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Rasseportrait Zum Thema Appaloosa · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 432.07 der Pferdezeitung vom 08.07.07
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 Freizeit- oder ... 
 Blutlinien oder Farbe?  Rennsport in den USA  Cow-Sense
 Nez Perce Horse
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Auschnitt Logo  Appaloosa Museum · © 2007
 
Auschnitt Logo » Appaloosa Museum
Freihändig ohne Zaumzeug · © 2007
 
Freihändig ohne Zaumzeug
Reitdecke mit Steigbügeln · © 2007
 
Reitdecke mit Steigbügeln
Kaum zu erkennen: Mit indianischen Zügeln · © 2007
 
Kaum zu erkennen: Mit indianischen Zügeln
Europäisch gezäumt? Ausschnitte aus  Paul Kane: Halbblut jagt Büffel · © 2007
 
Europäisch gezäumt? Ausschnitte aus » Paul Kane: Halbblut jagt Büffel

    Freizeit- oder Sportpferd?   
    Das getupfte Pferd der Indianer in der Gegenwart   
von © 2007  Werner Popken

Teil 1:  Gut oder bunt?
Teil 2:  Durchbohrte Nasen


Zum Thema Appaloosa


Mit der Indianer-Romantik ist es so eine Sache. Je nach Vorliebe des Züchters oder Appaloosa-Enthusiasten wird die Ursprungsgeschichte der Appaloosas mehr oder weniger mit den » Nez Percé-Indianern verknüpft, natürlich mit dem Vorsatz, positive Gefühle zu erzeugen. Ist dieser Ansatz tragfähig, kann man die Appaloosas darauf reduzieren?

Wenn man sich wirklich mit der Geschichte beschäftigt, wird einem eher übel zumute. So ging es mir jedenfalls, und was mich besonders gewundert hat: Bei der Geschichte der Nez Percé oder amerikanisch Nez Perce (wie sie sich heute selbst nennen) kommen die kostbaren Pferde, die angeblich von ihnen in so besonderer Weise gezüchtet worden waren, gar nicht vor. So formuliert denn auch die deutsche Wikipedia etwas vorsichtig:

Ihre Entwicklung soll von den Nez Percé in Nordamerika ausgehen.
» Appaloosa

Die amerikanische Wikipedia behauptet hingegen fest und bestimmt:

Der Stamm der Nez Perce aus dem amerikanisch-pazifischen Nordwesten entwickelte die Zucht.
» Appaloosa, Übersetzung durch den Autor

Die deutsche Wikipedia verzichtet auf genauere Aussagen im Zusammenhang mit dem Nez Percé-Krieg und den Verbleib der Pferde, während die amerikanische Wikipedia auch dort sehr detaillierte Behauptungen aufstellt:

Als die 7. US-Kavallerie Chief Joseph und den Rest der Nez Perce am 5. Oktober 1877 gefangen nahmen, nahmen sie sofort die mehr als 1000 Pferde des Stammes in Besitz, verkauften davon, was sie konnten und erschossen viele vom Rest. Ein bedeutender Teil des Pferdebestandes war bei der überstürzten Flucht im Wallowa-Tal zurückgeblieben, als die Nez Perce ihrem Rückzug begannen, und weitere Pferde entkamen oder wurden auf der Flucht zurückgelassen [2]. Schließlich wurden die Nez Perce auf einer Reservation im Norden Idahos angesiedelt; man erlaubte ihm nur wenige Pferde, und die Armee verlangte, daß die wenigen Stuten, die übriggeblieben waren, mit Kaltblut-Hengsten gekreuzt wurden [Quelle fehlt]. Daher fiel die Rasse der Appaloosa praktisch für 60 Jahre der Vergessenheit anheim, obwohl ein Teil der Population seit 1877 überlebte [2]. Einige wenige Qualitätspferde wurden jedoch weiter zur Zucht eingesetzt, hauptsächlich diejenigen, die durch weiße Siedler eingefangen oder gekauft und als bäuerliche Arbeitspferde eingesetzt wurden.
» Appaloosa, Übersetzung durch den Autor

