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Bericht Zum Thema  Ausbildung · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 535.09 der Pferdezeitung vom 28.06.09
 Menü Hauptartikel 535
 Hängender Kopf und ... 
 Hufprobleme  Natürliches Reiten  Vollblüter
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Avalon und Samba vor zwei Jahren · © 2009
 
Avalon und Samba vor zwei Jahren

    Hängender Kopf und Haltung   
    Die Hufe Deines Pferdes und die Vollblutzucht   
von   Gudrun Schultz-Mehl

1:  Junger Reiter - junges Pferd
2:  Arbeit an der Hand
3:  Panikattacke - Schiefe - Übertreten
4:  Auf- und Absitzen - Leckerle
5:  Galopp an der Longe - Rückwärtstreten
6:  Die gute Hand und Schenkellage
7:  Der Sitz
8:  Anlehnung und ruhige Hand
9:  Motor spritzig zünden, nicht leiernd
10:  Diagonale Hilfengebung
11:  Ausweichen auf dem Zirkel
12:  Klassische Ausbildung
13:  Sie will sich beschweren
14:  Leichttraben und Aussitzen
15:  Reiten in der Halle, Balance
16:  Verstand und Gefühl
17:  Galopp: Dickmachen und Hochschlagen
18:  Galoppiert wie ein Schaukelpferd
19:  Cavaletti sind immer gut
20:  Springen über Hindernisse
21:  Richtlinien für Reiten und Fahren
22:  Losgelassenheit und Takt
23:  Einwirken mit den Zügeln
24:  Natürliche (klassische) Ausbildung
25:  Durchs Genick treten, stellen, schieben
26:  Wert der Hufschlagfiguren
27:  Die Rolle des Lernens
28:  Lockerheit nicht verlieren
29:  Reiten auf blankem Pferderücken
30:  Einfache Galoppwechsel
31:  Voreilige Versuche im Außengalopp
32:  Halbe Paraden und Versammlung

Zum Thema  Ausbildung


6. Mai 2009

Hallo ihr beiden, habt ihr ein schwungvolles Tänzchen in den Mai zusammen unternommen? Bei mir war der erste Maitag traurig, meine SAMBA, mein 'Sambele' hat mich an diesem Tag verlassen. Sie wäre am 19. Mai 15 Jahre alt geworden und ich hatte mich so gefreut auf diesen für einen so großen Hund stolzen Geburtstag.

Jetzt sind wir, Avalon und ich, zu zweit gar keine richtige kleine Familie mehr wie vordem. AVALON vermisst SAMBA zwar offensichtlich kaum, er will mich lieber ganz für sich allein; immer noch kommt ab und zu seine Verlustangst zum Vorschein, die er durch die mehrfachen Tierheimaufenthalte natürlich entwickelt hat. Sein ganzes kleines Hundeleben und seine Sicherheit setzt er auf mich.

Er ist jetzt anderthalb Jahre bei mir und inzwischen auch schon 9 Jahre alt. Nie würde ich ein Tier, sei es Hund, Pferd oder was auch immer, vor dessen Lebensende wieder fortschicken, wenn ich einmal die Verantwortung für sein Leben übernommen habe, aber das weiß AVALON ja nicht, seine bisherigen Erfahrungen sind anders, leider.

Zu Deiner letzten DVD, die ich vor etwa 10 Tagen erhielt, wäre wieder einiges zu sagen: Fangen wir mit dem Wichtigsten an, dem Sitz. Was Du anfangs gar nicht gemacht hast, das fällt mir leider zunehmend auf: das Runterschauen auf Hals und Kopf Deines Pferdes.

Das schönste lange Bein, zeitweise perfekt getragene und wirkende Hände, Deine passende Reiterfigur - alles wird zunichte gemacht durch den nach vorne gesenkten Kopf, der die so wichtige Stabilität Deiner Wirbelsäule beeinträchtigt und damit die Einwirkung durch Deinen Sitz.

