und danach noch 2-3 Tage lang 3mal täglich. Dann sollten die akuten Symptome (Hitze, Schwellung, Schmerz) ganz oder wenigstens zum größten Teil behoben sein.
Nun sollte folgende Mischung zur Anwendung kommen:
2. Aesculus D4, Ruta D4, Silicea D12. Dieses Komplexmittel verbessert die Durchblutung und dient dem Wiederaufbau der Sehnenstruktur und sollte für mindestens 4-6 Wochen 2mal täglich verabreicht werden.
Am besten lassen Sie sich die beiden Komplexmittel in Ihrer Apotheke fertig mischen, wobei Sie die flüssige Zubereitungsform (Dilution) wählen sollten, da diese am einfachsten von den Pferden angenommen wird. Sie brauchen nur jeweils 30 Tropfen der gut geschüttelten jeweiligen Mischung auf ein Stück hartes Brot träufeln und es Ihrem Pferd verfüttern. Ich habe noch nie erlebt, dass irgendein Pferd jemals die Aufnahme verweigert hätte.
Damit diese homöopathischen Heilmittel ihre Wirkung auch möglichst rasch entfalten können, sollten sie so früh und regelmäßig wie möglich angewandt werden. Sie sollten die Sehnen Ihres Pferdes also nach jedem Ritt genauestens kontrollieren, um eventuelle Schäden schon an den ersten Frühsymptomen zu erkennen. Auch wenn sich die Sehnen nur etwas erwärmt oder verdickt anfühlen, kann es keinesfalls schaden, wenn Sie Ihrem Pferd sicherheitshalber 2-3mal die 1.Mischung verabreichen.
Dasselbe gilt auch für den Fall, dass zwar keine sicht- oder fühlbaren Veränderungen vorhanden sind, Ihr Pferd aber deutlich Schmerzsymptome zeigt, indem es das betroffene Bein beim Betasten ruckartig in die Höhe hebt. Manche Pferde reagieren allerdings prinzipiell empfindlich auf Berührungen an den Beinen, was aber durchaus für ständige chronische Schmerzen sprechen kann. Eine gründliche Durchuntersuchung beim Tierarzt bringt hier unter Umständen überraschende Erkenntnisse.
Im akuten Stadium von Sehnenzerrungen und Sehnenscheidenentzündungen empfiehlt sich meist auch eine Kaltwasserbehandlung der betroffenen Stelle, wobei allerdings nicht alle Tiere gleich gut darauf reagieren. Wenn Ihr Pferd dieser Behandlung immer wieder auszuweichen versucht, sollten Sie auf den Instinkt Ihres Pferdes hören. Manchmal verkrampfen sich Sehnen nämlich bei Kälteeinwirkung noch mehr und erzeugen so natürlich auch mehr Schmerz. Dies tritt vermehrt in der kalten Jahreszeit auf und sollte nicht einfach ignoriert werden. Viele Pferde reagieren auf kalte Umschläge besser als auf kaltes Abspritzen, bei manchen bewähren sich auch Wechselduschen (warm-kalt).
Ein Stützverband ist in manchen Fällen angebracht, aber man sollte nicht vergessen, dass die Blutzirkulation unter diesem nicht immer optimal ist, was wiederum die Heilung beeinträchtigen kann.
Was die Belastung anbelangt, so sollte eine Sehnenverletzung immer vollständig ausgeheilt sein, bevor man wieder mit dem Training beginnt, jede zu frühe Arbeit rächt sich bestimmt irgendwann, auch Schrittreiten schadet solchen Tieren nachweislich. Trotzdem sollte das verletzte Pferd regelmäßig auf festem, keinesfalls tiefem Boden bewegt werden. Spaziergänge auf Asphalt haben sich meist besonders bewährt, denn so werden die Sehnen nicht nur gesund, sondern sogar kräftiger als vor der Verletzung.
Wenn Sie diese Zeit tapfer durchhalten, wird Ihr Pferd es Ihnen sicher danken. Ein paar Wochen oder Monate Pause – je nachdem, wie schwer die Verletzung war – sollte Ihnen Ihr Pferd schon wert sein, denn schließlich würden auch Sie sich im Falle einer Sehnenzerrung oder dergleichen schonen. Dafür können Sie danach erwarten, dass Ihr vierbeiniger Reitkamerad wieder gestärkt und mit frischem Eifer an die Arbeit gehen wird.
Um ähnliche Verletzungen in Zukunft zu vermeiden, sollten Sie mit den Sehnen Ihres Pferdes sorgsam umgehen (dies gilt natürlich für alle Pferde!), indem Sie immer erst gründliche Aufwärmarbeit im Schritt leisten, bevor Sie mit schnelleren Gangarten beginnen, und Ihr möglichst tägliches (oder zumindest mehrmals wöchentliches) Training stufenweise langsam aufbauen. Bedenken Sie übrigens, dass das Aufwärmen im Winter immer etwas länger dauert, da die kalten Außentemperaturen eine schlechtere Durchblutung der peripheren Körperteile bewirken.
| | Tipps zur Vorbeugung von Sehnenverletzungen | | |
In meinen ‚Tipps zur Behandlung von Sehnenverletzungen’ habe ich die Ursachen und die Vermeidung von Sehnenverletzungen bereits kurz angesprochen, nun möchte ich dieses Thema etwas genauer behandeln.
Die Sehnen unserer Pferde sind natürlicherweise eigentlich sehr stabile Einrichtungen, sofern sie nicht durch schlechte Haltungsbedingungen, mangelhafte Hufkorrektur, ungenügendes bzw. falsches Training oder durch starke bzw. chronische Überlastung geschädigt und damit zu besonders verletzungsgefährdeten Schwachstellen werden. Alle diese Punkte greifen allerdings oft nahtlos ineinander über, sodass die jeweilige Ursache für einen Sehnenschaden im Nachhinein oft nicht mehr genau nachweisbar ist.
Sehen wir uns also die optimalen Bedingungen, die zu starken, beinahe unverwüstlichen Sehnen führen, etwas näher an und betrachten wir detailliert die einzelnen Risikofaktoren, die zu Schädigungen führen können.
Grundsätzlich sind alle Pferde Lauftiere, was wohl jedem hinlänglich bekannt sein dürfte, wobei allerdings nicht alle Menschen die genaue Bedeutung dieser Aussage richtig realisieren. Immer noch sind viele Laien, aber auch Pferdebesitzer und Reiter der Meinung, dass es genügen würde, dem Pferd täglich 1-2 Stunden Bewegung zu verschaffen. Leider hält sich genauso beständig die irrige Anschauung, man müsse das Pferd in dieser kurzen Zeitspanne einfach nur flott genug arbeiten lassen, dann wäre sein Bewegungsbedürfnis für den restlichen Tag voll und ganz gestillt. Wissenschaftliche Untersuchungen, aber auch eigene aufmerksame Beobachtungen können dies allerdings rasch widerlegen.
Feststeht, dass Wildpferde in der Natur die gemütliche Fortbewegung im Schritt stets den schnelleren Gangarten vorziehen werden, und dass dies für alle Körperbereiche – einschließlich der Sehnen – eine optimale Stimulation darstellt. Auch für das geistige und seelische Gleichgewicht des Pferdes ist diese ruhige Lebensweise eine wichtige Grundvoraussetzung. Natürlich legen auch Wildpferde hin und wieder kurze Strecken im Trab oder Galopp zurück, doch wird sich kein erwachsenes Tier jemals freiwillig länger als 10-15 Minuten durchgehend in schnelleren Gangarten fortbewegen. Werden sie durch irgendwelche Umstände oder Gefahren doch dazu gezwungen, stellt dies für sie eine große Stresssituation dar, nach der sie unbedingt eine ausreichende Phase der Erholung benötigen.
Vielen Reitern ist leider nicht bewusst, dass sie mit der oben angeführten Methode ihren Pferden tagtäglich ungeheuren Stress bereiten. Wenn die Tiere dann aus Erschöpfung ruhig im Stall stehen, meinen sie tatsächlich, das Beste für ihre Pferde getan zu haben. Ganz schlimm wird es, wenn sich solche unwissenden Menschen ein Vollblut kaufen, das natürlich grundsätzlich mehr Temperament als andere Pferderassen besitzt. Diese armen Tiere werden dann meist noch mehr durch die Gegend gehetzt, da man ihrem stärkeren ‚Bewegungsdrang’ nachkommen möchte, ohne dass bemerkt wird, wie sehr man diesen meist besonders sensiblen Geschöpfen damit eigentlich schadet.
Vielfältigste Verhaltensstörungen, vor allem aber geradezu hysterische Nervosität, sind meist die Folge dieser Behandlung, was dann oft fälschlicherweise als Rasseneigenschaft angesehen wird. Werden solche Tiere therapeutisch über längere Zeit hauptsächlich im Schritt geritten, entwickeln sie sich schnell wieder zu ausgeglichenen und nervenstarken Reitpferden.
