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Rasseportrait Zum Thema New Forest · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 397.06 der Pferdezeitung vom 05.11.06
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Strandritt mit der ganzen Familie
Connemara-Ponies in Irland  GNU FDL · Copyright wie angegeben
Strandritt mit der ganzen Familie
Connemara-Ponies in Irland » GNU FDL 

    Ideal für die ganze Familie   
    Eine Rasse, die mehr Beachtung verdient   
von Copyright wie angegeben  Werner Popken


In vielen Familien sind es die Kinder, die sich nach Pferden oder Ponies sehnen und irgendwann einmal die Eltern überzeugen, daß man mit Hamstern, Kaninchen oder gar Fischen nicht richtig glücklich werden kann.

Der Aufwand bei der Haltung von Pferden ist freilich ungleich größer, und die Möglichkeiten, sich damit unglücklich zu machen, ebenfalls. Deshalb sollte man sich, wie auch bei der Anschaffung eines Hundes, sehr genau mit den Eigenschaften der verfügbaren Rassen beschäftigen.

Welche Pferderassen kann man als Familienpferde empfehlen? Gibt es überhaupt eine Rasse, die diesen Namen verdient? Sehr große Pferde dürften als Familienpferde nicht in Frage kommen, solange die Kinder nicht schon fast erwachsen sind, aber auch normale Großpferde sind für Kinder und Heranwachsende eigentlich zu groß.

Bleiben also die Ponies - wobei die kleinen Exemplare wiederum ausscheiden. Großponies sind durchaus in der Lage, Erwachsene zu tragen, wenn diese nicht zu schwer sind, und haben noch eine handliche Größe für Kinder, denen man Ponies schon anvertrauen kann.

Islandponies sind das klassische Beispiel für kleine Pferde, die Menschen fast jeder Größe zufriedenstellen können. Deshalb sollten sie ja auch besser Islandpferde genannt werden. Durch die Immenhof-Bücher und -Filme sind Islandpferde hierzulande als Kinderpferde unsterblich geworden, aber für die Isländer selbst sind es eher Erwachsenenpferde. Die großen Islandpferde-Festivals präsentieren als Sportveranstaltungen vor allem Erwachsene, wie bei den Großpferden auch (siehe z. B. die Artikel von Agata Macek:  Sigurbjörn Barðarson Diddi, Der weltbeste Island-Reitsportler aller Zeiten,  Landsmót, isländisches Pferdefestival, Isländische Staatsmeisterschaft der Pferdezucht und des Sportreitens,  Slowenien und die Islandpferde, Eine Liebeserklärung an die Heimat und die Isländer).

Mit 60.000 Exemplaren in Deutschland gehören die Islandpferde zu den sehr gut vertretenen Rassen; Haflinger und Fjordpferde sind ebenfalls sehr bekannt, wobei diese schon etwas kräftiger sind, sofern man ihre Herkunft als ehemalige "Ackergäule" noch deutlich erkennen kann. Araber gelten zwar nicht als Ponies, sind aber manchmal ebenfalls recht zierlich, eignen sich jedoch aufgrund ihres Temperaments nicht so gut für Kinder. Was bleibt da noch übrig?

Das klassische Land der Ponies ist Großbritannien. Dort werden Ponies seit langem auch sportlich eingesetzt, vor allem von der Jugend. In den siebziger Jahren gab es auch hierzulande starke Impulse, ein Sportpony zu züchten. Das Deutsche Reitpony hat sich im Sport durchgesetzt. Es sieht wie ein Deutsches Reitpferd aus, was vor allem durch den Einsatz von Hengsten der entsprechenden Rassen erreicht wurde. Zwar sind die sportlichen Erfolge der Deutschen Reitponies beachtlich, allerdings gelten sie auch als sehr schwierig und damit als nicht eigentlich kindgerecht. Muß es ein Deutsches Reitpony sein, wenn man auch sportliche Erfolge erzielen will?

Natürlich nicht, denn die Ponies von den Inseln werden schon viel länger im Sport eingesetzt und haben einige ganz beachtliche Erfolge erzielt:

Das wohl berühmteste Connemara-Pony bis zur heutigen Zeit dürfte Stroller gewesen sein. Mit seinen nur 145 cm Stockmaß errang er 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko unter seiner Reiterin Marion Coakes die Silbermedaille im Einzelspringen.