Ich war in dieser Hinsicht eine lange Zeit in meinem jungen Reiterleben durchaus nicht besser, bis ich mehr und mehr begriff, dass die so genannte 'Kreuzeinwirkung' und andere korrekte Hilfengebung mit einem nach vorne hängenden Kopf erschwert oder fallweise sogar unmöglich ist.

Es ist nicht nötig, dass Du den Kopf in den Nacken legst, das wäre übertrieben und würde den Teufel mit Belzebub austreiben, weil Du Dich dabei in der Schulterpartie steif machen müsstest. Aber ein hängender Kopf und ein dadurch gefangener Blick nach unten, erwecken auch beim Zuschauer gewiss nicht den Anschein von Souveränität des Reiters.

Ich schrieb es schon einmal und wiederhole es, weil es wichtig ist: Du musst doch beim Autofahren auch auf die Straße vor Dir achten, statt auf die Kühlerhaube zu starren und auch im Gelände musst Du die Strecke vor Dir mit den Augen erkunden, wenn Du Dein Pferd sicher dirigieren willst. Also, schaue immer über den Kopf Deines Pferdes nach vorne, mit dem Blick dorthin, wohin Du reiten willst, nicht nach unten auf Hals und Kopf vom Pferd - was gibt es denn dort so Wichtiges zu sehen?

Du hast keinen Reitlehrer, der unten steht und Dich zehn, zwanzig mal während einer Stunde auf den hängenden Kopf hinweist. Das ist auch gut so, selbständiges Denken und Selbstdisziplin sind wesentliche Merkmale einer guten Reiterin! Du ärgerst Dich doch auch über Dein Pferd, wenn es mehrmals Deine Hilfen nicht beachtet, obwohl ihm diese lange bekannt sind, oder? Also: immer mal wieder an den hängenden Kopf denken und daran, wie unschön er auch rein optisch Deinen Sitz beeinflusst, ganz abgesehen von den Möglichkeiten der aufrechten Wirbelsäule, zu der auch die Halswirbel gehören.

Ich weiß natürlich auch, dass es sogar unter Spitzenreitern und Profis einige gibt und gab (z. B. den renommierten Nuno Oliveira), die trotz hängendem Kopf ihr Pferd ins rechte Licht reiten können oder konnten. Aber ehrlich gesagt tut ihrer Erscheinung auf dem Pferd der baumelnde Kopf doch starken Abbruch, in meinen Augen jedenfalls. Ich kann sie als noble Erscheinung auf dem Pferd weder bewundern noch als Vorbild sehen, allenfalls ihre Begabung, diesen Mangel durch anderweitige reiterliche Geschicklichkeit bezüglich der Einwirkung auf ihr Pferd auszugleichen.

Es ist das Verflixte beim Reiten, dass man immer zugleich auf Zwei achten muss: auf sich selbst und auf das Pferd. Viele Reiter beachten leider zuviel die Fehler ihres Pferdes und zu wenig ihre eigenen Fehler, die oft der Grund für die Fehler des Pferdes sind. Das führt zu keinem runden Ganzen. Reite also häufig wieder zu Fuß und beobachte dabei mit Deinem inneren Auge auch Dich selbst. Schaue Dir Deine Videos an, sie sind auch für Dich eine große Hilfe, Deine Fehler zu sehen. Als Kontrastprogramm brauchst Du natürlich dann Fotos und Filme mit Reitern, die Dir als Vorbild dienen können.




Hufprobleme


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© 2009
 
© 2009
 
Ein ganz anderes Thema:

DIE HUFE DEINES PFERDES

Die Hufe der Hinterbeine von KORALLE machen Sorgen, hast Du mir geschrieben.

Allgemein ist es natürlich von Vorteil, wenn man sein Pferd ohne Beschlag reiten kann, einmal des Geldbeutels wegen, aber auch deshalb, weil das barfuss laufen für den Pferdehuf gesünder ist, soweit der Huf nicht bereits geschädigt ist und eine gewisse orthopädische Hilfe nötig hat.

