|  | | New Forest-Pony im New Forest, » CC SA |  |  |  |
| |  | New Forest-Ponies auf der Straße in Lyndhurst, der "Hauptstadt" des New Forest Jaakko Sakari Reinikainen » GNU FDL |  |  |  |
| Die New Forest-Ponies leben auch heute noch, sofern sie nicht von Züchtern in England außerhalb der Stammgebiets oder sonst in Europa, Amerika oder Australien gehalten werden, ganzjährig frei in dem Gebiet, nach dem sie benannt sind. Man könnte sie also für Wildpferde halten, aber das wäre verfehlt.
Ob es überhaupt noch Wildpferde im eigentlichen Sinne gibt, ist durchaus strittig. Auch die » Dülmener Wildpferde werden durch den gezielten Einsatz von Hengsten züchterisch beeinflußt. Der Vergleich mit der 350 Hektar großen » Wildpferdebahn ist durchaus interessant. Der » New Forest ist mit etwa 300 Quadratkilometern fast hundertmal so groß und beherbergt etwa zehnmal soviel Pferde, nämlich ungefähr 3000.
Diese gehören nicht einem einzigen Besitzer, etwa dem Königshaus, wie das Land, sondern fast 1000 Bauern, die den Wald auf vielfältige Weise nutzten und weiterhin nutzen:
| Die New-Forest-Gesetze wurden zum Schutz des Gebietes als königliche Hirschjagd erlassen - und Vergehen an den königlichen Hirschen oder ihrem Futter wurden streng bestraft.
Im Laufe der Zeit erhielten die Bewohner spezielle Rechte gewährt: Weiderechte für Ponys, Rinder, Esel (und früher auch Schafe), Holz sammeln, Farn schneiden als Einstreu (ab 29. September), Torf stechen, Lehmabbau und Schweinemast mit Eicheln und Bucheckern zwischen September und November. » New Forest | | |
Jeder dieser Besitzer hat sein eigenes Brandzeichen, alle Pferde sind registriert. Ähnlich wie in Dülmen werden jedes Jahr die Pferde zusammengetrieben, um die etwa 1000 Fohlen zu brennen und zu entwurmen, einzutragen und gegebenenfalls zum Verkauf freizugeben.
Es gibt sehr viele Zeugnisse seit frühester Zeit, die belegen, daß immer versucht wurde, mit züchterischen Mitteln Einfluß auf die Entwicklung der Pferde zu nehmen, zum Beispiel indem man Hengste der unterschiedlichsten Rassen in dieses Gebiet entließ, meistens mit dem Ziel, die Pferde größer werden zu lassen.
Manchmal wurden ausgesuchte Hengste auch in Gestüten gehalten und diesen dann ausgesuchte Stuten zugeführt. So war etwa der Vollblüter Marske, Vater des legendären Eclipse, 1765-1768 im Waldeinsatz, hat aber wohl insgesamt keinen Einfluß ausgeübt, weil seine Nachkommen verkauft wurden und nicht im Wald verblieben.
Da man im Laufe der Jahrhunderte Hengste unterschiedlichster Rassen beigemischt hatte, ergibt sich bis heute eine große Bandbreite der äußeren Erscheinung. So gibt es noch immer keine offizielle Mindestgröße.
Die charakterlichen Eigenschaften, für die die New Forest-Ponies schon in früheren Jahrhunderten berühmt waren, weswegen man sie vornehmlich als Wagenpferde oder Reitpferde für Damen einsetzte, stellen jedoch eine ganz wesentliche Eigenart dar, auf die extremen Wert gelegt wird.
Vor etwa einem Vierteljahrhundert stellten sich bei Nachkommen eines bestimmten Hengstes in den Niederlanden charakterlichen Mängel ein, die dann zu einer Untersuchung führten, als deren Ergebnis sich dann herausstellte, daß der betreffende Hengst vertauscht worden war. Sämtliche Nachkommen des falschen Hengstes wurden nachträglich aus der Zucht herausgenommen.
Die Zuchtpolitik wird inzwischen zentral von England aus gesteuert (» The New Forest Pony Breeding and Cattle Society). Die deutschen Zuchtverbände richten sich strikt danach aus; Einzelheiten können dort nachgelesen werden, zum Beispiel im » Zuchtprogramm für die Rasse des New Forest Pony. Naturgemäß werden die Anforderungen immer komplexer und schärfer, die Leistungsanforderungen immer anspruchsvoller. Auch bei den New Forest-Ponies wird die sportliche Herausforderung als Maßstab für den Zuchtfortschritt benutzt und sportlicher Erfolg als Qualitätsnachweis eingestuft.
Darüberhinaus ist es jedoch vor allen Dingen die Nervenstärke und Unerschütterlichkeit, mit der die New Forest-Ponies beeindrucken. Möglicherweise ist dies heutzutage auch darauf zurückzuführen, daß sich die Pferde frei im Straßenverkehr bewegen und ganz junge Fohlen schon direkt am Straßenrand schlafen, ohne sich von Autos und Lastwagen irritieren zu lassen. Wie auch immer: Diese Ponies haben besondere Qualitäten, die sie als Familienpferde prädestinieren.
Quellen / Verweise
Fotos
Gerd Hebrang, falls nicht anders angegeben
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