Dabei beruft sich der Autor auf die Geschichte der Appaloosas auf der Seite des Appaloosa-Museums. Dort findet sich jedoch nichts dergleichen. Das Museum seinerseits beruft sich auf den Historiker Frances Haines, der 1937 auf die verlorene Zucht aufmerksam gemacht und damit die Gründung des Appaloosa-Verbands provoziert hat (Haines, Frances. Appaloosa: The Spotted Horse in Art and History):

Die Nez Perce, die sich dem Vertrag nicht unterwerfen wollten, flohen vor der US Kavallerie mit etwa 3000 ihrer Pferde. Obwohl sie mit Frauen, Kindern und alten Leuten unterwegs waren, konnten sie der Kavallerie über dreieinhalb Monate und 13.000 Meilen entkommen. Sie ergaben sich am 7. Oktober 1877, etwa 60 Kilometer vor der Sicherheit der kanadische Grenze. Die Kapitulationsbedingungen hielten fest, daß die Nez Perce ihre Pferde behalten dürften und im Frühjahr wieder zurückkehren könnten. Das war aber nicht so. Die Nez Perce wurden nach North Dakota geschickt und ihre verbliebenen 1000 Pferde wurden beschlagnahmt. Diese waren die zähesten, härtesten Pferde, die den Krieg überlebt hatten, und sie umfaßten die Überlebenden der gefleckten Pferdeherden des Stammes von den Chief Joseph.

"Da der Kriegsbeginn die Häuptlinge der Nez Perce überraschte, waren viele ihrer Pferde noch im Gelände, als die Kriegshandlungen begannen. Viele entkamen beim übereilten Einfangen und wurden später von den Weißen beansprucht, die sie Einfangen konnten. Sie wurden an Rinderleute im ganzen Westen verkauft... Als Ergebnis des Krieges und der späteren Einfangaktionen wurde aus den Appaloosas eine "verlorene" Rasse, deren ruhmreiche Geschichte bis 1937 vernachlässigt wurde."
» History of the Appaloosa, Übersetzung durch den Autor

Nun, je mehr man recherchiert, desto mehr Varianten lernt man kennen, und desto mehr hat man den Eindruck, daß die Wahrheit vielleicht für immer unbekannt bleiben wird und die Legenden wesentlich mehr zählen, weil man sowohl in der Phantasie als auch im Geschäft mehr damit anfangen kann.




Blutlinien oder Farbe


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EC ThundersBlueCloud<br>6 Generationen Appaloosa · © 2007
 
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6 Generationen Appaloosa
Dance With Wolves<br>Appaloosa-Hengst aus Wales · © 2007
 
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Appaloosa-Hengst aus Wales
Tresaison Hawksbay, Knabstrupper Colt Foal · © 2007
 
» Tresaison Hawksbay, Knabstrupper Colt Foal
LJ Prince of Thieves · © 2007
 
» LJ Prince of Thieves
Nun ist alles immer im Fluß, und jeder hat so seine eigene Meinung, insbesondere die Züchter. Manche reiten eben mehr auf der Indianer-Legende herum, manche weniger, und beide werden ihre Gründe haben.

Das Rasseporträt aus Ausgabe 1 der Pferdezeitung stellte Marcus Geißler vor, der mittlerweile seit zwölf Jahren Appaloosas züchtet. Auf die Internetpräsenz seines Gestüts » GREEN ELKER spielt er die Rolle der Indianer ganz deutlich herunter:

Ein Appaloosa zeichnet sich durch seine positiven Charaktereigenschaften, seine Menschenbezogenheit, seinen Leistungswillen und nicht zuletzt durch seine Härte besonders aus.

Zunächst wurde angenommen, daß sich der Appaloosa aus der Zucht der Nez-Perce-Indianer entwickelt hat. Mittlerweile wurde wissenschaftlich erwiesen, daß diese Farbrasse durch Verschmelzung der auf dem amerikanischen Kontinent befindllichen Pferde im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Somit kann man eigentlich gar nicht von "dem" Appaloosa sprechen, sondern die Rasse bietet durch die Historie eine Vielfalt an Pferdetypen, die sich durch die Spezialisierung für die verschiedenen Reitdisziplinen teilweise noch vertieft hat. Zur Erreichung eines gesetzten Zuchtzieles wurden und werden Quarter Horses, aber auch Englisches Vollblut oder Vollblut-Araber eingekreuzt.

