|  | Dressur pervers Anky van Grunsven im Visier |  |  |  |
Zwei Weltmeisterschaften in unserem Lande - Fußball und Pferdesport. In beiden Fällen haben wir uns als Gastgeber bewährt und auch sportlich anständig geschlagen. Was im Falle des Pferdesportes etwas untertrieben ist. Auf jeden Fall: Friede - Freude - Eierkuchen.
Das war im letzten Jahr anders. Erinnern Sie sich noch? Es ist alles so kurzlebig! Kaum sind die Weltmeisterschaften vorbei, sind auch die Bundeschampionate vorüber. Ein Ereignis jagt das andere. Was war nochmal im letzten Jahr? Ach ja, die Europameisterschaften, die eigentlich in Moskau hätten stattfinden sollen und dann kurzfristig ebenfalls in unser Land verlegt wurden. Eigentlich ein Unding, drei Wochen vorm Termin! Und erwartungsgemäß wieder eine unglaubliche organisatorische Leistung - die Europameisterschaften in Hagen am Teutoburger Wald. Tolle Kerle, die Deutschen! Die bringen's wirklich.
Und abermals haben die deutsche Sportler sich grandios geschlagen, die deutsche Dressurmannschaft hat die Goldmedaille gewonnen, obwohl die Niederländer sich diesmal gute Chancen ausgerechnet hatten und » Anky van Grunsven die Einzelgoldmedaille gewonnen hat, was niemanden überraschte.
Überrascht waren alle vom Vorstoß des Traditionsmagazins » St. Georg, das in einem reißerischen Artikel "Dressur pervers" bestimmte Trainingsmethoden angriff, die vornehmlich von den Niederländern angewandt werden (Abbildung in » Rollkur). Deren Nationaltrainer Sief Janssen bildet Pferde nämlich anders aus als vorgeschrieben und hat damit auch noch großartige Erfolge erzielt.
Anky van Grunsven als Erste unter den niederländischen Sportlern und Ehefrau des Nationaltrainers fühlte sich zu Recht besonders angegriffen und empfand vor allen Dingen den Zeitpunkt der Veröffentlichung kurz vor den Europameisterschaften als Affront, geeignet, sie aus dem Konzept und um ihre Medaillenchancen zu bringen.
| Anlaß für ihre Empörung war ein Artikel der Fachzeitschrift "St. Georg", der die Ausbildungsmethoden der Weltranglistenersten und ihrer Teamkollegen als tierquälerisches Verhalten geißelt und van Grunsven weitschweifig mit Elektroschockern und Wasserentzug in Verbindung bringt, vor allem aber die Reitweise der Niederländer anprangert, die ihre Pferde während des Trainings phasenweise mit extrem eng an die Brust geführtem Kopf reiten. » Ärger für Europameisterin Anky van Grunsven | | |
Die St. Georg hatte den Zeitpunkt natürlich überlegt gewählt. Wenn man Aufsehen erregen will, muß man die Umstände sorgfältig berücksichtigen. Das Konzept ist aufgegangen. Die St. Georg hat sich mit diesem Coup wieder in den Vordergrund gespielt. Die ganze Welt ist erneut auf dieses Magazin aufmerksam geworden und hat das Thema begierig aufgegriffen. Selbst heute noch, ein Jahr später, bietet die Internetpräsenz der St. Georg einen besonderen Menüpunkt mit dem Titel "Dressur pervers" - den einzigen, der sich auf einen inhaltlichen Beitrag bezieht.
Dabei hatte eine junge Schwedin die Sache ins Rollen gebracht, weil sie Aufnahmen von einem Turnier in Norwegen auf ihrer privaten Internet-Seite veröffentlicht hatte (» Theresa Sandin). Dagegen ist Sief Janssen vehement vorgegangen, hat sie bedroht - die Einzelheiten hat die St. Georg in ihren Artikel eingearbeitet und sich ausdrücklich auf diese Internetpublikation berufen.
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