Dann machen wir uns auf den Weg nach Verónica, gut 350 Kilometer über gewöhnungsbedürftige Straßen. Ich frage mich, wie man dort wohl nach Einbruch der Dunkelheit fährt. Es gibt Löcher in den Straßen, die einem die ganze Achse wegreißen könnten, aber scheinbar kümmert das niemanden. Totmüde kommen wir nachts an der Escuela Alemana von Norbert Balk an und werden von Gabriela und der deutschen Praktikantin Beate sehr herzlich empfangen. Nach einem Willkommensessen ziehen wir uns in ein schönes Zimmer mit eigenem Bad zurück und schlafen, als wollten wir nie wieder aufwachen. Am nächsten Morgen erwarten uns ein ungewohntes, nämlich süßes Frühstück, sowie Norbert und Guillermo. Bald geht es zu den Pferden, die auf einem Areal Guillermos von etlichen Hektar Größe in der Nähe der Schule friedlich grasen. Mit zwei von den Stuten wollen wir arbeiten. Eine davon, Princesa, soll sehr schwierig und eigensinnig sein. Die Gauchos wären nicht damit zurechtgekommen, daher sei sie preiswert angeboten worden. Nun gehört sie Guillermo. Die andere Stute, Mulita, gehört Norbert Balk. Sie ist ein wenig scheu, aber unverdorben. Argwöhnisch verfolgt sie unsere Aktionen zunächst aus gebührender Entfernung. Die anderen Pferde und Fohlen nehmen ebenfalls neugierig Anteil. Norbert und Guillermo, die auf deutschem Kenntnisstand über die Pferdeszene nebst ihren gerade aktuellen Gurus sind, haben sich dort einen Piccadero gebaut. Die Erwartungshaltung an mich ist sehr hoch. Man wünscht sich eine Mischung aus » Monty Roberts, » Pat Parelli und vor allem Klaus Ferdinand Hempfling. Ich bin aber Friedhelm Splett und ich erkläre und zeige, was ich vermitteln kann. In den drei Wochen arbeiten wir intensiv vom Boden und vom Sattel aus mit den beiden Pferden. Dabei muß ich insbesondere Guillermo ein Kompliment machen. Als wir abreisen, hat er einen Kenntnis- und Könnensstand erreicht, für den ich zuhause bei talentierten Schülern viele Monate benötige. Er ist sehr talentiert und saugt alles, was ich ihm erkläre und zeige, wie ein Schwamm auf. Es macht mir viel Freude, mit ihm zu arbeiten. Norbert sucht eher die geistige Ebene zu den Pferden. Er ist von Hempfling fasziniert. Der hat auch mich ehemals stark beeinflußt und sicherlich einen Umdenkungsprozeß in der deutschen Pferdeszene mit initiiert.
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