Betrachtet man das Pedigree eines Pferdes einige Generationen zurück, findet man Foundation-Appaloosas genauso wie erfolgreiche Halterchampions oder Performer sowie die og. Fremdrassen. Somit ist es dem persönlichen Geschmack, dem reiterlichen Anspruch und den Vorlieben hinsichtlich der Abstammung überlassen, für welche Zuchtlinie sich ein Käufer oder Züchter entscheidet. Oder man läßt bei der Auswahl eines Pferdes einfach sein Herz entscheiden, bei einem Appaloosa ist das nicht allzu schwer.
» Historie der Appaloosa

Dieser Züchter spricht ganz offen aus, daß Appaloosas eine typische Mischrasse sind. Ganz wesentlich sollen die Charaktereigenschaften sein, aber die werden von vielen anderen Rassen ebenfalls reklamiert. Deutlich spürt man auch den Willen zum sportlichen Erfolg, der sich auch durch die Wahl der Fremdrassen ganz klar zu erkennen gibt. "Bunt" müssen die Pferde sein, sonst können sie nicht in der ersten Liga spielen, aber der Freizeitbereich ist doch zu diffus und bietet zu wenig Spielraum für interessante Preisgestaltung.

Die Frage "Blutlinie oder Farbe?" ist also falsch gestellt. Sowohl Blutlinie als auch Farbe ist die Antwort, und das ist noch nicht genug. Appaloosas sollen sich, genau wie andere Pferderassen, durch sportliche Erfolge auszeichnen. Durch die enge Verwandtschaft mit den Quarter Horses und die ursprüngliche Heimat sind dies natürlich vor allen Dingen die Westerndisziplinen, die freilich in erdrückendem Maße von den Quarter Horses dominiert werden.

Daneben wird immer wieder versucht, die Appaloosas auch als Fahrpferde zu etablieren. Ein Züchter aus Wales setzt seine Pferde in den klassischen englischen Disziplinen ein (» Tresaison Stud) und züchtet nicht nur Appaloosas, sondern auch Knabstrupper, wobei ich zugeben muß, daß ich die einen nicht von den anderen unterscheiden kann. Im Gegenteil, ich bin verwirrt: Sollen die Knabstrupper jetzt wie Appaloosas aussehen?

Im Grunde handelt es sich bei der Pferdezucht ja auch durchaus um Marketing. Man darf ruhig in die bevorzugte Rasse verliebt sein, aber man muß unbedingt im Auge behalten, daß man Produkte erzeugt, die abgesetzt werden müssen, für die also ein Markt geschaffen werden muß. Wie definiert man nun den Markt für Appaloosas? Sollen es Westernpferde sein, möchte man sie in die in FEI-Sportszene einführen, sollen sie dem ambitionierten Freizeitreiter angedient werden, der beispielsweise Jagden reiten möchte? Werden die Appaloosas weltweit nach demselben Muster vermarktet oder je nach der Region?

Können Sie sich vorstellen, wie überrascht ich war, als ich auf der Internet-Seite des amerikanischen Mutterverbandes » ApHc auf das Stichwort "Race" gestoßen bin? Race übersetzt man ja mit "Galopprennen", und damit hätte ich die Appaloosas nun wirklich nicht in Verbindung gebracht. Das Menü des allein seligmachenden Verbandes macht jedoch eine ganz deutliche Aussage; unter allen Einträgen gibt es nur drei, die auf die sportliche Verwendung hinweisen, und der erste ist ausgerechnet der Rennsport: » Race, » Show, » Trail & Distance.