Häufig wird während der Aufzucht des Fohlens und Jährlings am Schmied gespart. Fehlformungen der Hufe und Fehlstellungen der Gliedmaßen sind deshalb die Folgen, die sich später oft nur unzureichend korrigieren lassen und wenn, dann nur durch einen Schmied, der auch zugleich ein erfahrener Pferde-Orthopäde ist.

Deine KORALLE schiebt ihre Zehen, auch die der Hinterhufe, zu flach und spitzgewinkelt vor. Vorne muss sie deshalb leider schon mit Eisen gehen, aber auch die unbeschlagenen Hinterhufe brauchen Hilfe. Sie hat so wenig Substanz ihrer Trachten, dass sie fast auf den Ballen läuft.

Begünstigt wird das Ablaufen der Trachten durch den nur flach belegten, also relativ harten Sandplatz bei euch, der wie Schmirgelpapier auf weiche oder zu flache Hufe wirkt. Und selbst der Beschlag vorne kann nicht ganz die Schmirgel-Wirkung verhindern. Das Eisen wird ja nur bis etwa zur Mitte der seitlichen Hufwand genagelt. Einem guten Schmied müssen an jeder Seite vier Nägel genügen, ein Künstler schafft es bei einem gesunden Huf manchmal sogar mit drei Nägeln.

Das bedeutet, dass das Eisen dem hinteren Teil der Hufe mit den Trachten die Möglichkeit lässt, bei der Bewegung, beim Ab- und Auffußen zu 'atmen', sich beim Auffußen zu dehnen. Da aber die Schenkel der Eisen bis hinter die Trachten reichen, kann sich zwischen Eisen und Huf eben auch Sand schieben und die Trachten bei dieser Bewegung zwischen Huf und Eisen abschmirgeln. Ein Eisen bewahrt also nicht unbedingt auch vor Abnutzung der Trachten. Es hilft aber immerhin, dass der empfindliche Ballen nicht so direkt von Steinchen und anderen harten Dingen am Boden schmerzhaft gedrückt wird.

Vor Jahren habe ich mal einen Schmied bei der Arbeit beobachtet, wie er die Hufe einer Stute 'ausschneiden', also den Überschuss an Wuchs wieder auf Normalmaß zurückschneiden sollte, was, je nach Beschaffenheit der Hufsubstanz, alle sechs bis acht Wochen nötig ist. Weil mir sein Gestöhne und die offensichtlichen Schwierigkeiten bei seiner Arbeit auffielen, habe ich mir die Hufe der Stute angesehen, als der Schmied fort war. Das Ergebnis seiner fast als kriminell zu bezeichnenden'Arbeit' habe ich fotografiert, hier kannst Du es sehen:

Ich habe danach nicht in Erfahrung bringen können, ob der Mann betrunken war oder ob das seine ersten Versuche an Pferdehufen waren. Ich habe ihn dort nie wieder gesehen, dafür werden die Besitzer der Stute gesorgt haben.

Was kannst Du tun, dass Deine KORALLE nicht auch noch hinten beschlagen werden muss?

Du solltest Dich für einige Zeit vom sandigen Reitplatz verabschieden und versuchen, KORALLE, so weit es möglich ist, im Gelände auszubilden. Dort wirst Du Wege im Wald kennen, die Humusboden haben oder Wege in den Feldern mit breiteren Grasstreifen rechts und links. Ab und zu und bei schlechtem Wetter solltest Du aber auch die Halle nutzen, die ja nicht weit ist.



Natürliches Reiten


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Fohlen in Pesade, Vollblutgestüt Röttgen · © 2009
 
Fohlen in Pesade, Vollblutgestüt Röttgen
Dass man auch im Gelände 'ernsthaft' reiten kann, darauf machte ich Dich schon in meinem früheren Brief vom 25. März 2008 mit einigen Fotos von Neda mit ihrer Trude aufmerksam (siehe  Verstand und Gefühl). Man kann halbe und ganze Paraden im Schritt und im Trab üben, man kann Schenkelweichen und angedeutete Seitengänge reiten, Rückwärtsrichten, Vorhandwendungen und Volten reiten, wenn der Weg breit genug ist oder auf einer Wegekreuzung.

