Aber auch Deine eigene Gemütsverfassung ist wichtig. Wenn Du an dem einen oder anderen Tag gedanklich bei ganz anderen Problemen bist oder gar mit ‚Ärger im Bauch' auf Deinem Pferd sitzt, kann nicht viel Gutes dabei herauskommen. Mach' doch einfach an solchen Tagen einen kleinen Spaziergang mit Deinem Pferd an der Longe, das wird beiden Gemütern gut tun. Jeder Schritt, den Du neben Deinem Pferd gehst, bringt Euch beide näher zueinander, lernt Ihr Euch besser kennen und vertrauen. DIE ARBEIT AN DER LONGE UND AN DER HAND IST WEITERHIN SO WICHTIG ! Dein Pferd soll jetzt halbe und ganze Paraden in der Arbeit an der Hand lernen durch Deine Stimmhilfen und Zeichen mit Hand und Gerte. Die ganze Parade vom Schritt zum Halten kennt Dein Pferd, nun zeigst Du ihm die halben Paraden vom Trab zum Schritt. Du beginnst mit einigen Haltparaden aus dem Schritt, damit Dein Pferd erkennt, um was es geht, nämlich um das Anhalten und danach das ruhige, geschlossene Stehen. Dann lässt Du Dein Pferd einige Tritte antraben, die im Tempo so geregelt sind, dass Du nebenher traben kannst und versuchst mit Stimme (Scheeeritt') und mehrmals leicht gegenhaltenden und wieder nachgebenden Zügelhilfen zum Schritt zurück zu kommen, ohne dass das zum Kraftakt mit der Hand führt. Anfangs werden diese halben Paraden noch etwas zäh verlaufen und es ist möglich, dass sich das Pferd dabei etwas vor Dich dreht. Aber auch hier muss das Pferd erst verstehen, was Du willst. Nach wenigen Schritten lässt Du Dein Pferd erneut antraben. Übe diese halben Paraden an der Hand immer auf gerader Linie. Halte das Pferd mit gestrecktem Arm von Deinem Körper weg und lass es im Trab nicht so weit vor Dich kommen, dass es sich um Dich herum dreht. Die einzelnen Reprisen im Trab sollen nicht zu lang werden, denn aus wenigen Trabtritten zum Schritt zurück zu kommen ist leichter, als wenn sich das Pferd auf ein vermehrtes Vorwärts bei längerem Traben eingestellt hat. Variiere mit der Trittzahl, damit Dein Pferd nicht automatisch nach einer immer gleichen Anzahl von Tritten Deiner Aufforderung zum Schritt zuvorkommt. Auch jetzt soll das Ziel sein, dass Dein Pferd allmählich immer mehr auf Deine Stimmhilfen und Deine Körpersprache reagiert, das ist ein Weg über Wochen. Er lohnt sich aber, denn er ist eine perfekte Vorbereitung auf die halben Paraden unter dem Reiter und verhindert weitgehend, dass diese mit rückwärts wirkenden Handhilfen erfolgen und daher nicht zum geschlossenen Stehen führen, sondern zum Halten mit einem herausgestellten Hinterbein. Wenn das dennoch der Fall ist, dann korrigiere es weiterhin konsequent mit einem Tippen der Gerte am Röhrbein. Du musst natürlich die durch die Arbeit an der Hand dem Pferd bekannten Stimmhilfen später im Sattel auch einsetzen. Ich erlebe genug Reiter und Reiterinnen, die während einer ganzen Stunde als stumme Ölgötzen auf ihrem Pferd sitzen, wie auf einem Fitness-Gerät! Wo kann man da noch die Freude am Reiten erkennen? Natürlich ist Konzentration auf dem Pferd notwendig, aber sie darf das Reiten nicht zur Trauerparade machen. Aber es ist auch störend, wenn Du zu laut oder ständig auf Dein Pferd einredest, wenn andere Reiter um Euch herum sind. Ein gelegentliches leises Sprechen zu Deinem Pferd stört nicht, so lange es nicht monoton erfolgt. Wenn Dein Pferd Dich schwingend tragen soll und wenn Dein Körper mitschwingen soll, dann muss auch Dein Gemüt mitschwingen. | Dem Geist der Schwere sollst Du feind sein - das macht Dich dem Pferde leicht. Wenn Dein Herz leicht ist, ist es auch Deine Hand. Wenn Dein Herz leicht ist, treibt es Dich vorwärts. Vorwärts aber ist alles. Rudolf G. Binding | | | Wenn Du ab und zu die Möglichkeit hast, Dein Pferd frei laufen zu lassen, dann verzichte auf die Longe und benutze die ganze Fläche der Bahn. Alle meine Pferde, selbst die schon erwähnte etwas - na, sagen wir mal: etwas schwierige PIZZI - sind ohne Longe, nur auf Kommando in jeder gewünschten Gangart auf dem Zirkel und auf der ganzen Bahn gegangen. Sie sind auch auf den Zuruf: ‚wechseln!' vom Hand- in den Außengalopp oder zurück in den Handgalopp umgesprungen und haben unverzüglich auf den Zuruf ‚Kehrt!' an jeder Stelle und aus jeder Gangart heraus eine Kehrtwendung gemacht, wenn es auch nicht immer eine astreine Hinterhandwendung war. Natürlich waren sie auch unter dem Sattel so weit ausgebildet. Lasse KORALLE beim Freilaufen also nur das ausführen, was sie gut kennt, das ist zur Zeit noch nicht viel.
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