Rennsport in den USA


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Appaloosa-Rennen · © 2007
 
» Appaloosa-Rennen
We Go Easy · © 2007
 
» We Go Easy
© 2007
 
© 2007
 
Daß der Galoppsport die Nummer eins in der Liste ist, scheint kein Zufall zu sein. Eine Stichprobe unter dem Stichwort "Show" ergab Erstaunliches. Man kann dort die Ergebnisse verschiedener Disziplinen in verschiedenen Jahrgängen abfragen. Ich entschied mich für "Open Senior Reining". Im Jahr 2007 gibt es erst einen Eintrag mit einem halben Punkt. Die Saison ist noch nicht vorüber, also kann man noch keine Aussagen machen. Die Listen der vorhergehenden Jahre zeigen jeweils die ersten zehn der Rangliste.

Und nun kommt die große Überraschung: in den Jahren 2006, 2005, 2004 findet sich nicht ein einziger US-Amerikaner! Alle Gewinner aus den Jahren, die ich überprüft habe, jeweils die ersten zehn, kommen aus Europa, bis auf die aus Kanada. Im Jahre 2006 sind die Niederlande (1) vertreten, Österreich (1), Großbritannien (1), Belgien (1) , Kanada (3) und Deutschland (3). Sehr merkwürdig! Beispiel » Open Senior Reining 2006:

Horse Name Placing Owner(s) Country
SMART LITTLE O LENA

1

GUENTER GLOECKNER GERMANY
TOPPER PENNY SIGN

2

IAN HRYHIRCHUK ALBERTA CANADA
JOE GLOW

3

JOYCE NUTLAND UNITED KINGDOM
SHADY DRIFTER

4

SHERRY GRESKO ALBERTA CANADA
SKIPALITA MIGHTY

4

OTHMAR HABRINGER AUSTRIA
HIGH FASHION LACE

6

KATHY JUDSON ALBERTA CANADA
A MOBETTA LENA

7

SIMONE & ARND JANSSEN GERMANY
LENAS LITTLE LUKE

7

KARIN & STEVEN DEN HARTOG BELGIUM
SUNFLOWERS CHEYENNE

7

SIGRID LIEVERSE THE NETHERLANDS
A MISSY OLENA

10

DR. ACHIM GOETZ GERMANY

Ganz anders die Rennsportabteilung: Dort wird erst einmal wieder die Legende beschworen, als wäre man selbst dabei gewesen. Mehr noch, die guten Indianer werden zum Erfinder der modernen Gepflogenheiten stilisiert.

Die Nez Perce aus dem Nordwesten züchteten gesprenkelte Pferde, und diese Tiere wurden ein Bestandteil ihres Lebens. Der Appaloosa war bekannt für seine Intelligenz, sein Durchhaltevermögen und seine einzigartigen Farbmuster.

Der Rennsport war für die Nez Perce so wichtig wie für uns heutzutage. Er gab dem Indianerstamm eine Meßlatte, mit dem sie die besten Pferde für die Jagd heraussuchen konnten. Die Renndistanzen betrugen zwischen ein paar hundert Yards und zwölf Meilen.

In dem Maße, wie die Anzahl der Rennen zunahm, stieg auch die Popularität der farbenfrohen Rasse. Appaloosa-Rennsport wird heute auf mehr als 40 Plätzen in den gesamten Vereinigten Staaten und Kanada ausgeführt, das ganze Jahr hindurch. Appaloosas haben ihren Platz in der Rennsportindustrie mit Stil, Anmut und, am wichtigsten, Schnelligkeit erworben.

Heute haben die Appaloosas den Status eines Fliegers bis Meilers, der von 220 Yards (182,88 Meter) bis 8 Furlongs (1609,34 Meter) geht.
» Appaloosa Racing Roots, Übersetzung durch den Autor

Die sportlichen Leistungen der Appaloosas im Rennsport sind nicht recht nachvollziehbar; immerhin soll es zweimal zu Siegen von Appaloosas gegen Vollblüter gekommen sein. Ein Fall ist relativ gut dokumentiert.