Diese Problematik steht bei diesem Artikel allerdings nicht im Vordergrund, sodass ich sie zu gegebener Zeit in einem anderen Beitrag genauer behandeln werde. Mein Hinweis darauf soll hier nur als Denkanstoß dienen, um die tatsächlichen Bewegungsbedürfnisse unserer Pferde zu verdeutlichen.
Möglichst ganztägige ruhige Bewegungsmöglichkeit sollte also das Ziel sein, welches in einer Offenstallhaltung natürlich optimal gewährleistet ist. Für Jung- und Zuchtpferde und auch für Pferde, die reiterlich nur wenig beansprucht werden, stellt dies die perfekte Haltungsform dar, sofern die in einer Gruppe bzw. Herde zusammengehaltenen Tiere sich gut miteinander verstehen.
Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, dass nächtliche Boxenhaltung mit ganztägigem Koppelaufenthalt den meisten Pferden und ihren Bedürfnissen oft eher gerecht wird. Meine Pferde freuen sich jedenfalls, wenn sie die Nacht geschützt, ungestört und bequem in ihrer Box verbringen können, um sich dann gestärkt morgens auf der Koppel austoben und den restlichen Tag gemütlich dahinschlendernd frei bewegen zu können.
Hole ich sie dann zur Arbeit, haben sie immer noch genügend Energie, was bei Offenstallpferden nicht immer der Fall ist. Ranghohe Tiere, die immer über ihre Untergebenen wachen, aber auch rangniedere Tiere, die ständig vor unverträglichen Artgenossen fliehen müssen, sind selten so ausgeruht, dass sie wirklich gute Arbeit leisten können. Dies sei allerdings nur am Rande erwähnt, denn eigentlich geht es in diesem Beitrag ja vorrangig um die Sehnen unserer Pferde, für deren gesunde Entwicklung Haltungsformen mit – zumindest stundenweisen – freien Bewegungsmöglichkeiten unerlässlich sind.
Reine Boxenhaltung ist also Gift für die Sehnen der Pferde, aber was tun, wenn die einzigen in Frage kommenden Reitbetriebe keine Auslauf- oder Offenstallhaltung anbieten? Nun, ich persönlich würde meinem Pferd eine solche Unterbringung nie zumuten und lieber einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen, aber mir ist selbstverständlich klar, dass nicht jeder zu solchen Alltagserschwernissen bereit ist, sodass nach geeigneten Alternativen Ausschau gehalten werden muss.
Führanlagen und Laufbänder würden sich hier anbieten, wobei Letztere aber eigentlich nur für das Training gut ausgebildeter und wirklich gehorsamer Pferde geeignet sind, ansonsten stellen sie aufgrund zahlreicher Verletzungsmöglichkeiten eher eine Gefahr dar. Gibt es keine anderen Möglichkeiten, können Führanlagen einen gewissen Ersatz für freie Bewegung bieten (alles ist besser als völlige Untätigkeit!), doch sollte man die psychische Komponente nicht außer Acht lassen und die Situation einmal aus der Sicht des Pferdes betrachten. Wie wird es sich wohl fühlen, wenn es sich – nach ganztägigem Eingesperrtsein in einer Box – nun auf ebenso begrenztem Raum gezwungenermaßen in von Menschen vorgegebener Geschwindigkeit für eine ebenfalls von Menschen festgesetzte Zeitspanne in kontrollierter Weise bewegen muss?
Da finde ich die altbewährte Methode des Longierens bei weitem besser, denn dabei kann sich ein verspanntes Pferd auch einmal ein paar lösende Buckler erlauben, ohne dass es gleich zu verheerenden Folgen kommt (Führmaschinen können diesbezüglich sehr empfindlich reagieren!). Wenn der Pferdebesitzer selbst nicht genug Zeit hat, wird sich dafür möglicherweise ein Ausbilder oder auch ein engagierter Stallbursche finden. Unter Umständen wäre auch zu erwägen, ob man vielleicht eine(n) talentierte(n) Mitreiter(in) mit dieser Tätigkeit beauftragt. Es gibt übrigens auch heute noch pferdebegeisterte Mädchen, die sich freuen würden, wenn sie – sofern dafür geeignetes Gelände vorhanden ist – mit einem Pferd Spaziergänge machen dürften, was für beide Seiten eine willkommene und gesunde Abwechslung darstellen würde.
Haben wir bis jetzt unser Augenmerk vermehrt auf die Pferdehaltung gerichtet, so sollten wir uns nun eingehend mit dem für die Sehnen unserer Pferde optimalen Training beschäftigen. Der Bewegungsapparat des Pferdes ist – genau wie beim Menschen – aus verschieden zusammengesetzten Strukturen aufgebaut, die für ihre gesunde Entwicklung unterschiedliche Trainingsmethoden benötigen. Werden Muskeln vor allem durch schnellere Gangarten und Kraftanstrengung aufgebaut, so brauchen Knochen und Sehnen die bereits besprochene ruhige Fortbewegung auf möglichst hartem Boden, um die nötige Stabilität zu erlangen.
Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass Jungpferde über Monate hinweg auf Asphaltboden (der trotz seiner Härte eine gewisse Elastizität aufweist und somit den besten Trainingsuntergrund für Sehnen darstellt) zuerst geführt und dann geritten wurden. Heute nimmt sich dafür fast niemand mehr die Zeit, sodass diese Form der optimalen Sehnenstärkung wohl schon bald in Vergessenheit geraten wird.
Viel zu oft werden in wenigen Wochen wahre Muskelpakete auftrainiert, ohne zu bedenken, dass eigentlich zuerst das stabilisierende Knochengerüst und die alles verbindenden Sehnen gestärkt werden müssten. Dies rächt sich später mit diversen Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie eben z.B. Sehnenverletzungen.
Wenn Sie also Ihrem Pferd und damit indirekt auch sich selbst und Ihrer Geldbörse (tierärztliche Behandlungen sind in der Regel teuer!) etwas Gutes tun wollen, sollten Sie die Naturgesetze nicht einfach übergehen, sondern Ihrem Pferd die Zeit geben, die es zum Aufbau seiner Sehnen eben braucht. Wochenlanges Schrittreiten kann für manchen Reiter zwar eine Qual bedeuten, aber letztendlich werden Sie diese Mühen später nie bereuen, denn Ihr vierbeiniger Reitkamerad wird es Ihnen mit lebenslanger Gesundheit und hervorragender Leistungsfähigkeit danken.
Um einiges abwechslungsreicher und mindestens ebenso gesund sind natürlich Schrittausflüge in hügelige Waldregionen, wobei durch das abwechselnde Bergauf- und Bergabreiten auch noch die Muskulatur bestens gefördert wird. Achten sollte man allerdings vor allem bei Jungpferden auf geeigneten Untergrund, denn steinige Gebirgspfade können für ungeübte Tiere sehr viele Gefahren bergen. Langsames, behutsames Aufbautraining ist unter solchen Bedingungen ganz besonders angesagt!
Nach etwa 6-8 Monaten sollten Knochen und Sehnen dann eine wirklich starke Grundsubstanz aufgebaut haben, die sich auch so rasch nicht wieder abbaut. Danach kann mit dem üblichen Muskelaufbautraining begonnen werden.
Wie bereits erwähnt, ist also harter Untergrund für den Sehnenaufbau besonders wichtig, wohingegen tiefer Boden Gift für die Sehnen ist. Wenn sich Pferde ständig anstrengen müssen, um ihre Beine aus dem Boden herauszuziehen, kommt es – auch bei gut trainierten Pferden – rasch zu Überanstrengungen, die meist zu chronischen Sehnenscheidenentzündungen führen. Dies gilt sowohl für Reitplatz bzw. Reithalle als auch für den Koppelaufenthalt! Pferdebeine sollten maximal bis übers Fesselgelenk versinken, alles Weitere ist Tierquälerei!
Das Schlimmste, was ich bis jetzt gesehen habe, war ein Reitstall, der seine Pferde in einer Matschkoppel hielt, wo die Tiere bis zum Bauch im Schlamm versanken und nur mit Peitschenhieben wieder herausgebracht werden konnten. In meinen Augen unhaltbare, erbärmliche Lebensbedingungen für diese armen Geschöpfe, für die dortigen Pferdebesitzer stellte dies aber offenbar einen Normalzustand dar.
Aber auch das Gegenteil davon, nämlich ein zu harter Arbeitsuntergrund, kann enorme Belastungen für die Pferdesehnen bedeuten. Dann nämlich, wenn die Tiere darauf auch in schnelleren Gangarten geritten werden. Kurze Etappen werden zwar gesunden Pferdebeinen nicht schaden, aber ganze Trainingseinheiten von 20-60 Minuten Länge sollten nicht darauf absolviert werden, da es sonst zu Prellungen im Huf und auch an den Sehnen kommen kann.
Dies klingt nun wohl alles ein wenig kompliziert und verwirrend, sodass manch einer vielleicht der Meinung ist, diese Anforderungen niemals erfüllen zu können, doch so schlimm ist es auch wieder nicht. Irgendein passabler Kompromiss lässt sich bestimmt überall finden.
