Leserbrief › 2030 zu Ausgabe › 506 11.12.08
leserbrief
Liebe Frau Rupprecht,
erstmal herzlichen Glückwunsch zu Ihren stolzen Pferden. Das ist wirklich selten, so etwas zu sehen.
Jetzt aber zur Kritik: vor 15 Jahren fing ich auch so an wie sie und man ist schnell dabei überzufliegen, wenn man relativ klare, einfache oder auch hochstehende Pferde hat wie die ihren. Sie haben dort ihre 2 oder 3 Pferde und die haben sie wunderschön gefördert und die Beziehung stimmt einfach, aber es gibt auch nicht wenige Pferde, die verlangen eben eine klare Führposition, die haben von Natur aus ein erhöhtes Aggressionspotential und die verlangen vom Besitzer auch eine korrekte Form der Dominanz und zwar im Sinne von klarer Führung und im Sinne des Pferdes. Übrigens gehören viele Haflinger vom alten Schlag dazu, die wollen jemand, der führt, sonst tun sie es.
Wir haben im Stall ein Pferd ( Gasparo) gehabt, das hat schwache Leute regelrecht verabscheut und nach einem ganz klaren Rahmen verlangt, mit anderen Worten, es mochte lieber Menschen, die mal etwas rauher aber klar waren und er sich unterordnen konnte , denn nur dann konnte er sich entspannen bei seinem Menschen, gab man ihm zuviel Freiheit, uferte er aus, sank in der Herde im Rang und wurde aggressiv.
Wenn ich das nicht erkenne, welchen Grundcharakter ein Pferd hat, was es braucht und Pferdearbeit auf ein ganz simples, idealistisches Mass runterschreiben will, dann gibt es wohl nur Idealpferde mit ihrem Idealmenschen, aber so ist es nicht in der Realität.
Unsere Pferde sind nicht minder stolz wie die Ihren und können auch frei im Gelände geritten werden bis auf eins. Dieses Eine habe ich gebraucht, um eben keinen Überflieger zu bekommen, denn es dreht schnell auf ob mit oder ohne Menschen.
Eine Jungstute (Jilant), die wir vermitteln sollten, war als Fohlen schon vom Naturell aus so aggressiv, dass wir uns sorgten, ob wir jemand Geeignetes finden würden für diese Stute (auch die Geschwister waren so), die wollte eine ganz klare Führung, sonst gab es Saures und zwar für uns schon beim Füttern..
Ich halte nichts von Dominanztraining, das ist furchtbar, aber es kommt auch immer darauf an, wie und warum man etwas macht. So ist das Raumeinnehmen, wenn ich wirklich meinen Raum möchte und nicht, dass das Pferd weggeht, eine sehr gute Anfangsarbeit, wenn man es im Sinne des Pferdes macht. Der Mensch muss dabei innerlich leer sein und darf nicht das Pferd meinen.
Gerade traumatisierte Pferde können so mit ihren (meist neuen) Besitzer bewusst konfrontiert werden, dem sie sich sonst innerlich nur entziehen würden und das Pferd hat die Möglichkeit, den Menschen als präsent, freundlich und nichts von ihm wollend zu erleben. Das Pferd wird von sich aus den Kontakt aufnehmen, der z.T. nur aus Anschauen des Menschen besteht.
Was wollen Sie denn sonst mit solchen Pferden machen, sie jahrelang in ihrer Depression lassen? Denn nur gute Pflege und liebevolle Arbeit hilft denen nicht wirklich .. Sie in die freie Wildbahn aussiedeln oder gleich einschläfern? Das ist zugegebenermassen eine provokante Frage.
Nichtsdestotrotz ist es gut, das es solche Artikel wie den Ihren gibt, denn unterdrückte Pferd gibt es zu Hauf und jeder Artikel, der das kritisiert, ist besser als der mainstream von den anderen Pferdezeitungen.
Als Schlussfrage: warum reiten sie am Halsring aber mir so einem grossen Westernsattel? Der ist doch zu lang und Sättel mit Baum passen doch meistens nicht....
Mit herzlichem Gruss
Dipl.Biologin Sabine Birmann
Anbei Fotos von der aggressiven Stute ( Jilant) beim freien Spazierengehen mit ihrer Besitzerin Michaela.
Wallach Gasparo, mittlerweile 23 Jahre,sollte wegen Asthma und Aggressivität zum Schlachter mit 10 Jahren, war traurig und energielos; beim Wettrennen, die Ohren legt er aus Konkurrenz zu Halbblutstute Alischa an, die an sich schneller ist, er liebt Laufen.
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