Einige der Pferde, die von weißen Siedlern gekauft worden waren, überlebten jedoch. 1937 interessierte man sich wieder für diese Pferde, 1938 wurde der Appaloosa Horse Club gegründet. Heute gibt es weit über eine Million Appaloosas, die damit zu den am stärksten verbreiteten Rassen dieser Welt gehören. Freilich werden sie von Weißen gezüchtet.
1995 haben die Nez Percé mit Hilfe von Regierungsinstitutionen und anderen ein neues Zuchtprogramm aufgelegt: » Nez Percé Horse. Es handelt sich um eine Mischzucht aus Appaloosa und Achal Tekkiner. Die Indianer wollen sich ihre Pferde wieder zurückerobern.
Wenn Amerikaner und Europäer den Travellers die Show stehlen und die Rasse Irish Cob oder Gypsy Horse oder wie auch immer etablieren - was werden die eigentlichen Züchter dieser Pferde tun? Werden sie sich anschließen und den schriftlichen Regeln beugen, oder werden sie sich schlicht nicht darum kümmern, wie bisher, oder werden sie diese Entwicklung als einen willkommenen Markt begreifen, den sie für sich ausnutzen, der aber ihre züchterischen Bemühungen in keiner Weise tangiert, indem sie die wirklich guten Pferde für sich behalten und der Welt das geben, was sie selbst nicht haben wollen, oder werden sie ihre Rasse aufgeben und möglicherweise eine ganz andere Zuchtrichtung auflegen?
Ich habe eine entsprechende Anfrage an die irische Pavee-Behörde gestellt, bisher aber keine Antwort bekommen. Laut Züchterin Caroline Neuenschwander ist das für Irland typisch. Ich müsse mich mindestens sechs Monate gedulden. Das ist für ein Wochenmagazin nicht akzeptabel, aber nicht weiter schlimm. Für Fans dieser Rasse sind alle diese Fragen ohnehin unerheblich, und die anderen können in Ruhe abwarten, wie sich das Geschehen entwickelt.
Da keine Gefahr besteht, daß die Pavees wie die Nez Percé enteignet werden, halte ich es für am wahrscheinlichsten, daß diese die geschäftlichen Möglichkeiten des Marktes nach Kräften nutzen werden. Dabei dürften durchaus auch interessante Exemplare der Rasse in den europäischen und amerikanischen Markt wandern. Ob sich dort ein einheitlicher Rassestandard etablieren wird oder möglicherweise mehrere parallele Entwicklungen entstehen, wie etwa hierzulande bei den Friesen, die mittlerweile mehrheitlich unter der Regie der Holländer stehen, wobei der ursprüngliche Zuchtverband der FN angeschlossen ist und sein eigenes Programm weiterverfolgt (wie verträgt sich das eigentlich mit den neuen EU-Richtlinien?), läßt sich derzeit vermutlich nicht abschätzen. Die Tatsache, daß das Stutbuch inzwischen der ECHA übergeben wurde, hat jedenfalls, wie zu erwarten, zu einiger Unruhe in den französischen, belgischen und holländischen Zuchtverbänden geführt, wie man in einschlägigen Internet-Foren nachlesen kann (» Grande nouvelle pour la race Irish Cob en France !).
Wer ein solches Pferd kaufen will, kommt ohnehin nicht darum herum, sich mit dem einzelnen Individuum und damit letzten Endes auch mit dem Züchter zu befassen. Schließlich kauft man keine Rasse, sondern ein Pferd, und man setzt sich mit diesen Pferd dann weiter auseinander. Was genau ist es nun, das diese Pferde vor allen anderen auszeichnet, die von Angehörigen einer uns im Grunde genommen schrecklich fremden Gesellschaft gezüchtet werden? Unabhängig von Äußerlichkeiten kommen wir nämlich immer wieder auf die geheimnisvollen "Zigeuner" zurück, die so besondere Pferde gezüchtet haben. Kann uns Caroline Neuenschwander etwas über diese unheimlichen, unbekannten Leute verraten?
Übersetzungen durch den Autor
Quellen / Verweise
Fotos
© Caroline Neuenschwander
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