Zum Aufwärmen ein kleiner Spaziergang oder ein paar Runden in der Schrittmaschine, danach etwa 20-30 Minuten Arbeit auf dem Reitplatz und zum Abschluss ein halbstündiger Schrittausflug ins Gelände wäre z.B. eine optimale Trainingseinheit, die sowohl Sehnen stärkt als auch Muskeln aufbaut und zugleich auch noch den Geist Ihres Pferdes wachhält.
Es gibt allerdings viele Trainingsmöglichkeiten, und Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, doch einige Grundregeln sollten unbedingt immer beachtet werden.
1. Immer ausreichend aufwärmen, bevor Sie mit dem eigentlichen Training beginnen. Pferdebeine benötigen – je nach Außentemperatur – ca. 15-30 Minuten Schrittarbeit, bis sie ‚betriebswarm’ sind. Pferde, die den ganzen Tag im Stall stehen, brauchen verständlicherweise etwas länger, bis ihre steifen Muskeln und Gelenke in Gang kommen. Hat sich Ihr Pferd kurz vor dem Reiten gerade selbst ausgiebigst in der Koppel bewegt, geht dieser Vorgang natürlich schneller. Trotzdem sollte man dem Pferd einige Minuten Zeit geben, um sich auf das Reitergewicht einzustellen. Gleich nach dem Aufsteigen angeberisch loszugaloppieren ist eine schreckliche Unart, die den Pferden sowohl körperlichen als auch seelisch-geistigen Schaden zufügt! 2. Während des Trainings immer darauf achten, dass auf Phasen der Anspannung immer auch solche der Entspannung folgen, denn sonst kommt es zweifelsohne zu Verspannungen, die ebenfalls in Sehnenschäden münden können. Mehr zu diesem Thema in einem späteren Beitrag. 3. Überanstrengungen unbedingt vermeiden! Einmalige starke Anstrengungen nach forcierter oder zu langer Arbeit äußern sich meist sofort in Form von heißen und geschwollenen Sehnen oder Gelenken. Chronische Überanstrengungen, die meist durch Verspannungen entstehen, werden aber oft übersehen. Sind die Sehnen nur etwas wärmer und etwaige Schwellungen nur undeutlich sichtbar, misst man diesen ersten Anzeichen meist keine Bedeutung bei. Sind die Beine dann nach längerem Stehen ‚angelaufen’, wird dies als etwas völlig Normales gewertet, was aber keineswegs der Fall ist. Dies sind vielmehr Alarmzeichen überanstrengter Sehnen! Bei Nichtbeachtung dieser Symptome kommt es früher oder später garantiert zu bleibenden Sehnenschäden. 4. So wie das Aufwärmen vor dem Reiten ist auch das Abkühlen nach der Arbeit enorm wichtig. Am Ende jedes Rittes sollten mindestens 10 Minuten entspanntes Schrittgehen stehen. Wenn sich die Sehnen danach immer noch sehr warm oder gar geschwollen anfühlen, sollten die Beine unbedingt sofort einige Minuten kalt abgespritzt werden und danach eventuell mit einem Kühlgel, welches idealerweise Arnika enthalten sollte, eingerieben werden.
Ein Punkt, der ebenfalls gerne übersehen wird, ist die indirekte Bedeutung der Ausrüstung und des Reiters auf das Wohlbefinden der Pferdebeine. Da – wie bereits erwähnt – Verspannungen ein Auslöser von Sehnenproblemen sein können, wirken sich ein drückender Sattel, ein schmerzendes Gebiss oder auch ein schlecht sitzender Reiter diesbezüglich oft katastrophal aus. Darum sollte man sich als verantwortungsvoller Pferdebesitzer immer um die bestmögliche Ausstattung und auch um eine gute Reitausbildung bemühen.
Außerdem sollte jeder Reiter auf sein Pferd hören, wenn es ihm mehr oder weniger deutlich zu verstehen gibt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Leichte Unmutsäußerungen bis hin zu schweren Widersetzlichkeiten zeigen meist irgendwelche Schmerzen an und sollten nicht ignoriert werden, auch wenn das Problem nicht gleich erkannt werden kann.
So habe ich z.B. einmal meine Shagya-Araberstute an eine junge Frau zum Ausreiten verliehen, die mir hoch und heilig versprach, dass sie mit der noch wenig trainierten Stute sehr behutsam umgehen werde. Als sie nach etwa einer Stunde wieder mit ihr zurückkam, war das arme Tier nicht nur schweißgebadet, sondern hatte auch noch eine dick geschwollene Sehne am linken Vorderbein. Auf meine Anfrage hin, erklärte mir die Dame, dass sie nur vorgehabt habe, eine kurze Strecke zu galoppieren, doch da sich die Stute bereits nach wenigen Metern heftigst widersetzt habe, sei sie wütend geworden und habe das Tier nun vermehrt angetrieben. Die Folge davon – ein tiefer Sehneneinriss, der die sonst so verlässliche Stute für ein halbes Jahr lahmlegte. Die Reiterin hätte damals auf das Pferd hören sollen!
Last but not least können Sehnenverletzungen auch durch fehlerhafte Hufkorrektur oder vernachlässigten Hufbeschlag entstehen. Sind die Zehen zu lang, wurden zu steile oder zu flache Hufstellungen nicht ausreichend korrigiert oder die Seitenwände ungleichmäßig gekürzt, kann dies fatale Folgen nach sich ziehen. Durch Unsicherheitsgefühle oder Schmerzen beim Auffußen kommt es zu Verkrampfungen im Sehnenbereich, durch Stolpern oder Umknicken im Fesselgelenk kann es sogar zu Sehnen- oder Bändereinrissen kommen.
Darum sollten die Hufe jedes Pferdes regelmäßig vom fachkundigen Pferdebesitzer oder Hufschmied kontrolliert werden! Leider ist es gerade bei Freizeitreitern immer noch eine weit verbreitete Unsitte, den Hufschmied erst dann zu rufen, wenn es bereits Probleme gibt. Da dieser dann meist auch noch nicht sofort Zeit hat, muss sich das arme Tier oft viele Tage unnötigerweise mit schmerzenden Beinen herumquälen, wodurch sehr leicht bleibende Schäden entstehen können.
Sehnenverletzungen vorzubeugen erfordert also vom Pferdebesitzer bzw. Reiter sehr viel Aufmerksamkeit und auch Rücksichtnahme, lohnt sich aber im Ganzen gesehen durchaus, denn ein gesundes und glückliches Pferd ist dafür sicher ein zuverlässigerer und leistungsstärkerer Reitkamerad!
| | Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Sehnenschwäche | | |
Um das Thema ‚Sehnen’ vollständig abzurunden, wollen wir uns diese Woche mit der Sehnenschwäche beschäftigen. Es gilt hier zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Form zu unterscheiden, wobei Sehnenschwäche sowohl im Fohlen- bzw. Jungpferdealter durch schlechte Aufwuchsbedingungen als auch bei erwachsenen Pferden aufgrund starker Bewegungseinschränkung (z.B. nach schweren Verletzungen, aber auch durch extreme Vernachlässigung) entstehen kann.
Bei der angeborenen Form – die oft bedeutend schlimmer aussieht als sie es dann im Endeffekt ist – ist meist eine genetische Veranlagung die Ursache, aber auch die Ernährung der Mutterstute während der Trächtigkeit kann eine große Rolle spielen. Dabei ist Mangelernährung – die man im Allgemeinen nur der Mutter ansieht – meist nicht das Problem, eher wirken sich eine Vitamin-Überversorgung bzw. ein bestehendes Mineralien-Ungleichgewicht schlecht auf die Entwicklung des Fohlens aus. Vor allem die Unsitte, die Stute wahllos mit den verschiedensten hochwertigsten Futterzusätzen vollzustopfen, kann ganz verheerende Folgen haben.
Vitamine und Mineralstoffe sind Bestandteile der Nahrung, die vom Körper in kleinen Mengen für diverse Funktionen benötigt werden. Eine kurzfristige Über- bzw. Unterversorgung verkraftet der Organismus problemlos, doch verabreicht man über einen längeren Zeitraum zu viel davon, hat dies in den meisten Fällen dieselbe Wirkung wie bei einem chronischen Mangel. Werden extrem große Mengen aufgenommen, kann es sogar zu richtigen Vergiftungserscheinungen kommen.
Leider wird dieser Umstand von den Herstellern sämtlicher Futterzusätze nicht ausreichend deklariert, sodass den meisten Pferdebesitzern nicht klar ist, womit sie ihrem vierbeinigen Liebling letztendlich nützen oder schaden können. Nur den wenigsten dürfte bekannt sein, dass die Verabreichung mehrerer verschiedener Futterzusätze gleichzeitig äußerst negative Auswirkungen auf diverse Körperfunktionen haben kann.
Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen Vitamin- und Mineralstoffzusätze verwenden, achten Sie vor allem darauf, dass Sie nicht gleichzeitig Futtermittel (Fertigfutter), Leckerlis oder andere Zusätze verfüttern, die eine ähnliche Zusammensetzung aufweisen. Denken Sie daran, dass Pferde trotz großer Belastungen über Jahrhunderte nur mit Heu und ursprünglichem Getreide gefüttert wurden und dabei ebenfalls gesund und leistungsfähig geblieben sind, und wählen Sie dann möglichst einen gesunden Mittelweg.
Dies gilt selbstverständlich nicht nur für die Mutterstute, sondern auch für das Fohlen. So ist z.B. eine ausreichende Menge an Calcium für die Knochenentwicklung unerlässlich, ein Zuviel schadet aber auch hier, denn es macht die Knochen nicht härter, sondern poröser, da sie ihre Elastizität verlieren. Dasselbe trifft natürlich auch auf Sehnen und andere Strukturen des Körpers zu.
Ein weiterer Punkt, der bei Fohlen eine Sehnenschwäche erzeugen kann, ist die übertriebene Schonung derselben, wobei sich vor allem ungeeignete Auslaufmöglichkeiten sehr negativ auswirken können. Fohlen brauchen zur Kräftigung ihrer Sehnen, aber auch ihrer Hufe, Knochen und Gelenke einen möglichst großflächigen Auslauf mit festem Untergrund (idealerweise eine Wiese), wo sie sich ganz nach Belieben in allen Gangarten austoben können. Tiefe Böden schaden den Fohlen, sie überlasten die schwachen Sehnen nur noch, bevor diese die nötige Festigkeit erlangt haben.
Auch zu langes Stehen in der Box rächt sich später ganz bestimmt. Die Westernpferde eines mir persönlich bekannten Züchters, der die Stuten mit ihren Fohlen bei Schlechtwetter oft sogar wochenlang im Stall stehen lässt, sind allesamt nicht belastbar. Sehnen-, Gelenks- und Hufrollenentzündungen sind bei ihnen leider auch schon in jungen Jahren an der Tagesordnung.
Oberstes Gebot zur Vorbeugung und Behandlung von Sehnenschwäche – egal welcher Ursache – lautet also: Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung, womit aber möglichst entspanntes Freilaufen gemeint ist. Erzwungene Bewegungen und daraus resultierende Verspannungen haben bekanntlich eher negative Auswirkungen auf die Sehnenbeschaffenheit (Hauptentzündungsursache), und Fohlen werden sich brav an der Hand gehend wohl auch nicht richtig gut entwickeln können.
Sollten sich Tiere mit ganz starker Sehnenschwäche aber nur ungern freiwillig bewegen, sollte man sie dennoch immer wieder dazu animieren und falls nötig auch sanften Zwang anwenden. Bei Fohlen reicht es ja im Allgemeinen aus, wenn die Mutter von ihnen wegbewegt wird, mit älteren (auch kranken) Tieren sollte man am besten regelmäßig Spaziergänge machen, da dies auch bei Verletzungen die Heilung ankurbelt, bei Infekten die körpereigene Immunabwehr steigert und ebenso alle anderen Körperfunktionen (Kreislauf, Verdauung, etc.) in Schwung hält.
Außer durch Bewegung kann man auch mit Hilfe der Homöopathie die Sehnen nachhaltig stärken. Hier ist vor allem – wie bei allen Sehnenproblemen – Silicea sehr zu empfehlen. Als Silicea D12 wird es zweimal täglich (je 10-15 Tropfen), als Silicea D30 zweimal wöchentlich (je 10 Tropfen) je nach Bedarf über einige Wochen oder auch Monate verabreicht.
Wenn sich das betreffende Tier nur sehr ungern bewegt oder aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage ist, ist auch die Verabreichung von Aesculus D4 (dreimal täglich 10-15 Tropfen) angebracht, um die Durchblutung in den Beinen zu verbessern.
Sollte bei Fohlen tatsächlich ein Calcium- und/oder Vitamin D3-Mangel nachgewiesen sein, kann man natürlich auch gezielte Vitamin- und Mineralstoffgaben einsetzen. Auch Calcium carbonicum D12 (bei eher dicklichen, schwerfälligen Fohlen), Calcium phosphoricum D12 (bei dünnen, nervösen Tieren) und Calcium fluoratum D12 (allgemein bei Calcium-Mangel) können sich dann sehr positiv auf den Heilungsverlauf auswirken.
Unterstützend zu den anderen Behandlungen empfiehlt sich als Futterzusatz Gelatine (1EL dieses gelblichen Pulvers einfach unter die übliche Kraftfutterration mischen), welche normalerweise problemlos angenommen wird.
Bei Fohlen mit angeborener Sehnenschwäche ist oft auch ohne Eingreifen des Menschen bei guten Aufwuchsbedingungen nach etwa 2 Wochen eine Spontanheilung zu erwarten, doch können die oben angegebenen homöopathischen Arzneimittel diesen Verlauf noch kräftig unterstützen und sind deshalb sehr zu empfehlen.
Für alle Formen von Sehnenschwäche gilt, dass Sehnen langsam regenerierende Strukturen sind, die etwa 3 Monate von der oben angeführten Rundum-Behandlung und danach nochmals 3-6 Monate gezieltes Bewegungstraining benötigen, um wirklich stark und strapazierfähig zu werden.
| | Tipps zur Vorbeugung von Hufrehe | | |
Endlich angenehm warme, ja manchmal sogar schon frühsommerlich heiße Temperaturen, da schießt das Gras nur so aus dem Boden. Überall, wohin man schaut, saftiges Grün und blühende Wiesenblumen – ein Paradies für Pferde. Doch wie in jedem Paradies lauern auch hier Gefahren!
Jedes Jahr um diese Zeit (oder auch schon etwas früher) erkranken empfindliche Pferde durch zu üppige Gras- und Kleeaufnahme an Koliken oder auch an Hufrehe, wobei Letztere besonders gefürchtet ist, weil sie in vielen Fällen den Tod des betroffenen Tieres bzw. schwere Folgeschäden an seinen Hufen nach sich zieht. Bei rechtzeitiger und richtiger Behandlung kann die Krankheit zwar geheilt werden, aber meist bleibt zumindest eine lebenslange Rückfallbereitschaft im Organismus vorhanden, sodass bereits der kleinste Auslöser einen neuerlichen Hufreheschub bewirkt.
Bevor wir uns mit diesen auslösenden Faktoren und deren bestmöglichen Vermeidung im Tipp der nächsten Woche genauer befassen, möchte ich Ihnen diese häufige Erkrankung ein wenig näher vorstellen.
Unter Hufrehe versteht man eine Stoffwechselerkrankung, deren Ursachen vielfältig sein können, deren tragisches Endergebnis aber immer eine Huflederhautentzündung mit mehr oder weniger verheerenden Folgen ist. Die Huflederhaut befindet sich im Inneren des Hufes und ist für das Wachstum des Hufes zuständig, in ihr werden die neuen Zellen gebildet. Um diese Aufgabe optimal erfüllen zu können, muss sie gut durchblutet sein, und genau hier liegt ihr wunder Punkt.
Wenn es durch irgendwelche Umstände zu einer verminderten Durchblutung oder aber zu einer verstärkten Blutzufuhr mit daraus folgendem Überdruck kommt, kann das empfindliche Gewebe rasch absterben oder Entzündungen erleiden, die die gefürchteten Symptome der Hufrehe hervorrufen.
Die Hufe sind dann entweder heiß und der Saumrand dick geschwollen oder eher kühl und auch sonst unauffällig, aber die charakteristische Lahmheit ist annähernd die gleiche. Die Tiere zeigen anfangs einen klammen Gang, bis sie sich letztendlich gar nicht mehr bewegen wollen bzw. können. Dann stehen sie meist mit weit vorgestreckten Beinen und nach hinten geneigtem Körper reglos da. Auf diese Weise versuchen sie den besonders schmerzenden vorderen Hufbereich zu entlasten. Wenn ihnen dies nicht mehr ausreichend gelingt, legen sie sich meist nieder und sind dann nur noch schwer zum Aufstehen zu bewegen.
Bleibt dieser Zustand über einige Tage unbehandelt (oder auch falsch behandelt), so kommt es zu charakteristischen Deformierungen des Hufes und zur Hufbeinsenkung, welche sich in besonders schweren Fällen in einem Hufbeindurchbruch an der Sohle zeigt. Dies bedeutet dann meist das Todesurteil für das betreffende Tier, obwohl auch hier noch Heilungschancen bestehen, wenn der Pferdebesitzer die damit verbundenen Strapazen auf sich nehmen will und das Pferd den nötigen Lebenswillen aufbringt.
Die größte Gefahr bei solch hochakuten Fällen liegt vor allem in der bakteriellen Infektion des Hufes, die bei Nichtbehandlung durch Stehen auf verschmutzter Einstreu, aber auch auf natürlichem Erd- und Wiesenboden unweigerlich der Fall ist. Wie Sie in solchen Fällen Ihr Pferd erfolgreich schützen und behandeln können, erfahren Sie im Artikel über die Behandlung der Hufrehe, dem Tipp der übernächsten Woche.