» We Go Easy hatte als Großmutter mütterlicherseits Wego Melody, die in die Hall of Fame, die Ruhmeshalle der Appaloosas, aufgenommen wurde. Der Züchter Gene Miles verpaarte seine Appaloosa-Stuten ausschließlich mit Quarter Horse und Vollblut-Hengsten. We Go Easy hatte als Vater und Großväter ausschließlich Quarter Horse-Hengste; sie wurde 1973 geboren, ihr Vollbruder Easy We Go 1977, und beide wurden vier auch ihre Mutter We Go Charge in die Hall of Fame.

Als Zweijährige lief We Go Easy 1975 und 1976 als Dreijährige. Sie startete 22 mal, gewann 19 mal und plazierte sich zweimal. Insgesamt gewann sie 81.627 Dollar. Sie setzte einen Weltrekord über 2 Furlongs (402,336 m, 22 1/5 sec) und zehn weitere Rekorde über verschiedene Distanzen, von denen sechs bis heute ungebrochen sind.

1976, mit drei Jahren, lief sie gegen das siebenjährige Vollblut » Right Pocket, der als der schnellste Flieger im mittleren Westen galt. Das Rennen war mit 20.000 Dollar das am besten dotierte im Staate Michigan, das es je gab. We Go Easy hatte Probleme in der Startbox, gewann das Viertelmeilenrennen jedoch leicht mit anderthalb Längen.



Cow-Sense


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Ute Holm · © 2007
 
Ute Holm
1984, 1. German National Appaloosa Horseshow · © 2007
 
1984, 1. German National Appaloosa Horseshow
Mit Halsring · © 2007
 
Mit Halsring
Nun sind die Quarter Horses gezielt auf die Viertelmeile gezüchtet; man darf also annehmen, daß Vollblüter über diese Distanz im allgemeinen unterlegen sind. We Go Easy war zur Hälfte Quarter Horse, und deshalb sollte dieses Ergebnis nicht allzu sehr überraschen.

Im übrigen scheinen die Appaloosas nicht direkt gegen Vollblüter anzutreten. Dafür sind einige Rennen gegen Quarter Horses überliefert, von denen einige von Appaloosas gewonnen wurden. Wiederum kein so überraschendes Ergebnis. Möglicherweise sind diejenigen Appaloosas, die in Galopprennen eingesetzt werden, direkte Nachkommen von Vollblütern - Informationen darüber konnte ich jedoch nicht erlangen. Immerhin dürfen neben Quarter Horses noch Vollblüter und Vollblut-Araber uneingeschränkt in der Zucht eingesetzt werden. Irgendwo müssen sich diese Einflüsse ja auch bemerkbar machen.

Auf der Seite » Appaloosa-Promotion habe ich ein Interview mit der bekannten Western-Ausbilderin » Ute Holm gefunden, die unter anderem bezüglich ihrer Erfahrungen mit Appaloosas und deren Eignung für die Arbeit mit Rindern befragt wurde:

[...] 1975 habe ich mit dem Reiten angefangen, auf Appaloosas in Tübingen, und zwar bei Heiko Reisgies und seiner Familie. [...]

Zur Zeit habe ich meinen Schwerpunkt auf Rinderarbeit gelegt, junge und auch ältere Pferde für Cutting und Working Cowhorse auszubilden oder am Rind zu arbeiten – als Abwechslung für die Pferde. Das übrigens ist eine gute Sache, um Turniercracks wieder frisch und motiviert zu machen.

Ich bin viel unterwegs, gebe viele Kurse bundesweit. Auch bei Reitern, die mit ihrem Pferd mal ins Cutting reinschnuppern wollen oder einfach wissen möchten, ob ihr Pferd Cowsense hat oder nicht. [...]

Appaloosas sieht man nur sehr selten im Cutting. Es werden leider nur sehr wenige auf Rinderarbeit trainiert, die Besitzer geben ungerne das Trainingsgeld für diese eigentlich sehr vielseitigen und intelligenten Pferde aus.

Appaloosas werden noch immer vermehrt von Freizeitreitern gekauft, die besonders die bunten Tiere lieben und nicht so sehr am Turniersport interessiert sind. [...]