Und man kann seine Fantasie bemühen und rechts und links des Weges Möglichkeiten finden, die das Vertrauen vom Pferd in den Reiter sichern helfen und die Geschicklichkeit des Pferdes verbessern. Ein Slalom um eine Baumreihe, ein kleiner Graben, ein Baumstamm, eine kleine Kletterböschung rauf und wieder runter - das Gelände kann so abwechslungs- und lehrreich sein! Und gerade dort, raus aus dem Einerlei einer umgrenzten Reitbahn, zeigt sich, was das Pferd bisher gelernt hat und wie zuverlässig sein Vertrauen ist.

Den Rat, möglichst nicht ohne Begleitung zu reiten (auch mutige Reiter auf Drahteseln können diese Begleitfunktion übernehmen) möchte ich wiederholen. Der Reithelm ist im Gelände eine Selbstverständlichkeit.

In diesem Zusammenhang erinnere ich Dich daran, dass Du Dir ab und zu auch eine Möglichkeit suchen solltest, an einer Gymnastik-Springstunde teilzunehmen, die Dich auf kleine Hindernisse im Gelände vorbereitet. Ich bin keine Anhängerin des Springsports, aber ein kleiner Graben oder ein Baumstamm dürfen kein Grund sein, einen Umweg zu reiten oder mit seinem Pferd nach Hause umkehren zu müssen. Deshalb muss KORALLE hin und wieder Gelegenheit bekommen, das Taxieren und Überwinden eines leichten Sprunges auch mit Reitergewicht zu üben. Und da auch Du noch keine Meisterin über die Hindernisse bist, ist so eine Übungsstunde mit korrigierendem Ausbilder umso wichtiger.

'NATÜRLICHES' REITEN

Gestern habe ich eine Gruppe von Jährlingen auf der Koppel beobachtet. Erst herrschte friedliche Ruhe beim Rupfen und Mampfen der Gräser, aber urplötzlich geriet die ganze Halbstarkenbande in flüchtende Bewegung über die Koppel.

Ich konnte sehr gut beobachten, wie der eine oder andere Jährling jenseits am bremsenden Zaun zu einer ganzen Parade gezwungen wurde. Dabei schob sich bei deutlich gesenkter Kruppe die Hinterhand unter den Rumpf, die Vorhand richtete sich auf, das Genick wurde zum höchsten Punkt, die Nase schob sich vor die Senkrechte (= passive Aufrichtung). Es war eine perfekte Demonstration einer aus der natürlichen Bewegung geborenen ganzen Parade der jungen Pferde.

Ich war wieder einmal begeistert über den Wahrheitsgehalt der klassischen, der Natur abgeschauten Ausbildung, die allerdings nicht gleichzusetzen ist mit der erfolgshungrigen Ausbildung so mancher der heutigen Dressur-Sportpferde und ihrer Reiter bis zur höchsten Klasse, wobei das 'Material' oft die größere Rolle zu spielen scheint, als die Achtung vor und die Freude an dem Geschöpf Pferd.

Ein anderes Beispiel zeige ich Dir mit einem Foto aus dem Vollblutgestüt Röttgen, auf dem neben anderen Pferden ein Fohlen zu sehen ist, das sich zu einer Pesade hebt.

Eine Pesade möchte ich als eine Vorstufe zur Levade bezeichnen, bei der Kraft und Balance des Pferdes noch nicht ausreichend sind, um ihm das tiefe 'Setzen' mit den stark gewinkelten Gelenken der Hinterhand zu erlauben. Es ist eine disziplinierte, vom Ausbilder/Reiter provozierte Stufe zwischen einem steigenden Pferd und einem Pferd in der tiefen Levade.

