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Chauncey Thomas, Boston · Dogcart
Ein Schmuckstück aus den letzten Jahren eines bedeutenden Menschen und Kutschenbauers
KÜHNLE-Kutschen - Angebot der Woche
Informationen und Neuigkeiten aus dem Hause Kühnle





Chauncey Thomas, Boston · Dogcart · © 2008  
» Chauncey Thomas, Boston · Dogcart
Chauncey Thomas, Boston - sollten Sie damit etwas anfangen können? Wenn nicht - vermutlich sagt Ihnen der Name » Bugatti etwas - Hersteller von Luxusautos aus dem Elsaß. Der Mailänder » Ettore Bugatti (1881 bis 1947) war der Sohn von Carlo Bugatti, Möbelhersteller und Juwelendesigner im Jugendstil, und sollte, ganz in der Familientradition, Künstler werden. Der jüngste Bruder » Rembrandt (1884 bis 1916) war ein bekannter Bildhauer, dessen Werke heute noch auf Auktionen auftauchen.

Statt dessen entschied Ettore sich für die Ingenieurslaufbahn und gründete einige Jahre nach seinem Engagement bei Deutz in Köln die Automobilfabrik im elsässischen Monsheim, damals zum Deutschen Reich gehörig, deren Namensrechte seit 1998 Volkswagen gehören. Bugatti baute unter anderem auch Rennwagen, ein Bugatti gewann den ersten Grand Prix von Monaco, sein berühmtestes Modell gewann mehr als 2.000 Rennen.

In Monsheim wird dieser Tage wieder ein Bugatti gebaut, ein Überauto mit 1001 PS: der » Veyron (Spiegel Online: » "Da hebt die Kiste ab"), im Autosalon Singen für etwas über eine Million EUR zu haben.

Man hat dort sogar die Auswahl. Alle Modelle sind natürlich individuell ausgestattet. Sie können auch gerne noch eine Drittel Million drauflegen (» Interne Nummer: 8336_1), aber selbstverständlich auch eine Leasingfinanzierung wählen. Die Monatsrate beträgt bei diesem Modell ab 14.487,52 € - ach ja, die Mehrwertsteuer ist nicht ausweisbar. Außerdem wird eine Mietsonderzahlung in Höhe von 20% fällig (bevor Sie den Taschenrechner holen: etwa 270.000 EUR).

Was das mit Kühnle, Chauncey Thomas und der Kutsche dieser Woche zu tun hat? Eine ganze Menge. Fangen wir mit Chauncey Thomas an. Chauncey Thomas war ein bedeutender Mann, ein großer Konstrukteur, ein Künstler, Dichter und Schriftsteller, ein ehrenwerter Unternehmer, und unsere Kutsche ist kurz vor seinem Tode 1898 gebaut worden. Vermutlich wurde sie gezeichnet und konstruiert von » George W. McNear, der Anfang der achtziger Jahre bei Chauncey Thomas eingetreten war und es bis 1892 unter seinem herausragenden Chef zum Betriebsleiter gebracht hatte.

Zeichnungen von Thomas und McNear wurden oft in den führenden Zeitschriften gebracht: "Hub" und "Carriage Monthly". Hub könnte man mit "Nabe" übersetzen. Die Zeitschrift brachte häufig Artikel von und über Chauncey Thomas und auch seinen Nachruf, als er 1898 mit 76 Jahren starb. McNear wurde nach seinem Tode Teilhaber; die Firma hatte schon unter Thomas Karosserien für Autos gebaut und McNear machte sich dann einen Namen mit Karosserien für Packard, Rolls Royce und Duesenberg. Autos und Kutschen gehören also zusammen - aus den Kutschen entwickelten sich die Autos, aus den Kutschenbauern die Autobauer.

Durch die führende Fachzeitschrift Hub sind wir über die Geschichte und Person Chauncey Thomas gut informiert (» Carriage Museum of America). Er wurde 1822 geboren und hatte zunächst wenig Gelegenheit, sich zu bilden. Mit 15 Jahren wurde er Lehrling bei einem Kutschenbauer in Boston, aber die eigentliche Geheimnisse des Handwerks blieben ihm verborgen. Schließlich mußte er sich selbst durchbeißen und konstruierte eine Kutsche, die seinen Arbeitgebern Respekt abnötigte.

