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Angebot für Kalenderwoche 06-04


http://kuehnle.de

 
   
 
 

http://kutschen.de

   
 
George IV Phaeton, Seriennummer 25832, Brewster, New York, Zweispänner
Über Bequemlichkeit und die Lust am Sammeln
KÜHNLE-Kutschen - Angebot der Woche
Informationen und Neuigkeiten aus dem Hause Kühnle





George IV Phaeton · © 2008  
George IV Phaeton
Brewster, New York · © 2008  
Brewster, New York
Nachdem wir vor zwei Wochen mit der  Park Drag gewissermaßen das Flaggschiff im Fuhrpark des begüterten Gentleman des 19. Jahrhunderts und in der letzten Woche mit der  Irischen Lustkarre ein extrem leichtes Fahrzeug vorgestellt haben, möchten wir Sie in dieser Woche mit einer Kutsche vertraut machen, die auf königlichen Wunsch entwickelt und gebaut wurde.

Daher hat diese Kutsche auch ihren Namen: "George IV Phaeton". Sie ist für den englischen König » George IV, 1762-1830, von 1820 bis 1830 König von Großbritannien und Hannover, gebaut worden, der in seiner Jugend ein ziemlicher Heißsporn war und entsprechend Kutsche gefahren ist - verglichen mit den heutigen Verkehrsverhältnissen, die schon allein aufgrund des enormen Verkehrsaufkommens extreme Disziplin erfordern, waren die jungen Leute damals ziemlich berüchtigt.

Nicht nur seine zügellosen Ausschweifungen, vor allem das Alter und vielleicht auch die Pflichten brachten allerhand Beschwernis mit sich. Der König wurde immer beleibter und daher fiel es ihm immer schwerer, auf die Kutsche zu klettern. Also bestellte er ein Modell mit niedrigem Einstieg und bequemer Sitzbank. Immer noch fuhr er selbst, aber natürlich nicht allein. Für den Bediensteten war der Platz hinten vorgesehen.

Sollte der König schläfrig werden (vielleicht auch unter dem Einfluß von » Laudanum, einer Mischung aus 90% Alkohol und 10% Opium, von der er vermutlich abhängig war), konnte er die Leinen an den Diener übergeben und seine Fahrt beruhigt fortsetzen. Zu diesem Modell gehörten gute Kotflügeln und eine wirksame Abschirmung gegenüber Dreck, der von den Pferden aufgewirbelt wurde.

Bequemlichkeit ist natürlich immer ein gutes Argument, und deshalb verwundert es nicht, daß dieses Design schnell aufgegriffen wurde. Das Modell "George IV Phaeton" war besonders unter Damen für die Spazierfahrt im Park beliebt und wurde deshalb auch als "Park Phaeton" verkauft. Die Kleider waren im 19. Jahrhundert ziemlich aufwendig und umfangreich und natürlich bodenlang; der niedrige Einstieg erleichterte die Kutschfahrt ungemein. Die Damen fuhren selbst und offenbar gar nicht so unforsch (» Curricles, Phaetons and Landaus - Oh My!!).

Die meisten Kutschen, die nach diesem Muster gebaut wurden, hatten ein Faltverdeck wie unser Modell. Immerhin konnte es regnen, und dann war ein solches Verdeck willkommen, wenn es auch nur unzureichend gegen die Witterung schützte. Recht eigentlich ist der "George IV Phaeton" aber ohne Verdeck zu verstehen, statt dessen mit einer Art Baldachin. Der König war nämlich so korpulent, daß mindestens 2 Diener ihm helfen mußten, in der Kutsche Platz zu nehmen. Da störte das Verdeck und der König ließ das Modell umbauen.

 
George IV Phaeton mit Baldachin
 
 
Vermutlich war diese Variante wenig windfest und kaum strapazierfähig. Schon die Abbildungen lassen zweifeln, daß man mit so einem Gefährt fahren kann, und vermutlich ist der König lediglich Schritt gefahren, bei windstillem Wetter und Sonnenschein.

Unser Modell hat Gustav Kühnle im Herbst 2005 bei einer der berühmten Auktionen von Martin's Auctioneers in Lebanon, Pennsylvania, erworben. Der "Philadelphia Inquirer" hat am 7. Oktober auf diese Auktion hingewiesen und dabei auch den "George IV Phaeton" erwähnt. Alle Kutschen ab 5000 US-Dollar waren im Katalog abgebildet, also auch diese Kutsche (» Philadelphia Inquirer).

Ursprünglich war Brewster lediglich in New Haven ansässig. James Brewster hatte nämlich 1809 eine Panne mit der Postkutsche in New Haven und ließ sich später dort nieder. 1810 eröffnete er sein Kutschengeschäft. Sein Vorfahre William Brewster war einer jener legendären Gründerväter, die 1620 mit der Mayflower in der neuen Welt ankamen. Er war kaum gebildet, hatte aber 1804 eine Lehre als Kutschenbauer begonnen (» Brewster Carriage Company Business New Haven, Connecticut Business News Journal, CONNTACT.com, Business New Haven). Sein Geschäft zog mehrmals um, weil die Firma wuchs, und schließlich bestellten sogar Präsidenten bei ihm. Da er überwiegend in die Südstaaten lieferte, wurde seine Firma durch den Bürgerkrieg enorm in Mitleidenschaft gezogen. Natürlich hatte auch Präsident Lincoln einige Kutschen von Brewster, unter anderem eine geschlossene Kutsche mit Stoffverdeck, die von seiner Witwe bis zu ihrem Tode benutzt wurde und nun der historischen Gesellschaft in ihrer Heimatstadt gehört (» Chicago Historical Society - Carriage).

