Bei fremden Pferden lasse ich die Pferde immer zu mir kommen, niemals gehe ich auf das Pferd zu und dringe zielstrebig in seinen Privatbereich ein – damit würde ich mich nicht bei dem Pferd beliebt machen, auch das Pferd möchte mit Höflichkeit und Umsicht behandelt werden. Ich möchte eine Annäherung, die Initiative geht von mir aus, das Pferd hat die Wahl, ob es auch Kontakt möchte oder eben nicht.
Ihr berechtigter Einwand wird nun sein, wie es sich mit unangenehmen Dingen, z.B. einem Tierarztbesuch verhält. Wenn ich als Mensch die Beziehung zu meinem Pferd pflege und immer im Sinne des Tieres handle, so hat dies auch Konsequenzen auf unangenehme Situationen.
In der Natur folgt die Herde der Leitstute auch durch unangenehme Passagen (z.B. Flussdurchquerungen o.ä.) – die Stute handelt immer zum Wohl der Gemeinschaft, das wissen alle Herdenmitglieder. Meine Pferde stehen bei jedem Besuch von Tierarzt, Heilpraktiker, Dentist, Hufbearbeiter, usw. frei, sie wissen, ich handle in ihrem Sinne – die Verbindung zwischen uns steht auf gedanklicher Basis. Und es klappt!
Sehr zum Wohl der Pferde, die keinerlei Aufregung oder Angst haben, wenn sich eine Impfung oder Ähnliches ankündigt. Auch wenn die Behandlung zum Teil mit Schmerzen verbunden ist (Injektionen, Blutabnahme, Wundversorgung, usw.), bleiben die Pferde voller Vertrauen frei stehen.
Das Schwierigste ist in diesem Fall meistens der Tierarzt, da Geduld und keine Hektik gefragt ist. Mit etwas gutem Zureden und evtl. Androhung des Tierarztwechsels geht das aber auch. Heilpraktiker und Menschen aus alternativen Bereichen bringen meistens sowieso das nötige Pferdeverständnis mit. Ich bin als Pferdehalter verantwortlich, dass keiner meinem Pferd körperlich oder seelisch Schaden zufügt, deshalb dürfen keinerlei Hektiker oder grobe Hände in die Nähe meiner Pferde.
Die aktive Annäherung des Pferdes abblocken
Diese "Technik" ist auch sehr modern im Hinblick auf "Dominanz". Wer sein Pferd immer auf Abstand hält und jede Annäherung unterdrückt oder sogar bestraft, muss damit rechnen, dass sich das Pferd irgendwann abwendet und das Interesse am Zärtlichkeitsaustausch verliert. Eine gute Beziehung besteht immer aus einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Nähe und Distanz.
Nähert sich ein Pferd höflich mit der Bitte um Körperkontakt (Fellkraulen, Schmusen, usw.), dann kann ich als Mensch dieser Bitte nachkommen – natürlich nur, wenn ich möchte. Will ich nicht, kann ich das Pferd höflich aus meinem privaten Bereich fernhalten, wieder zählt hier die geistige Haltung: will ich das Pferd auf Abstand halten, weil ich gerade keine Lust habe auf Fellkraulen oder beanspruche ich durch Unnahbarkeit eine manipulierte Chefposition.
Jedes Pferd und jeder Mensch hat das Recht, zu zeigen, wann es ihm genug ist – das wird von Pferden auch akzeptiert. Wie oben beschrieben, sind Leittiere genau wie alle anderen Herdenmitglieder offen für Zärtlichkeitsbekundungen jeder Art. Die gegenseitige Fellpflege wird in der Natur keineswegs vom Ranghöheren begonnen und beendet, sondern derjenige, der keine Lust mehr hat, hört auf und zeigt dem anderen, dass er jetzt genug hat.
Für mich als Mensch bedeutet das, nach meinem Gefühl zu handeln: habe ich Lust auf "Fellpflege" so mache ich das mit meinen Pferden, egal wer wen einlädt. Das Wichtigste ist, beide Partner müssen die Annäherung wollen. Werden die Pferde beim Knubbeln zu übermütig, reicht ein leises "Vorsicht", zusammen mit meinem Gedanken "Hey, ich bin nur ein kleiner Mensch, sei bitte vorsichtig mit mir".
Meine Pferde und ich tauschen gerne Zärtlichkeiten aus, wobei meine Pferde sehr darauf achten, dass ich ein "empfindlicher" Mensch bin. Wo sich die beiden Pferde gegenseitig auch mal mit Nachdruck Zwicken und gewisse Körperstellen mit den Zähnen "bearbeiten", sind sie mir gegenüber vorsichtig und kraulen mich nur mit ihren Lippen inklusive gelegentlichen, sehr sanften Freundschaftsknabbereien.
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