Die sonst üblichen Hufveränderungen sehen folgendermaßen aus: Der vordere Hufhornbereich wird immer länger und schließlich an der Spitze knollig verdickt, und es zeigen sich über den ganzen Huf verteilt Ringe, die an der Vorderseite eng untereinander verlaufen, woran man erkennt, dass das Hufhorn hier zusammengestaucht wird. Diese Ringe verlaufen auf der Seite des Hufes alle in Richtung der Trachten. Der Hufsaum ist geschwollen und zeigt eine Kippung nach unten, die die Hufbeinsenkung anzeigt. Diese wird – wenn man die Sohle betrachtet – auch an einer stark verbreiterten und aufgelockerten weißen Linie erkenntlich.
Der Hufbeindurchbruch erfolgt übrigens im vorderen Sohlenbereich, wobei dieser Bereich aber auch bei einer nicht so drastisch verlaufenden Hufbeinsenkung extrem schmerzhaft und nach unten gewölbt ist, da es dort zu einer starken Entzündung mit Bluterguss kommt. Wird dieser vorgewölbte Teil der Sohle irrtümlicherweise weggeschnitten, so eröffnet man damit den Huf und legt die Hufbeinspitze frei, was dann denselben Effekt wie ein Hufbeindurchbruch bewirkt.
Die wohl häufigste Ursache für Hufrehe ist eine Überfütterung mit stark eiweiß- oder stärkehältigen Futtermitteln, also mit jungem Gras, Klee oder Getreide, aber auch unter Umständen mit melassierten Rübenschnitten bzw. Äpfeln, da der darin enthaltene Zucker eine ähnliche Wirkung zeigt. In all diesen Fällen entsteht im Magen-Darm-Trakt eine Fehlgärung, bei der das bakterielle Gleichgewicht aus den Fugen gerät und die daraus entstehenden toxischen Produkte in den Blutkreislauf gelangen. In den Hufen verursachen diese dann die erwähnten Symptome, indem sie die Blutgefäße schädigen bzw. verengen.
Vermieden werden kann diese Art der Hufrehe durch maßvolle, vernünftige Zuteilung dieser problematischen Futtermittel je nach Bedarf des einzelnen Tieres, sowie durch langsames Gewöhnen an die Weide im Frühjahr. Bringen Sie mehrere Pferde gemeinsam auf Ihre Weide bzw. Wiesenkoppel, so müssen Sie sich diesbezüglich an den Bedürfnissen des empfindlichsten Tieres orientieren. So konnte ich z.B. jahrelang alle meine Pferde nur für max. 1 Stunde pro Tag auf die Wiese entlassen, weil meine Haflingerstute sonst garantiert einen neuen Hufreheschub bekam.
Immer wieder passieren auch ‚Unfälle’, indem Pferde aus ihrer Box oder ihrer Koppel ausbrechen, um sich in Futterkammern oder benachbarten Getreidefeldern den Bauch vollzuschlagen. Darum ist es besonders wichtig, Zäune möglichst ausbruchsicher zu gestalten und sämtliche Koppel- oder Boxentürverschlüsse lieber doppelt zu kontrollieren, bevor man das Pferd alleine lässt. Manche Tiere sind übrigens wahre Meister im Öffnen von Türen, weshalb Riegel und dergleichen am besten immer so angebracht sein sollten, dass das Pferd sie unter keinen Umständen selbst erreichen kann.
Zu genau den gleichen Vorgängen wie bei der Überfütterung kann es auch durch eine abrupte Futterumstellung, durch bestimmte Pflanzengifte oder ebenso durch zu kaltes Trinken im erhitzten Zustand kommen, denn auch dabei werden nützliche Darmbakterien abgetötet und damit Stoffwechselgifte freigesetzt.
Deshalb sollten Futterumstellungen stets behutsam vorgenommen werden, also Schritt für Schritt über mehrere Tage hinweg ein Futtermittel durch ein anderes ersetzen, anstatt diese einfach ohne langsame Umgewöhnung an irgendeinem Stichtag plötzlich gegeneinander auszutauschen.
Giftige Pflanzen wiederum sollten möglichst nicht in Koppelnähe geduldet werden, aber auch beim Ausreiten ist tunlichst darauf zu achten, dass das Pferd nicht vielleicht irrtümlicherweise doch irgendwo einen Happen solcher unbekömmlicher Pflanzen erwischt. Im Normalfall hat das Pferd zwar einen sehr guten Instinkt diesbezüglich, aber bei besonders gefräßigen Exemplaren oder auch manchen unvorsichtigen Jungtieren kann es schon vorkommen, dass sie auch einmal etwas Giftiges naschen, vor allem dann, wenn es sich bei der betreffenden Pflanze um ein Gewächs aus anderen Ländern handelt, für die unsere Pferde nicht das richtige Gespür haben.
Viele Pferde sind auch klug genug, um sich nach schweißtreibenden Anstrengungen nicht gleich über kaltes Wasser herzumachen, andere aber haben da keine Bedenken und krümmen sich dann oft vor Bauchschmerzen (Koliken) bzw. erleiden womöglich sogar einen Hufreheschub, weil empfindliche Darmbakterien durch den plötzlichen Temperatursturz abgetötet wurden und damit die bereits beschriebenen Folgen eintreten.
Auch hier kommt es ganz genau wie bei den anderen Punkten immer auf die individuelle Empfindlichkeit des Tieres an, denn manche vertragen einfach alles, sogar kübelweise Kraftfutteraufnahme, andere reagieren schon auf Kleinigkeiten höchst sensibel. Trotzdem würde ich jedem Pferdebesitzer raten, es nicht auf irgendein Risiko ankommen zu lassen.
Was das Tränken anbelangt, so wird meist geraten, das Pferd mit Trense zu tränken oder auf das dargereichte Wasser ein Büschel Heu zu legen, damit nicht so viel auf einmal davon aufgenommen werden kann. Reitet man jedoch wie ich mit gebissloser Zäumung fällt Ersteres schon mal weg, hat man dann auch noch ein eher heikleres Pferd, dann wird dieses bei der zweiten Methode die Wasseraufnahme wohl eher ganz ablehnen. Ich biete deshalb im Winter meist leicht temperiertes Wasser an, im Sommer hingegen warte ich einfach 10-20 Minuten mit dem Tränken. Da ich meinen Pferden sowieso als ersten Durstlöscher ein paar Karotten oder Äpfel gebe, überstehen sie diese Wartezeit problemlos.
Eine neuerdings – genau wie bei uns Menschen – immer häufiger vorkommende Ursache für Hufreheschübe können auch Allergien auf bestimmte Futtermittel sein. So hatte ich selbst zwei Pferde, die bereits nach dem Verzehr von 2-3 Maiskörnern oder einem Maisstengel deutliche Hufrehesymptome zeigten, von denen sie sich immer erst nach einigen Tagen wieder erholten. Eines dieser Pferde reagierte auch auf Äpfel und Karotten in ähnlicher Weise. Dieses Tier bekam auf solche Futtermittel gleichzeitig auch verstärkten allergischen Husten.
Eine andere mögliche Ursache ist eine zu starke Belastung der Hufe bei Reiten auf zu hartem Boden. Vor allem lang anhaltendes Traben und Galoppieren auf z.B. hart gefrorenem Untergrund kann bei Rassen mit eher weichen Hufen, wie z.B. Haflingern, an einem oder beiden Vorderbeinen, seltener auf allen vier Beinen, Hufrehe auslösen. Durch die ständige Hufprellung kommt es zur Huflederhautentzündung, die sich meist nicht so hochakut wie bei der fütterungsbedingten Hufrehe, sondern eher nur durch klammen Gang und geringgradige Hufdeformierungen äußert.
Verhindern kann man diese Art der Hufrehe nur durch etwas Rücksichtnahme auf das Pferd, wenn die Bodenbeschaffenheit eben nicht für schnelles Reiten geeignet ist, oder aber durch eine Unterbringung des Pferdes in einem Reitstall mit Halle, wo man während schlechter Wetterbedingungen auf dem weichen Hallenboden trainieren kann. Eventuell käme bei solch empfindlichen Tieren auch ein gepolsterter Hufbeschlag in Frage.
Gleichzeitig muss aber auch festgestellt werden, dass Pferde, die für eine Belastungshufrehe anfällig sind, meist auch eine chronische Überfütterung aufweisen, wodurch sich das Hufhorn auflockert und instabiler wird. Deshalb ist es bei solchen Tieren besonders wichtig, darauf zu achten, dass Übergewicht konsequent abgebaut wird und die Futterrationen dem tatsächlichen Verbrauch angepasst werden. Auch wenn manche Pferde ohnehin schon sparsamer gefüttert werden, können sie unter Umständen immer noch relativ zu viel fressen, weil sie vielleicht einfach zu gute ‚Futterverwerter’ sind. Genau wie bei uns Menschen funktionieren nämlich auch bei den Pferden die Stoffwechselvorgänge nicht bei jedem Individuum gleich gut und schnell.