New Haven liegt zwischen Boston und New York, näher an New York als an Boston (» Map of New Haven). In New Haven ist die berühmte Yale University beheimatet, deren Name jeder kennt. Mitte des Jahrhunderts gründete Brewster mit seinen Söhnen eine Niederlassung in New York, aus der die beiden Kutschen in unserem Besitz stammen.

Die Firma Brewster mußte sich gegen Ende des Jahrhunderts wie alle Kutschenhersteller der technischen Entwicklung anpassen und begann ebenfalls, Karosserien für das aufkommende Automobil zu bauen. Später widmete er sich auch dem Flugzeugbau, der allerdings nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht florierte. In den dreißiger Jahren wurde diese Abteilung verkauft und in Brewster Aeronautical Corporation umbenannt. Diese Firma baute ein Flugzeug, das dem Zweiten Weltkrieg eine gewisse Rolle gespielt hat (» Brewster XF2A-1).

Im 21. Jahrhundert wird mit der nötigen historischen Distanz immer deutlicher, welche Entwicklung der Kutschenbau in der Neuzeit genommen hat und welches großartige kulturelle Erbe wir damit übernommen haben. Die Bezeichnung "Phaeton" ist bekanntlich griechischen Ursprungs. Wie griechischen Kutschen ausgesehen haben, ist kaum dokumentiert. Der Kutschenbau begann erst im 17. Jahrhundert zu florieren, als die Straßen allmählich besser wurden. Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit des Kutschenbaus - unter anderem die vorzügliche Dokumentation  Equipagen-Handbuch /  Wagen-Atlas von Andres Furger erlaubt es, die gesamte Spannbreite der damaligen Produktion zu überschauen.

In der letzten Woche haben wir vom Fahrer gesprochen, der sich für diese Kutschen interessiert - es sind aber zunehmend auch die Sammler, die diese Stücke gar nicht fahren möchten, sondern ausstellen. Es entwickelt sich eine ähnliche Dynamik wie in anderen Bereichen wertvollen Kulturguts. Man möchte nicht nur wissen, was man vor sich hat, wie das Modell einzuordnen ist, wer diese Kutsche gebaut hat, sondern auch welche Geschichte mit diesem Objekt verbunden ist - die sogenannte Provenienz.

Angebot 9112, George IV Phaeton, Verdeck geschlossen · © 2008  
» Angebot 9112, George IV Phaeton, Verdeck geschlossen
Rückansicht, George IV Phaeton, verdeckt offen · © 2008  
» Rückansicht, George IV Phaeton, verdeckt offen

Unsere Kutsche hat eine Seriennummer, aber über die Vorbesitzer ist wenig bekannt. Möglicherweise wird sich eines Tages vollständig aufklären lassen, wer diese Kutsche gekauft und besessen hat. In der letzten Woche haben wir das Thema schon angesprochen. Auf diese Weise geht sogar der Sammler in die Kulturgeschichte ein. Im Bereich der Kunst kennt man das seit langem, bei den Kutschen ist es schon soweit.

Mit dem Erwerb einer solchen Kutsche kauft man also nicht einfach ein Fahrzeug mit zwei Achsen und vier Rädern, sondern ein Stück Geschichte, und wird gleichzeitig Teil der Geschichte. Kutsche fahren heißt Fahrsport, wenn der sportliche Aspekt betont wird, und Concours d'Élégance, wenn der geschichtliche im Vordergrund steht. Dazu gehört natürlich auch das passende historische Kostüm.

» Anne Wakefield-Leck ist eine amerikanische Sammlerin, die sich im letzten Jahr von einem großen Teil ihrer Sammlung getrennt hat; auf der Seite » Carriages of Anne Wakefield-Leck for sale finden Sie noch ca. 40 Modelle im Angebot. Selbstverständlich besitzt oder besaß Frau Wakefield auch einen "George IV Phaeton" und eine "Park Drag", die sie auch höchstpersönlich fuhr. Frau Wakefield ist in Amerika eine hochangesehene Persönlichkeit, die mehrere herausragender Positionen im Bereich des Fahrsports innehat und unter anderem als Richterin tätig ist.

Unser Modell "George IV Phaeton" spielt aufgrund seiner Beliebtheit in vielen historischen Romanen eine buchstäblich tragende Rolle (» All About Romance Novels - Carriages in Regency & Victorian Times). Man findet manchmal auch Kutschen, die kaum noch Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Entwurf haben und angeblich den Namen "George IV Phaeton" tragen (z.B. » George IV or Park Phaeton). Unsere Kutsche trägt diesen Namen zu Recht, mit der kleinen Einschränkung, daß der beleibte König später das Verdeck gegen einen Baldachin austauschen ließ. Nun ja, das ist ja normalerweise nicht nötig, womit sich der Gebrauchswert der Kutsche erhöht. Denn selbstverständlich kann man mit dieser Kutsche fahren - sie ist wie neu.

Originalgetreues, antikes Modell gefertigt 1898, komplett restauriert 2005. Farbe dunkelgrün, Linien rot, Beschläge Messing, Polsterung dunkelgrünes Tuch, Lederverdeck und Kotflügel schwarzes Leder, Verdeck innen dunkelgrünes Tuch.

Originalgetreues, historisches Modell, wie es in Fürsten- und Königshäusern benutzt wird. Spur 110 cm vorne, 138 cm hinten. Rad-Durchmesser vorne 78 cm, hinten 110 cm.

EUR 17.900
» Monatsrate nur 296,10





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Kontakt
Gustav und Paul Kühnle Kühnle Kutschenmanufaktur GmbH & Co. KG
Gründelweg 66 72221 Haiterbach-Beihingen
E-Mail   Gustav und Paul Kühnle » http://kuehnle.de
Tel. +49(0)170-730 7949 Fax +49(0)74 56 / 804

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