Nur ein Jahr später gelang ihm eine noch enormere Leistung: Stroller gewann das wohl schwerste Springen der Welt, das Hamburger Spring-Derby, und das auch noch mit null Fehlerpunkten! Das kleine Springwunder starb 1986 im Alter von 36 Jahren.
» Connemara-Pony

Puristen werden jetzt ankreiden, daß ich die Connemara-Ponies als Beispiel für ein Pony aus Großbritannien bringe, denn Connemara liegt in Irland und Irland ist seit Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine unabhängige Republik, aber das ist hier nicht der Punkt. Mit diesem Beispiel dürfte bewiesen sein, daß es an sportlich befähigten Ponies keinen Mangel gab. Daß deutsche Züchter deutsche Ponies auf den Markt bringen wollen, ist eine andere Geschichte. Daß sie damit auch sehr große Erfolge haben und den alten Rassen den Rang ablaufen, beweist zumindest die kaufmännische Überlegenheit der deutschen Zucht.




New Forest


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Askan, New Forest Hengst, 24 Jahre · Copyright wie angegeben
Askan, New Forest Hengst, 24 Jahre
Kein bißchen müde und schlapp · Copyright wie angegeben
Kein bißchen müde und schlapp
Der alte Herr auf Gestüt Warmenautal · Copyright wie angegeben
Der alte Herr auf Gestüt Warmenautal
Ein schicker Hengst mit toller Veranlagung · Copyright wie angegeben
Ein schicker Hengst mit toller Veranlagung
Connemara-Ponies sind recht groß und deshalb vielleicht immer noch nicht das richtige für die Familie mit jüngeren Kindern.

Sollte man sich vielleicht bei den Welsh-Ponies umschauen? Die kommen ja bekanntlich in verschiedenen Größen: A, B, C, D, Partbred. Aber die Eignung als Familienpferd ist ja nicht nur eine Frage der Größe, sondern vor allem des Charakters.

Neulich bin ich auf Ponies aufmerksam gemacht geworden, die vermutlich eine noch bessere Wahl darstellen, weil sie nämlich rassetypisch ausgesprochen umgänglich sind.

Als ich die Diplom-Sportwissenschaftlerin, Reitpädagogin (DKThR) und Motopädagogin (ak`M) Melanie Horstmann besuchte, auf dem Land in der Nähe von Spenge, einem kleinen Ort in Ostwestfalen, schwärmte sie von ihren New Forest Ponies.

Das seien die perfekten Familienpferde, wunderbar geeignet für Kinder und auch für Erwachsene, sportlich begabt, vielseitig einsetzbar, fleißig, lernbegierig, ehrgeizig.

Auf dem vom Vater ererbten » Gestüt Warmenautal züchtet sie nicht nur New Forest Ponies, sondern bietet vor allem Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten an.

Die New Forest Ponies eignen sich dafür besonders gut, weil sie relativ zierlich und besonders kinderfreundlich sind. Als Beweis stellte sie mir ihren ältesten Deckhengst Askan vor, der keinerlei Probleme im Umgang macht. Das war aber nicht der Grund, warum sie zu den New Forest-Ponies gekommen ist. Melanie Horstmann ist als Jugendliche auf einen Reiterhof gefahren und hat sich dort in ein Pony verliebt, das zufällig dieser Rasse angehörte.

So fing es an, wie bei so vielen Familien - der Vater kaufte ein solches Pony, und inzwischen gehört das Gestüt Warmenautal zu den Vorzeigebetrieben dieser Rasse. Seit 1989 besteht das Gestüt, und auch in diesem Jahr wird Melanie Horstmann die New Forest-Ponies wieder mit ihren Pferden und ihren Mitarbeitern auf der PFERD und JAGD in Hannover vorstellen. Über die Auftritte in den vergangenen beiden Jahre berichtet sie auf ihrer Homepage:



Öffentlichkeitsarbeit


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PFERD UND JAGD 2005
25 Jahre PFERD & JAGD in Hannover
Ponys aus dem Warmenautal wieder dabei!

Zum Jubiläum kamen rund 75.000 Gäste auf das Hannover Messegelände, um sich bei über 650 Ausstellern aus 17 Nationen zu informieren, zu schauen und zu kaufen.

Rekordverdächtig war in diesem Jahr die schon traditionelle Präsenz der New Forest Ponys auf der Pferd und Jagd in Hannover. Insgesamt 11 Ponys präsentieren ihre Rasse täglich in der Showarena vor bis zu 5000 Zuschauern.

Aus dem Warmenautal waren Amelie mit Melanie Patzek, Manitu mit Ina Brune, Heart Sun mit Frauke Lück und Mescalero mit Melanie Horstmann vertreten. Unter dem Motto "Robin Hood" zeigten die Reiter die Vielseitigkeit ihrer Ponys in einer kurzen Geschichte.