Natürlich bevorzuge ich "rinder-gezogene" Pferde, meist sind diese Appaloosas Nachkommen von guten Quarter Horse Cuttern, oft von DOC O LENA. [...]

Gerne würde ich wieder mehr Appaloosas ausbilden, leider gibt es sehr wenige auf Cowsense gezogene Pferde bei den Appaloosas. Dazu kommt, dass die Ausbildung am Rind auch nicht gerade preiswert ist. [...]

Das Interview entstand im Sommer 2005.
» Über die Appaloosas zum Cutting

Cow-Sense ist also auch nicht gerade eine Stärke der Appaloosas, und wenn sie diese haben, so von ihren Quarter Horse-Vorfahren, wobei auch dort nur spezielle Zuchtlinien diese besonderen Eigenschaften besitzen. Die Faszination der Appaloosas scheint tatsächlich vor allen Dingen im Bereich der äußeren Erscheinung lokalisiert zu sein.

Die besondere Spannung entsteht dadurch, daß sich das Erscheinungsbild (noch) nicht berechnen läßt. Zwar sind in dieser Hinsicht enorme Fortschritte erzielt worden (» Equine coat color genetics), aber ganz ist die Vererbung noch nicht aufgeklärt. Es ist aber bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis man ziemlich genau berechnen kann, wie sich die äußeren Erscheinung bestimmen läßt (siehe » The Appaloosa Project).



Nez Perce Horse


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Nez Percé-Hengst Halhelooya · © 2007
 
» Nez Percé-Hengst Halhelooya
Alpha Omega Ranch · © 2007
 
» Alpha Omega Ranch
Einer der Gründerhengste · © 2007
 
»  Einer der Gründerhengste
Die Nez Percé Indianer schlagen seit 1995 zurück - sie berufen sich auf » Meriwether Lewis und wollen das ursprüngliche Nez Perce-Pferd, das Lewis so begeistert hatte und das in jedem Land der Welt eine gute Figur machen würde, wieder zum Leben erwecken (» Nez Perce Horse). Dazu setzen sie auf die heute vorhandenen Appaloosas und » Achal Tekkiner.

Der Achal Tekkiner ist die dritte Vollblutrasse der Welt, die durch Isolation auf die Wüstenoasen und dem wasserarmen Wüstenklima auf extreme Härte ausgerichtet war. Sie nahm vermutlich nicht nur Einfluss auf Araber, sondern auch auf Türkische, Ägyptische, Indische und Chinesische Pferde und trägt ihren Namen aufgrund des Hauptzuchtgebietes, der Oase Achal, 20 km von Asabaidchan (Turkmenien) und dem dort lebenden Stamm der Tekk (Turkmenen). Aber auch Parther und in Baktrien züchtete man Achal Tekkiner. Er ist eine der Wüste hervorragend angepasste Pferderasse, deren Ursprung ebenso im Dunkeln liegt wie ihre Vergangenheit.
» Achal Tekkiner

Die » Alpha Omega Ranch nennt diese Kreuzung konsequenterweise "AkHaloosa", eine Mischung aus den Namen der beiden Ausgangsrassen, während offiziell vom "Nez Percé Horse" oder "Nez Perce Horse" die Rede ist (» Nez Perce Horse Registry). Es geht auch darum, das nationale Selbstbewußtsein wiederzuerlangen, das die Indianer seit den Kriegen verloren hatten. Ende des 20. Jahrhunderts begannen sie zu kämpfen und sich auf ihre eigene Tradition zu besinnen.

In gewisser Weise dient das züchterische Programm auch als Arbeitsbeschaffung, denn die Arbeitslosigkeit in der Reservation beträgt bis zu 70%:

"Wir waren früher Pferdeleute, wir haben Rindvieh gezogen und unser eigenes Land bearbeitet. Diese Pferde werden uns helfen, unsere alten Gewohnheiten wiederzuerlangen." [...]

"Wir wollen ein Pferd, das die Leute an uns erinnert."

