So selbstverständlich wie Du den Einsatz Deines Kreuzes wieder aufgeben und mit der Hand nachgeben wirst, sobald Du Dein Pferd wieder unter Kontrolle hast, so selbstverständlich darfst Du auch bei der Anwendung in feiner Form das ‚Kreuz' nicht anhaltend einsetzen, wenn es nicht besondere Umstände erfordern, sondern musst auch hier, dem Gedanken der Elastizität folgend, nach der Einwirkung mit Deinem Kreuz mit diesem immer wieder nachgeben, wie ja auch alle anderen Hilfen wechselnd nachgeben, wenn ihre Forderungen zum Erfolg führen sollen. Ich möchte es wiederholen: ALLE ERFOLGREICHE KOMMUNIKATION ZWISCHEN REITER UND PFERD BESTEHT AUS WECHSELNDEM GEBEN UND NEHMEN, SPANNEN UND ENTSPANNEN = ELASTIZITÄT. Vergleichbar bis zu einem gewissen Grad ist das Abstoßen von der Hand in feiner Form (von den alten Klassikern auch ‚Arret' genannt) mit den halben Paraden. Auch bei den halben Paraden wird die Reihenfolge der Hilfen: Treiben - Aufnehmen - Nachgeben sehr deutlich. Man kann nur das mit der Hand nachgeben, was man mit ihr zuvor angenommen, ‚aufgenommen' hat, bzw. Du kannst nichts aus der Hand fallen lassen, was nicht zuvor drin war. Du hast auch nur dann etwas in der Hand, wenn zuvor etwas in sie hineingelegt wurde, in diesem Fall eine mehr oder weniger deutliche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul durch gefühlvoll treibende Hilfen (= Anlehnung). Auch hier wird wieder das ‚Konzert der Hilfen' angesprochen. Keine Hilfe ist, für sich allein genommen, sinnvoll. Hilfen bestehen nicht nur aus ‚Ja' oder ‚Nein', ‚Ich will - Du musst', sondern aus in Form von Körpersignalen verständlichen Anweisungen des Reiters für sein Pferd, die es nach seinem Ausbildungsstand auch ausführen kann. Durchsetzen mit Kraft oder gar Zwangsmaßnahmen, zu denen auch Hilfszügel gehören können, bringen Dich nicht weiter, sondern zerstören meist das bereits Erreichte. Soweit dieser kleine Exkurs aus der für Dich und KORALLE zur Zeit praktizierbaren Thematik. Nimm Dir Zeit und Reite alles so oft wie möglich in Gedanken durch, ehe Du Deine Künste auf dem Pferd praktizierst. Viel Erfolg bis zum nächsten Brief! 28. Oktober 2008 Hallo Nora, ich hab Dich mit diesem Brief etwas lange warten lassen, aber ich musste das ruhige Wetter etwas für den Garten ausnutzen, so sehr mir AVALON dort auch mit ungebrochenem Arbeitseifer hilft. Leider schießt er dabei oft übers Ziel hinaus und hat auch ganz andere Vorstellungen von der Gartengestaltung, als ich. Aber man muss schließlich die gute Absicht als die gute Tat werten. Im Hinblick auf unser Ausbildungsprogramm mit Deiner KORALLE ist es an der Zeit, vor allem auf das korrekte Reiten der Hufschlagfiguren zu achten, da inzwischen Eure gemeinsame Balance immer sicherer wird. DURCH DAS REITEN VON HUFSCHLAGFIGUREN MIT KORREKTEN HILFEN WIRD AUCH DEM WENIGER GEÜBTEN REITER EIN GYMNASTIZIERENDER EINFLUSS AUF SEIN PFERD MÖGLICH. Du hast Dich bisher vorwiegend auf langen Linien und auf dem Zirkel bewegt. Die Ecken waren schon ausführliches Thema in meinem letzten Brief. Zwangloses hin und her Wenden im Inneren der Reitbahn sollten Dir das Gefühl für den Einsatz richtiger Hilfen für die Wendungen vermitteln, so dass Du jetzt auch Schlangenlinien sowohl an den langen Seiten als auch durch die Bahn sowie das Wechseln aus einem Zirkel in den anderen und das Wechseln durch den Zirkel korrekt reiten lernst.
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