Obwohl der Sheriff von Nottingham und sein Gefolge unter einem Schwungtuch einen Hinterhalt plante, und ihm die Hexe mit ihrem Hexenlehrling in half, um die schöne Marianne in ihrem Damensattel von ihrem Vater dem König zu entführen, gab es doch ein Happy End.

Denn Robin Hood eilte mit seinem Gefolge herbei, musste Hindernisse aus Feuer überwinden, wurde einer Trense beklaut und konnte nur noch mit Halsring weiterreiten und mit dem Schwert kämpfen, bis er schließlich Marianne aus den Fängen des Sheriffs retten konnte.
» Gestüt Warmenautal

Mescalero ist einer der drei Deckhengste des Gestüts, vorgestellt als
  • geb. 24.05.90, 146 cm, HLP-Sieger Mü.-Han. `94 mit einem Index von 140, Landeschampion `95 u. `96.
Der zweite, Granat, wird charakterisiert als
  • geb. 12.03.83, 145 cm, bewährtes Schulpony, Therapiepony, bewährter Vererber und Schatz der Familie.
Und der dritte, Askan, als
  • geb. 03.04.82, 139 cm, Vererber vieler St.Pr.St., erfolgreiches Showpony auf Equitana, Pferd und Jagd,etc.

PFERD UND JAGD 2004
Zum Gelingen der Präsentation der New Forest Ponys auf der Pferd und Jagd trugen auch Reiter und Ponys aus dem Warmenautal bei.

Täglich präsentierten Granat, Amelie und Mescalero in der Showarena die Vielseitigkeit und Gelassenheit der New Forest Ponys, im Springen über Fackeln, in Dressurlektionen und als schwarze Reiter in einer Quadrillie zur Herr der Ringe Musik.

Besonders die Präsentation des Therapeutischen Reitens von 2 Kindern aus dem Warmenautal begeisterte die Zuschauer in der voll besetzten Show Arena für die Gutmütigkeit der New Forest Ponys.

Zu einem besonderen Erlebnis wurde das Wochenende für Max Essenberger und Lisa Kornfeld, die auf Granat ihr Können im Therapeutischen Reiten vor der voll besetzten Show Arena präsentieren durften.

"Es ist unglaublich die Entwicklung der Kinder durch das Therapeutische Reiten bei uns zu Erleben und dann mit einem solchen Erlebnis krönen zu Können. An diesem Wochenende haben sich 'ihre' Ponys wieder einmal als verlässliche Partner gezeigt." resümiert Melanie Hagemeier, Leiterin des Therapeutischen Reitens im Warmenautal.
» Gestüt Warmenautal

Zum Verständnis: Im Jahre 2004 hieß Melanie Horstmann noch Melanie Hagemeier.



Therapie


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Zur Zeit beschäftige ich mich mit meiner Promotion zum Thema Effektivität des Heilpädagogischen Reiten an der Universität Osnabrück. Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen, da diese einmalige Therapie - auch in Zeiten von Sparmaßnahmen – mehr Anerkennung verdient. Aus diesem Grund lege ich bei meiner Arbeit großen Wert auf Dokumentation, und die eigene qualifizierte Ausbildung beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten, denn "Reitpädagoge" ist kein geschützter Begriff. [...]

Die Inhalte der Übungen und Spiele mit dem Pony haben das Ziel, die Fähigkeiten der Kinder zu stärken und nicht nur sogenannte Defizite zu bearbeiten. Die Kinder können durch die Übungen in ihrer Kompetenz, bis hin zum selbstständigen Reiten, gefördert werden. Dabei wird die einzigartige Wirkung des Pferdes auf den Menschen genutzt.
» Gestüt Warmenautal

Die Wirkung des Pferdes auf den Menschen - das klingt so einfach und so schön. Auf viele Menschen wirken Pferde einfach angsterregend, und tatsächlich können Pferde ja auch sehr unangenehm werden, mitunter sogar gefährlich. Diese Aussage kann man also nicht verallgemeinern. Nicht jedes Pferd ist als Therapiepferd geeignet. Normalerweise müssen Therapiepferde sorgfältig ausgebildet werden.

Dabei kommt es sicher auch auf den besonderen Charakter des Pferdes an - wenn aber die Gutmütigkeit schon eine Rasseeigenschaft ist, hat man es mit der Ausbildung wesentlich leichter. Die rassetypischen Eigenschaften sind laut Gestüt Warmenautal: "gutartig, ruhig, unkompliziert, mutig, lernfreudig, zuverlässig, ausgeglichenes Temperament, trittsicher, springfreudig, leichtrittig".