"Mein Urgroßvater wurde "Mann der Pferde" genannt", sagte Horace Axtell, ein Häuptling. "Wenn er einen Kreis um die Pferde abschritt, verließen sie diesen Kreis nicht."
» Nez Perce Launch Horse Breeding Program, Übersetzung durch den Autor

Jedes Jahr sollen 20 junge Nez Percé als Pferdeleute ausgebildet werden und Pferde betreuen, aufziehen und reiten. Die meisten von ihnen haben noch nie etwas mit Pferden zu tun gehabt. Inzwischen helfen sie sogar beim Rindertreiben und führen Touristen auf Reittouren.

Außerdem ist ein Programm eingerichtet worden, um Kindern, die Schwierigkeiten in der Schule haben, über den Umgang mit den Pferden zu helfen. Der ganze Lernstoff wird an den Pferden entwickelt. Der Autor des Artikels meint, daß der Stolz des Stammes über diese neue Entwicklung geradezu greifbar ist.

Dieses Programm ist Teil eines Unterfangens, die Indianer-Reservationen im ganzen Land durch kulturell angemessene Maßnahmen zu entwickeln. Das Pferdeprogramm hat bisher eine halbe Million Dollar gekostet und wurde durch das United States Department of Health and Human Services, den Stamm der Nez Percé und durch die Non-Profit-Organisation First Nations Development Institute finanziert (First Nations = Ureinwohner).

Wann werden die ersten Nez Percé-Pferde nach Deutschland kommen? Bestimmt finden sich hierzulande auch Freunde der Indianer und ihrer neuesten Errungenschaft. Die Achal Tekkiner sind hierzulande schon vertreten, wenn auch nur als Exoten; immerhin sind diese als Vollblüter anerkannt und sogar Ahnen der modernen europäischen Rassen:

Achal Tekkiner wurden häufig zur Veredlung von europäischen Rassen eingesetzt, speziell Turkmain Atti ist hier häufig in den Pedigrees vertreten und hat alleine in der ostpreußischen Warmblutzucht 17 Deckhengste hinterlassen. Über Beyerly Turk, vermutlich ein Turkmene oder Muniqiu-Araber, der als einer von drei - manche Berichte erwähnen vier - Stempelhengsten zur Begründung der Rasse des englischen Vollblutes beigetragen hat, ist eine Verwandtschaft zur modernen Vollblutzucht begründet. In der Trakehner-Zucht Neustadt/Dosse wurde ein Achal-Tekkiner erfolgreich als Veredler eingesetzt.
» Achal Tekkiner

Nez Percé-Pferde sind nun wirklich Indianer-Pferde, und wer die kauft, tut ein gutes Werk, ganz unabhängig von der Frage, ob es nun Sport- oder Freizeitpferde sind.



Quellen / Verweise


  1. » Nez Percé
  2. » Appaloosa
  3. » Appaloosa
  4. Haines, Frances. Appaloosa: The Spotted Horse in Art and History, Austin, TX: University of Texas Press, 1963.
  5. » History of the Appaloosa
  6. » GREEN ELKER
  7. » Historie der Appaloosa
  8. » Tresaison Stud
  9. » ApHc
  10. » Race
  11. » Show
  12. » Trail & Distance
  13. » Open Senior Reining
  14. » Appaloosa Racing Roots
  15. » We Go Easy
  16. » Right Pocket
  17. » Appaloosa-Promotion
  18. » Ute Holm
  19. » Über die Appaloosas zum Cutting
  20. » Equine coat color genetics
  21. » The Appaloosa Project
  22. » Meriwether Lewis
  23. » Nez Perce Horse
  24. » Achal Tekkiner
  25. » Alpha Omega Ranch
  26. » Nez Perce Horse Registry
  27. » Nez Perce Launch Horse Breeding Program
  28. » EC ThundersBlueCloud
  29. » Dance With Wolves
  30. » Tresaison Hawksbay
  31. » LJ Prince of Thieves
  32.  Gut oder bunt?, Die legendären Appaloosas
      Ausgabe 430 · Teil 1
  33.  Durchbohrte Nasen, Indianer-Romantik und Pferdezucht
      Ausgabe 431 · Teil 2