Auch hier bestätigt sich die Behauptung der 'Klassiker', dass alle korrekt ausgebildeten Bewegungen des Pferdes, bis hin zu den 'Schulen über der Erde', der Natur abgeschaut sind. Es würde sich für manchen Reiter, nein: für a l l e Reiter empfehlen, nach einer Möglichkeit für einen Gestütsbesuch zu suchen und zwar in den Sommermonaten, um dort möglichst vielen Fohlen zuzuschauen. Du kannst dann die ganze detaillierte Ausbildung eines Pferdes sehen mit jenen Übungen, die sie später dann auch etwas disziplinierter unter dem Reiter zeigen sollen.

Liebe Nora, das war wieder mal ein sicher erlaubter und vielleicht sogar notwendiger gedanklicher Ausflug in die erweiterten Gefilde der Reiterei. Und da ich gerade bei den Abschweifungen bin und Dir schon mehrmals Bilder von Pferden des Vollblutgestüts Röttgen schickte, kommt mir in Erinnerung, dass ich Dir noch eine Erklärung schulde zu Deiner Frage

WAS IST EIGENTLICH EIN 'VOLLBLÜTER'?

Sobald ich in den nächsten Tagen wieder genug Zeit finde, um in Ruhe weiterschreiben zu können, will ich Dir Deine Frage etwas ausführlicher beantworten, bis dahin also - .



Vollblüter


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Start zum Saint Leger in Doncaster   Gemälde (Ausschnitt) von James Pollard (Pferde: John Frederick Herring, Sr.), ca. 1830  In Doncaster wurden bereits 1595 Rennen abgehalten. Heute gehört der Platz neben Ascot, Newmarket und Goodwood zu den führenden englischen Flachrennplätzen. Hier wird seit 1776 das berühmte St. Leger, das längste der klassischen Zuchtrennen (2800 Meter) entschieden, benannt nach seinem Begründer Generalleutnant Anthony Saint Leger. Auf unserem Bild wird der Start durch ein ganz vorschriftswidrig zum Schrecken aller zylinderbehüteten Aufsichtsbeamten auf das "heilige" Geläuf verirrtes Hündchen verzögert. · © 2009
 
Start zum Saint Leger in Doncaster
Gemälde (Ausschnitt) von James Pollard (Pferde: John Frederick Herring, Sr.), ca. 1830

In Doncaster wurden bereits 1595 Rennen abgehalten. Heute gehört der Platz neben Ascot, Newmarket und Goodwood zu den führenden englischen Flachrennplätzen. Hier wird seit 1776 das berühmte St. Leger, das längste der klassischen Zuchtrennen (2800 Meter) entschieden, benannt nach seinem Begründer Generalleutnant Anthony Saint Leger. Auf unserem Bild wird der Start durch ein ganz vorschriftswidrig zum Schrecken aller zylinderbehüteten Aufsichtsbeamten auf das "heilige" Geläuf verirrtes Hündchen verzögert.  
Darley Arabian Ausschnitt aus dem Gemälde von John Worton   Dieser um 1700 geborene, aus dem Orient nach England eingeführte Hengst gehört zu den ältesten männlichen Vorfahren der Vollblutrasse, die noch zu ermitteln sind. Er ist der Ururgroßvater von Eclipse und neben Godolphin Barb und Byerleys Turk einer der drei Träger der direkten männlichen Linie aller Vollblutpferde. · © 2009
 
Darley Arabian
Ausschnitt aus dem Gemälde von John Worton

Dieser um 1700 geborene, aus dem Orient nach England eingeführte Hengst gehört zu den ältesten männlichen Vorfahren der Vollblutrasse, die noch zu ermitteln sind. Er ist der Ururgroßvater von Eclipse und neben Godolphin Barb und Byerleys Turk einer der drei Träger der direkten männlichen Linie aller Vollblutpferde.
 