Eine ebenfalls nicht so selten vorkommende Form der Hufrehe ist die so genannte Geburtsrehe. Sie entsteht, wenn die Nachgeburt den Uterus nicht rasch genug verlässt, sondern sich darin zersetzt und damit ebenfalls eine bakterielle Entzündung und Eiweißanreicherung im Blut bewirkt. Deshalb ist es besonders wichtig, die Stute nach der Geburt genauestens zu beobachten, um möglichst rasch eingreifen zu können, wenn sich die Nachgeburt nicht innerhalb weniger Stunden von selbst vollständig löst.
| | Tipps zur Behandlung von Hufrehe | | |
Da ich selbst bei der Behandlung dieser Krankheit mit der Schulmedizin schon leidvolle Erfahrungen machen musste, mit Hilfe der Homöopathie aber sogar schon angeblich aussichtslose Fälle heilen konnte, würde ich jedem Betroffenen empfehlen, die folgenden Heilmittel auszuprobieren, bevor Sie zusehen müssen, wie Ihr krankes Pferd sich schmerzvoll durch die Gegend schleppt und letztendlich in vielen Fällen dann doch eingeschläfert werden muss.
Wenn Sie der Homöopathie doch noch ein wenig skeptisch gegenüberstehen, können Sie diese Heilmittel auch parallel zu der schulmedizinischen Behandlung anwenden, obwohl die Wirkung dadurch ein wenig geschmälert wird, weil der Körper vermehrt mit dem Abbau der synthetischen Arzneien beschäftigt ist. Dies ist auch meines Erachtens nach der Hauptgrund, warum die Hufrehe durch die klassische Schulmedizin nur selten geheilt, ja sogar oft noch verschlimmert wird.
Die Hufrehe ist – wie wir schon in den früheren Beiträgen gehört haben – eine Stoffwechselerkrankung bzw. –vergiftung, die die Leber des erkrankten Tieres sowieso schon vor höchste Aufgaben stellt. Synthetische Medikamente, die ebenfalls von der Leber abgebaut werden müssen, belasten diese nun noch mehr, was dann manchmal sogar zu einem völligen Zusammenbruch dieses Organs führen kann. Deshalb empfehle ich die alleinige Verwendung von homöopathischen Heilmitteln.
Je nach Ursache und Symptomatik des einzelnen Krankheitsfalles kommen verschiedene Arzneien zum Einsatz, wobei bei Hufrehe ganz besonders wichtig ist, dass die Behandlung so schnell wie möglich gleich bei den ersten Symptomen erfolgt, damit es nicht zu äußerst schwierig und langwierig therapierbaren chronischen Schäden kommt.
Im hochakuten Anfangsstadium einer Hufrehe, bei der das Pferd deutliche Fiebersymptome zeigt und meist stark schwitzt, sowie dessen Hufe heiß und am Kronrand geschwollen sind, ist BELLADONNA D6 das wichtigste Mittel, von dem anfangs stündlich (2-3mal), danach alle 2 Stunden 10-15 Tropfen verabreicht werden sollten, bis das Fieber gesunken und die extreme Hitze aus den Hufen verschwunden ist. Danach ist dieses Mittel sogleich abzusetzen.
Handelt es sich um eine so genannte Futtermittelrehe, also um eine Hufrehe, die durch Überfütterung, Futtermittelunverträglichkeit oder auch Vergiftung zustande gekommen ist, wirkt NUX VOMICA D6 als hervorragendes Entgiftungsmittel, welches vor allem in Kombination mit AESCULUS D4 (dient der Durchblutungsförderung) und CALCIUM FLUORATUM D12 (fördert den Wiederaufbau gesunder Hornsubstanz) wahre Wunder wirken kann. Diese Arzneien sollte man 3mal täglich verabreichen, bis alle akuten Krankheitssymptome beseitigt sind. Gibt man die Mittel einzeln, stellen 10-15 Tropfen eine Gabe dar, als Mischung werden 30 Tropfen auf einmal gegeben.
Diese homöopathische Mischung hilft auch dann, wenn es bereits zu einem Hufbeindurchbruch gekommen ist, doch sollte in einem solchen Fall unbedingt zusätzlich SILICEA D30 (1mal täglich 10-15 Tropfen) verabreicht werden, welches eine zusätzliche Eiterbildung verhindert bzw. heilt und außerdem beim Knochen- und Hornaufbau beste Dienste leistet. Desgleichen ist dieses Mittel sehr empfehlenswert, wenn das erkrankte Tier aufgrund der vermehrten Sehnenbelastung bereits deutliche Symptome der Überanstrengung in diesem Bereich, wie z.B. Sehnenschwellung oder -verhärtung, zeigt.
Dies ist auch dann oft der Fall, wenn es sich um eine Belastungshufrehe handelt, die durch langes und flottes Reiten auf zu hartem Boden oder durch einseitig vermehrte Belastung (wenn das Pferd das andere Bein aus irgendwelchen Gründen stark schont) entstehen kann. Für diese Art der Hufrehe hat sich vor allem ARNICA D12 (das Mittel der Wahl bei sämtlichen Verletzungen) ebenfalls in Kombination mit AESCULUS D4 und CALCIUM FLUORATUM D12 bestens bewährt. Auch diese Mischung wird 3mal täglich (jeweils 30 Tropfen) verabreicht, bis das Pferd wieder schmerzfrei gehen kann.
Bei extrem starker Lahmheit, die durch jegliche Bewegung verschlimmert wird, kann auch noch BRYONIA D8 (3mal täglich 10-15 Tropfen) gute Dienste leisten. Bei starken Schwellungen im Kronrandbereich ist möglicherweise auch noch APIS D4 (3-5 Gaben im Abstand von jeweils 2 Stunden) angezeigt.
Die Geburtsrehe, die durch Nachgeburtsverhaltung zustande kommt, erfordert wieder eine andere Behandlung. Sie benötigt vor allem PYROGENIUM D30, welches die bakterielle Infektion bekämpft, und LACHESIS D8, welches zuverlässig bei allen Blutvergiftungen wirkt (kann auch bei Futtermittelvergiftungen angewandt werden). PYROGENIUM D30 wird im hochakuten Fall stündlich (jeweils 10 Tropfen) und nach Abklingen der fieberhaften Erscheinungen 1mal täglich verabreicht. LACHESIS D8 kann gemeinsam mit Pyrogenium gegeben werden (10-15 Tropfen pro Gabe), sollte aber aufgrund der niederen Potenz auch im weniger akuten Zustand 3mal täglich Anwendung finden.
Sobald kein Fieber mehr vorhanden ist, sollte auch diese Form der Hufrehe mit AESCULUS D4 und CALCIUM FLUORATUM D12 – wie oben beschrieben – nachbehandelt werden, wobei auch NUX VOMICA D6 zur weiteren Entgiftung nicht schaden kann.
Um Leber und Nieren bei ihrer Entgiftungsarbeit zu unterstützen, können außerdem noch FLOR DE PIEDRA D3 und BERBERIS D4 (1mal täglich je 10 Tropfen) Verwendung finden.
Chronische Hufreheschäden werden mit SILICEA D30 (1-2mal wöchentlich 10-15 Tropfen) beseitigt, bei sehr kalten Hufen wird die Durchblutung zusätzlich mit AESCULUS D4 (3mal täglich 10-15 Tropfen) gefördert.
Akute Krankheitsschübe bei Pferden mit chronischer Hufrehe werden wie hochakute Hufrehefälle (so wie oben beschrieben) behandelt.
Begleitend zu diesen homöopathischen Therapien sollte ein Pferd mit hochakuter Hufrehe nur wenig getränkt und sparsam gefüttert werden. Zuviel Wasserzufuhr erhöht die Schwellungen und damit den Druck in den Hufen, zuviel Futter belastet die Leber zusätzlich und führt zu neuerlichen Vergiftungserscheinungen. Nach 2-3 Tagen kann das Pferd wieder soviel trinken, wie es will, die Futterration sollte aber auch weiterhin stark reduziert bleiben, bis völlige Schmerzfreiheit gegeben ist. Meist bleiben solche Tiere aber auch nach Ausheilung der Krankheit sehr empfindlich, sodass auch danach auf beste Futterqualität und nicht zu üppige Mahlzeiten geachtet werden sollte.
Heiße Hufe während eines akuten Hufreheschubes sollten mehrmals täglich mit kaltem Wasser abgespritzt werden, nach ein paar Tagen sind dann meist Wechselduschen mit abwechselnd kaltem und angenehm warmem Wasser zielführender, weil sie die Durchblutung besser anregen.