Die sportlichen Ambitionen sind aber ebenso rassetypisch und werden vom Gestüt Warmenautal gleichermaßen gefördert:

DEUTSCHE MEISTERSCHAFTEN 2005
Auf den Deutschen Meisterschaften der New Forest Ponys ist ein Sohn von Mescalero Deutscher Meister in der Dressur geworden! Am 07.05. 2005 fand in Elmshorn zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft der New Forest Ponyreiter statt.

Die Deutschen Meister in der Dressur der Klasse L, Ginny Brenneke mit ihrem 9-jährigen Wallach Mysterious Fighter von Mescalero, brillierten in ihrer Vorstellung und wurden vom begeisterten Publikum mit reichlich Applaus belohnt. Dieser Meinung waren auch die Richter und belohnten den Ritt mit der mit Abstand höchsten Note in dieser Prüfung.

HENGSTVORSTELLUNG VERDEN 27.02.05
Auch in diesem Jahr werden wir wieder auf der Zentralen Hengstvorstellung zu sehen sein. Mescalero wird in M-Lektionen einzeln vorgestellt und Romeo wird in der Verkaufsvorstellung über Fackeln springen...!
» Gestüt Warmenautal

Wie aber kam es zu diesen Rasseeigenschaften? Wo kommen die New Forest-Ponies her? Und wo gehen sie hin? Der Name deutet es schon an: Sie kommen aus dem Wald, aus dem neuen Wald.

Wie der größte Teil Englands war auch der New Forest ursprünglich bewaldet, wurde aber bereits zur Stein- und Bronzezeit partiell gerodet, um das Gebiet landwirtschaftlich zu nutzen. Die schlechte Qualität des Bodens führte aber dazu, dass sich das Land in eine Heidelandschaft verwandelte.

1079 wurde der New Forest von Wilhelm I. von England zum königlichen Wald für die Hirschjagd erklärt. Erstmalig erwähnt wird er als "Nova Foresta" im Domesday Book von 1086. Die Einwohner von 66 Ortschaften wurden vertrieben. Wilhelms Nachfolger, William Rufus starb bei einem myseriösen Jagdunfall am 2. August 1100 im New Forest. Der vermutliche Unfallort ist heute durch einen Stein markiert, den man unter dem Namen Rufus Stone kennt. Noch heute gehören rund 90 Prozent des New Forest der englischen Krone. Seit 1923 wird Ihrer Majestät Land durch die Forestry Commission (Forstamt) verwaltet. Etwa 50 Prozent des königlichen Landes liegen innerhalb des neuen Nationalparks.
» New Forest

Zu diesem Wald gehörte allerlei Wild, u. a. auch Pferde - aus denen die heutigen New Forest-Ponies entstanden. Der Begriff Pony tauchte erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in schottischen Urkunden auf.



Wilde Mischung


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New Forest-Pony im New Forest,  CC SA · Copyright wie angegeben
New Forest-Pony im New Forest, » CC SA
New Forest-Ponies auf der Straße in Lyndhurst, der "Hauptstadt" des New Forest<br>Jaakko Sakari Reinikainen  GNU FDL · Copyright wie angegeben
New Forest-Ponies auf der Straße in Lyndhurst, der "Hauptstadt" des New Forest
Jaakko Sakari Reinikainen » GNU FDL
Die New Forest-Ponies leben auch heute noch, sofern sie nicht von Züchtern in England außerhalb der Stammgebiets oder sonst in Europa, Amerika oder Australien gehalten werden, ganzjährig frei in dem Gebiet, nach dem sie benannt sind. Man könnte sie also für Wildpferde halten, aber das wäre verfehlt.

Ob es überhaupt noch Wildpferde im eigentlichen Sinne gibt, ist durchaus strittig. Auch die » Dülmener Wildpferde werden durch den gezielten Einsatz von Hengsten züchterisch beeinflußt. Der Vergleich mit der 350 Hektar großen » Wildpferdebahn ist durchaus interessant. Der » New Forest ist mit etwa 300 Quadratkilometern fast hundertmal so groß und beherbergt etwa zehnmal soviel Pferde, nämlich ungefähr 3000.

Diese gehören nicht einem einzigen Besitzer, etwa dem Königshaus, wie das Land, sondern fast 1000 Bauern, die den Wald auf vielfältige Weise nutzten und weiterhin nutzen:

Die New-Forest-Gesetze wurden zum Schutz des Gebietes als königliche Hirschjagd erlassen - und Vergehen an den königlichen Hirschen oder ihrem Futter wurden streng bestraft.