12. Mai 2009

Hallo Nora, ich habe etwas Zeit für euch beide.

Du hast mich mal gefragt, was denn eigentlich ein 'Vollblüter' im Unterschied zu anderen edlen Pferden ist. Ich habe damals lapidar geantwortet: 'eine Reinzucht'. Damit bin ich aber den Vollblütern nicht gerecht geworden, denn ihre Zucht beinhaltet Eigenschaften von so hohem Wert, dass man weltweit die Zuchten anderer Pferderassen durch Einkreuzen von Vollblütern veredelt.

Die Vollblutzucht hat natürlich auch ihre Geschichte:

Die Engländer sind von jeher ein wettfreudiges Inselvolk und was eignet sich für den Abschluss von Wetten besonders gut? Das rivalisierende Leistungsvermögen von Mensch und Tier: der Sport, - besonders attraktiv dann, wenn man sich nicht selber die Lunge aus dem Hals hetzen muss, sondern das den Hunden und den Pferden überlässt.

Pferderennen gab es auf der Insel bereits vor etwa 400 Jahren, natürlich in einfachster Form, ohne das heutige Gepränge von elegantem Publikum und gepflegten Rennbahnanlagen.

Die Pferde, die damals durch besonderes Leistungsvermögen in mehreren Rennen auffällig wurden, waren für Züchter besonders interessant und es war dann die logische Konsequenz, dass man als Partner/Partnerin für die Zucht mit diesen erfolgreichen Pferden einen in Rennen ebenso erfolgreichen Hengst oder ebenso leistungsfähige Stuten aussuchte. So begann von England ausgehend ein Geschäft, eine wachsende 'Zuchtindustrie' mit hochklassigen Pferden.

Man eröffnete ein Zuchtbuch, in das die in Rennen besonders erfolgreichen Zuchthengste und Zuchtstuten eingetragen wurden. Die Mütter waren damals englische Landstuten, während es neben den in England gezogenen Hengsten auch vor etwa dreihundert Jahren eingeführte arabische Hengste waren, von denen besonders drei in der Vollblutzucht bekannt wurden: DARLEY ARABIAN, GODOLPHIN BARB und BYERLEYS TURK.

Bis zum Jahr 1793 waren in diesem Zuchtbuch schon so viele erfolgreiche Hengste und Stuten verzeichnet, dass die Zuchtbasis groß genug war, um keine Inzucht fürchten zu müssen. Man schloss das Zuchtbuch; das bedeutet, dass ab 1793 nur noch mit Hengsten und Stuten und deren Nachkommen weitergezüchtet wurde, die bereits im Zuchtbuch verzeichnet waren, die Reinzucht der Pferderasse Vollblut und ihr Siegeszug als Veredler anderer Pferderassen weltweit hatte damit begonnen.

Was ist es, das diese 'Vollblüter' (Reinblüter) so auszeichnet?

Sie unterliegen durch das Rennsystem härtesten Auslesebedingungen, ehe sie für zuchtwert befunden werden. Sowohl das physische, als auch das psychische Potential des Vollblüters wird dabei geprüft. Beides besitzen erfolgreiche Vollblüter in hohem Maße.

Man kann an dieser Stelle vergleichend noch darauf hinweisen, dass zum Beispiel das Herz eines Kaltblutpferdes +/- 0,7 % seines Körpergewichts beträgt, das Herz des Vollblüters hingegen etwa 2 %.

Im natürlichen Zusammenhang mit den gesunden, leistungsfähigen körperlichen Eigenschaften des Vollblüters steht fast immer auch dessen vollkommenes Exterieur, seine Schönheit.

Alle die genannten Vorzüge, die sich aus der Entwicklung dieser Reinzucht-Pferderasse ergeben haben, machen sich die Züchter seit langem weltweit zur Veredelung ihrer heimischen Zucht zu Nutze.



