| | | Tiefes Durchtreten der vorderen Fesselgelenke nach einem Steilsprung |  |  |  |
| | | | Oberst Felix Bürkner: Für mich DER Reiter schlechthin. Noblesse im Sattel! Erinnert mich natürlich an meinen Vater, der ihm äußerlich sehr ähnlich war, zumal in gleicher Uniform. |  |  |  |
| | | | Felix Bürkner: Auch das konnte er, der Dressurreiter: überragend gut springen. |  |  |  |
| Die Abstände von 1.30 m zwingen Sie, im Trab zu bleiben und lassen nur einen Galoppsprung vor dem Hindernis zu. Pferde können Hindernisse von 70 bis 80 Zentimeter Höhe noch aus dem Trab springen. Oder Du kannst auch hinter dem Sprung noch ein Cavaletti aufstellen, im Abstand , den man für einen Galoppsprung dazwischen braucht, also 3.50 m, anfangs vielleicht noch besser für zwei Galoppsprünge, also 7 m. Dein Pferd ist dann gezwungen, auch nach dem Sprung noch aufmerksam zu bleiben und kann nicht einfach nur wegstürmen. Das gibt Dir etwas Zeit, nach dem Sprung wieder Einfluss auf Dein Pferd zu gewinnen. Das Aufstellen eines Cavalettis nach dem Sprung zwingt den Reiter außerdem, nach dem Sprung geradeaus weiter zu reiten. Manche junge Reiter geben nach einem einzelnen Sprung ihren Einfluss auf das Pferd mehr oder weniger auf und lassen es einfach auslaufen. Oft trudelt dann das Pferd zur Seite weg nach dem Inneren der Bahn, es bestimmt damit selbst, wie es weitergeht und das ist nicht gut, denn dann versucht das Pferd vielleicht das nächste Mal, auch zwischen zwei Sprüngen nach dem Inneren der Bahn auszuweichen. Also: nach einem Sprung immer zunächst geradeaus weiter reiten, egal, ob es auf einen weiteren Sprung zugeht oder kein Sprung mehr kommt, und erst dann bewusst in eine große Volte zum Durchparieren abbiegen oder eben einen von Dir bestimmten Weg weiter reiten, ehe Du zum Schritt zurück kommst. Eine unschöne Manier ist es auch, wenn der Reiter während eines Sprungs mit seinem Kopf seitwärts neben dem Pferdehals abtaucht in dem Bemühen, mit seinem Körper möglichst flach über dem Pferd zu liegen und dabei mit seinem Kopf nicht in Kollision mit dem Pferdehals zu kommen. Aber er verlegt dadurch sein Gewicht einseitig und verliert weitgehend die Möglichkeit, seine Hilfen beim Pferd geltend zu machen. Außerdem verliert er den Blick zu dem, was vor ihm und seinem Pferd liegt. Es gibt auch Springakrobaten, die geben über dem Sprung jeglichen Kontakt zum Sattel auf, sie ‚fliegen' über dem Pferd mit. Für das Pferd wird bei der Landung das Plumpsen in den Sattel nicht sehr angenehm sein. Jeder Reiter soll sich einmal vorstellen, welchen Belastungen die Vorderbeine eines Pferdes bei der Landung nach einem Sprung ausgesetzt werden, umso stärker, je gewaltiger das Hindernis in Höhe und Breite aufgebaut ist. Fesselgelenk, Gleichbein und Griffelbein, natürlich auch Sehnen und Huf sind dabei am stärksten gefährdet. Auch die Gelenke der Hinterhand müssen eine starke Beanspruchung aushalten. Selbstverständlich ist auch der Rücken gefährdet, was wiederum weitgehend vom Verhalten des Reiters im Sattel abhängt. Da ich aus eigener Erfahrung nur wenige Erkenntnisse aus der Praxis vom Springen an Dich weitergeben kann, soll es zunächst mit diesem Thema sein Bewenden haben. Liebe Nora, ich habe nachgerechnet: Das erste ‚Lehrjahr' mit meinen schriftlichen Ratschlägen hast Du nun mit Deiner KORALLE - so glaube ich - recht gut überstanden. Bisher waren es die ‚Grundmauern', mit denen Ihr eine solide Basis geschaffen habt, um ein Haus darauf aufbauen zu können. Im zweiten Ausbildungsjahr kommt jetzt die Arbeit mit dem Pferd, bei der nicht nur die erlernte solide Reittechnik weiterhilft, sondern wo mehr und mehr die Feinabstimmung gefordert wird und viel rhythmisches, tänzerisches, kurz: ‚musisches' Empfinden. Das Haus soll Konturen bekommen! Ich wünsche Euch schöne Sommertage und haltet die Ohren steif. Bis zum nächsten Brief!
| |