| Hinweis der Redaktion: Dies ist ein weiterer Teil der Auszüge aus dem ersten Band über das Pferd Zivilist. Beide Bände liegen zwar in mehreren Sprachen vor, sind aber sämtlich vergriffen. Eine Neuauflage wird derzeit vorbereitet. Links zur Suche in antiquarischen Datenbanken finden Sie unter Quellen am Ende des Artikels. |
Zivilist und ich kreierten immer mehr neue Spiele. Auf das Kommando "El Torro" spießte er eine Decke oder ein Tuch mit dem Kopf auf, dann apportierte er auf Zuruf verschiedene Gegenstände. "Ringe werfen" war ein weiteres beliebtes Spiel, bei dem ich zum Beispiel ihm Ringe über die Ohren warf, die er daraufhin abschüttelte und nacheinander hochnahm und auf das Punktekreuz warf.
Mit den Kindern spielten wir Verstecken, Gummihüpfen, einen Wassereimer ausleeren - alles, was uns einfiel und Spaß machte. Wenn Zivilist kein Interesse mehr am Spielen hatte, ging er beispielsweise grasen mit seinen Kumpels!
Während der heißen Sommermonate dienten zwei kleine Sandkuhlen den Pferden zum Ausruhen oder Dösen. Legte ich mich einmal auf diesen Platz, blieb Zivilist daneben stehen und wartete, bis ich aufstehen würde, danach nahm er sofort meinen Platz ein. Und wenn er ausgeruht war und seinen Platz räumte, rückte Günther auf.
Wenn Zivilist besonders müde war, ich aber noch seinen Platz blockierte, begann er sanft, mich zu schubsen. Normalerweise räumte ich dann das Feld, aber ich fragte mich gleichzeitig, was passieren würde, wenn ich einfach nicht aufstünde. Was würde Zivilist dann tun?
Ich probierte es aus, ignorierte stur sein Mich-Wegschubsen, woraufhin er sich schließlich in die andere Sandmulde daneben legte. Aber nach einer Weile versuchte er erneut, mich zum Aufstehen zu bewegen. Und als ich seinem Bitten endlich nachkam, nahm er erleichtert meinen Platz ein und streckte alle Viere von sich.
Hier fühlte er sich ganz offensichtlich wohl, dies um so mehr, wenn ich ihn kratzte, was ihm gegen die juckenden Stiche zumindest zeitweilig Linderung verschaffte. Am liebsten wäre er an allen Stellen gleichzeitig gekratzt worden! Dann zog er die Oberlippe zu einer Falte zusammen als Zeichen höchster Zufriedenheit.
Wenn wir so gemeinsam auf dem Sandplatz lagen, akzeptierte Zivilist ausschließlich Günther in seiner näheren Umgebung; alle anderen Zwei- oder Vierbeiner wurden durch Drohgesicht und Ohrenanlegen verscheucht.
Unter solch fürsorglicher Bewachung war mir so manche erholsame Siesta vergönnt. Und ich revanchierte mich damit, daß ich Störenfriede während seines Nickerchens von ihm fernhielt. Aber außer der Sandkuhle hatte ich noch ein weiteres ungestörtes Plätzchen, wie ich dachte; und zwar hatte ich mir eine einfache Dreibeinliege vom Sperrmüll mitgebracht, auf der ich, mit Walkman ausgerüstet, herrlich träumen und entspannen konnte.
Einmal lag ich wieder so da und hörte » Bob Segers » Turn the page, das ich gleich sechsmal hintereinander auf die Kassette überspielt hatte, seit jeher mein Entspannungssong. Nach einer Weile kam Zivilist an, um die Liege genauer unter die Lupe zu nehmen, er stellte vorsichtig einen Fuß auf den Rahmen.
‘Stimmt, den hab’ ich ihm ja noch gar nicht richtig vorgeführt!’ kam es mir in den Sinn. Also stand ich auf, erklärte ihm, daß das meine neue Liege sei, und wie man diese aufstellt und wieder zusammenklappt. Nachdem er alles eingehend inspiziert hatte, ging er zufrieden von dannen.
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