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Bericht Zum Thema Politik · Führer
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Grandville: Der Rat der Houyhnhnms · Copyright wie angegeben
Grandville: Der Rat der Houyhnhnms
An dieser Stelle muß ich aber eine wichtige Unterscheidung einführen, um die Gedankengänge von Marjorie Smith in das richtige Licht zu rücken. Zunächst fallen allgemein die Parallelen zwischen der Kommunikation von Individuen auf, von Pferd und Mensch bzw. Mensch und Mensch. Deshalb gibt es eine ganze Reihe von Pferdeflüsterern, Monty Roberts inklusive, die Kurse für Manager geben, um deren zwischenmenschliche Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und letzten Endes deren Effizienz zu erhöhen.

Manager sind durch ihre Rolle in einer überlegenen Position, müssen diese aber überzeugend ausfüllen. Idealerweise sollten es die Untergebenen lieben, für ihren Vorgesetzten zu arbeiten und ihr Bestes zu geben, aber nur allzu oft gehen sie in stille Opposition und hintertreiben deren Absichten - ganz wie in der Pferdegesellschaft, wo der Führer, der die "Boß-Position" einnimmt, ungeliebt ist und die Gefolgschaft der Herde nur notgedrungen geleistet wird.

Ich weiß nicht, wie Manager im einzelnen von Pferdeflüsterern trainiert werden, aber offensichtlich ist, daß die Beziehung zwischen Vorgesetztem und Untergebenem die kleinste Einheit ist, die im Rahmen eines Unternehmens größere Dimensionen annimmt und auf die Gesellschaft insgesamt übertragen werden kann und muß, letzten Endes sogar auf die gesamte Welt. Dieser Schluß aber ist bisher nach meiner Kenntnis noch nirgendwo gezogen worden. Außer bei Marjorie Smith. Mehr noch: Marjorie Smith sieht die Beziehungen zwischen oben und unten nicht als naturgegeben und wertfrei, sondern sie wertet sie politisch.

Die Begriffe "oben" und "unten" sind für menschliche Gesellschaften genauso anwendbar wie für Pferdegesellschaften. An Pferdegesellschaften lernen wir, daß an sich nichts Böses an einer solchen hierarchischen Ordnung ist. Im Gegenteil, die Autorin hat das sehr deutlich herausgearbeitet und ich wiederhole es hier noch einmal: Pferde brauchen anscheinend unbedingt jemanden oben, und den meisten Pferden ist es egal, an welcher Stelle der Hierarchie sie stehen, wenn sie nur wissen, welche Stelle es ist.

Möglicherweise ist das bei Menschen ebenso. Das würde jedenfalls die enorme Anziehungskraft von Führungspersönlichkeiten erklären, selbst wenn diese klar erkennbar nicht die nötigen Eigenschaften mitbringen. Beispiele aus der Geschichte gibt es zuhauf, und Historiker haben sich jahrhundertelang den Kopf zerbrochen, wie die unbedingte und leidenschaftliche Hingabe der Geführten oder Verführten an ihre Verführer und Verderber erklärbar ist.

Außerdem betont sie, daß Pferde, denen es wichtig ist, oben zu sein, die schlechteren Führer sind, weil ihre Führungsmethoden unangenehme Folgewirkungen in der Herde haben, während Pferde, die in eine solche Führungsposition "gewählt" werden, umgekehrt ausgeglichene Verhältnisse in der Herde bewirken. Nicht jeder Pferdebesitzer wird in der glücklichen Lage sein, solche Beobachtungen selbst gemacht zu haben; deshalb hier ein kurzer Einschub, auch als Erinnerung, denn ich habe an verschiedenen Stellen immer wieder auf diese Erlebnisse hingewiesen:

Zeit ihres Lebens bei uns habe ich mich immer über die noble Persönlichkeit unserer "erwählten" Leitstute  Cara gewundert und gefreut und fast ein ganzes Jahr lang die verzweifelten Versuch einer anderen Stute beobachten können, die ihr als "Boß" den Rang streitig machen wollte und damit keinen Erfolg hatte. Cara hat niemals auch nur den Ansatz erkennen lassen, sich auf einen Kampf einzulassen. Sie hat ihren Platz geräumt, aber die anderen Pferde haben immer nur sie anerkannt und nicht die Herausforderin; es gab nie auch nur einen Zweifel daran. Die Unruhe, die diese in die Herde gebracht hat, war allerdings für alle äußerst ungesund. Wir haben sie schließlich entfernen müssen.

Kennen Sie ein Beispiel aus der Geschichte, wo ein Tyrann und Diktator sein Volk glücklich gemacht hätte? Ich nicht. Wissen Sie, wie solche Episoden notwendigerweise ausgehen? Soweit ich sehen kann, entweder durch Mord oder natürlichen Tod des Diktators, wobei sich anschließend die Frage stellt, ob jemand anders sich in derselben Rolle aufschwingen will und kann, oder ob das Volk genug hat von den ungesunden Verhältnissen und Anstrengungen unternimmt, andere Strukturen einzuführen, die eine bessere Aussicht auf ein angemessenes Leben versprechen.

Selbstverständlich bedarf es nicht erst eines notorischen Tyrannen, um diese Frage zu stellen. Auch in Demokratien gibt es ungesunde Verhältnisse, genauso wie in vielen Unternehmen. Kann man mit den Methoden eines Pferdeflüsterers ein ungesundes System gesunden lassen? Sicher nicht, wenn man zu den grundlegenden politischen Einsichten überhaupt nicht durchgedrungen ist. Dann würde man allenfalls Hilfestellung zur Stabilisierung des korrupten Systems leisten. In vielen, wenn nicht den meisten Fällen wird gar nichts anderes gefragt sein.






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