
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 26 Von › Heidi Keppel
Im letzten Tipp habe ich über die Behandlung von Stuten nach Verletzungen während des Geburtsvorganges gesprochen, diese Woche möchte ich mich nun eingehender mit dem Abgang der Nachgeburt befassen, denn auch hierbei kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, welche im schlimmsten Fall sogar zum Tod der Stute führen können.
Die Ausstoßung der Nachgeburt sollte binnen kürzester Zeit erfolgen, idealerweise schon wenige Minuten bis zu einer Stunde nach der Geburt des Fohlens. Dauert dieser Vorgang länger als 2-3 Stunden, sollte unbedingt der Tierarzt verständigt werden, welcher medikamentös oder notfalls auch mit einem fachmännischen Eingriff dieses Problem aus der Welt schaffen kann. Keinesfalls sollte eine solche Hilfsmaßnahme aber von einem Laien durchgeführt werden, denn gerade nach einer Geburt ist die Gebärmutter der Stute besonders anfällig für Infektionen und auch Verletzungen.
Außerdem sollte der Ablösevorgang der Plazenta möglichst immer auf natürliche Weise den individuellen Gegebenheiten entsprechend erfolgen. Jeglicher manueller Zug an der heraushängenden Nachgeburt kann zu schweren Schäden an der Gebärmutter führen, weshalb auch das Darauftreten der Stute unbedingt vermieden werden sollte. Man erreicht dies, indem man entweder vorsichtig einen Knoten in die Nachgeburt macht oder diese mit einem Heuband hochbindet. Auf keinen Fall darf die Nachgeburt zerrissen und Teile davon entfernt werden, da diese erstens später auf ihre Vollständigkeit hin geprüft werden muss, und da zweitens das Gewicht der hängenden Nachgeburt den natürlichen Ablösevorgang bestmöglich fördert.
Vorbeugend und zusätzlich unterstützend kann der Besitzer des Pferdes auch noch einige sehr gut wirkende homöopathische Mittel verabreichen, welche die Loslösung der Nachgeburt vorantreiben und eine Reinigung der Gebärmutter bewirken. Um welche Arzneien es sich dabei handelt und in welcher Dosierung und Kombination sie angewandt werden sollten, habe ich bereits in meinen Tipps zur Zucht mit Freizeitpferden › Teil 14 näher beschrieben. Dort können Sie auch nachlesen, welche Homöopathika zum Einsatz kommen können, wenn eine Nachgeburtsverhaltung bereits erste krankhafte Veränderungen hervorgerufen hat.
Bei zu langem Verbleib der Nachgeburt in der Gebärmutter kann es nämlich zur Gebärmutterentzündung bzw. zu Fäulnisprozessen kommen, welche bei nicht rechtzeitiger Behandlung zu einer den ganzen Organismus betreffenden und somit lebensgefährlichen Blutvergiftung oder auch zur gefürchteten Hufrehe, der so genannten Geburtsrehe, führen können.
Da solche Erkrankungen auch schon dann entstehen können, wenn nur kleine Teile der Plazenta an der Gebärmutter haften bleiben, ist es ganz wichtig, dass die Nachgeburt nach ihrer Ablösung auf dem Boden ausgebreitet und genauestens untersucht wird, um ein Fehlen einzelner Teile rechtzeitig zu bemerken. Ist man sich als Laie bei der Beurteilung nicht sicher, sollte unbedingt ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Eine sehr gute Methode der Untersuchung besteht darin, die Nachgeburt vorsichtig mit Wasser aufzufüllen, da sich hierbei auch kleinere Löcher sehr schnell bemerkbar machen. Falls die nötige Begutachtung aus irgendwelchen Gründen nicht sofort durchgeführt werden kann, muss die Nachgeburt in einem verschlossenen Behälter aufbewahrt werden, damit sie nicht womöglich in einem unbeobachteten Augenblick der Fressgier von Hunden oder Katzen zum Opfer fällt.
Betrachtet man die ausgebreitete Plazenta, so entspricht diese den Konturen der Gebärmutter mit dem schlauchförmigen Uteruskörper und den beiden typisch geformten Uterushörnern, wobei sich das nichtträchtige Horn durch seine geringe Größe und seine aus Furchen und Ausbuchtungen bestehende Oberfläche deutlich vom ausgedehnten Horn, in welchem das Fohlen heranwuchs, unterscheidet. All diese Strukturen sollten - bis auf den großen Riss, durch den das Fohlen austrat - vollständig und lückenlos vorhanden sein.
Um eine bessere Beurteilung der Nachgeburt vornehmen zu können, würde ich auch jedem Hobbyzüchter empfehlen, sich den anatomischen Aufbau der Gebärmutter der Stute in einem veterinärmedizinischen Fachbuch genauer anzusehen, wobei die Hinzuziehung eines Tierarztes nie schaden kann, da dieser anhand von Größe, Gewicht und Farbe der Plazenta auch noch andere wichtige Rückschlüsse bezüglich der Geburt und Prognosen für die weitere Fruchtbarkeit der Stute aufstellen kann.
Damit hätten wir eine sehr wichtige Komplikation in der Nachgeburtsphase besprochen, das nächste Mal wenden wir uns dann der Milchproduktion und den dabei möglicherweise auftretenden Problemen zu.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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