Mit 23 verließ er die kleine Gemeinde Bangor in Massachusetts und zog nach Boston. Boston war eine bedeutende Stadt mit vielen reichen und anspruchsvollen Leuten, die großartige Kutschen besaßen. Thomas war sehr begierig, zu lernen, studierte diese Kutschen Tag und Nacht, zeichnete viel, worauf er sich viel zugute hielt und einen Teil seines späteren Erfolges damit begründete.

Er fand eine neue Anstellung und wurde dort gleich als Konstrukteur eingesetzt, eine Blitzkarriere sozusagen. Eine Verletzung durch einen Unfall warf ihn allerdings für zwei Jahre zurück. In dieser Zeit bildete er sich selbst weiter in Astronomie, Geometrie, Trigonometrie, Algebra und Vermessungswesen, wodurch er eine Bildung erwarb, die ihm einen großen Vorsprung vor seinen Konkurrenten bescherte.

1851 konnte er sich selbständig machen, 1854 kehrte er kurz nach seiner Heirat nach Boston zurück. Er hatte als Geschäftsmann durchaus zu kämpfen und erinnerte sich später gegenüber den Herausgebern des Hub, daß niemand unter ihm zu leiden hatte, wiewohl er unter anderen litt. Ein Mann von inneren Werten also, die er auch öffentlich ausdrücken konnte. Das Carriage Museum of America bringt unter der erwähnten Adresse einen kompletten Vortrag, den er an der Metropolitan Museum of Art Technical School, New York, gehalten hat.

Darin entwirft er ein Bild seines Gewerbes, das nicht nur einen hohen ethischen, ästhetischen und technischen Standard verrät, sondern auch eine gesellschaftliche Perspektive. Zunächst verteidigt er den Kutschenbau gegenüber anderen angesehenen Wissenschaften und Künsten, etwa der Architektur, und weist nach, daß der Kutschenbau in keiner Hinsicht gegenüber diesen hochangesehenen Berufen nachsteht. Dann führt er die Anforderungen im einzelnen aus - in einer gewandten und flüssigen Sprache, die die Lektüre auch heute noch zum Vergnügen macht.

Später ist er sogar als Romanschriftsteller und Dichter hervorgetreten. Der Hub hat einen Zukunftsroman besprochen und Gedichte abgedruckt. In seinem Zukunftsroman entwirft er ein Goldenes Zeitalter - seiner Persönlichkeit gemäß konnte er sich die Schrecken, die das nächste Jahrhundert bringen würde, nicht vorstellen. Er war von dem technischen Fortschritt, dessen Entwicklung er miterleben konnte, zwar begeistert, aber vor allen Dingen kam es ihm auf die Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft an. Die technischen Visionen sind teilweise bemerkenswert, etwa der Flugverkehr, von dem zu seiner Zeit noch keine Rede sein konnte, oder die Verbrennung von Wasserstoff statt Öl, was heute noch nicht realisiert ist. Bedeutender ist aber die gesellschaftliche Vision.

Der Roman wurde 1891 unter dem Titel "The Crystal Button" veröffentlicht, vielleicht zu übersetzen mit "Die Kristallkugel". Die Geschichte spielt im Jahre 5000. Die Kristallkugel ist eine Geheimgesellschaft, der "Große Orden der Kristallkugel". Dieser Orden leitet die menschliche Gesellschaft zu großem Glück und übermäßiger Zufriedenheit. Das oberste Prinzip ist, in Wort, Gedanke und Tat ehrlich und wahrhaftig zu sein. Als Konsequenz wiegt Charakter mehr als Reichtum, Monopole sterben aus, Arbeitskämpfe erledigen sich allmählich, Friede und Wohlgefallen breiten sich auf Erden aus. Alles dies wird direkt aus den Umständen seiner Zeit als logische Konsequenz abgeleitet.

Ein bemerkenswerter Mann also, bemerkenswert aber vor allen Dingen durch seine Errungenschaften im Kutschenbau. Viele seine Erfindungen hat er zum Patent angemeldet, fast zwei Dutzend, seine Kutschen waren begehrt, seine Konstruktionen geschätzt, und selbstverständlich hat er auch eine bedeutende Rolle in der Organisation seines Gewerbes gespielt. Chauncey Thomas hat einen großen Eindruck bei seinen Zeitgenossen hinterlassen, und dank der Publikation des Carriage Museum of America kann sich jeder im Internet ein ausführliches Bild über den Mann und seine Kutschen verschaffen - man muß nur genug Zeit mitbringen.

