Ich erkläre ihm , daß ich nicht vorhabe, mit dem Pferd zu kämpfen, sondern es nur durch Körpersprache an mich binden, desensibilisieren und schließlich ein ausgewogenes Respekt- und Vertrauensverhältnis herstellen möchte. Dies soll die Basis sein, um mit dem Pferd weiterarbeiten zu können. Ich versichere, daß er sich nicht um sein Pferd sorgen muß. Allerdings gewinne ich den Eindruck, daß er eher um mich besorgt ist. Als ich ihm erzähle, daß ich in Deutschland ständig Bodenarbeit mit Pferden durchführe, daß es dort aber Wildpferde wie hier nicht gebe, daß bei uns die Pferde vielmehr mit ständigem Menschenkontakt aufwachsen und oftmals viel Vertrauen, aber wenig Respekt haben, erkennt er, daß ich mein Erfahrungssprektum erweitern und nicht die Methoden der Gauchos abwerten will. Deutlich merke ich auch bei meinen anderen Kontakten, daß man in diesem Bereich sehr schnell Befindlichkeiten stören kann. Schließlich willigt der Verwalter ein und wir verabreden einen Tag. Es sollen Gäste dazu eingeladen werden, sein Estanciero, der ehemalige deutsche Vizekonsul von Cordoba, der direkter Nachbar ist und einige Gauchos. Ich freue mich tierisch. Früh morgens brechen wir auf, um zu Arbeitsbeginn auf der Estancia zu sein. Wir haben den Kofferraum voller Lebensmittel, um uns an der Fiesta zu beteiligen. Als wir eintreffen, sind drei Gauchos und der Sohn des Verwalters damit beschäftigt, die Herde der Jungpferde in den Corral zu treiben. Es sind sehr schöne Pferde, etwa zweijährig. Die einzelnen Tiere waren noch nie vom Herdenverband getrennt. Ich suche mir spontan einen jungen Hengst aus. Er ist wild und schön. Es gibt keinen Zweifel - dieser ist der Richtige. Die komplette Herde wird zunächst in einen hinteren Corral getrieben. Ich verstehe nicht ganz, warum die Gauchos danach wieder in die Ferne galoppieren. Dies sollte mir aber später noch klar werden. In der Zwischenzeit unterhalten wir uns mit dem deutschen Vizekonsul, der hier nach seiner Pensionierung "hängen geblieben" ist, wie er erzählt - allerdings mit Stadtwohnung und 700 Hektar-Estancia. Er fährt uns zu seinem Anwesen und wir besichtigen sein Reich. Wirklich beeindruckend, aber dann geht es zurück. Der Verwalter schlachtet ein Schaf, zieht es ab, nimmt es aus und spannt das Fleisch sofort auf ein T-förmiges Metallkreuz, welches in den Boden gerammt wird. Daneben wird ein Feuer entzündet. Die Abstrahlwärme gart über 3 Stunden das Fleisch. Als Holzkohle aus den verbrannten Baumstämmen entsteht, wird diese vorsichtig unter das Fleisch geschichtet und gibt die Bräune. Es duftet vielversprechend. Diese Form des Grillens heißt asado al asador. Nun nähern sich die Gauchos wieder dem Anwesen, allerdings mit einer Herde von ca. 500 Rindern nebst Kälbern. Es ist ein Schauspiel ohnegleichen, unter ohrenbetäubendem Geblöke nähert sich zügig die Herde. Gekonnt wird sie in den Hauptcorral getrieben, geschickt treiben die Gauchos die Herde dann mehrfach in dem verzweigten Corralsystem um, bis die Jungtiere separiert sind. Jetzt setzt erst recht ein Geblöke ein, welches bis zum Abend nicht mehr verstummen soll. Die Kühe stehen auf der einen Seite vom Zaun, die Kälber auf der anderen. Die Kälber sollen markiert, und ggf. kastriert werden. Ich begreife, daß man diese Arbeit unseretwegen auf den heutigen Tag gelegt hat, uns uns daran teilhaben zu lassen.
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