Auslesesystem


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Diu Star; aus einem Prospekt von G. Röttgen · © 2009
 
Diu Star; aus einem Prospekt von G. Röttgen
OSTERPOST xx im Alter von 20 Jahren mit den gleichen, positiven Exterieur-Merkmalen, wie sie bei Diu Star zu bewundern sind · © 2009
 
OSTERPOST xx im Alter von 20 Jahren mit den gleichen, positiven Exterieur-Merkmalen, wie sie bei Diu Star zu bewundern sind
Das Vollblutpferd bewahrt seine rassetypischen Merkmale auf jedem Boden, in jedem Klima, ohne nach einigen Generationen zu degenerieren, wie das bei anderen Pferderassen beobachtet wird, die an eine bestimmte 'Scholle' gebunden sind, wie zum Beispiel eine andere, sehr sehr alte und bekannte Pferderasse, die Lipizzaner, die vor allem auf magerem Karst- oder karstähnlichem Boden ihre typischen Eigenheiten bewahren.

Über das harte Auslesesystem, dem die Gesundheit oder sogar das weitere Leben des einen oder anderen jungen Vollblutpferdes zum Opfer fallen kann, mag man geteilter Meinung sein, je nachdem, aus welcher Sicht man den Rennsport beurteilt, bei dem die so genannten 'Zuchtrennen' die eigentlich wichtigen sind und die Rennen 'drum herum' das Programm des Renntages vervollständigen.

Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema würde hier zu weit führen. Für mich gilt aber, dass die Pferde, mit denen ich besonders gern Umgang hatte und die ich besonders gern geritten habe, alle Vollblüter oder doch sehr hoch im Blut stehende Pferde waren, denen ich viel Freude in meinem Leben verdanke, vor allem meiner OSTERPOST xx (Pharis-Osmunda, siehe  Verstand und Gefühl) und meinem MIENENSPIELER xx (Bürgermeister-Mimose), dessen Foto in meinem Brief vom März 2008 zu sehen ist (siehe  Durchs Genick treten, stellen, schieben).

Da heute fast nur noch hoch im Blut stehende Pferde für die Reiterei gezüchtet werden, ist es gut, wenn Du jetzt etwas mehr von dem weißt, was hinter der Bezeichnung 'Vollblüter' zu sehen ist.

Zu Deiner letzten DVD möchte ich des Längeren und Breiteren (es geht ja um die Verstärkungen!) im nächsten Brief Stellung nehmen, ich hatte noch nicht genügend Zeit, sie mir in Ruhe zu Gemüte zu führen, also habe noch ein paar Tage Geduld.

Fortsetzung folgt.