Ist bereits ein Hufbeindurchbruch eingetreten, so muss ein Hufverband angelegt werden, damit es zu keinen Infektionen kommen kann. Ich habe dabei beste Erfahrungen mit Schwedenbitter-Umschlägen (Schwedenbitter ist ein hochprozentiger Alkohol, dem sog. Schwedenkräuter – eine spezielle Kräutermischung, die in der Apotheke erhältlich ist – zugesetzt wurden.) gemacht, die sowohl desinfizierend als auch heilungsfördernd wirken.
Was letztendlich die Bewegung des erkrankten Tieres anbelangt, so gehen diesbezüglich die Meinungen stark auseinander. Die Pferde gewaltsam über längere Zeit durch die Gegend zu treiben, ist meiner Meinung nach sinnlose Tierquälerei und belastet die Hufe noch viel mehr. Erstens sollten die betroffenen Tiere nur auf weichem, aber nicht zu tiefem Boden bewegt werden, zweitens genügt durchaus zügiger Schritt, um die Hufpumpe zum Arbeiten zu bringen und damit die Durchblutung und Entgiftung zu unterstützen. 3-4mal täglich für jeweils 10-20 Minuten sollte sich aber jedes Hufrehe-Pferd doch bewegen, um den Blutkreislauf und den ganzen Stoffwechsel anzuregen.
| | Tipps zur Vorbeugung von Koliken | | |
Diesmal wollen wir uns mit der wahrscheinlich gefürchtetsten Magen-Darm-Erkrankung des Pferdes, der Kolik, beschäftigen, wobei ich diese und nächste Woche mein Hauptaugenmerk auf die Entstehung und Vermeidung von Koliken richten möchte, während der Tipp der übernächsten Woche der Behandlung von Koliken gewidmet sein wird.
Nun, was genau ist denn eine Kolik? Man versteht darunter das äußerst schmerzhafte, krampfartige Zusammenziehen eines Hohlorganes. Koliken gibt es also nicht nur im Magen-Darm-Trakt, sondern auch bei anderen Organen, wie z.B. den Nieren oder der Blase. Sehr gefürchtet ist beim Menschen auch die Gallensteinkolik, die meist durch Verlegung des Gallenblasenausganges durch einen größeren Gallenstein hervorgerufen wird – eine Erkrankung, die es beim Pferd in dieser Art nicht gibt, da diesem eine Gallenblase fehlt. Als Ausgleich dazu besitzt es allerdings einen riesigen Blinddarm, der für die Verdauung des Pferdes – im Gegensatz zu uns Menschen – von großer Bedeutung und deshalb auch besonders störanfällig ist.
Der Magen-Darm-Trakt des Pferdes ist überhaupt ein äußerst empfindliches Organ, das von Natur aus darauf ausgerichtet ist, große Mengen an verhältnismäßig schwer verdaulichem Futter bedarfsgerecht aufzubereiten und damit für den Körper verwertbar zu machen. Diese Arbeit wird hauptsächlich von Darmbakterien verrichtet, die in besonderer Vielfalt und in großen Mengen vor allem im Blinddarm beheimatet sind.
Damit diese Verdauung optimal erfolgen kann, ist erstens eine möglichst gleich- und regelmäßige, nicht zu üppige Befüllung des Darmes erforderlich. Zweitens sollte der Hauptanteil der Nahrung aus Gras und Raufutter bestehen, und drittens braucht das Pferd für die Aufbereitung dieses Futters sehr viel Ruhe. Wenn eine oder mehrere dieser drei Kriterien nicht erfüllt werden, kommt es früher oder später – je nach Konstitution des Pferdes – zu mehr oder weniger ausgeprägten Verdauungsstörungen, die in vielen Fällen in einer Kolik gipfeln können.
Koliken können durch allgemeine Überfütterung, durch zu rasche Futterumstellung, durch unverträgliche Futtermittel oder Giftpflanzen, durch nicht artgemäße und bedarfsgerechte Futterzusammensetzung, durch extrem unregelmäßige Fütterungszeiten, durch vermehrten Stress während des Fressens, aber auch bei genereller Stressbelastung mit fehlenden Ruhephasen ausgelöst werden.
Anhand dieser vielen Möglichkeiten wird bereits ersichtlich, dass vor allem auf gesunde, artgerechte Haltung und Fütterung größter Wert gelegt werden sollte. Dies beginnt bei der Aufteilung der täglichen Futtermenge auf mehrere, nicht zu große Rationen, denn wenn die einzelnen Mahlzeiten zu weit auseinanderliegen, kommt es erstens zu einem Absterben der so wichtigen Darmbakterien mit dadurch verbundenen Fehlgärungen und zweitens durch das gierige Verschlingen des in Folge natürlich relativ zu hohen Futterangebotes zu einer Magenüberladung, die – da das Pferd nicht erbrechen kann – sogar zu einer Magenzerreißung führen kann.
Auch sollte stets ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rau- und Kraftfutter bestehen, wobei Kraftfutter immer den kleineren Anteil der Nahrung ausmachen sollte, um Verdauungsstörungen tunlichst zu vermeiden. Vor allem bei Pferden ohne oder mit sehr geringen Arbeitsleistungen ist es allemal besser gar kein Kraftfutter als zuviel davon zu verabreichen.
Besonders pelletiertes Futter, das nur aus feinen, mehligen Bestandteilen besteht, kann – wenn es als Alleinfutter verwendet wird - die Magen- und Darmschleimhaut verkleben und reizen. Durch die fehlenden Ballaststoffe werden außerdem die natürlichen Darmbewegungen langsam lahmgelegt, bis es irgendwann zum gefürchteten Darmstillstand kommen kann. Deshalb ist es ganz wichtig, auch bei diesen Alleinfuttermitteln immer ausreichend Stroh anzubieten und wenn möglich auch ein wenig Heu zuzufüttern. Das ‚Ungleichgewicht der Nährstoffe’, das dadurch entstehen könnte, ist niemals so schlimm wie die Folgen von strukturarmer Ernährung.
Den Darm zu vermehrter Aktivität und damit unter Umständen auch zu leichten Kolikattacken animieren können z.B. auch Äpfel und Karotten, wenn sie in großen Mengen verfüttert werden. Ähnliche Reaktionen kann es auch bei Futtermittelunverträglichkeiten geben, die bei jedem Pferd individuell verschieden ausgeprägt sein können. Deshalb sollte man sein Pferd möglichst häufig beobachten, denn wenn es nach dem Verzehr bestimmter Futtermittel immer wieder deutliche Symptome von Unwohlsein, wie z.B. Unruhe und Gereiztheit zeigt, sich gelegentlich bis häufig nach seinem Bauch umsieht oder sich auch zeitweilig mit den Hinterbeinen auf den Bauch schlägt, sollte man dies sehr wohl ernst nehmen und solche Futtermittel je nach Stärke der Symptome meiden oder nur in sehr geringen Mengen anbieten.
Ähnlich können sich allerdings – je nach Empfindlichkeit des jeweiligen Tieres – auch unregelmäßige Fütterungszeiten bzw. sehr stressbelastetes Füttern auswirken. Wobei das eine Pferd es bereits als Stress betrachtet, wenn es bei der Futterzuteilung nicht als Erstes an die Reihe kommt oder das Nachbarpferd während des Fressens einen Blick über die Boxenwand riskiert, während andere wiederum sich durch fast gar nichts aus der Ruhe bringen lassen.
Was sich allerdings immer schädlich auf die Verdauung auswirkt, ist ein ständiges Gerangel während der Fütterung, wie man es bisweilen beim gemeinsamen Füttern von Offenstallpferden beobachten kann, wenn dort besonders futterneidige Tiere ihr Unwesen treiben. Dies muss zwar nicht unbedingt zu Koliken führen, aber so manches Magengeschwür liegt durchaus in solchen wiederholten Stresssituationen begründet. Deshalb ist es gerade bei solchen Haltungsformen notwendig, darauf zu achten, dass die Futterplätze unverträglicher Tiere möglichst weit auseinanderliegen, oder dass die Pferde während der Fütterung in getrennte Bereiche (Futterstand, Boxen) gesperrt werden.
Reiterlicher Stress sollte ebenso als Auslöser von Koliken nicht unterschätzt werden, denn wie bei uns Menschen schlägt sich auch bei den Pferden jeder Ärger und jede Angst auf den Magen-Darm-Trakt nieder und kann dort gravierende Störungen verursachen. Gibt es also beim Reiten regelmäßig Probleme zwischen Ihnen und Ihrem Pferd und zeigt Ihr Pferd immer wieder leichte oder auch schwerere Koliken, kann es da durchaus einen engeren Zusammenhang geben.
Hier sollte dann eine gründliche Problembearbeitung stattfinden, denn die Kolik ist dann nicht die Krankheit sondern nur das Symptom. Manchmal muss dabei die ganze Reiter-Pferd-Beziehung überdacht werden, bisweilen genügt es aber auch schon, wenn dem Pferd zwischen den einzelnen Arbeitseinheiten genügend Entspannungspausen geboten werden. Auch zeitweilige geruhsame Ausritte können so manchem hypernervösen Pferd helfen, seine Spannungen abzubauen und neue positive Energien zu tanken, die dann eine bessere Leistungsbereitschaft bringen.
