Der Gaucho reitet aber ohnehin überwiegend über Zügeleinwirkung, Schenkelhilfen werden kaum verwandt. Alles wird mit einer Zügelhand erledigt. Damit wird gesteuert: Der äußere Zügel wird ohne Spannung zum obligatorischen Stangengebiß an den Hals angelegt und das erfahrene Pferd weicht sofort, weiß es doch aus Erfahrung, daß es ansonsten einen Klaps mit dem "rebenque" erhält. Das ist ein ca. 30-40 Zentimeter langer Stab, der an der einen Seite einen harten runden Knauf, an der anderen Seite eine Lederpatsche hat. Dieser rebenque wird dem Pferd auf der äußeren Seite an den Kopf gehalten, so daß es davor weicht. Da der Gaucho nicht zimperlich ist, kann man sich unschwer vorstellen, warum alle Pferde dem äußeren Zügel sofort weichen. Die Pferde sind sehr leicht zu reiten, sie "funktionieren" absolut zuverlässig. Aber dazu später mehr. Das Anhalten und Umdrehen der Pferde wird ebenfalls einhändig ausgeführt. Dabei wird der Zügel allerdings hart nach hinten bzw. hinten/innen angenommen. Ein Stop aus vollem Galopp dauert bis zu 15 Metern und ist mit unserem Verständnis nicht schön anzusehen. Der Gaucho legt keinen Wert auf Beizäumung bzw. eine tiefe Kopfhaltung. Er läßt das Pferd im Maul weitgehend in Ruhe. Außer bei Manövern kann es seine natürliche Selbsthaltung einnehmen. Auffällig ist, daß die meisten Pferde dabei von alleine eine sehr schöne tiefe Kopfhaltung einnehmen. Sporen habe ich nur zu Showzwecken im Einzelfall gesehen. Zu diesen festlichen Anlässen trägt der Gaucho auch die traditionellen Rohlederstiefel, die aus dem Leder des Hinterbeines eines Pferdes gewonnen werden. Diese Stiefel sind aus einem Stück; die obere Öffnung bliebt zum Einstieg, die untere Öffnung wird unter dem Fußballen zusammengeschnürt. Eintretendes Wasser kann hier sofort wieder abfließen. Bei der Alltagsarbeit trägt der Gaucho Gummistiefel oder Leinenschuhe ähnlich den spanischen espandrillos. Es gibt zwei Arten von Steigbügeln. Sehr enge Bügel aus unterschiedlichen Materialien, die soeben die Zehen aufnehmen. Mit diesen Bügeln werden Jungpferde eingeritten. Der Reiter darf dabei auf keinen Fall in den Bügeln hängenbleiben, wenn er stürzt. Die Alltagsbügel sind den Steigbügeln der Westernsättel ähnlich und sehr komfortabel. Immer sind die Bügel schwer, hängen quer zum Pferd und mit dem Fuß ausgesprochen leicht zu finden.
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