Ein Dasein als Haustier muß also nicht unbedingt als Elend gewertet werden. Das sehen wohl auch die Haustiere selber so. Denn sie geben zwar ihre Freiheit und Unabhängigkeit auf, bekommen dafür jedoch Pflege und Nahrung, was als gutes Geschäft gelten könnte. Denn wenn die Tiere wirklich wollten, könnten sie in vielen Fällen ihre Freiheit durchaus wiedererlangen. Hunde und Katzen könnten beispielsweise ohne weiteres weglaufen, und auch Pferde dürften kaum zu halten sein, wenn sie wirklich verschwinden wollten. Aber gerade bei Katzen, die sich ja oft frei bewegen können, kann man den Eindruck gewinnen, daß sie sich umgekehrt ihre Menschen aussuchen und ausziehen, wenn es ihnen nicht mehr gefällt, um sich anderswo ein neues Zuhause zu suchen.
Im übrigen wird ja bis heute behauptet, daß man gewisse Tierarten gar nicht domestizieren könne. Dazu gehören auch Pferdeartige, etwa die Takhis und » Zebras. Als meine Eltern bauten, litten sie zunächst unter einer Kaninchenplage, weil sie gewissermaßen auf deren Grund und Boden gebaut hatten und diese sich nicht ohne weiteres vertreiben lassen wollten. Da kam mein Vater auf die Idee, aus den wilden Kaninchen Haustiere zu machen. Natürlich konnte er die erwachsenen Tiere nicht fangen, aber es war nicht allzu schwer, die Jungen aus dem Bau auszugraben. Nach mehreren Versuchen hat er es völlig entnervt aufgegeben. Die Kaninchen ließen sich so leicht nicht domestizieren. Sie fanden nach kürzester Zeit immer wieder Wege, in die Freiheit auszubrechen.
Vermutlich war er einfach nicht engagiert und nicht geschickt genug. Hinsichtlich der Zebras ist die Vermutung, daß diese sich nicht domestizieren lassen könnten, bereits mehrfach widerlegt worden. In einer anderen Ausgabe habe ich schon die Abbildung eines Zebra-Vierspänners des Baron Rothschild gezeigt und kann jetzt eine bessere Aufnahme präsentieren; außerdem habe ich im Spiegel ein Foto gefunden, das deutsche Soldaten zeigt, die mit Zebras beritten sind - na also, es geht doch. Man konnte diese Tiere offenbar davon überzeugen, daß ihr Leben auf diese Weise angenehmer ist.
| Der Ekzentriker Rothschild war bekannt dafür, dass er die Strecke vom Museum zum Bahnhof in einer Kutsche zurücklegte, die von einem Zebragespann gezogen wurde. Auf Rothschilds Liebe zu Zebras weist auch das Zebra-Cafe im Museum hin, in dem Fotos von dressierten Zebras gezeigt werden. Rothschild züchtete Hybride aus Zebras und Pferden (Zebroide). Ein ausgestopftes Zebroid-Fohlen ist im Museum ausgestellt. » Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild | | |
Wenn wir also nun annehmen, daß die »Versklavung« der Pferde als Hauspferde legitim und rechtens ist und lediglich den Rahmen festlegt, innerhalb dessen sich das Leben des Pferdes zu entfalten hat, wäre zu fragen, ob damit auch eine grundsätzliche Grenze gesetzt wird, so daß ein Pferdeleben sich unter diesen Umständen gar nicht optimal verwirklichen kann. Dem wird vermutlich jeder Pferdefreund widersprechen, der eine intensive Beziehung zu einem Pferd hat aufbauen können. Die Dressur, wie sie im Laufe der Jahrtausende in verschiedenen Spielarten entwickelt worden ist, richtet sich ja bekanntlich an natürlichen Ausdrucksweisen des Pferdes aus. Was das Pferd von Natur aus nicht ausdrücken kann, wird man in einer Dressur nicht hervorbringen können, und manch ein Pferd hätte sein Leben lang in freier Wildbahn manche Figuren nicht gezeigt, die es im Rahmen der Dressur lernt - einfach weil die entsprechenden Ausdrucksweisen an die passenden Gelegenheiten gebunden sind, die sich auch in der freien Natur nicht ständig ergeben.
So habe ich z. B. beeindruckende Fotoserien vom Connemara-Wallach meiner jüngeren Tochter geschossen, als ich meine neu erworbene Hannoveranerstute auf die Weide gestellt habe. Er spielte sich in einer Weise auf, die ich niemals vorher oder nachher gesehen habe und die natürlich auch nicht Bestandteil irgendwelcher Dressurübungen ist. Diese wiederum zeigte als alte Dame Feuer und Temperament, als der junge Westfalenhengst auf die Weide gestellt wurde, den ich einjährig als Spielkamerad für unseren eigenen Nachwuchs gekauft hatte.
Man muß aber natürlich nicht pausenlos Imponiergehabe üben, um ein erfülltes und pferdegerechtes Leben zu führen. Die meiste Zeit bewegen sich Pferde in Freiheit schrittweise, grasend, ruhend, dösend, spielend. Eine Wanderreise zu Pferd käme also dem natürlichen Leben ebenfalls sehr nahe und bietet zudem den großen Vorteil, daß Mensch und Pferd sehr viel Zeit miteinander verbringen.
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