Quellen / Verweise


  1.  Verstand und Gefühl
  2.  Durchs Genick treten, stellen, schieben
  3.  Unversehens Pferdebesitzer
  4.  Junger Reiter - junges Pferd, Eine klassische Reitlehre in Briefform
      Ausgabe 437 · Teil 1
  5.  Arbeit an der Hand, Die ersten Schritte - eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 2
      Ausgabe 438 · Teil 2
  6.  Panikattacke - Schiefe - Übertreten, Eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 3
      Ausgabe 442 · Teil 3
  7.  Auf- und Absitzen - Leckerle, Eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 4
      Ausgabe 443 · Teil 4
  8.  Galopp an der Longe - Rückwärtstreten, Eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 5
      Ausgabe 447 · Teil 5
  9.  Die gute Hand und Schenkellage, Eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 6
      Ausgabe 448 · Teil 6
  10.  Der Sitz, Eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 7
      Ausgabe 455 · Teil 7
  11.  Anlehnung und ruhige Hand, Eine klassische Reitlehre in Briefform - Teil 8
      Ausgabe 456 · Teil 8
  12.  Motor spritzig zünden, nicht leiernd, Wendung um die Vorhand, Vorübung zum Schenkelweichen
      Ausgabe 461 · Teil 9
  13.  Diagonale Hilfengebung, Vorhandwendung in der Bewegung, Schenkelweichen
      Ausgabe 462 · Teil 10
  14.  Ausweichen auf dem Zirkel, Der richtige Sitz ist die Grundlage der Hilfen
      Ausgabe 464 · Teil 11
  15.  Klassische Ausbildung, ... heisst richtige und natürliche Ausbildung
      Ausgabe 465 · Teil 12
  16.  Sie will sich beschweren, Klemme nicht mit den Waden, Knien oder Oberschenkeln
      Ausgabe 470 · Teil 13
  17.  Leichttraben und Aussitzen, Halbe und ganze Paraden in der Arbeit an der Hand
      Ausgabe 471 · Teil 14
  18.  Reiten in der Halle, Balance, Verbindliche Reitbahnregeln, Balance von Reiter und Pferd
      Ausgabe 476 · Teil 15
  19.  Verstand und Gefühl, Lang und tief reiten, angaloppieren auf dem falschen Fuß
      Ausgabe 477 · Teil 16
  20.  Galopp: Dickmachen und Hochschlagen, Missverständnisse zwischen Pferd und Reiter
      Ausgabe 482 · Teil 17
  21.  Galoppiert wie ein Schaukelpferd, Schenkelweichen, Viereck verkleinern & vergrössern, tiefes Atmen
      Ausgabe 483 · Teil 18
  22.  Cavaletti sind immer gut, Kleine Sprünge unter dem Reiter
      Ausgabe 488 · Teil 19
  23.  Springen über Hindernisse, Das Überwinden von leichten Sprüngen im Gelände
      Ausgabe 489 · Teil 20
  24.  Richtlinien für Reiten und Fahren, Die Ausbildungsskala der FN
      Ausgabe 494 · Teil 21
  25.  Losgelassenheit und Takt, Selbstkontrolle und -korrektur des Reiters
      Ausgabe 495 · Teil 22
  26.  Einwirken mit den Zügeln, Die Kunst des Reitens beginnt in den Ecken
      Ausgabe 501 · Teil 23
  27.  Natürliche (klassische) Ausbildung, Lösen, Stellen und Biegen, Gedanken zur Zucht
      Ausgabe 502 · Teil 24
  28.  Durchs Genick treten, stellen, schieben, Hufschlagfiguren: Schlangenlinien, Wechseln durch den Zirkel, Volten
      Ausgabe 508 · Teil 25
  29.  Wert der Hufschlagfiguren, Förderung der jetzt allmählich beginnenden Versammlung
      Ausgabe 509 · Teil 26
  30.  Die Rolle des Lernens, Wissen als erfühltes und verstandenes Wissen
      Ausgabe 515 · Teil 27
  31.  Lockerheit nicht verlieren, Zur Versammlung führende Übungen
      Ausgabe 516 · Teil 28
  32.  Reiten auf blankem Pferderücken, Gründe für Gurt- und Satteldruck und Rückwärtsrichten
      Ausgabe 522 · Teil 29
  33.  Einfache Galoppwechsel, Programmpunkte rekapitulieren, Ablauf einer Ausbildungsstunde
      Ausgabe 523 · Teil 30
  34.  Voreilige Versuche im Außengalopp, Außengalopp fördert Durchlässigkeit und Versammlung
      Ausgabe 530 · Teil 31
  35.  Halbe Paraden und Versammlung, Erst Außengalopp oder fliegende Wechsel?
      Ausgabe 531 · Teil 32


Abbildungen

  Gudrun Schultz-Mehl,   Werner Popken




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  Aus Ausgabe 572 unseres Wochenmagazins: Angebot der Woche 10-11
z.B.   Westphalen/10-11: Der Sachmangelbegriff des § 434 Abs. 1 BGB beim Pferdekauf1 III. Teil 3 ...

  Reiterhotel · Tolle Angebote für Schulklassen, Reitvereine, Jugendgruppen etc.
z.B.   Angebot der Woche 06-15: Die Kameras kommen nächstes mal auch wieder mit Liebe große und kleine Leser, ...