Eine der einfacheren Kutschen aus seinen letzten Lebensjahren bieten wir derzeit an. Die Karre bietet Platz für vier Personen, wobei zwei nach hinten schauen. Der Stauraum unter der Sitzbank kann verschlossen werden oder als Stütze für die Füße dienen. Da man dort auch Hunde transportieren kann, heißt dieses Modell Dogcart. Unter Kutsche stellt man sich oft aufwendige Fahrzeuge vor, die zwei- oder vierspännig gefahren werden. Man darf aber nicht vergessen, daß solche Modelle erheblich mehr Platz benötigen und deshalb in Städten etwas unbequem sind. Fahrzeuge mit einer Achse, einspännig zu fahren, sind wesentlich unaufwendiger und flexibler und erfreuten sich deshalb einer großen Beliebtheit.

Thomas hat auch bei den Einachsern bedeutende Erfindungen gemacht. Die erwähnte Seite präsentiert zum Beispiel ein Modell, das als Kreuzung zwischen Omnibus und Hansom Cab bezeichnet werden könnte. Es ist interessant zu verfolgen, wie die Zeitgenossen auf dieses neue Modelle reagieren, genauer: die Fachzeitschrift Hub. Man muß sich das wohl so vorstellen wie die Auto-Fachzeitschriften heutzutage. Übrigens hat Bugatti, der ebenfalls nicht nur für seine technische, sondern auch für seine ästhetische Kompetenz berühmt war, auch einige Kutschen konstruiert, was weniger bekannt ist; selten taucht eine in der Öffentlichkeit auf, zum Beispiel eine Park Drag für den Eigengebrauch. Selbstverständlich ebenfalls hochelegant.

Chauncey Thomas hat zumindest hierzulande noch keinen so klingenden Namen wie Bugatti, aber das kann sich ändern. Wem war vor 50 Jahren der Name Bugatti ein Begriff? Damals haben die Brüder Fritz und Hans Schlumpf im Elsaß systematisch Bugatti-Fahrzeuge gesammelt und die weltgrößte Sammlung zusammengestellt, die heute im » Musée National de L'Automobile de Mulhouse präsentiert wird. Für Bugatti-Modelle sind bis zu 10 Millionen EUR geboten worden.

Man muß kein Hellseher sein, um vorauszusehen, daß diese Entwicklung im Bereich des Kutschenbaus ebenfalls kommen wird. Zunehmend wird uns bewußt, welche technischen und kulturellen Werte im Bereich des Kutschenbaus im 19. Jahrhundert entwickelt worden sind und die Grundlage für den heutigen Automobilbau bilden. Noch sind antike Kutschen vergleichsweise günstig zu haben. Da aber der Bestand natürlicherweise höchstens abnimmt, die Nachfrage aber mit Sicherheit steigt, wenn nicht unvorhergesehene Katastrophen eintreten, werden sich die Preise notgedrungen kräftig nach oben entwickeln müssen. Bereits jetzt sind allerorten bedeutende Kutschensammlungen entstanden, die natürlich das Qualitätsbewußtsein entsprechend schärfen.

Wo wir von Bugatti reden - » Bugatti ist auch als Marke für elegante Herrenkleidung etabliert. Diese wird von F.W. Brinkmann, Herford, hergestellt - sagt Ihnen das etwas? Pikeur? Eskadron? Wolfgang Brinkmann, Olympiasieger in Seoul? Sie sehen, Bugatti und Pferde gehören zusammen.

Unsere Kutsche von Chauncy Thomas ist heute noch billig zu haben - selbstredend auch mit Finanzierung, ohne Sonderzahlung und mit ausweisbarer Mehrwertsteuer.

http://kuehnle.de/g/0210

» Chauncey Thomas, Boston · Dogcart

Gebrauchtmodell 0210 · Chauncey Thomas, Boston · Dogcart

Lackierung Metallteile schwarz; Aufbau, Londen und Räder: Eiche mittelfarben, Stoffpolsterung grau

Einspänner / Tandem für Stockmaß 158 - 172 cm Antike Kutsche im originalen Bestzustand für Sammler, Sport und Freizeitfahrer. Radgröße 150 cm, Spur 148 cm Sitzbreite 95 cm, Sitzhöhe über Bockkeil 162 cm, Sitzhöhe auf Beifahrerseite 148 cm Dieses sehr schöne, historische Cart ist gebaut um ca. 1895 Preis incl. 16% Mwst.

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Kontakt
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Gründelweg 66 72221 Haiterbach-Beihingen
E-Mail   Gustav und Paul Kühnle » http://kuehnle.de
Tel. +49(0)170-730 7949 Fax +49(0)74 56 / 804

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