Wird das Ausreiten selbst jedoch als Möglichkeit für ‚Wettrennen’ zwischen befreundeten Reitern genutzt, so wirkt dieses natürlich keinesfalls entspannend auf das Pferd, sondern erzeugt nur noch mehr Stress- und Angstgefühle in ihm. Leider glauben immer noch viele Reiter, dass auch ihren vierbeinigen Reitkameraden dies Spaß machen würde, aber das Galoppieren im Höchsttempo ist für ein Pferd immer gleichbedeutend mit Flucht – ein Gefühl, das in der Gruppe noch verstärkt wird. Diese Art von Aufregung wird von den verschiedenen Pferdetypen ganz unterschiedlich verarbeitet, sodass man dem Einen die Nervosität schon von weitem ansieht, während der Andere vielleicht nicht besonders auffällige Magen-Darm-Leiden oder andere Krankheiten bzw. Verhaltensstörungen entwickelt.
Aber auch verschiedene andere Faktoren können bei Pferden Stressgefühle erzeugen und sich unter anderem auf die Verdauung auswirken. Wenn Ihr eigentlich ganz gut trainiertes Pferd z.B. von jedem Ausritt – auch bei durchschnittlichen Außentemperaturen und nicht zu hohen Leistungsanforderungen – schweißgebadet nach Hause kommt bzw. während des Ausrittes immer nervöser und unkontrollierbarer wird, dann befindet sich Ihr Pferd während des Rittes – aus welchem Grund auch immer – in einer eindeutigen Stresssituation, die es ängstigt und nervös macht. Sie sollten dann gründlich überlegen, woran dies liegen könnte, und versuchen, an dieser Situation etwas zu ändern. Zwischenzeitlich können da auch Beruhigungsmittel auf homöopathischer oder anderer naturheilkundlicher Basis eine bessere Ausgangsposition zur Problembewältigung schaffen.
Da wir gerade beim Thema Überanstrengung und Schwitzen sind – hier kann noch eine zusätzliche Kolikgefahr bestehen, wenn nämlich das Pferd in erhitztem Zustand mit zuviel kaltem Wasser getränkt wird. Dieser plötzliche Temperatursturz im Darm kann sich nicht nur auf die Bakterien der Darmschleimhaut, sondern auch auf die Darmperistaltik negativ auswirken. Langsames, etappenweises Tränken bietet dem Magen-Darm-Trakt die Möglichkeit, sich langsam an die niedrige Temperatur zu gewöhnen.
Um der Darmflora die Möglichkeit zu geben, sich auf veränderte Bedingungen optimal einstellen zu können, sollten auch Futterumstellungen immer behutsam über mehrere Tage verteilt vorgenommen werden. Dies gilt ganz besonders natürlich auch für den Beginn der Weideperiode. Abruptes Absetzen des gewohnten Rau- und Kraftfutters bei gleichzeitigem Übergang zur alleinigen Grasfütterung geht an keinem Pferd ohne heftige Magen-Darm-Störungen vorüber.
Je nach Konstitution des Pferdes sind die Folgen davon entweder ‚nur’ tagelanger Durchfall, der auf entlegenen Weiden oft unbemerkt bleibt, oder aber auch leichte bis schwere Koliken bzw. die bereits in meinen letzten Tipps besprochene Hufrehe. Ratsam ist deshalb immer ein langsames Zufüttern von Gras schon vor der eigentlichen Weideperiode sowie Raufuttergaben zumindest während der ersten Tage des Weideaufenthaltes.
Weiters kann eine starke Verwurmung der Auslöser für eine Kolik sein, was sehr häufig bei jungen Weidetieren auftritt, wenn zu viele Pferde auf einer Weide gehalten werden und/oder die Beweidung zu lange und zu intensiv erfolgt. So genannte Geilstellen – die bevorzugten Kot- und Urinabsatzstellen der Pferde –, deren Gras normalerweise von den Pferden verschmäht wird, werden bei dieser Art der Weidehaltung aus Futtermangel schließlich doch abgefressen, wodurch die dort vermehrt vorhandenen Wurmeier nun massenhaft aufgenommen werden. Da während der Weideperiode die Tiere nur in den seltensten Fällen entwurmt werden, kommt es zu einer regelrechten Invasion von Würmern, die im Körper dieser Jungtiere großen Schaden anrichten und unter anderem auch zu Koliken führen können.
Aus diesem Grund ist es besonders bei Jungtieren wichtig, regelmäßige Entwurmungen durchzuführen (Beachten Sie bitte die Angaben des Beipacktextes der verschiedenartigen Wurmmittel!), Weideperioden nicht zu lange auszudehnen und im Bedarfsfall ausreichend zuzufüttern, um eine Überweidung zu vermeiden und die Darmflora gesund zu erhalten.
Aber nicht nur ein verstärkter Parasitenbefall, sondern auch bakterielle bzw. viröse Magen-Darm-Erkrankungen, die meist mit Durchfall und auch Blähungen beginnen, können unter Umständen zu Koliken führen. Deshalb mein guter Rat an alle Pferdebesitzer: Beobachten Sie das Kotabsatzverhalten Ihres Pferdes so oft wie möglich und werfen Sie – wenn Sie Ihr Pferd in der Box besuchen – auch einen Blick auf die Pferdeäpfel, um jegliche veränderte Beschaffenheit frühzeitig zu bemerken. Länger anhaltende und/oder immer wiederkehrende Durchfälle und Blähungen müssen unbedingt behandelt werden!
Das gleiche gilt auch für Verstopfungen und Fehlgärungen aufgrund von Fütterungsfehlern, die sowohl in akuter als auch chronischer Form durchaus gefährlich für das Tier werden können, wenn es etwa zu völligem Darmstillstand und zur Darmverlegung, bzw. zur Aufblähung einzelner Teile des Darmes und zu vermehrter Peristaltik kommt. Je nachdem, wieviel Darmbewegung in bestimmten Darmabschnitten vorhanden ist, können dabei auch Darmverschlingungen und –drehungen sowie Darmzerreißungen die Folge sein, welche in vielen Fällen das Todesurteil für das betreffende Pferd bedeuten.
Nur rechtzeitige Behandlung bereits bei den ersten Symptomen einer Kolik kann solche Komplikationen verhindern! Notoperationen können zwar oft noch das Leben des Tieres retten, aber der so behandelte Darm (der abgeschnürte Teil wird dabei meist herausgeschnitten) bleibt oft für die verschiedensten Reize extrem anfällig und kolikgefährdet.
Deshalb ist es von größter Bedeutung, Pferden nur Futtermittel bester Qualität anzubieten und auf ein bedarfsgerechtes Mischungsverhältnis der einzelnen Komponenten zu achten. Gerade im Bereich der Fütterung können zwar viele Fehler gemacht werden, aber andererseits kann hier auch der Grundstein für ein langes und gesundes Leben gelegt werden. Alles was dazu erforderlich ist, ist ein wenig Fachwissen, das sich jeder aus einschlägigen guten Fachbüchern aneignen kann, und ein wenig Zeit für die Beobachtung des betreffenden Pferdes, um etwaigen Verdauungsstörungen gleich auf den Grund gehen und ihnen entgegenwirken zu können.
Im Gegensatz dazu ist die so genannte Wetterkolik leider nicht vermeidbar. Sie kommt je nach individueller Neigung des jeweiligen Pferdes bei Wetterumschwüngen, extremen Temperaturstürzen, bei Föhn, kalten Stürmen, Gewitter etc. zustande und kann oft sehr heftig ausgeprägt sein. Da man als Pferdebesitzer keinen eigentlichen Einfluss auf das Wetter hat, kann man nur versuchen, das Pferd möglichst keinen negativen Wettereinflüssen direkt auszusetzen (Empfindliche Tiere bekommen leicht rheumatische Koliken, wenn sie z.B. kalten Regen längere Zeit über sich ergehen lassen müssen!) und seine Neigung zur Wetterfühligkeit ein wenig abzuschwächen.
Dies erreicht man am ehesten durch beste Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie gute Konditionierung des Pferdes und eine harmonische Beziehung zum Tier. Wenn sich Seele, Geist und Körper in einem gesunden Gleichgewicht befinden und sich das Pferd somit rundherum wohl fühlt, kann ihm auch das schlechteste Wetter nicht wirklich etwas anhaben!
Womit wir gleich einen hervorragenden Übergang zu einer weiteren nur schwer behandelbaren Ursache für Koliken haben, dem Luftschlucken von so genannten Koppern, die sich diese Unart meist aus Langeweile oder Nervosität, bisweilen aber auch aufgrund einer bereits bestehenden Magenreizung angewöhnt haben. Leider entwickelt sich dieses äußerst ungesunde Verhalten meist sehr rasch zu einer unkontrollierbaren Sucht, die nur schwer bekämpfbar ist, da sie dem Pfe | |