Im Laufe der Zeit erhielten die Bewohner spezielle Rechte gewährt: Weiderechte für Ponys, Rinder, Esel (und früher auch Schafe), Holz sammeln, Farn schneiden als Einstreu (ab 29. September), Torf stechen, Lehmabbau und Schweinemast mit Eicheln und Bucheckern zwischen September und November.
» New Forest

Jeder dieser Besitzer hat sein eigenes Brandzeichen, alle Pferde sind registriert. Ähnlich wie in Dülmen werden jedes Jahr die Pferde zusammengetrieben, um die etwa 1000 Fohlen zu brennen und zu entwurmen, einzutragen und gegebenenfalls zum Verkauf freizugeben.

Es gibt sehr viele Zeugnisse seit frühester Zeit, die belegen, daß immer versucht wurde, mit züchterischen Mitteln Einfluß auf die Entwicklung der Pferde zu nehmen, zum Beispiel indem man Hengste der unterschiedlichsten Rassen in dieses Gebiet entließ, meistens mit dem Ziel, die Pferde größer werden zu lassen.

Manchmal wurden ausgesuchte Hengste auch in Gestüten gehalten und diesen dann ausgesuchte Stuten zugeführt. So war etwa der Vollblüter Marske, Vater des legendären Eclipse, 1765-1768 im Waldeinsatz, hat aber wohl insgesamt keinen Einfluß ausgeübt, weil seine Nachkommen verkauft wurden und nicht im Wald verblieben.

Da man im Laufe der Jahrhunderte Hengste unterschiedlichster Rassen beigemischt hatte, ergibt sich bis heute eine große Bandbreite der äußeren Erscheinung. So gibt es noch immer keine offizielle Mindestgröße.

Die charakterlichen Eigenschaften, für die die New Forest-Ponies schon in früheren Jahrhunderten berühmt waren, weswegen man sie vornehmlich als Wagenpferde oder Reitpferde für Damen einsetzte, stellen jedoch eine ganz wesentliche Eigenart dar, auf die extremen Wert gelegt wird.

Vor etwa einem Vierteljahrhundert stellten sich bei Nachkommen eines bestimmten Hengstes in den Niederlanden charakterlichen Mängel ein, die dann zu einer Untersuchung führten, als deren Ergebnis sich dann herausstellte, daß der betreffende Hengst vertauscht worden war. Sämtliche Nachkommen des falschen Hengstes wurden nachträglich aus der Zucht herausgenommen.

Die Zuchtpolitik wird inzwischen zentral von England aus gesteuert (» The New Forest Pony Breeding and Cattle Society). Die deutschen Zuchtverbände richten sich strikt danach aus; Einzelheiten können dort nachgelesen werden, zum Beispiel im » Zuchtprogramm für die Rasse des New Forest Pony. Naturgemäß werden die Anforderungen immer komplexer und schärfer, die Leistungsanforderungen immer anspruchsvoller. Auch bei den New Forest-Ponies wird die sportliche Herausforderung als Maßstab für den Zuchtfortschritt benutzt und sportlicher Erfolg als Qualitätsnachweis eingestuft.

Darüberhinaus ist es jedoch vor allen Dingen die Nervenstärke und Unerschütterlichkeit, mit der die New Forest-Ponies beeindrucken. Möglicherweise ist dies heutzutage auch darauf zurückzuführen, daß sich die Pferde frei im Straßenverkehr bewegen und ganz junge Fohlen schon direkt am Straßenrand schlafen, ohne sich von Autos und Lastwagen irritieren zu lassen. Wie auch immer: Diese Ponies haben besondere Qualitäten, die sie als Familienpferde prädestinieren.



Quellen / Verweise


  1.  Sigurbjörn Barðarson Diddi
  2.  Landsmót, isländisches Pferdefestival
  3.  Slowenien und die Islandpferde
  4. » Connemara-Pony
  5. » Gestüt Warmenautal
  6. » New Forest
  7. » Dülmener Wildpferde
  8. » Wildpferdebahn
  9. » The New Forest Pony Breeding and Cattle Society
  10. » Zuchtprogramm für die Rasse des New Forest Pony
  11. » Interessengemeinschaft New Forest Pony Deutschland e.V.



Fotos

Copyright wie angegeben  Werner Popken, falls nicht anders angegeben




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Rasseportrait Zum Thema New Forest · Gesamttext
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©1999-2006 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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