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Bericht Zu den Themen Auswanderung, Frauen, Kaltblüter, Lebensgeschichte, Zucht · Üble Nachrede
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 381.06 der Pferdezeitung vom 16.07.06
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Die Travellers sind aus verschiedenen Gründen sehr unbeliebt. So sollen sie unsauber sein, Dreck hinterlassen, betteln, lügen, stehlen, betrügen, saufen, raufen, ihre Frauen verprügeln, grausam zu Tieren sein, stockkatholisch und was nicht noch alles. In einer Diskussion fand ich die Bemerkung eines Iren, daß alle diese Eigenschaften absolut typisch irisch seien. Insofern seien die Tinker durch und durch Iren (» Irish travellers and their association with Roma Gypsies).

Im amerikanischen Internet finden sich konkrete Beschreibungen, wie einzelne Travellers vorgeblich Handwerksdienste anbieten und dabei ganz trickreich die Auftraggeber ausräubern (» Secret life ends for Irish Travelers). Ein Angehöriger der amerikanischen Travellers, der den Sprung in die Mehrheitsgesellschaft geschafft hat und versucht, Vorurteile aufzulösen, behauptet, daß es unter den Travellern auch nicht mehr kriminelle Elemente gibt als sonst in der Bevölkerung (» Travellers' Rest). Das ist sicher ein wichtiger Einwand, denn die Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen dient ja auch dem Zweck, eigene Schattenelemente auf diese zu projizieren.

Neben dieser Dämonisierung gibt es aber auch eine romantische Sicht auf die Travellers, von der die Tinker als Modepferde durchaus profitiert haben. Die fahrende Lebensweise ist keineswegs ohne Reiz für den seßhaften Bürger, der zumindest im Urlaub gerne den Caravan an seinen PKW hängt, um vorübergehend fahrendes Volk zu spielen.

In den letzten 20 Jahren ist die nomadische Lebensweise sogar ein wissenschaftliches Forschungsfeld geworden (» Commission on Nomadic Peoples). Man hat erkannt, daß Nomaden und Seßhafte sich in vielen Gegenden der Welt gegenseitig ergänzen und aufeinander angewiesen sind (» Nomaden und Sesshafte).

Die typischen Nomaden folgen ihren Herden auf den Wanderungen zu den Weidegründen, die Jahres zeitlich bedingt weit auseinanderliegen können (» Nomadismus; siehe auch » Transhumanz). Selbst in Frankreich gibt es in den Alpen noch diese Art von nomadischer Viehhaltung, wobei heute das Vieh nicht mehr auf die Alm getrieben wird, weil das zu anstrengend und risikoreich ist, sondern es wird mit Fahrzeugen dorthin gebracht (» Vercors). Auch diese Art des Transports wird für Nomaden in anderen Ländern zunehmend interessant.

Insbesondere die Wüstennomaden waren für unsere Kultur wesentlich. Sie haben uns nicht nur die vollblütigen Pferde geschenkt, sondern auch alle drei monotheistischen Religionen, die heute einen Großteil unserer Welt prägen. Im Gegensatz zu den Nomaden, die ihren Tieren folgen mußten, handelt es sich bei den fahrende Leuten um Handwerker und Händler, die jedoch gleichermaßen und auf ihre Weise die Gesellschaft, in der und von der sie lebten, ergänzt haben.

Aber auch unsere moderne Wirtschaftswelt kann nicht ohne Nomaden auskommen. Denn was sind Binnenschiffer anderes als Nichtseßhafte, die von Berufs wegen ständig unterwegs sind, und in gewisser Weise gehören die Kapitäne der Landstraße ebenfalls dazu. Angeblich soll es bald gar keine Seßhaften mehr geben, denn auch im normalen Wirtschaftsleben wird Mobilität verlangt, und es gibt bereits die Bezeichnung des Wirtschaftsnomaden, der für eine gewisse Zeit hier und für eine gewisse Zeit dort arbeitet, irgendwo auf der Welt, der infolgedessen nirgendwo zu Hause ist.

Aber Moment mal, höre ich den Einwand: Die Travellers halten doch alle zusammen, die bilden doch eine Gemeinschaft, während die modernen Wirtschaftsnomaden völlig vereinzelt sind. Ja und nein. Denn die Travellers scheinen nicht nur denen nicht zu trauen, die nicht zu ihnen gehören, sondern auch den anderen Travellers, die sie nicht weiter kennen. Das scheint einer der Gründe zu sein, warum sie bei jedem Zusammentreffen sofort die Verwandtschaftsverhältnisse zu klären versuchen und so eng untereinander heiraten (» The Irish Tinkers: The Urbanization of an Itinerant People). Und auch die Vorstellung von den engen Familienbindungen läßt sich nicht in jedem Fall aufrechterhalten, wie eine Feldstudie bewies. Die beschriebene Travellerfrau Nan hatte 18 Kinder bekommen und einige davon weggegeben (» Nan: The Life of an Irish Travelling Woman; siehe in beiden Fällen auch die Rezensionen).

Nun mag das aus Not geschehen sein. Vermutlich gibt es mehrere Regelkreise, die ineinander greifen, Armut, Trunksucht, Katholizismus, Isolation, Kriminalität, Krankheit, sozialer Druck usw. Diese Frau war zum Beispiel nach England gegangen und hatte als Hausmädchen für einen Major gearbeitet, was ihr trotz fehlender Lese- und Schreibkenntnisse ganz gut gelungen war. Sie wurde aber von ihrer Familie wieder nach Irland geholt, um verheiratet zu werden, was ihr anscheinend nicht gut gefallen hat, wogegen sie sich aber wohl nicht wehren konnte.






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